Einen GmbH-Verkauf optimieren kann man am besten durch eine Umwandlung in ein Personenunternehmen. Denn davon profitieren sowohl Verkäufer als auch Käufer. Verkäufer können hierbei den sogenannten halben Steuersatz anwenden, den man ab einem Alter von 55 Jahren einmalig einsetzen darf, um die Steuer auf solche Veräußerungsgewinne deutlich zu reduzieren. Käufer wiederum profitieren von der Möglichkeit der Abschreibung, die sie für die erworbenen Wirtschaftsgüter in den folgenden Jahren ansetzen dürfen. Auch sie sparen somit erheblich an Steuern. Allerdings ist dafür eine gewisse Vorausplanung erforderlich. Denn die Umwandlung bedingt eine Sperrfrist von fünf Jahren. Findet der Verkauf innerhalb dieser Sperrfrist dennoch statt, fällt nämlich Gewerbesteuer an.

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Unser Video: GmbH-Verkauf für Verkäufer und Käufer optimieren

In diesem Video erklären wir, wie die Umwandlung einer GmbH in eine Personengesellschaft Steuervorteile für beide Kauparteien generiert.

Inhaltsverzeichnis


1. GmbH-Verkauf optimieren – Einleitung

Sie sind eher die Regel als die Ausnahme: erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer, die am Ende ihres Unternehmertums darüber nachdenken, wie ein Leben nach all den aufreibenden Jahren wohl sein könnte. Schließlich sollte man sich irgendwann einmal die Zeit nehmen, um den eigenen Erfolg, auch den finanziellen, zu genießen. Man gönnt sich mehr Freizeit, mehr Freiheiten, und merkt schnell, es ist Zeit, loszulassen. Wenn da kein Nachkomme und auch kein anderes Familienmitglied die eigene Firma weiterführen möchte oder kann, ist der Verkauf die logische Alternative. Danach kann der wohlverdiente Ruhestand endlich beginnen.

GmbH-Gesellschafter werden in diesen Überlegungen allerdings mit einer unbequemen Wahrheit konfrontiert. Denn so praktisch und vorteilhaft eine GmbH als Rechtsform ihrem Unternehmen in all den Jahren treu gedient hat, erweist sie sich beim GmbH-Verkauf nun als Hindernis, das man optimieren sollte. Genau darüber wollen wir Sie nun hier informieren.

2. GmbH-Verkauf optimieren? Warum?

Es gibt zwei klassische Wege, um eine GmbH zu verkaufen, den Share Deal und den Asset Deal. Beim Share Deal verkauft man die Anteile an der GmbH. Auf diese Weise wird der Käufer neuer Anteilseigner. Die GmbH kann unverändert und vom Kaufvorgang unbeeinflusst fortbestehen. Beim Asset Deal findet streng gesehen kein GmbH-Verkauf statt. Vielmehr erwirbt ein Käufer nur die Wirtschaftsgüter der GmbH, während die GmbH nominell weiterhin dem ursprünglichen Gesellschafter zuzuordnen ist, denn er ist ja auch nach dem Kaufvorgang immer noch ihr Gesellschafter. Deshalb gehen nach einem Asset Deal die Gesellschafter oftmals einfach hin und liquidieren ihre nun leere, weil inhaltslose, GmbH. Oder sie verkaufen sie als Vorratsgesellschaft an Gründer, die eine bereits fertig eingerichtete GmbH einer eigenen Neugründung aus praktischen Gründen vorziehen.

Beide Varianten, Share Deal und Asset Deal, haben ihre Vor- und Nachteile. Einerseits ist der Share Deal für den Verkäufer vorteilhaft. Denn der Gewinn aus dem GmbH-Verkauf ist mit etwa 28 % zu versteuern, was man kaum noch optimieren kann. Gleichzeitig hat der Käufer aber den Nachteil, dass der Erwerb der Beteiligungen keine Abschreibung auf den Firmenwert zulässt. Dies ist nämlich der große Vorteil des Asset Deals, den Käufer beim Erwerb der einzelnen Wirtschaftsgüter erhalten können. Als Verkäufer hat man aber dabei das Nachsehen, weil man dann den Gewinn derart versteuern muss, dass am Ende nur die Hälfte übrig bleibt. Den Rest holt sich der Fiskus.

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3. Optimieren Sie ihren GmbH-Verkauf mittels Umwandlung

Daher empfehlen wir, die GmbH vor dem Verkauf in ein Personenunternehmen umzuwandeln. Das kann eine OHG, eine KG oder sogar ein Einzelunternehmen sein. Denn der Verkauf eines Personenunternehmens ist in dieser Situation dem GmbH-Verkauf steuerlich überlegen. So fallen zwar regulär Steuern mit einem Steuersatz von bis zu 45 % an, doch da wir in unserer Ausgangslage davon sprachen, dass man aus Altersgründen das Unternehmen abtreten möchte, kann man hier eine Sonderregelung im deutschen Einkommensteuerrecht beanspruchen, den sogenannten halben Steuersatz nach § 34 EStG. Der Bezeichnung nach könnte man meinen, dass dann nur die Hälfte an Steuern anfällt, doch findet seit einigen Jahren keine Halbierung des Steuersatzes mehr statt. Allerdings ist eine Minderung des anwendbaren Steuersatz auf 56 % des eigentlich anzuwendenden Tarifs immer noch sehr reizvoll.

Wer beispielsweise eigentlich mit einem Durchschnittssteuersatz von 30 % zu rechnen hatte, zahlt nun nur noch knapp 17 % an Steuern. Selbst wenn man mit dem Reichensteuersatz rechnet und die Berechnung des Durchschnittssteuersatzes ignoriert, kommt man auf einen phantastischen Wert von 25 %.

Und das ist nur der Vorteil, den man als Verkäufer nutzen kann. Wie wir aber bereits angemerkt hatten, kommt auch der Erwerber in den Genuss eines besonders verlockenden Steuervorteils. Denn die Abschreibung der Anschaffungskosten, die man im Nachgang des Erwerbs über die Nutzungsdauer verteilt erreicht, kann man kaum überhöht herausstreichen. Darüber freut sich jede Unternehmerin und jeder Unternehmer.

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Fachberatung für steueroptimierte Unternehmenstransaktionen

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4. GmbH-Verkauf optimieren: die Voraussetzungen

4.1. Ziel-Rechtsform der Umwandlung

So schön und verlockend diese Vorteile auch sein mögen, man muss sie sich erst zurechtlegen. Was meinen wir damit? Nun, da wäre zunächst einmal die Umwandlung. In der Regel bevorzugen wir hierfür eine GmbH & Co. KG, weil sie in ihren Eigenschaften von allen Personengesellschaften die meisten Vorteile mit der GmbH teilt, insbesondere den Ausschluss einer Haftung mit dem Privatvermögen.

4.2. Zeitliche Aspekte zur Umwandlung

Dann müssen wir unbedingt auch über den Zeitpunkt der Umwandlung sprechen. Denn dieser sollte mindestens fünf Jahre vor dem Verkauf erfolgen. Zwar kann man eine derartige Umwandlung auch acht Monate rückwirkend durchführen, doch muss man hierfür ebenfalls einige Vorarbeiten in einem strammen Zeitplan erledigen. Die fünf Jahre, die dem GmbH-Verkauf vorangehen sollten, sind darin begründet, dass ansonsten auf den Gewinn auch noch Gewerbesteuer anfällt. Es wäre doch schön, wenn wir dies vermeiden könnten.

4.2. Bedingungen zur Gewährung des halben Steuersatzes

Und schließlich müssen wir – pardon – auch über Ihr Alter zum Zeitpunkt des Verkaufs sprechen. Denn der halbe Steuersatz steht Ihnen erst ab dem 55. Lebensjahr zu. Alternativ kann der halbe Steuersatz gewährt werden, wenn Antragsteller nachweisen, dass sie im Sinne des Sozialgesetzbuchs dauerhaft erwerbsunfähig sind. Außerdem kann man den halben Steuersatz nur einmal im Leben und nur für einen Unternehmensverkauf beantragen. Wenn man also mehrere Unternehmen zu verkaufen plant, sollte man sich zuvor genau überlegen, bei welcher Transaktion der halbe Steuersatz den größten finanziellen Nutzen bringt. Weiterhin ist der halbe Steuersatz nur auf einen Gewinn von bis zu EUR 5 Millionen anwendbar. Und schließlich ist noch eine Einschränkung zu erwähnen. Denn für die Besteuerung besteht ein unteres Limit für den anzuwendenden Steuersatz: er beträgt 14 %. So viel Steuern muss man also mindestens zahlen.

Schon allein aufgrund der einmaligen Anwendbarkeit raten wir Ihnen, sich vorher mit einem auf dem Gebiet der Unternehmenstransaktionen bewanderten Steuerberater zusammenzusetzen, um alle Aspekte und Eventualitäten im Voraus abzuklären. Denn wenn die Besteuerung erst eingeleitet ist, bleibt kein Spielraum, um einen GmbH-Verkauf zu optimieren.

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Für Sie ebenfalls interessant: GmbH-Verkauf mit Forderung

In diesem Video erklären wir, wie man eine GmbH und eine Forderung ihr gegenüber verkauft und somit dem Käufer dabei hilft, 25 % an Steuern zu sparen.

5. GmbH-Verkauf optimieren? Hier ist unser Fazit

Der halbe Steuersatz ist eine perfekte Ergänzung zu unserem Gestaltungsmodell. Aber auch ohne diesen einmaligen Steuervorteil lohnt es sich den GmbH-Verkauf durch Umwandlung in ein Personenunternehmen zu optimieren. Denn dadurch, dass man einem Käufer einen erheblichen Steuervorteil verschafft, kann man bei den Verkaufsverhandlungen einen höheren Verkaufspreis aushandeln. Außerdem kann ein Käufer, der den Kaufpreis zumindest zum Teil fremdfinanziert, die besseren steuerlichen Konditionen beim Kauf eines Personenunternehmens gegenüber einer GmbH als Verhandlungsargument bei der Ausgestaltung des Darlehens vorbringen. Schließlich erlaubt die Abschreibung auf die erworbenen Wirtschaftsgüter, dass ein höherer Gewinn zur Tilgung verbleibt. Und wenn die Tilgung relativ schnell erfolgt, sinkt auch das Ausfallrisiko der Gläubiger entsprechend schnell.

Übrigens ist der GmbH-Verkauf, wie wir ihn hier vorgestellt haben, auch 1:1 auf eine Holdinggesellschaft übertragbar. In dem Fall wandelt man eben die Muttergesellschaft von einer GmbH in eine GmbH & Co. KG um und verkauft diese dann zusammen mit den in ihrem Betriebsvermögen enthaltenen Tochtergesellschaften. Dabei ist es Einerlei in welcher Rechtsform die Tochtergesellschaften firmieren.


Steuerberater für Mergers & Acquisitions

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zum Unternehmenstransfer spezialisiert. Bei der Beratung zum Unternehmenskauf oder -verkauf schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Umwandlungen

  1. Individuelle Informationen zu sämtlichen Umwandlungsvorgängen
  2. Beratung, Projektierung und Begleitung bei Einbringung, Verschmelzung, Formwechsel oder Anteilstausch

Unternehmenskauf

  1. Informationen rund um den Unternehmenskauf (Verkauf GmbH, Verkauf GmbH & Co. KG, Nutzung von Verlustvorträgen)
  2. Vergleich der Vor- und Nachteile beim Share Deal und beim Asset Deal

Personengesellschaften

  1. Nutzung von Steuervorteilen bei der Besteuerung von Personengesellschaften nach dem Transparenzprinzip (zum Beispiel steueroptimierte Besteuerung der GmbH & Co. KG)
  2. Erläuterungen zur Anwachsung bei Personengesellschaften
  3. Darstellung der Hintergründe zu den Risiken durch Sonderbetriebsvermögen

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort Köln

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Lehrauftrag für Unternehmensteuerrecht

Unsere besonderen Expertisen für Unternehmensteuerrecht werden auch durch die FOM Hochschule bestätigt. Steuerberater Christoph Juhn wurde dort zum Lehrbeauftragten für Steuerrecht berufen und lehrt seit dem Wintersemester 2013 die Veranstaltung „Steuergestaltung (3) Unternehmenskauf und -verkauf“. Das vorlesungsbegleitende Skript stellen wir Ihnen hier gerne vorab als Information zum kostenlosen Download zur Verfügung:

Steuergestaltung beim Unternehmenskauf und Unternehmensverkauf – Christoph Juhn

Die Einkünfte aus § 17 EStG betreffen solche, die durch die Veräußerung von im Privatvermögen gehaltenen Anteilen an Kapitalgesellschaften entstehen. Der Bundesfinanzhof (BFH) hatte zu entscheiden, ob dabei die gezielte Herbeiführung eines Veräußerungsverlusts durch eine Aufgeldzahlung die Gewinnerzielungsabsicht entfallen lässt oder Gestaltungsmissbrauch darstellt. Beides würde dazu führen, dass die Verluste nicht berücksichtigt werden können. Im Folgenden erklären wir die Entscheidung.

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Unser Video: GmbH-Anteile steuerfrei verkaufen (Übertragung auf Stiftung ohne Sperrfrist)

Wir erklären, wie Sie GmbH-Anteile steuerfrei durch die Übertragung auf eine Stiftung verkaufen können.

Inhaltsverzeichnis


1. Fehlt die Gewinnerzielungsabsicht bei gezielten Verlusten?

1.1. Gewinnerzielungsabsicht bei Einkünften aus § 17 EStG

Bei der Ermittlung des Einkommens sind nach allgemeinen Grundsätzen nur solche positiven oder negativen Einkünfte anzusetzen, die mit der Absicht Einkünfte zu erzielen erwirtschaftet wurden. Fehlt es an der Absicht der Einkünfteerzielung, so liegen keine steuerbaren Einkünfte vor. Auf diese Einkünfte ist mithin keine Einkommensteuer zu entrichten.

Zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb gehört unter den Voraussetzungen des § 17 Absatz 1 Satz 1 EStG auch der Gewinn aus der Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften, die im Privatvermögen gehalten werden. Dazu muss der Veräußerer innerhalb der letzten fünf Jahre am Kapital der Gesellschaft unmittelbar oder mittelbar zu mindestens 1 % beteiligt gewesen sein, sogenannte relevante Beteiligung. Ferner muss der Steuerpflichtige die Anteile an der Gesellschaft mit der Absicht, Gewinne zu erzielen, erwerben und halten. Letzeres betrifft die Gewinnerzielungsabsicht.

1.2. Vorliegen von Gestaltungsmissbrauch (§ 42 AO)

Um beurteilen zu können, ob das Entstehen von Verlusten Gestaltungsmissbrauch darstellt, ist zunächst zu verstehen, was Gestaltungsmissbrauch eigentlich ist.

Gemäß § 42 Absatz 1 Satz 1 AO kann durch den Missbrauch von Gestaltungsmöglichkeiten das Steuergesetz nicht umgangen werden. Ist der Tatbestand der Regelung in einem Einzelsteuergesetz erfüllt, die der Verhinderung von Steuerumgehungen dient, so bestimmen sich die Rechtsfolgen nach jener Vorschrift (§ 42 Absatz 1 Satz 2 AO). Anderenfalls entsteht nach § 42 Absatz 1 Satz 3 AO der Steueranspruch beim Vorliegen eines Missbrauchs im Sinne des § 42 Absatz 2 AO so, wie er bei einer, den wirtschaftlichen Vorgängen angemessenen rechtlichen Gestaltung entsteht. Ein Missbrauch liegt dabei nach § 42 Absatz 2 Satz 1 AO vor, wenn eine unangemessene rechtliche Gestaltung gewählt wird, die beim Steuerpflichtigen oder einem Dritten im Vergleich zu einer angemessenen Gestaltung zu einem gesetzlich nicht vorgesehenen Steuervorteil führt. Dies gilt aber dann nicht, wenn der Steuerpflichtige für die gewählte Gestaltung außersteuerliche Gründe nachweist, die
nach dem Gesamtbild der Verhältnisse beachtlich sind (§ 42 Absatz 2 Satz 2 AO).

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1.3. Verluste bei Einkünften aus § 17 EStG

Im Zusammenhang mit Einkünften aus § 17 EStG steht es einem Steuerpflichtigen grundsätzlich
frei, ob, wann und an wen er seine Anteile veräußert. Dies gilt grundsätzlich auch dann, wenn die
Veräußerung zu einem Verlust führt. Denn die Berücksichtigung eines Veräußerungsverlusts entspricht dem Grundsatz der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit. Damit ist sie nicht von vornherein rechtsmissbräuchlich.

Abweichendes kann gelten, wenn ein Verlust nur dadurch entsteht, dass die Beteiligten einen
unzutreffenden, die Wertverhältnisse des zur Veräußerung bestimmten Kapitalgesellschaftsanteils in krasser Weise verfehlenden Kaufpreis vereinbaren. Dann ist der Verlust
nicht durch eine den Kapitalgesellschaftsanteilen innewohnende Wertminderung, sondern durch
einen Verkauf von Anteilen weit unter Wert zustande gekommen.

2. Sachverhalt: Gewinnerzielungsabsicht bei gezielten Verlusten

Diese Maßstäbe zu Grunde gelegt, hatte der BFH den folgenden Fall zu entschieden. Dort ging es ebenfalls um die Berücksichtigung von Verlusten bei Veräußerungseinkünften aus § 17 EStG.

Die Klägerin hatte als Alleingesellschafterin die A-GmbH gegründet. Deren Geschäftsgegenstand ist auf den Erwerb und die Verwaltung von Immobilien gerichtet. Ihr Stammkapital betrug zunächst EUR 25.000. Es war eingeteilt in 25.000 Geschäftsanteile im Nennbetrag von jeweils EUR 1. Mitte Dezember 2015 beschloss die Gesellschafterversammlung eine Kapitalerhöhung um EUR 1.000. Hierzu schuf sie einen weiteren Geschäftsanteil im Nennbetrag von EUR 1.000. Auch diesen Geschäftsanteil übernahm die Klägerin. Beschlussgemäß zahlte sie hierfür neben dem Nennbetrag ein Aufgeld von EUR 500.000 in die freie Kapitalrücklage der GmbH. Am 28.12.2025 veräußerte die Klägerin 300 Geschäftsanteile im Nennwert von je EUR 1, sowie den neuen Geschäftsanteil zum Kaufpreis EUR 26.300 an einen Dritten, der fortan zu 5 % am Kapital der GmbH beteiligt war.

In der Einkommensteuererklärung erklärte die Klägerin aus der Veräußerung der GmbH-Geschäftsanteile einen gemäß § 17 EStG zu berücksichtigenden Verlust in Höhe von EUR 475.000. Das beklagte Finanzamt folgte dieser Berechnung nicht. Vielmehr trennte das Finanzamt nach den einzelnen verkauften Anteilen auf. Den aus der Veräußerung des neu geschaffenen Geschäftsanteils herrührenden Verlust erkannte das Finanzamt nicht an. In Anbetracht der hohen Anschaffungskosten von EUR 501.000 habe es der Klägerin an Gewinnerzielungsabsicht gefehlt. Aus der Veräußerung der anderen 300 Anteile ermittelte das Finanzamt einen nach § 17 EStG zu besteuernden Gewinn von EUR 5.770 (EUR 6.070 anteiliger Veräußerungspreis – EUR 300 Anschaffungskosten). Die festgesetzte Einkommensteuer betrug EUR 0. Eine Steuerlast von EUR 0 hört sich zwar zunächst gut an. Jedoch wollte die Steuerpflichtige, dass ihr entstandener Verlust ebenfalls Berücksichtigung findet.

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Unser Video: Privates Geld in GmbH einzahlen: Stammkapital, Kapitalrücklage oder Darlehen?

Wir erklären, wie Sie privates Geld in die GmbH einzahlen können.

3. Rechtliche Beurteilung

3.1. Anerkennung der Gewinnerzileungsabsicht durch das Finanzgericht

Dies wollte die Klägerin im Wege des Einspruchs und nachfolgend mittels Klage erreichen. Dazu machte sie geltend, für die Beurteilung der Gewinnerzielungsabsicht sei nicht auf den einzelnen Geschäftsanteil abzustellen. Vielmehr sei ihre gesamte Beteiligung an der GmbH maßgeblich. Das Finanzgericht gab der Klage statt und erkannte den Verlust an.

3.2. BFH erkennt Gewinnerzielungsabsicht an

3.2.1. Abweisung der Revision

Das Finanzamt legte gegen diese Entscheidung des Finanzgerichts Revision ein. Es hielt daran fest, dass für die Klägerin kein Veräußerungsverlust zu berücksichtigen sei. Der BFH wies die Revision als unbegründet zurück. Die Veräußerung der Geschäftsanteile an der GmbH führt zu Einkünften aus Gewerbebetrieb gemäß § 17 Absatz 1 Satz 1 EStG. Der daraus resultierende Verlust betrug EUR 475.000 und ist nach Maßgabe des Teileinkünfteverfahrens mit EUR 285.000 anzusetzen. Gestaltungsmissbrauch läge nicht vor.

3.2.2. Grundsätzlich: Selbstständigkeit der Anteile

Die einzelnen Geschäftsanteile an der GmbH sind zwar zivilrechtlich selbstständig. Diese Selbstständigkeit spielgelt sich in der steuerlichen Beurteilung aber lediglich insoweit wider, als auch die Veräußerung eines einzelnen Geschäftsanteils und nicht nur die Veräußerung der Gesamtbeteiligung unter den Voraussetzungen des § 17 Absatz 1 Satz 1 EStG steuerpflichtig ist. Weiterhin sind bei der Ermittlung des Veräußerungsgewinns gemäß § 17 Absatz 2 Satz 1 EStG die Anschaffungskosten für den jeweiligen Anteil jedenfalls dann isoliert zu bestimmen, wenn sie für die einzelnen Anteile unterschiedlich hoch ausfallen. Darüber hinaus ist auch das in § 17 Absatz 2 Satz 6 EStG geregelte Verlustberücksichtigungsverbots anteilsbezogen ausgestaltet.

3.2.3. Keine Übertragung der selbstständigen Betrachtung auf die Gewinnerzielungsabsicht

Diese selbstständige Betrachtung der Anteile ist aber nicht auf die Gewinnerzielungsabsicht auszudehnen. Dem Wortlaut des § 17 EStG sind hierfür keine Anhaltspunkte zu entnehmen. Demgegenüber gebieten es steuersystematische Erwägungen vielmehr, die Gewinnerzielungsabsicht an der gesamten Beteiligung des Steuerpflichtigen zu messen. Hierfür spricht zunächst, dass im Fall des Erreichens der Relevanzschwelle des § 17 Absatz 1 Satz 1 EstG die Beteiligung an der Kapitalgesellschaft als Ganzes und eben nicht nur der einzelne Geschäftsanteil steuerlich verstrickt ist. Zudem ist bei der Prüfung, ob Gewinnerzielungsabsicht vorliegt, der Totalgewinn als Ergebnis der steuerrelevanten Tätigkeit relevant. Gewinne oder Verluste aus einzelnen Geschäftsanteilsveräußerungen haben daher für sich betrachtet keine Aussagekraft darüber, ob der Steuerpflichtige die gesamte Beteiligung an der Kapitalgesellschaft in der Absicht erworben und gehalten hat, hieraus einen Totalgewinn zu erzielen.

Ohnehin sind bei den Einkünften aus § 17 EStG nicht nur die Wertsteigerungen der Beteiligung zu berücksichtigen. Einzubeziehen sind auch die laufenden, den Einkünften aus Kapitalvermögen zuzuordnenden Erträge aus Ausschüttungen. Die Höhe des Veräußerungsgewinns und das Ausschüttungsverhalten der Kapitalgesellschaft stehen in einer Wechselwirkung. Thesaurierte Gewinne erhöhen dabei regelmäßig den Veräußerungsgewinn und Ausschüttungen ermäßigen ihn.

Die Ansicht des Finanzamts führt zu Differenzen zur Beurteilung der Überschusserzielungsabsicht bei den Einkünften aus Kapitalvermögen gemäß § 20 EStG. Dort ist anerkannt, dass die Überschusserzielungsabsicht nicht einheitlich für die gesamte Einkunftsart, sondern für jede einzelne Kapitalanlage zu bestimmen ist. Kapitalanlage ist dabei aber als die Gesamtheit der Anteile des Steuerpflichtigen an der jeweiligen Gesellschaft zu verstehen.

Weiterhin hätte es der zum 12.12.2019 eingefügten Regelung des § 17 Absatz 2a Satz 5 EStG nicht bedurft, wenn die steuerliche Anerkennung eines gezielt herbeigeführten Verlusts aus der Veräußerung eines Geschäftsanteils, der wegen Einzahlungen in das Kapital der Gesellschaft mit hohen Anschaffungskosten belastet ist, bereits an der fehlenden Gewinnerzielungsabsicht scheitert.

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3.2.4. Kein Gestaltungsmissbrauch

Zudem liegt in der Zahlung eines Aufgeldes für den Erwerb des neu geschaffenen Geschäftsanteil auch kein Gestaltungsmissbrauch.

In Anbetracht des damit verfolgten wirtschaftlichen Zweck, der GmbH Finanzmittel zukommen zu lassen, ist der unter Aufgeldzahlung erfolgte Erwerb des Geschäftsanteil, nicht unangemessen. Aufgrund der Stellung der Klägerin als Alleingesellschafterin ist es unerheblich, auf welche Weise sie der Gesellschaft Kapital zuführt.

Bei anteilsbezogener Betrachtung der Veräußerungstatbestände hat die Klägerin in Bezug auf den veräußerten Geschäftsanteil einen realen Verlust erlitten. Dieser hat im Streitjahr ihre Leistungsfähigkeit gemindert. Einem dem Verkehrswert des Anteils entsprechenden fremdüblichen Veräußerungspreis von anteilig EUR 20.230 standen Anschaffungskosten der Klägerin von EUR 501.000 gegenüber.

Zum einen unterliegt es der Disposition des Steuerpflichtigen, Veräußerungsgeschäfte so zu gestalten, dass er steuerlich möglich günstig steht. Dies schließt die Freiheit ein, der Gesellschaft Kapital in einer steuerlich vorteilhaften Weise zuzuführen. Daher war die Klägerin weder verpflichtet, die GmbH vornherein mit einem höheren Stammkapital auszustatten, noch eine Zuzahlung in die Kapitalrücklage gemäß § 272 Absatz 2 Nummer 4 HGB zu leisten, die sich auf sämtliche Geschäftsanteile verteilt hätte.

Zum anderen kann der Steuerpflichtige selbst entscheiden, welchen Geschäftsanteil seiner Beteiligung er veräußert. Dies gilt unabhängig davon, ob die Veräußerung an einen fremden Dritten oder an einen nahen Angehörigen erfolgt.

Hinzukommt, dass ein – selbst zielgerichtet geschaffener – Verlust durch die Veräußerung von zu überhöhten Anschaffungskosten erworbenen Geschäftsanteilen durch spätere Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen mit niedrigen Anschaffungskosten ausgeglichen wird. Denn die durch das Aufgeld geschaffene Kapitalrücklage erhöht ebenso wie ein hiermit durch die Gesellschaft erworbenes Wirtschaftsgut den Verkehrswert sämtlicher Geschäftsanteile. Mithin liegt kein Gestaltungsmissbrauch vor.

4. Berechnung der Höhe des gesamten Verlusts

4.1. Veräußerungspreis – Anschaffungskosten

Von dem erzielten Veräußerungspreis (EUR 26.300) sind nach der Gewinnermittlungsformel des § 17 Absatz 2 Satz 1 EStG die Anschaffungskosten der Klägerin für die veräußerten Geschäftsanteile abzuziehen. Übersteigen die Anschaffungskosten und gegebenenfalls getragene Veräußerungskosten den Veräußerungspreis, ist ein Verlust entstanden.

4.2. Bestimmung der Anschaffungskosten erfolgt anteilsbezogen

Hat der Steuerpflichtige Anteile an einer Kapitalgesellschaft zu verschiedenen Zeiten und zu unterschiedlichen Anschaffungskosten erworben, so ist eine Zusammenrechnung der einzelnen Anteile und die Bildung eines durchschnittlichen Anschaffungspreises nicht zulässig. Dies widerspräche dem Grundsatz der zivilrechtlichen Selbstständigkeit und Unterscheidbarkeit der Geschäftsanteile. Daher ist der Gewinn beziehungsweise der Verlust aus der Veräußerung der Geschäftsanteile an der Kapitalgesellschaft sowohl hinsichtlich des Veräußerungspreises als auch der Anschaffungskosten anteilsbezogen zu bestimmen.

4.3. Aufgeld ist keine verdeckte Einlage

Auch das Aufgeld, das ein Erwerber neuer Geschäftsanteile aufgrund einer getroffenen Einlagevereinbarung über den Nennbetrag der Einlage hinaus an die Kapitalgesellschaft leisten muss, stellt eine Gegenleistung für den Erwerb der Beteiligung dar. Wegen der zivilrechtlichen Selbstständigkeit jedes Geschäftsanteils ist das Aufgeld nur dem Anteil als Anschaffungskosten zuzurechnen, für deren Erwerb es aufzubringen war. Dies gilt selbst dann, wenn die Summe aus dem Nennbetrag des neuen Anteils und des Aufgelds den Verkehrswert des neuen Anteils übersteigt. Der BFH hat klargestellt, dass es sich bei dem den Verkehrswert übersteigenden Teilbetrag nicht um eine verdeckte Einlage des Gesellschafters handelt, die als nachträgliche Anschaffungskosten für alle Geschäftsanteile zu berücksichtigen wäre. Es fehle an der erforderlichen Unentgeltlichkeit.

Jedenfalls im Streitjahr war das von der Klägerin für den Erwerb des Geschäftsanteils gezahlte Aufgeld daher nicht auf sämtliche von ihr gehaltenen Anteile zu verteilen. § 17 Absatz 2a Satz 5 EStG ordnet diese Rechtsfolge zwar an, er gilt aber erstmals für Veräußerungen nach dem 31.07.2019.

4.4. Keine gesetzlichen Verlustberücksichtigungsverbote

Gesetzliche Verlustberücksichtigungsverbote bestehen nicht. § 17 Absatz 2 Satz 6 Buchstabe b Satz 1 EStG bestimmt zwar, dass ein Veräußerungsverlust nicht zu berücksichtigen ist, soweit er auf Anteile entfällt, die entgeltlich erworben worden sind und nicht innerhalb der gesamten letzten fünf Jahre zu einer Beteiligung des Steuerpflichtigen im Sinne des § 17 Absatz 1 Satz 1 EStG gehört haben. Dies gilt aber nicht für innerhalb der letzten fünf Jahre erworbene Anteile, die nach der Begründung einer tatbestandlich relevanten Beteiligung erworben worden sind. Die Klägerin hat den mit Verlust veräußerten Geschäftsanteil zu einem Zeitpunkt erworben, zu dem sie bereits relevant im Sinne des § 17 Absatz 1 Satz 1 EStG beteiligt war. Somit greift das Verlustberücksichtigungsverbot nicht.

5. Fazit: Beurteilung der Gewinnerzielungsabsicht

Die erforderliche Gewinnerzielungsabsicht fehlt nicht, weil Veräußerungsverluste generiert werden, um steuerliche Vorteile zu erzielen. Für die Gewinnerzielungsabsicht ist nicht auf die Gesamtheit der veräußerten Geschäftsanteile abzustellen. Vielmehr ist die Gesamtheit der gehaltenen Anteile an der jeweiligen Kapitalgesellschaft maßgeblich.


Steuerberater für Unternehmensverkäufe

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zum Unternehmensverkauf spezialisiert. Bei der Beurteilung der Steuerlast schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

  1. Gestaltungsmöglichkeiten bei der Veräußerung der Anteile
  2. Abtretung des Gewinns bei GmbH-Verkauf
  3. Planung bei Betriebsveräußerung
  4. Steuerfalle bei Auseinandersetzung zwischen Gesellschaften
  5. Fünftel-Regelung bei der Betriebsveräußerung

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

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Beim Verkauf eines Einzelunternehmens fallen auf den Gewinn mitunter Steuern in erheblichem Umfang an. Wer hierbei also Steuern sparen möchte, wandelt das eigene Unternehmen zunächst in eine GmbH um. Noch besser ist allerdings, die GmbH in eine Holdingstruktur zu überführen. Denn dann fällt auf Ebene der Holding nur 1,5 % an Steuern an. Allerdings geht mit der Umwandlung in eine GmbH und der Einbringung in die Holdingstruktur eine siebenjährige Sperrfrist einher. Findet der Verkauf innerhalb dieser Sperrfrist statt, erfolgt nachträglich eine Besteuerung des Einbringungsgewinns. Diese Steuer fällt somit zusätzlich zu jener auf den eigentlichen Veräußerungsgewinn an. Mit einer Stiftung kann man die Sperrfrist jedoch aushebeln. Denn dann funktioniert der Unternehmensverkauf trotz Sperrfrist steuerneutral.

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Unternehmensverkauf trotz Sperrfrist

In diesem Video erklären wir, wie man mit einer Familienstiftung ein sperrfristbehaftetes Unternehmen steuerfrei verkauft.

Inhaltsverzeichnis


1. Unternehmensverkauf trotz Sperrfrist – Einleitung

Ein Einzelunternehmen steht aus steuerlicher Sicht gleich vor mehreren Herausforderungen. Einerseits findet die Besteuerung des Geschäftsgewinns auf Ebene des Einzelunternehmers statt. Dabei unterliegt der Gewinn dem persönlichen Steuersatz des Einzelunternehmers. Je höher also der erwirtschaftete Gewinn ausfällt, desto höher ist auch die Steuer, die darauf anfällt. Andererseits gilt dies auch, wenn man das eigene Einzelunternehmen verkauft. Auch hier ist die Steuer von der Höhe des persönlichen Steuersatzes abhängig; entsprechend hoch kann sie ausfallen.

Darum überlegen sich viele Einzelunternehmer, ob sie ihr Einzelunternehmen in eine GmbH umwandeln sollen. Immerhin vermeidet man mit einer GmbH eine private Haftung als Gesellschafter. Auch die Verwendung thesaurierter Gewinne ist mit steuerlichen Vorteilen verbunden. Doch gilt insbesondere im Hinblick auf den Verkauf des Unternehmens, dass die Steuer bei einem Einzelunternehmen erheblich höher ausfällt, als wenn man eine GmbH verkauft.

Was macht man also? Richtig, man wandelt das eigene Einzelunternehmen in eine GmbH um. Doch hat dieser Formwechsel einen gravierenden Nachteil, nämlich, dass man infolge der Umwandlung einer siebenjährigen Sperrfrist unterliegt. Verkauft man das umgewandelte Unternehmen innerhalb der Sperrfrist, fällt rückwirkend eine Steuer auf den Umwandlungsgewinn an.

Wer also ein Einzelunternehmen in eine GmbH umwandeln möchte, um direkt anschließend das Unternehmen zu verkaufen, muss einen Weg finden, um die zusätzliche Steuer zu vermeiden. Daher zeigen wir nun, wie ein Unternehmensverkauf trotz Sperrfrist ohne Steuer gelingt.

2. Unternehmensverkauf trotz Sperrfrist: rechtlicher Rahmen

Zunächst gehen wir noch auf die gesetzlichen Normen ein, die dazu führen, dass ein Unternehmensverkauf innerhalb einer Umwandlungssperrfrist zu einer Besteuerung führt.

Die Umwandlung eines Einzelunternehmens in eine GmbH ist ein Formwechsel. Sie erfolgt gemäß § 20 UmwStG im Rahmen einer Einbringung. Dabei kann man ein Einzelunternehmen eigentlich auf zwei Weisen in eine GmbH umwandeln. Entweder man gründet erst eine GmbH und bringt anschließend das Einzelunternehmen im Wege einer Kapitalerhöhung in die GmbH ein, wofür man neue Anteile an der GmbH als Gegenleistung erhält. Oder man gründet die GmbH im Wege einer Sachkapitalgründung, wobei man das Einzelunternehmen als Sacheinlage zur Deckung des erforderlichen Mindeststammkapitals heranzieht. Im letzteren Fall spart man sich somit einen zweiten Notartermin. Allerdings sind dann die Kosten zur Feststellung der Werthaltigkeit des einzubringenden Sachkapitals höher. Außerdem kann das Unternehmen in diesem Fall auch erst wirtschaftlich agieren, wenn es eine (neue) Steuernummer vom Finanzamt erhält.

Steuerrechtlich sind beide Vorgehensweisen steuerneutral möglich. Das bedeutet, dass auf die im Einzelunternehmen enthaltenen stillen Reserven keine Steuern anfallen. Allerdings gilt dies nur, sofern man einige Bedingungen einhält. So darf man keine zusätzliche Gegenleistungen über den Gegenwert der Unternehmensanteile hinaus erhalten. Wer sich etwa von der neuen GmbH einen Sportwagen als zusätzlichen Gegenwert für die Einbringung des Einzelunternehmens spendieren lässt, verlässt den Pfad der Steuerneutralität.

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Haben Sie Fragen zum Umwandlungssteuerrecht?

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3. Unser Modell: Unternehmensverkauf trotz Sperrfrist über eine Stiftung

Was ist aber zu tun, wenn man bereits das Einzelunternehmen in eine GmbH umgewandelt hat und man noch währende der siebenjährigen Sperrfrist das Unternehmen verkaufen möchte? In dem Fall empfehlen wir eine Stiftung zu errichten und die GmbH oder eventuell die sie haltende Holding an sie zu verschenken.

Wenn Sie die GmbH an die Stiftung verschenken und diese anschließend den Unternehmensverkauf trotz der bestehenden Sperrfrist durchführt, fällt die Steuer auf den Betrag an, den die Stiftung statt des Einzelunternehmers zu zahlen hat. Konkret bedeutet das eine rückwirkende Körperschaftsteuer auf den Einbringungsgewinn. Der Steuersatz, mit dem die Stiftung diesen Gewinn zu versteuern hat, beträgt aber nur 15 % statt der bei einem verkaufenden Einzelunternehmer bis zu etwa 50 %. Wie Sie sehen, haben wir hier bereits erheblich an Steuern gespart.

Noch eindrucksvoller ist das Ergebnis aber, wenn wir eine Holding samt der Tochter-GmbH an die Stiftung verschenken und diese dann den Verkauf vornimmt. Denn dann verkauft die Stiftung die Holding, für die keine Sperrfrist greift. Ohne die Sperrfrist beträgt die Steuer, die die Stiftung als juristische Person zu zahlen hat, nur noch etwa 1,5 %, nämlich Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer.

Dabei besteht in diesem Fall sogar die Möglichkeit, dass man gegenüber der Finanzverwaltung den Standpunkt vertreten kann, dass die Stiftung ja kein gewerbliches Unternehmen ist und somit die Gewerbesteuer keine Bedeutung für sie haben sollte. Ja man kann sogar argumentieren, dass die Stiftung lediglich vermögensverwaltend tätig ist und damit auch ebenso wenig der Körperschaftsteuer unterliegt. Bei einer Stiftung, die lediglich Immobilien verwaltet und verkauft, ist dies schließlich ebenfalls möglich.

Wenn auch Sie fachliche Unterstützung bei solchen oder anderen Begehren gegenüber der Finanzverwaltung suchen, dann setzen Sie auf unsere Kompetenz. Wir vertreten gerne Ihre Anliegen. Rufen Sie uns doch einfach gleich an.

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Fachberatung für Unternehmesverkäufe

Unsere spezialisierten Steuerberater und Rechtsanwälte beraten Sie gerne. Rufen Sie uns gerne an oder schildern Sie uns Ihr Anliegen per E-Mail:

4. Unternehmensverkauf trotz Sperrfrist durch Stiftung: Nachteile

Schön, wir haben den Sperrfristverstoß entweder massiv abgemildert oder sogar ganz umgangen. Unter Umständen haben wir es sogar geschafft, gar keine Steuern auf den Unternehmensverkauf zu zahlen – und zwar trotz der Sperrfrist. Doch müssen wir auf einige weitere Punkte achten.

4.1. Schenkungsteuer bei Schenkung an Familienstiftung

Der erste Aspekt ist sicherlich auch der gravierendste. Denn die Schenkung an die Stiftung löst Schenkungsteuer aus. Dabei stellt die Schenkung an eine Stiftung einen Sonderfall dar. Dies gilt in Bezug auf die Höhe des anwendbaren Freibetrags. So hat vor einigen Jahren das Finanzgericht Niedersachsen entschieden, dass hierbei ein Freibetrag zur Anwendung kommt, der derjenigen von Enkelkindern entspricht, also EUR 100.000 (Beschluss vom 19.07.2021, Aktenzeichen 3 K 5/21). Das ist auch insofern erstaunlich, weil die anzuwendende Steuerklasse sich bei einer Familienstiftung an den in der Satzung begünstigten Personen orientiert. Konkret wäre das in unserem Beispiel die Steuerklasse I, die mit 7 % auf den Vermögenswert über dem Freibetrag anfällt. Kein Wunder also, dass diese Entscheidung nun dem Bundesfinanzhof zur Revision vorliegt.

Noch kurioser wird es aber, wenn man spätere Zustiftungen oder andere Schenkungen an eine Stiftung betrachtet. Denn dann gelten der Freibetrag und die Steuerklasse, wie sie für fremde Dritte vorgesehen ist: somit ein Freibetrag von nur EUR 20.000 und ein Steuersatz von bis zu 50 %. Wenn man also eine Schenkung zur Errichtung einer Stiftung vornimmt, sollte man besser gleich das maximal mögliche Vermögen auf sie übertragen.

4.2. Unternehmensverkauf trotz Sperrfrist beim Erwerber einer Holding

Ein weiterer Punkt, den man beim Unternehmensverkauf trotz Sperrfrist beachten sollte, bei dem die Stiftung ihre Beteiligung an der Holding veräußert, betrifft den Käufer. Denn der Käufer übernimmt die Sperrfrist der GmbH mit der sie haltenden Holding. Die Holding ist also erst nach Ablauf der siebenjährigen Sperrfrist in der Lage, die GmbH ohne Sperrfristverstoß weiterzuverkaufen. Aber der Erwerber kann ja selber die Holding statt die GmbH innerhalb der Sperrfrist verkaufen, ohne dass dabei ein Sperrfristverstoß eintritt.

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Einbringung Einzelunternehmen in GmbH

In diesem Video erklären wir, wie man ein Einzelunternehmen im Wege einer Einbringung in eine GmbH umwandelt.

5. Fazit: steuerneutraler Unternehmensverkauf trotz Sperrfrist möglich

Wie wir hoffentlich überzeugend zeigen konnten ist ein steuerneutraler Unternehmensverkauf trotz einer bestehenden Sperrfrist mittels einer Stiftung möglich. Unter Umständen kann man mit der Stiftung sogar die Steuern auf den Verkauf des Unternehmens auf 0 % reduzieren, wenn man dabei eine Holding zwischenschaltet. Doch hat dies eben auch eine andere Steuer zur Folge, nämlich die Schenkungsteuer, die bei der Übertragung der GmbH oder Holding an die Stiftung anfällt. Zwar ist auch hierbei mit einer gewissen Steuer zu rechnen, doch sind wir überzeugt, dass sich dies im Einzelfall dennoch als lohnende Alternative herausstellt. Jedenfalls sollte man bei einer bestehenden Sperrfrist alle Optionen prüfen, zu der dann auch der von uns hier vorgestellte Vorschlag mittels einer Familienstiftung gehört.


Steuerberater für Unternehmensteuerrecht

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zum Unternehmensteuerrecht spezialisiert. Beim Optimieren von Steuerstrukturen schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

GmbH

  1. Informationen zu den vielfältigen Vorteilen einer GmbH

Umwandlungen

  1. Planung und Durchführung sämtlicher Umwandlungsvorgänge (Einbringung, Verschmelzung, Formwechsel, Anteilstausch)
  2. Individuelle Klärung zur Frage, ob sich die Umwandlung eines Einzelunternehmens in eine GmbH lohnt

Erbschaft/Schenkung

  1. Langfristige Steueroptimierung mittels einer Familienstiftung in Liechtenstein
  2. Informationen zum Erbschaftsteuerrecht (Freibeträge, Anzeigepflichten)

Unternehmenskauf / Unternehmensverkauf

  1. Prüfungen im Rahmen der Due Diligence
  2. Beratung zur Gestaltung eines Verkaufspreises über eine Leibrente
  3. Ausarbeitung von Vorteilen für Käufer trotz Share Deal

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort Köln

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Standort Bonn

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Telefon-/Videokonferenz

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Lehrauftrag für Unternehmensteuerrecht

Unsere besonderen Expertisen für Unternehmensteuerrecht werden auch durch die FOM Hochschule bestätigt. Steuerberater Christoph Juhn wurde dort zum Lehrbeauftragten für Steuerrecht berufen und lehrt seit dem Wintersemester 2013 die Veranstaltung „Steuergestaltung (4) Umwandlungsvorgänge“. Das vorlesungsbegleitende Skript stellen wir Ihnen hier gerne vorab als Information zum kostenlosen Download zur Verfügung:

Steuergestaltung durch Umwandlungsvorgänge und Umstrukturierungen – Christoph Juhn

Steht ein Unternehmensverkauf an, kann man vorab per Steuergestaltung eine Reduktion der Steuern einplanen. Mit einer Stiftung kann man dabei sogar erreichen, dass ein GmbH-Verkauf komplett steuerfrei bleibt. Die Auszahlung des Gewinns erfolgt dann als Zuwendung an die Destinatäre.

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Unser Video: GmbH steuerfrei verkaufen

In diesem Video erklären wir, auf welche Weisen man eine GmbH verkaufen kann und wieso dies mit einer Stiftung sogar steuerfrei bleiben kann.

Inhaltsverzeichnis


1. GmbH-Verkauf durch Stiftung – Einleitung

Wer eine GmbH verkaufen möchte, steht vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Dazu zählt zunächst einmal, dass man Käufer finden muss. Gewiss, man mag das Glück haben, dass das eigene Unternehmen so begehrt ist, dass potentielle Käufer von sich aus aktiv auf einen zugehen und den Wunsch nach Übernahme der GmbH äußern. Aber selbst dann hat man weitere Einzelfragen zu klären: welchen Verkaufspreis setzt man an? Wann soll die Übertragung stattfinden? Welche Rolle soll man nach der Übertragung noch im Unternehmen übernehmen? Und sicherlich auch: wie viel Steuer fällt eigentlich an?

Zu all diesen und vielen weiteren Fragen kann unsere auf Beratung im Unternehmensteuerrecht spezialisierte Kanzlei Antworten liefern. So auch zur letztgenannten: Keine!

Ja, ein steuerfreier GmbH-Verkauf ist in Deutschland möglich, wenn man dies mit einer Stiftung gestaltet. Wie dies genau funktioniert, zeigt Ihnen dieser Beitrag.

2. Alternativen zum GmbH-Verkauf per Stiftung

Nun ist der Verkauf einer GmbH über eine Stiftung sicher keineswegs alltäglich. Schauen wir daher, welche anderen Alternativen es beim GmbH-Verkauf noch gibt.

Da wäre zunächst einmal der Share Deal. Beim Share Deal hat man als natürliche Person den Vorteil, dass man den Gewinn aus dem Verkauf der eigenen GmbH nur zu 60 % zu versteuern braucht. Dadurch reduziert sich der effektive Steuersatz auf maximal 27 % und zwar sogar dann, wenn man dabei den höchsten Einkommensteuertarif von 45 % ansetzt. Bei geringerem Einkommen ist der effektive Steuersatz also nochmals niedriger. Und wenn man den GmbH-Verkauf über eine Holding laufen lässt, fällt die Steuer auf 1,5 % auf Ebene der Holding an. Zahlt man den Gewinn nun als Dividende aus, fallen darauf nochmals 25 % Kapitalertragsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer an.

Außerdem besteht beim GmbH-Verkauf durch eine Holding unter Umständen die Einschränkung, dass man eine siebenjährige Sperrfrist nach der Übertragung der GmbH-Anteile einhalten muss, bevor der Verkauf tatsächlich unter den genannten Bedingungen erfolgen kann.

Auf der anderen Seite käme aber auch ein Asset Deal in Frage. Denn am Erwerb der einzelnen Wirtschaftsgüter, die der GmbH gehören, dürfte die Käuferpartei besonders interessiert sein. Schließlich eröffnet sich hierbei die Chance, dass man die erworbenen Wirtschaftsgüter abschreibt und somit auf diese Weise Steuern auf zukünftige Gewinne spart. Allerdings bliebe dann die GmbH als leere Hülle zurück beim bisherigen Eigentümer, der dann bei der Ausschüttung, spätestens aber bei der Liquidation 25 % Kapitalertragsteuern zu zählen hätte. Aber schon zuvor fällt auf Ebene der GmbH Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer von etwa 30 % an.

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Haben Sie Fragen zum Verkauf einer GmbH?

Unsere Kanzlei hat sich hierauf besonders spezialisiert. Vereinbaren Sie jetzt Ihren Beratungstermin mit unseren Steuerberatern und Rechtsanwälten:

3. Gestaltungsmodell GmbH-Verkauf per Stiftung

Wie wir sehen konnten, ist weder der Share Deal noch der Asset Deal für alle Beteiligten einer Unternehmenstransaktion auf Anhieb ideal. Daher mag sich folgende Gestaltung als Alternative anbieten.

Dazu gehen wir so vor: Wir errichten eine Stiftung, gerne auch in Form einer Familienstiftung, indem wir die GmbH im Wege einer Schenkung auf die Stiftung übertragen. Das mag zwar Schenkungsteuer auslösen, doch da es sich hierbei um Betriebsvermögen handelt, kann man die Verschonung von begünstigtem Vermögen nach § 13a ErbStG beantragen. Auf diese Weise kann man ein Vermögen von bis zu EUR 26 Mio. unter Auflagen steuerfrei auf die Stiftung übertragen.

Anschließend kann dann die Stiftung den GmbH-Verkauf vornehmen. Eine Stiftung ist aber kein gewerbliches Unternehmen. Daher braucht sie auch keine Gewerbesteuer auf den Gewinn zu entrichten. Wenn man dabei gegenüber dem Finanzamt auch noch die Position durchsetzen kann, dass die Stiftung lediglich vermögensverwaltend tätig ist, kann man auch die Körperschaftsteuer einsparen. Auf diese Weise reduziert man die Steuern auf den GmbH-Verkauf auf bis zu 0 %.

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Fachberatung für Unternehmenstransaktionen

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4. GmbH-Verkauf per Stiftung: Steuern auf Ebene der Destinatäre

So, jetzt ist idealerweise der gesamte Gewinn aus dem GmbH-Verkauf bei der Stiftung angekommen. Aber wie bekommt man ihn denn nun auf die private Ebene übertragen? Nun, hier greift die Kapitalertragsteuer. Damit hat man als Destinatär eine hervorragende Möglichkeit, um die Ausschüttung des Gewinns aus dem GmbH-Verkauf mit lediglich 25 % indirekt zu versteuern (zuzüglich wiederum Solidaritätszuschlag und eventueller Kirchensteuer versteht sich). Das schöne daran ist vor allem, dass man hierbei eine abgeltende Wirkung erwarten kann. Schließlich ist die Kapitalertragsteuer eine Quellensteuer. So ist die Stiftung für das Einbehalten und Abführen der Steuer zuständig. Die Auszahlung erfolgt somit bereits netto.

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Für Sie ebenfalls interessant: Wegzugsteuer mit Stiftung in Liechtenstein vermeiden

In diesem Video erklären wir, wie man mit einer Stiftung in Liechtenstein die Wegzugsteuer aushebelt.

5. GmbH-Verkauf per Stiftung

Die Gestaltung, wie man mit einer Stiftung einen komplett steuerfreien GmbH-Verkauf einfädelt, kann man als Alternative zu bestehenden Verkaufsmodellen ansehen. Der Vorteil eines GmbH-Verkaufs durch eine Stiftung statt durch eine Holding liegt darin, dass die Übertragung der GmbH auch kurzfristig erfolgen kann. Denn bei der Übertragung auf eine Stiftung im Wege einer Schenkung existiert keine Sperrfrist.

Wie man später mit der Ausschüttung der Stiftung an ihre Destinatäre umgeht, ist wiederum ein ganz eigene Herausforderung. So bietet die Kapitalertragsteuer schon reichlich Gelegenheit, um Steuereinsparungen im Vergleich zu anderen Verkaufsgestaltungen zu erreichen. Allerdings muss man hierbei genau kalkulieren, denn es könnte sich unter Umständen auch eine andere Alternative anbieten.

Möchte man jedoch den Verkauf über eine Stiftung laufen lassen und eine Besteuerung der Auszahlung an die Destinatäre in Deutschland komplett vermeiden, so wäre hierbei vielleicht ein Wegzug aus Deutschland in ein Land, das lediglich nach dem Territorialitätsprinzip besteuert, denkbar. Beispielsweise käme hierzu Uruguay in Frage. Klar, auf diese Weise haben wir bereits die Voraussetzungen für einen Wegzug ohne Wegzugsteuer geschaffen.

Jedenfalls beraten wir Sie auch gerne im internationalen Steuerrecht. Rufen Sie uns doch gleich an und vereinbaren Sie einen Erstberatungstermin mit uns. Wir klären gerne Ihre steuerlichen Anliegen und lösen sie in Wohlgefallen auf.


Steuerberater für Unternehmenstransaktionen

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zum Unternehmensteuerrecht spezialisiert. Beim GmbH-Verkauf schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Unternehmenskauf / Unternehmensverkauf

  1. Beratung zur steuerlichen Gestaltung von Unternehmenstransaktionen (Vorteile bei Share Deal & Asset Deal)
  2. Begleitung bei Prüfungen zur Due diligence
  3. Betreuung beim Aufsetzen von Kaufverträgen beim Unternehmenskauf oder -verkauf
  4. Informationen zur Aufteilung des unterjährigen Gewinns im Jahr der Veräußerung

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort Köln

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Lehrauftrag für Unternehmensteuerrecht

Unsere besonderen Expertisen für Unternehmensteuerrecht werden auch durch die FOM Hochschule bestätigt. Steuerberater Christoph Juhn wurde dort zum Lehrbeauftragten für Steuerrecht berufen und lehrt seit dem Wintersemester 2013 die Veranstaltung „Steuergestaltung (3) Unternehmenskauf und -verkauf“. Das vorlesungsbegleitende Skript stellen wir Ihnen hier gerne vorab als Information zum kostenlosen Download zur Verfügung:

Steuergestaltung beim Unternehmenskauf und Unternehmensverkauf – Christoph Juhn

Der Bundesfinanzhof (BFH) hatte die Frage zu klären, ob Gewinnminderungen in Form von Teilwertabschreibungen auf die Beteiligung an einer (ausländischen) Kapitalgesellschaft, sowie ein an die Beteiligungsgesellschaft ausgereichtes Darlehen nach § 8b Absatz 3 Sätze 3, 4 KStG bei der Ermittlung des Einkommens nicht zu berücksichtigen sind. Demgegenüber aber im wirtschaftlichen Zusammenhang mit dieser Beteiligung an den Anteilseigner erbrachte Schadensersatzleistungen der vollen Besteuerung unterfallen und nicht nach § 8b Absatz 2 KStG steuerbefreit sind. Wir klären warum die im Fall gewählte Gestaltung zur Auseinandersetzung zwischen Gesellschaften ungeschickt war und wie man diese hätte optimieren können.

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Ist eine Teilwertabschreibung gewinnwirksam bei Körperschaften ansetzbar?

In diesem Video erklären wir, was nach § 8b KStG für Darlehensverluste und Teilwertabschreibung gilt.

Inhaltsverzeichnis


1. Problemstellung

Gemäß § 8b Absatz 2 Satz 1 KStG bleiben bei der Ermittlung des Einkommens einer Körperschaft – vorbehaltlich gewisser Ausnahmen – Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalgesellschaftsanteilen außer Ansatz. Gleiches gilt nach § 8 Absatz Satz 3 KStG für Gewinne aus der Auflösung oder Herabsetzung des Nennkapitals oder für Veräußerungen gleichgestellte verdeckte Einlagen. 5 % des jeweiligen Gewinnes gelten wiederum als nicht abzugsfähige Betriebsausgaben (sogenannte Schachtelstrafe).

Gemäß § 8b Absatz 3 Satz 3 KStG sind Gewinnminderungen, die im Zusammenhang mit dem in Absatz 2 genannten Anteil stehen, bei der Ermittlung des Einkommens nicht zu berücksichtigen. Sie werden außerbilanziell wieder hinzugerechnet. Hierdurch hat der Gesetzgeber für die Ausgabeseite eine Korrespondent zur für Veräußerungsgewinne statuierten Steuerbefreiung hergestellt.

Es besteht aber keine im Sinne einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise weit zu verstehende Korrespondenz zwischen der Einnahmenseite und der Ausgabenseite. Was gemäß § 8b Absatz 2 KStG steuerfrei und gemäß § 8b Absatz 3 KStG als Gewinnminderung unberücksichtigt bleibt, ist allein am Gewinnbegriff im Sinne des § 8b Absatz 2 KStG und an der Gewinnminderung im Sinne des § 8b Absatz 3 KStG andererseits festzumachen. Ein irgendwie gearteter wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen Gewinnen und Verlusten allein ist nicht ausreichend.

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Haben Sie Fragen zur Steuerbefreiung von Veräußerungsgewinnen?

Unsere Kanzlei hat sich hierauf besonders spezialisiert. Vereinbaren Sie jetzt Ihren Beratungstermin mit unseren Steuerberatern und Rechtsanwälten:

2. Sachverhalt: Auseinandersetzung zwischen Gesellschaften

2.1. Tatsächliche Umstände

Der Sachverhalt war der folgende:

Die Klägerin war die A GmbH. Die A GmbH beteiligte sich zu 36 % an der A-Ltd, deren Geschäftsführer E und F waren. Diese sollte in Rumänien ein Schiffsregister aufbauen. Dazu leistete die GmbH Kapitalzahlungen in Höhe von insgesamt 250.000 EUR. Weitere an der A-Ltd Beteiligte waren die B GmbH mit ebenfalls 36 % und die die C GmbH & Co. KG.

Zum Betrieb des Schiffsregisters schloss die A-Ltd. mit der örtlichen Schifffahrtsbehörde in Rumänien einen Dienstleistungskonzessionsvertrag über 30 Jahre. Auf Grundlage dieses Vertrags baute die A-Ltd den Betrieb des Registers auf.

Im Jahr 2013 scheiterte der Betrieb des Schiffsregisters. Grund war, dass die rumänische Regierung verschiedene hierzu erforderliche Rechtsverordnungen über den Betrieb des Schiffsregisters nicht in Kraft setzte.

Die Klägerin, die B GmbH und die D GmbH gewährten der A-Ltd. ein Darlehen in Höhe von 50.000 EUR. Dies diente der Finanzierung der Liquidation der A-Ltd. und der Vorbereitung einer rechtlichen Auseinandersetzung mit der örtlichen Schifffahrtsbehörde.

Da Zweifel an der Durchsetzbarkeit von Schadensersatzansprüchen der A-Ltd. gegen die rumänische Schifffahrtsbehörde aufkamen, schloss die Klägerin mit der C-GmbH & Co. KG und E, die als Initiatoren des Schiffsregisters galten, im Dezember 2013 einen „Vergleich über Schadensersatzforderung“ über 300.000 EUR.

Es kam zur Auseinandersetzung zwischen den Gesellschaften. Die Klägerin vertrat die Auffassung ihr stehe ein Anspruch auf Schadensersatz gegen die C-GmbH & Co. KG und E in Höhe des von ihr in die A-Ltd. eingezahlten Kapitals von mindestens 300.000 Euro sowie des entgangenen Gewinns zu, da sie maßgeblich aufgrund der Einschätzung der C-GmbH & Co. KG und E in die A-Ltd. investiert hatte. Von diesem Betrag wurde ein Teil beglichen. Anfang 2014 veräußerte die Klägerin ihre Beteiligung an der A-Ltd. an die C GmbH & Co. KG gegen einen symbolischen Kaufpreis.

2.2. Rechtliche Beurteilung durch die A GmbH

In ihrer Bilanz zum 31.12.2013 wies die Klägerin ihre Beteiligung an der A-Ltd. zunächst mit einem Wert von EUR 250.000 aus. Das der A-Ltd. im Jahr 2013 gewährte Darlehen wurde zum Nennwert ausgewiesen. Die Schadensersatzleistung berücksichtige die A-GmbH als außerordentlichen Ertrag. Im Nachgang machte die Klägerin im Wege der Bilanzberichtigung geltend, der erklärte Gewinn sei um EUR 50.000 (Abschreibung auf das Darlehen) zu mindern. Zudem sei er um die zum Bilanzstichtag bestehende Rest-Schadensersatzforderung von EUR 190.000 zu erhöhen. In der Folge ergebe sich ein Verlust.

Das Finanzamt hingegen nahm hinsichtlich der Teilwertabschreibung eine auf § 8b Absatz 3 Sätze 3 und 4 KStG gestützte außerbilanzielle Korrektur in Höhe von EUR 300.000 vor. Die Schadensersatzleistung wurden gewinnwirksam erfasst.

Einspruch und Klage der A GmbH gegen diese Einordnung bleiben erfolglos. Die Klägerin argumentierte, die im direkten Zusammenhang mit den Teilwertabschreibung stehenden Ausgleichszahlungen seien aufgrund der Systematik des § 8b KStG steuerneutral zu behandeln. Die Teilwertabschreibungen seien nicht gewinnmindernd zu berücksichtigen. Der wirtschaftliche Zusammenhang begründe, dass dass umgekehrt die Schadensersatzleistungen steuerfrei sind. Dem schlossen sich das Finanzamt und das Finanzgericht nicht an.

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Besteuerung einer Gewinnausschüttung an eine Körperschaft

Wie die Besteuerung einer Gewinnausschüttung an eine Kapitalgesellschaft erfolgt.

3. Beurteilung der Auseinandersetzung durch den BFH

Der BFH argumentierte, dass die Gewinnminderung durch die Teilwertabschreibung auf die Beteiligung an der A-Ltd. und das an diese ausgerichtete Darlehen nach § 8b Absatz 3 Sätze 3 und 4 KStG bei der Ermittlung des Einkommens nicht zu berücksichtigen seien. Über das Vorliegen einer dauernden Wertminderung hinsichtlich der Beteiligung an der A-Ltd. und des ausgereichten Darlehens bestand zwischen den Beteiligten kein Streit. Daher konnte insoweit eine Teilwertabschreibung vorgenommen werden (§ 6 Absatz 1 Nummer 2 Satz 2 EStG in Verbindung mit § 8 Absatz 1 KStG).

Das hat aber nicht zur Folge, dass die Schadensersatzleistungen steuerfrei sind. Das FG hat in revisionsrechtlich nicht zu beanstandender festgestellt, dass die Schadensersatzleistungen und der Vertrag über den Anteilsverkauf an der A-Ltd. andererseits steuerlich voneinander getrennte Vorgänge sind. Es kommt grade nicht auf eine wirtschaftliche Betrachtung an.

Daher kann die Schadensersatzleistung durch die C GmbH & Co. KG und E an die Klägerin nicht als Teil eines Gewinns aus der Veräußerung der Anteile an der A-Ltd. im Sinne des § 8b Absatz 2 Satz 1 KStG angesehen werden, der bei der Ermittlung des Einkommens außer Ansatz bliebe. Soweit die Klägerin erstmals im Revisionsverfahren vorträgt, ein Verkauf der Anteile sei bereits anlässlich des „Vergleichs über Schadensersatzforderung“ mündlich vereinbart worden, handle es sich um einen neuen Tatsachenvortrag, der im Revisionsverfahren nicht berücksichtigt werden könne.

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4. Auseinandersetzung: Unsere Gestaltungsempfehlung

Ein für die Klägerin befriedigendes Ergebnis hätte sich aber leicht erreichen lassen. Dazu hätten die Schadensersatzleistungen als Teil eines Veräußerungsgewinns im Sinne des § 8b Absatz 2 KStG angesehen werden müssen. Eine entsprechende Auslegung ist dem BFH aber verwehrt.

Daher ist es bedeutend, in vergleichbaren Konstellationen auf die konkrete (Exit-)Gestaltung Wert zu legen. Die Steuerbefreiung der Schadensersatzleistungen hätte die Klägerin auf andere Weise erreichen können. Als Kompensation für den Vermögensverlust der Klägerin aus ihrer Beteiligung an der A-Ltd. und dem ausgereichten Darlehen hätte sie mit der späteren Erwerberin der Anteile, der C GmbH & Co. KG einen Verkauf zum Buchwert von EUR 300.000 vereinbaren können. Dann wäre der Gewinn aus dem Verkauf der Anteile nach § 8b Absatz 2 KStG im Ergebnis zu 95 % steuerfrei gewesen.

Insoweit ist auch zu beachten, dass der BFH Feststellungen tatsächlicher Art nur eingeschränkt überprüfen kann. Auf Grundlage des § 118 Absatz 2 FGO kann er die, die tatsächlichen Umstände betreffenden Würdigungen im Revisionsverfahren nur daraufhin überprüfen, ob sie in verfahrensfehlerhafter Weise zustande gekommen sind oder ob sie gegen Denkgesetze oder gegen allgemeine Erfahrungssätze verstoßen. Im Übrigen ist der BFH an die Beurteilung des FG gebunden. Das gilt auch dann, wenn eine abweichende Würdigung gleichermaßen möglich oder naheliegend ist. Daher werden Verfahren, bei denen es um die Auslegung von Vereinbarungen geht, grundsätzlich vor den Finanzgerichten gewonnen oder verloren werden.

Daher ist ein umfassender und sorgfältiger Tatsachenvortrag unerlässlich. Ein neuer Tatsachenvortrag, der eine Auslegung im Sinne des Klägers entgegen den Wertungen des FG ermöglicht, ist im Revisionsverfahren nicht möglich.

Der Sachverhalt zeigt, dass im Rahmen von Auseinandersetzungsgestaltungen Sorgfalt an den Tag zu legen ist, um steuerliche Überraschungen zu vermeiden.


Steuerberater für Unternehmen

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung für Unternehmen spezialisiert. Beim der Gestaltung von Auseinandersetzungen zwischen Unternehmen schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Unternehmenskauf

  1. Beratung beim Unternehmenskauf (Verkauf GmbH, Verkauf GmbH & Co. KG, Nutzung von Verlustvorträgen)
  2. Beratung beim Unternehmensverkauf (Vorteile bei Share Deal & Asset Deal)
  3. Haftung beim Unternehmenskauf
  4. Trotz Share-Deal beim GmbH Kauf Steuern sparen

Unternehmensverkauf

  1. Fünftelregelung bei Betriebsveräußerungen
  2. Umsatzsteuerliche Bewertung beim GmbH Verkauf
  3. Gestaltungen bei Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften
  4. Anteilsveräußerungen bei Personengesellschaften
  5. Leibrente anstelle des Kaufpreises

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort Köln

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Standort Bonn

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Telefon-/Videokonferenz

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Auch ohne den Freibetrag oder die Tarifbegünstigung des § 34 Absatz 3 EStG bei der Veräußerung eines Betriebs oder bei dessen Aufgabe zu nutzen, lässt sich die Steuerbelastung auf den Betriebsveräußerungsgewinn reduzieren. Dies erfordert allerdings eine besonders vorausschauende Planung. Wie Sie vorausschauend planen erklären wir in diesem Beitrag.

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Unser Video: Unternehmensverkauf: Wer zahlt welche Steuern?

In diesem Video erklären wir, wie viel Steuern Sie bei Unternehmensverkauf zahlen.

Inhaltsverzeichnis


1. Grundlegende Regelung zum Betriebsveräußerungsgewinn

1.1. Grundsätzlich Begünstigung des Betriebsveräußerungsgewinns

Wenn Sie Ihren Betrieb veräußern oder aufgeben wollen, dann sind auf den Gewinn Steuern zu zahlen und der Veräußerungsgewinn nach § 16 Absatz 2 EStG zu ermitteln. Von dem Kaufpreis müssen demnach die Veräußerungskosten und der Wert des Betriebsvermögens (Buchwert) abgezogen werden. Der so ermittelte Gewinn unterliegt grundsätzlich der regulären Besteuerung.

Jedoch lässt sich die steuerliche Belastung reduzieren. Grundsätzlich gibt es für solche Fälle

1.2. Begünstigung des Betriebsveräußerungsgewinns aber nur in engen Grenzen

Diese Begünstigungen greifen aber nur unter besonderen Voraussetzungen. Weiterhin wird der Freibetrag um den Betrag gekürzt, um den der Veräußerungsgewinn EUR 136 000 übersteigt. Damit wirkt sich der Freibetrag ab einem Veräußerungsgewinn von EUR 181 000 steuerlich nicht mehr aus. Zudem ist zu beachten, dass der Freibetrag und der besondere Steuersatz nur einmal im Leben gewährt werden. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, so kann die Steuerlast erheblich werden, da mitunter erhebliche stille Reserven realisiert werden. Für die außerordentlichen Einkünfte greift dann lediglich die sogenannte Fünftelregelung des § 34 Absatz 1 EStG.

1.3. Möglichkeit der überproportionalen Belastung

Die Fünftelregelung kann aber zu eine überproportionalen Belastung führen. Dazu kann es dann kommen, wenn neben den außerordentlichen Einkünften noch solche bezogen werden, die der regulären Besteuerung unterliegen (sogenanntes verbleibendes zu versteuerndes Einkommen). Anzudenken sei hier zum Beispiel an Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit oder Vermietung und Verpachtung.

Das beruht auf der Art der Berechnung der Fünftelregelung:

  1. Zuerst ist das zu versteuernde Einkommen um die darin enthaltenen außerordentlichen Einkünfte zu vermindern. Im Gesetz wird diese Größe als das „verbleibende zu versteuernde Einkommen“ bezeichnet.
  2. Für dieses verbleibende zu versteuernde Einkommen ist die Einkommensteuer nach dem allgemeinen Tarif des § 32a EStG zu ermitteln.
  3. Sodann wird die Einkommensteuer zuzüglich eines fünftels der außerordentlichen Einkünfte berechnet.
  4. Die Einkommensteuer für die außerordentlichen Einkünfte ergibt sich schließlich indem die Differenz der unter 2. und 3. ermittelten Steuerbeträge mit dem Faktor 5 multipliziert.
  5. Die tarifliche Einkommensteuer ergibt sich aus der Addition der für das verbleibende zu versteuernde Einkommen ermittelten Einkommensteuer und der auf de außerordentlichen Einkünfte entfallenden Einkommensteuer.

Das führt zu einer sprunghaften Erhöhung der Grenzsteuerbelastung, wenn sich die nicht begünstigten Einkünfte verändern. Zusätzliche nicht begünstige Einkünfte wirken sich fünffach auf die Steuerbelastung der begünstigten aus und lassen die Grenzsteuerbelastung der nicht begünstigten Einkünfte im Extremfall auf das Fünffache des Spitzensteuersatzes (damit 225 %) ansteigen. Der höchste Grenzsteuersatz wird erreicht, wenn das um ein Fünftel der außerordentlichen Einkünfte erhöhte verbleibende zu versteuernde Einkommen im Bereich der oberen Proportionalzone liegt und das verbleibende zu versteuernde Einkommen kleiner ist als der Grundfreibetrag.

1.4. Beispiel zur überproportionalen Belastung

Dazu folgendes Beispiel:

  1. Zur Berechnungsstufe 1: Der Steuerpflichtige erzielt EUR 1 Mio. Betriebsveräußerungsgewinn und EUR 10 000 Vermietungseinkünfte.
  2. Zur Berechnungsstufe 2: Die Einkommensteuer auf die Vermietungseinkünfte (verbleibendes zu versteuerndes Einkommen) beträgt 0, weil der Grundfreibetrag nicht überschritten ist
  3. Zur Berechnungsstufe 3: 1/5 von 1 Mio. beträgt EUR 200 000, somit ist die Einkommensteuer für 210 000 EUR zu berechnen. Sie beträgt EUR 78 227
  4. Zur Berechnungsstufe 4: Die Differenz von Stufe 2 und 1 (78 227 – 0) beträgt 78 227. Dieser Betrag ist mit 5 zu multiplizieren. Damit kommt ein Betrag von EUR 391 135 heraus.
  5. Zur Berechnungsstufe 5: Für sämtliche Einkünfte beträgt die tarifliche Einkommensteuer dann EUR 0 + EUR 391 135.

Betrachtet man nun das verbleibende zu versteuernde Einkommen isoliert, so unterliegt dies eine Besteuerung mit einem Grenzsteuersatz von 225 % und ist damit überproportional belastet.

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2. Steuergestaltung durch zusätzliche Ausgaben

2.1. Zusätzliche Ausgaben zur Reduktion der Steuerlast beim Betriebsveräußerungsgewinn

Liegen die Voraussetzungen der oben genannten steuerlichen Begünstigung nicht vor, so gibt es einen weiteren Weg, um die Steuerbelastung zu reduzieren. Diese weitere Möglichkeit besteht darin, in dem Jahr der Aufgabe oder Veräußerung Ausgaben zu tätigen. Es kann versucht werden, das der regulären Besteuerung unterliegende zu versteuernde Einkommen auf EUR 0 zu reduzieren. Die daraus resultierenden Steuervorteile können erheblich sein. Geschickt getätigte Ausgaben können eine über 100 Prozent der Ausgabe liegende Steuerersparnis erzielen. Zudem können Entlastungen in Höhe des Spitzensteuersatzes von 45 % eintreten.

Denkbar ist es, dass neben den Veräußerungsgewinnen weitere Einkünfte, wie Einkünfte aus Vermietung oder Verpachtung (§ 21 EStG) erzielt werden. Bei diesen Vermietungsobjekten könnten dann Erhaltungsaufwendungen getätigt und so das zu versteuernde Einkommen verringert werden. Daneben gibt es aber noch weitere Möglichkeiten, wie zum Beispiel das Leisten von Spenden nach § 10b EStG.

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2.2. Beispiel

Der nach § 16 EStG ermittelte Betriebsveräußerungsgewinn eines Steuerpflichtigen beträgt EUR 250 000. Das gesamte zu versteuernde Einkommen des Jahres beträgt EUR 280 000. Darin sind Einkünfte nach § 15 EStG, der Gewinn aus der Betriebsveräußerung und die Vermietungseinkünfte enthalten. Infolge der Fünftel-Regelung beträgt die Einkommensteuer grundsätzlich EUR 99 335. Dann ist es ratsam in dem Jahr der Aufgabe oder Veräußerung des Betriebs Ausgaben zu tätigen. Möglich ist dies zum Beispiel durch Vorziehung des Erhaltungsaufwands bei den Vermietungsobjekten.

Durch einen Erhaltungsaufwand in Höhe von EUR 5 000 reduziert sich das der normalen Besteuerung unterliegende zu versteuernde Einkommen von 30 000 EUR auf 25 000 EUR. Dadurch reduziert sich die Steuerbelastung auf EUR 94 515. Somit führen die EUR 5 000 zu einer Steuerersparnis von EUR 4 820 (96,4 % der Ausgaben).

Ein Erhaltungsaufwand in Höhe des der normalen Besteuerung unterliegenden zu versteuernden Einkommens – 30 000 EUR – reduziert dieses Einkommen auf EUR 0. Infolge dessen reduziert sich das Einkommen auf EUR 56 715. Folglich haben die Ausgaben zu einer Steuerersparnis von EUR 42 620 geführt (142 % der Ausgaben).

Ausgaben in Höhe des, der normalen Besteuerung unterliegenden zu versteuernden Einkommen, erweisen sich daher am geeignetsten, um die Steuerbelastung bei der Fünftelregelung effektiv zu senken. Wichtig ist dabei aber auch noch zu erkennen, dass es sich um sofort abzugsfähige Ausgaben handeln muss, also grade nicht um solche, die abzuschreiben sind. Aus diesem Grund sind auch Spenden geeignet.

3. Fazit: Steuern auf den Betriebsveräußerungsgewinn lassen sich reduzieren

Durch zusätzliche Ausgaben lässt sie Steuerbelastung auf den Betriebsveräußerungsgewinn erheblich reduzieren. Die Reduktion kann höher als die tatsächlich gezahlte Ausgabe sein. Jedoch muss die Ausgabe dann ihrerseits hoch sein. Das erfordert, das Sie auf einen Schlag eine erhebliche Summe an Kapital bedürfen. Dazu müssen Sie Ihre Finanzen genau planen und wissen in welchem Jahr Sie Ihren Betrieb veräußern oder aufgeben wollen.


Steuerberater für Umstrukturierungen Ihres Unternehmen

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zur steuerlichen Belastung bei der Umstrukturierung des Unternehmens spezialisiert. Bei der Veräußerung oder der Aufgabe sowie der Umwandlung des Betriebs schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Betriebsaufgabe/-veräußerung

  1. Veräußerung von Anteilen an Personen- oder Kapitalgesellschaften
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  3. Steuerneutrale Übertragung von Personengesellschaften und Einzelunternehmen
  4. Steueroptimierter Verkauf einer Personengesellschaft

Umwandlungen

  1. Beratung zu sämtlichen Umwandlungsvorgängen (Einbringung, Verschmelzung, Formwechsel, Anteilstausch)
  2. Beurteilung der Missbrauchsvorschriften im Umwandlungssteuerrecht

Unternehmenskauf

  1. Beratung beim Unternehmenskauf (Verkauf GmbH, Verkauf GmbH & Co. KG, Nutzung von Verlustvorträgen)
  2. Beratung beim Unternehmensverkauf (Vorteile bei Share Deal & Asset Deal)

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

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Die Fünftelregelung des § 34 Absatz 1 EStG ist eine Tarifbegünstigung für außerordentliche Einkünfte. Zu diesen außerordentlichen Einkünften zählen auch die Gewinne bei Betriebsveräußerung oder Betriebsaufgabe. Wir erklären, wie die Fünftelregelung funktioniert und wie Sie durch vorausschauende Planung die Steuerlast optimieren.

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Unternehmensverkauf: Wer zahlt welche Steuern in welcher Rechtsform?

In diesem Video erklären wir, wie viel Steuern Sie bei Unternehmensverkauf zahlen.

Inhaltsverzeichnis


1. Fünftelregelung

1.1. Zweck der Fünftelregelung

Prinzip der Einkommensteuer ist das der jährlichen Besteuerung, so dass der Jahreszeitraum zugleich den zeitlichen Anwendungsbereich des progressiven Tarifs bestimmt. Problematisch ist dabei jedoch, dass das Einkommen dem Steuerpflichtigen oft nicht regelmäßig und nicht in den Zeiträumen zufließt, in denen es erwirtschaftet wird. Vielmehr fließen Vergütungen oder Einkünfte oft für mehrere Jahre in einer Summe zu. Dann kommt es durch die Progression in der Regel zu einer überproportionalen Belastung. Ein regelmäßiger und verteilter Zufluss des Einkommens führt zu einem niedrigeren progressiven Tarif und damit zu einer niedrigeren Gesamtsteuerbelastung.

Um diese höhere Gesamtsteuerbelastung auszugleichen gibt es im Einkommensteuergesetz Tarifbegünstigungen und Freibeträge für die sogenannten außerordentliche Einkünfte, die auf einer Zusammenballung von Einnahmen beruhen. So sollen erhöhte Belastungen korrigiert und das Jahressteuerprinzip systematisch ergänzt werden.

1.2. Überblick zur Fünftelregelung

§ 34 Absatz 1 EStG regelt eine Tarifermäßigung für diejenigen Einkünfte, die zwar in einem Steuerabschnitt zu fließen, aber Entgelt für die Leistungsfähigkeit aus mehreren Steuerabschnitten sind, sogenannte außerordentliche Einkünfte. Dazu gehört auch der Gewinn aus der Veräußerung eines Betriebs. Diese Tarifermäßigung führt durch die rechnerische Verteilung der außerordentlichen Einkünfte auf fünf Jahre zu einer Steuerermäßigung. Dabei ist unterstellt, dass das übrige zu versteuernde Einkommen in allen fünf Jahren unverändert bleibt.

Bei den außerordentlichen Einkünften handelt es sich nicht um eine neue Einkunftsart. Die Ermittlung des Einkommens wird auch nicht dem Grunde nach geändert. Es handelt sich vielmehr um eine eigenständige Steuerberechnung für eine besondere Art von Einkünften, die zur einer Tarifermäßigung führen kann. § 34 Absatz 2 EStG zählt dabei abschließend diejenigen Einkünfte auf, die für die Tarifermäßigung in Betracht kommen. Veräußerungsgewinne lassen sich dort in der Nummer 1 finden.

§ 34 EStG kann von unbeschränkt Steuerpflichtigen in vollem Umfang in Anspruch genommen werden. Zusammenveranlagte Ehegatten werden gemeinsam als ein Steuerpflichtiger behandelt. In bestimmten Fällen kann durch die getrennte Veranlagung aber eine höhere Steuerentlastung erreicht werden. Warum erklären wir im weiteren Verlauf des Beitrags.

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2. Anwendung der Fünftelregelung

2.1. Fünftelregelung gilt für außerordentliche Einkünfte

Außerordentlich ist dabei ein ungewöhnlicher, bedeutsamer und untypischer Vorgang. Daher sind sie von den regelmäßigen laufenden Einkünften und von den in einer Einkunftsart typischerweise anfallenden Vermögensmehrungen abzugrenzen.

Allein die Aufzählung eines Ertrages in § 34 Absatz 2 EStG, bedeutet jedoch noch nicht, dass auch ein Anspruch auf die Tarifermäßigung des § 34 Absatz 1 EStG besteht. Vielmehr beruhen die dort beschriebenen Einkünfte in der Regel auf ungewöhnlichen und seltenen Geschäftsvorfällen. Die Tatbestände des § 34 Absatz 2 EStG, wozu beispielsweise auch Abfindungen gehören, indizieren daher die Außerordentlichkeit. Veräußerungsgewinne und Aufgabegewinne (§ 34 Absatz 2 Nummer 1 EStG) beruhen auf der Beendigung der Erwerbstätigkeit. Diese sind immer außerordentlicher Natur. Bei den anderen Nummern des § 34 Absatz 2 EStG ist hingegen die Außerordentlichkeit nach der oben genannten Definition im Einzelfall zu prüfen.

2.2. Zusammenballung erforderlich

Ferner müssen die Einkünften eine Zusammenballung von Einnahmen darstellen, die sich bei normalen Ablauf auf mehrere Jahre verteilt hätten. Zusammenfassend sind außerordentliche Einkünfte stets einmalige, für die jeweilige Einkunftsart ungewöhnliche Einkünfte, die das zusammengeballte Ergebnis mehrerer Jahre darstellen.

2.3. Veräußerungsgewinne als außerordentliche Einkünfte

Bei den Veräußerungsgewinne kommt es zu einer Verschärfung der Steuerprogression, weil der Steuerpflichtige über mehrere Jahre entstandene stille Reserven von Wirtschaftsgütern in einem Wirtschaftsjahr realisiert. Die Erträge dürfen nicht dem laufenden Gewinn zuzuordnen sein. Erst, wenn dies nicht der Fall ist, liegen außerordentliche Einkünfte vor.

Daneben müssen die Veräußerungseinkünfte auch eine Zusammenballung von Einkünften darstellen. Diese setzt aber voraus, dass alle stillen Reserven der wesentlichen Grundlage des Betriebs in einem einheitlichen Vorgang aufgelöst werden. Dementsprechend muss in Bezug auf den Gegenstand der Veräußerung eine einheitliche Vollrealisierung der stillen Reserven vorliegen. Jedoch kommt es nicht immer zur Vollrealisierung der stillen Reserven.

Die Tarifermäßigung ist auch auf Betriebe oder Teilbetriebe anzuwenden, die ihre werbende Tätigkeit noch nicht aufgenommen haben. Voraussetzung ist jedoch, dass die wesentlichen Betriebsgrundlagen bereits vorhanden sind und bei zielgerichteter Weiterverfolgung des Aufbauplans ein selbstständig lebensfähiger Organismus zu erwarten ist. Es muss also ein funktionsfähiger (Teil-)Betrieb gegeben sein.

Die Betriebsaufgabe steht der Veräußerung gleich (§ 16 Absatz 3 Satz 1 EStG). Grundsätzlich setzt ein Betriebsaufgabegewinn voraus, dass alle wesentlichen Betriebsgrundlagen entweder an verschiedene Erwerber veräußert oder ins Privatvermögen überführt werden oder eine Kombination aus beiden Möglichkeiten vorliegt. Wird auch nur eine einzige wesentliche Betriebsgrundlage im Rahmen eines anderen Betriebs verwendet und zum Buchwert in das dortige Betriebsvermögen überführt, liegt im Ganzen keine begünstigte Betriebsaufgabe vor.

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Betriebsveräußerung, Betriebsaufgabe, Realteilung (§ 16 EStG)

In diesem Video erklären wir, wie die Betriebsveräußerung rechtlich zu behandeln ist.

2.4. Wahlrecht

Für die außerordentlichen Einkünfte steht dem Steuerpflichtigen ein Wahlrecht zu. Er kann entscheiden, ob er die Besteuerung mit dem ermäßigten durchschnittlichen Steuersatz nach § 34 Absatz 3 EStG oder die ermäßigte Besteuerung nach der Fünftelregelung gemäß § 34 Absatz 1 EStG beantragt. Die Tarifermäßigungen können nur alternativ in Anspruch genommen werden, so dass eine Doppelbegünstigung ausgeschlossen ist. Liegen die Voraussetzungen für eine Steuerermäßigung nach § 34 Absatz 3 EStG nicht vor, so kommt eine Steuerermäßigung nach § 34 Absatz 1 EStG in Betracht. Liegen die Voraussetzungen des § 34 Absatz 3 EStG vor, so hat das Finanzamt gegebenenfalls auf die Möglichkeit der Antragstellung hinzuweisen.

3. Berechnung der Einkommensteuer unter der Fünftelregelung

3.1. Zunächst Ermittlung der außerordentlichen Einkünfte

Es ist zwischen den begünstigungsfähigen Einkünften und denen, die der regulären Besteuerung unterliegen (sogenanntes verbleibendes zu versteuerundes Einkommen) zu unterscheiden. Diese sind daher getrennt voneinander zu ermitteln. Dies ist für die Veräußerungsgewinne explizit in § 16 Absatz 2 EStG geregelt.

Voraussetzung für die Berechnung der Tarifermäßigung gemäß § 34 Absatz 1 Satz 2 und Satz 3 EStG ist die Ermittlung der begünstigungsfähigen Einkünfte. Diese werden als besondere Art von Einkünften eigenständig ermittelt. Dabei mindern Freibeträge für Veräußerungsgewinne die zu berücksichtigenden Einkünfte. Mit den Veräußerungsgewinnen unmittelbar zusammenhängende Betriebsausgaben sind von diesen abzuziehen.

Die von der Summe der Einkünfte abzuziehenden Beträge, also insbesondere Sonderausgaben und allgemeine Belastungen sind zunächst bei den nicht nach § 34 EStG begünstigten Einkünften zu berücksichtigen.

Grundsätzlich sind die gesamten außerordentlichen Einkünfte bis zur Höhe des zu versteuernden Einkommen tarifbegünstigt. Etwas anderes gilt, wenn die Veräußerungsgewinne dem Teileinkünfteverfahren unterfallen.

Die außerordentlichen Einkünfte unterliegen auch beim Verlustausgleich einer gesonderten Behandlung. Sie werden erst zum Verlustausgleich herangezogen, wenn alle laufenden voll steuerbaren Einkünfte mit Verlusten ausgeglichen sind. Wird ein dem Grunde nach tarifbegünstigter Gewinn im Jahr seiner Entstehung durch Verluste vollständig ausgeglichen, so entfaltet die Tarifbegünstigung endgültig keine Wirkung.

3.2. Berechnung der Einkommensteuer

Die auf die außerordentlichen Einkünfte entfallende Einkommensteuer ist in 5 Schritten zu ermitteln.

  1. Zuerst ist das zu versteuernde Einkommen um die darin enthaltenen außerordentlichen Einkünfte zu vermindern. Im Gesetz wird diese Größe als das „verbleibende zu versteuernde Einkommen“ bezeichnet.
  2. Für dieses verbleibende zu versteuernde Einkommen ist die Einkommensteuer nach dem allgemeinen Tarif des § 32a EStG zu ermitteln.
  3. Sodann wird die Einkommensteuer zuzüglich eines Fünftels der außerordentlichen Einkünfte berechnet.
  4. Die Einkommensteuer für die außerordentlichen Einkünfte ergibt sich schließlich indem die Differenz der unter 2. und 3. ermittelten Steuerbeträge mit dem Faktor 5 multipliziert.
  5. Die tarifliche Einkommensteuer ergibt sich aus der Addition der für das verbleibende zu versteuernde Einkommen ermittelten Einkommensteuer und der auf de außerordentlichen Einkünfte entfallenden Einkommensteuer.

Diese Berechnung ist einheitlich für alle im Veranlagungszeitraum bezogenen Einkünfte vorzunehmen. Der so ermittelte Betrag ist die Einkommensteuer für die außerordentlichen Einkünfte. Die Gesamtsteuerbelastung des Steuerpflichtigen ergibt sich aus der Zusammenrechnung der Einkommensteuer für die außerordentlichen Einkünfte und der für das verbleibende zu versteuernde Einkommen.

Wenn Steuerpflichtige laufende Einkünfte erzielen, die – soweit die Grundtabelle zur Anwendung gelangt – mehr als EUR 52 882 betragen, so tritt eine steuerliche Entlastung der außerordentlichen Einkünfte durch die Fünftelregelung nicht mehr ein.

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4. Steuerplanung

Die rechnerische Verteilung der außerordentlichen Einkünfte auf fünf Jahre gemäß § 34 Absatz 1 EStG bewirkt in vielen Fällen eine Milderung der Progression, weil nur ein Fünftel der außerordentlichen Einkünfte progressionssteigernd zu berücksichtigen sind. Die Entlastungswirkung des § 34 Absatz 1 EStG hängt von der Höhe des verbleibenden zu versteuernden Einkommens ab. Die Tarifbegünstigung wirkt sich besonders günstig aus, wenn der Steuerpflichtige ausschließlich außerordentliche Einkünfte erzielt. In diesen Fällen steigen die Grenzsteuersätze im Ergebnis fünfmal langsamer als bei Anwendung des normalen Tarifs.

Die Begünstigungswirkung reduziert sich, sobald der Steuerpflichtige neben den außerordentlichen Einkünften auch ordentliche Einkünfte erzielt. Die Begünstigung entfällt vollständig, wenn bereits mit den regulären Einkünften der Spitzensteuersatz erreicht ist. In solchen Fällen können Sie das nachsteuerliche Einkommen durch die Inanspruchnahme zusätzlicher Abzugsbeträge optimieren.

Die Auswirkungen haben zur Folge, dass Sie die Tarifermäßigung durch eine vorausschauende Planung optimal auszunutzen können. Besteht, wie bei Veräußerungsgewinnen ein Einfluss auf den Zeitpunkt der Realisierung außerordentlicher Einkünfte, sollten Sie darauf achten, dass Sie begünstigte und nicht begünstigte Einkünfte in jeweils unterschiedlichen Veranlagungszeiträumen erzielen. Die einvernehmliche Verschiebung einer Zahlung in ein Folgejahr aus steuerlichen Gründen führt noch nicht zu einem Zufluss und ist nur dann als Gestaltungsmissbrauch zu werten, wenn der Zahlungszeitpunkt willkürlich ist und keinen Bezug zum wirtschaftlichen Hintergrund hat.

Bei Veräußerungsgewinnen ist zudem das Wahlrecht zwischen der Sofortversteuerung und der Veräußerung gegen eine laufend zu besteuernde Leibrente zu beachten. Vielfach lässt sich eine aufgeschobene Besteuerung durch Zahlung einer Leibrente empfehlen.

Bei Ehegatten ist zu prüfen, ob sich bei außerordentlichen Einkünften die getrennte Veranlagung empfiehlt. Daran ist dann zu denken, wenn die laufenden Einkünfte des einen Ehegatten die Begünstigung der außerordentlichen Einkünfte des anderen Ehegatten reduzieren oder aufheben. Dazu kommt es dann, wenn der andere Ehegatte besonders hohe Einkünfte erzielt.

5. Kritik an dieser Ausgestaltung

Die Abhängigkeit der Tarifermäßigung von dem verbleibenden zu versteuernden Einkommen kann zu einer rechnerisch überproportionalen Belastung des verbleibenden zu versteuernden Einkommen führen. Liegt das aus laufenden Einkünften bestehende Einkommen unter dem Existenzminimum (Grundfreibetrag) und die außerordentlichen Einkünfte in der proportional zu besteuernden Zone, kann der Grenzsteuersatz bezogen auf das verbleibende zu versteuernde Einkommen über 200 % betragen. Der BFH weist jedoch darauf hin, dass die überproportionale Belastung aus einer isolierten Betrachtung der nicht begünstigen Einkünfte herrühre, und dass Maßstab für die verfassungsrechtliche Beurteilung die Belastung des gesamten zu versteuernden Einkommens sei. Dementsprechend ist diese überproportionale Belastung hinzunehmen.


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Zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb gehören nach dem Einkommensteuergesetz (EStG) neben laufenden auch einmalige Erträge (gewerbliche Veräußerungsgewinne). Während die laufenden Gewinne in § 15 EStG geregelt sind, finden Sie die Veräußerungen in den §§ 16 und 17 EStG. An einigen Stellen gibt es zusätzliche Verknüpfungen im Außensteuergesetz (AStG), über die wir Ihnen einen Überblick geben!

Unser Video: Gewerbliche Veräußerungsgewinne

Im zweiten Teil des Videos gehen wir auf die steuerliche Behandlung der verschiedenen Veräußerungsgewinne nach dem EStG ein.

Inhaltsverzeichnis

1. Grundlagen: Welche gewerblichen Veräußerungsgewinne gibt es?

„Veräußerungsgewinn ist nicht gleich Veräußerungsgewinn“ – dieses Motto können Sie sich bereits an dieser Stelle merken. Denn der Gesetzgeber unterscheidet im EStG zwischen mehreren Gewinnarten, die aber alle zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb gehören. Diese sind:

Unter dem Begriff der „unechten“ Veräußerungsgewinne fassen wir solche Erträge zusammen, die zwar aus einer Veräußerung resultieren, dabei aber nicht unter § 16 oder § 17 EStG fallen. Sie gelten stattdessen jeweils als laufender Gewinn. Relevant ist dies etwa beim Verkauf eines Teils eines Mitunternehmeranteils, da nur der Verkauf des gesamten Anteils unter § 16 EStG fällt.

2. Betriebsveräußerung und Betriebsaufgabe (§ 16 EStG)

Gewinne, die Sie mit dem Verkauf oder der Aufgabe eines Gewerbebetriebs erzielen, gehören als Veräußerungsgewinne zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb. Die Aufgabe ist dabei einem Verkauf gleichgestellt, was durch die Besteuerung der stillen Reserven (vielleicht auch erst auf den zweiten Blick) sinnvoll erscheint.

Von § 16 EStG sind diese Tatbestände umfasst:

Den Veräußerungsgewinn berechnen Sie, indem Sie den Wert des Betriebsvermögens und die Veräußerungskosten vom Verkaufspreis abziehen. Bestimmte Steuerpflichtige erhalten außerdem einen Freibetrag.

2.1 Wert des Betriebsvermögens beim Aufgabe- oder Verkaufsgewinn

Der Wert des Betriebsvermögens ergibt sich aus einer Bilanz, die Sie zum Verkaufsstichtag aufstellen müssen. Denn der Gesetzgeber erlaubt bei der Berechnung des Veräußerungsgewinns nach § 16 EStG lediglich die bilanzielle Ermittlung des Gesamtwertes aller Wirtschaftsgüter.

Wurde der Gewinn bisher via Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) ermittelt, ist ein Wechsel der Gewinnermittlungsart auf den Stichtag erforderlich.

2.2 Veräußerungspreis

Der Veräußerungspreis entspricht dem Betrag, den Sie als Gegenleistung für die Übergabe des Betriebs erhalten. Da in der Regel eine Betriebsveräußerung im Ganzen vorliegt, fällt keine Umsatzsteuer an. Dadurch gilt „netto gleich brutto“.

Sofern keine echte Veräußerung, sondern lediglich eine ihr gleichgestellte Entnahme vorliegt, ist der gemeine Wert maßgeblich.

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2.3 Freibetrag nach § 16 Absatz 4 EStG

Der Veräußerungsgewinn wird um einen Freibetrag von EUR 45.000 gekürzt, wenn der Steuerpflichtige

Doch damit ist es noch nicht getan. Denn § 16 Absatz 4 EStG beinhaltet zusätzlich eine Regelung zur Abschmelzung des Freibetrags. Er vermindert sich um den Teil des Veräußerungsgewinns, der die Grenze von EUR 136.000 übersteigt.

Beispiel: Sie ermitteln einen Veräußerungsgewinn von EUR 150.000. Die Grenze von EUR 136.000 ist um EUR 14.000 überschritten. Vom Freibetrag erhalten Sie daher nur EUR 31.000 (EUR 45.000 minus EUR 14.000).

Unter denselben Voraussetzungen können betroffene Steuerpflichtige die Ermäßigungen nach § 34 Absatz 3 EStG in Anspruch nehmen. Der Veräußerungsgewinn wird dabei nur mit 56 Prozent der üblicherweise anfallenden Einkommensteuer besteuert. Steuerpflichtige, die die Voraussetzungen des § 16 Absatz 4 EStG nicht erfüllen, profitieren hingegen von der sogenannten Fünftel-Regelung.

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Wegzugsbesteuerung

In diesem Video erfahren Sie mehr über die neue Wegzugsteuer, die eine fiktive Veräußerung nach § 16 oder § 17 EStG auslösen kann.

3. Veräußerungsgewinne bei Anteilen an Kapitalgesellschaften (§ 17 EStG)

Auf den ersten Blick etwas verwunderlich, aber im Kern konsequent ist die Vorschrift des § 17 EStG. Sie unterwirft Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften ebenfalls den Einkünften aus Gewerbebetrieb. Hintergrund ist, dass der Gesetzgeber hier von einer „unternehmer-ähnlichen“ Beteiligung ausgeht, bei der nicht mehr nur die reine Kapitalanlage (§ 20 EStG) im Mittelpunkt steht.

Damit Veräußerungsgewinne unter § 17 EStG fallen, müssen folgende Voraussetzungen vorliegen:

Den Veräußerungsgewinn berechnen Sie durch Abzug der Anschaffungs- und der Veräußerungskosten vom Verkaufspreis. Beim Verkauf einer selbst gegründeten GmbH gilt die Stammeinlage als Anschaffungskosten. Verdeckte Einlagen, die bis zum Verkauf in die jeweilige Gesellschaft getätigt wurden, erhöhen die Anschaffungskosten und mindern damit den Gewinn.

Der Freibetrag nach § 17 Absatz 3 EStG beträgt EUR 9.060, wobei Sie ihn mit dem Prozentsatz der Beteiligung multiplizieren. Erreicht der Veräußerungsgewinn einen Betrag von EUR 36.100 (ebenfalls anteilig), mindert der darüberliegende Teil den Freibetrag wieder (sogenannte Abschmelzung).

Als Veräußerung im Sinne des § 17 EStG gilt auch die Übertragung eines solchen GmbH-Anteils (Beteiligung mindestens 1 %) auf eine Person, die ihren Wohnsitz oder den gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland hat, bei der also keine unbeschränkte Einkommensteuerpflicht gegeben ist (§ 6 Absatz 1 Nummer 2 AStG). Außerdem greift hier die Wegzugsteuer, wenn der Steuerpflichtige selbst ins Ausland verzieht (§ 6 Absatz 1 Nummer 1 AStG). Sofern ein Tatbestand des AStG greift, sind die Veräußerungsgewinne nach der selben Formel wie im Fall des normalen Verkaufs zu ermitteln.

Steuerberater für Unternehmensteuerrecht

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung rund um Unternehmen spezialisiert. Im persönlichen Gespräch schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise, wenn es um diese Themen geht:

Unternehmenskauf

  1. Zielorientierte Beratung beim Unternehmenskauf zur Nutzung von Verlustvorträgen
  2. Allgemeine Beratung beim Unternehmensverkauf
  3. Gegenüberstellung der Vorteile bei Share Deal & Asset Deal

Internationales Steuerrecht – Privat

  1. Erläuterungen zur unbeschränkten und beschränkten Steuerpflicht in Deutschland und im Ausland
  2. Gestaltung eines Wegzugs ins Ausland unter Vermeidung der Wegzugsteuer

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Beim Unternehmenskauf müssen Sie sich auch darüber Gedanken machen, wie Sie für die Altverbindlichkeiten des Unternehmens haften. Deswegen erklären wir, wann und in welchem Umfang Sie haften.

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die Beratung für Unternehmen spezialisiert. Dabei arbeiten wir für jeden Mandanten individuelle Gestaltungsmodelle auch zum Kauf eines Unternehmens aus. Aufgrund der aktuellen Resonanz haben wir mehrere Beiträge zu diesem Thema publiziert:

Datum

Thema
07. November 2019 GmbH kaufen: Steuern sparen beim Asset-Deal und Share-Deal
14. August 2020 Der Unternehmenskaufvertrag – Inhalte eines Share-Deals
23. April 2021 Firmenanteile kaufen – Kaufpreis in Ergänzungsbilanz abschreiben
07. Dezember 2022 Steuerklauseln beim GmbH Kauf: Regelungen zur Betriebsprüfung
17. Februar 2019 GmbH-Verlustvorträge kaufen: 6 neue Strategien zur Verlustnutzung

Unser Video: Unternehmenskauf finanzieren und trotz Share Deal Steuern sparen – So geht’s

In diesem Video erklären wir, wie Sie Ihren Unternehmenskauf finanzieren können.

Inhaltsverzeichnis


1. Unternehmenskauf beim Einzelunternehmen

1.1. Problem der Haftung beim Einzelunternehmen

Schließt der Einzelunternehmer ein Geschäft im Namen seines Unternehmens ab, so ist nicht das Unternehmen der Geschäftspartner geworden. Vielmehr ist der Inhaber persönlich berechtigt und verpflichtet. Anders ist das lediglich bei den Handelsgesellschaften und juristischen Personen. Diese sind rechtsfähig und können daher Träger von Rechten und Pflichten sein.

Der Handelsverkehr geht allerdings davon aus, dass Gläubiger von Geschäftsverbindlichkeiten diese grundsätzlich gegen das Unternehmen als solches geltend machen können. Dabei ist ihnen gleichgültig, wer der jeweilige Inhaber ist. Aufgrund dieser Verkehrsanschauung gibt es die Regelungen in den §§ 25, 27, 28 HGB. Danach gehen unter den dortigen Voraussetzungen Verbindlichkeiten auf den neuen Unternehmensinhaber über. Das Gesetz trifft dabei eine Unterscheidung zwischen drei Fällen: Dem Inhaberwechsel kraft Rechtsgeschäft (§ 25 HGB), dem Inhaberwechsel durch Erbfolge (§ 27 HGB) und dem Eintritt in das Geschäft eines Einzelkaufmannes (§ 28 HGB).

1.2. Haftungsregel beim Unternehmenskauf: § 25 Absatz 1 Satz 1 HGB

Gemäß § 25 Absatz 1 Satz 1 HGB haftet der Erwerber eines Handelsgeschäfts für die Verbindlichkeiten des früheren Inhabers, wenn er das Geschäft unter der bisherigen Firma fortführt. Dabei handelt es sich um einen gesetzlichen Schuldbeitritt. Die Haftung des früheren Inhabers bleibt deswegen unberührt. Jedoch haftet dieser gemäß § 26 HGB grundsätzliche nur fünf Jahre.

2. Unternehmenskauf: Firmenfortführung durch den Erwerber

Gemäß § 25 Absatz 1 Satz 1 HGB haftet der Erwerber eines Handelsgeschäfts für die Verbindlichkeiten des früheren Inhabers, wenn er das Geschäft unter der bisherigen Firma fortführt. Die Norm betrifft damit die Frage, von wem der Gläubiger einer Forderung gegen das Handelsgeschäft im Fall der Übernahme durch einen Dritten die Leistung verlangen kann.

Voraussetzung dafür ist, dass ein Handelsgeschäft unter Lebenden erworben wird und unter der bisherigen Firma fortgeführt wird. Zudem darf die Haftung des Erwerbers nicht ausgeschlossen sein.

Liegen die Voraussetzungen des § 25 HGB nicht vor beispielsweise, weil der Betrieb nicht fortgeführt wird, kann der Anschein der Fortführung eines fast namensgleichen Unternehmens aber auch eine Haftung nach den allgemeinen Rechtsscheinsregeln begründen.

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2.1. Handelsgeschäft

Nach dem Wortlaut des § 25 HGB muss der erworbene Betrieb ein Handelsgeschäft sein. Auf einen nichtkaufmännischen Betrieb kann die Norm nicht angewandt werden, weil bei diesem kein Haftungsausschluss nach § 25 Absatz 2 HGB in das Handelsregister eingetragen werden kann. Der nichtkaufmännische Unternehmer würde ansonsten verschärfter haften, als der kaufmännische Unternehmer.

2.2. Erwerb unter Lebenden

Ein Erwerb unter Lebenden liegt vor, wenn der Rechtsträger wechselt. Die bloße Umbenennung eines Unternehmens führt nicht zur Anwendung des § 25 Absatz 1 HGB. Bei einer solchen Firmenänderung besteht die Haftung für Altschulden ohnehin, weil sich der Rechtsträger nicht ändert.

Jedoch reicht für den Erwerb jeder rein tatsächliche Erwerb aus. Daher ist kein dinglicher Erwerb und kein wirksamer schuldrechtlicher Vertrag erforderlich. Es reicht folglich, wenn ein zeitlich beschränkter Erwerb, wie Pacht oder Nießbrauch vorliegt. Grund dafür ist, dass die Haftung entscheidend auf der Fortführung des Unternehmens beruht.

Beim Erwerb des Handelsgeschäfts im Insolvenzverfahren greift die Haftungsvorschrift des § 25 Absatz 1 HGB hingegen nicht ein. Dann sollen sich die Insolvenzgläubiger nur aus der vom Erwerber erbrachten Gegenleistung befriedigen, nicht aber durch Rückgriff auf das sonstige Vermögen des Erwerbers.

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2.3. Fortführung des Handelsgeschäfts nach dem Unternehmenskauf

Der Erwerber muss das Geschäft fortführen und die Firma beibehalten.

Das Handelsgeschäft ist fortgeführt, wenn zumindest der, den Schwerpunkt des Unternehmens bildende wesentliche Kern desselben übernommen wird. Dadurch muss sich der nach außen für den Rechtsverkehr in Erscheinung tretende Tatbestand als Weiterführung des Unternehmens in seinem wesentlichen Bestand darstellen. Daher greift die Haftung auch, wenn nur einzelne Vermögensbestandteile oder Betätigungsfelder von der Übernahme ausgeschlossen werden, solange nur der wesentliche Kern übernommen wird. Im Einzelfall ist folglich genau zu prüfen, welcher Teil den wesentlichen Kern ausmacht.

2.4. Zudem: Fortführung der bisherigen Firma

Zudem muss das Handelsgeschäft unter der bisherigen Firma fortgeführt werden. Jedoch ist dabei eine wortgetreue und buchstabengetreue Übereinstimmung zwischen alter und neuer Firma nicht erforderlich. Entscheidend ist allein, ob der Geschäftsverkehr die neue Firma noch mit der alten identifiziert. Es genügt daher, dass der Kern der Firma und die prägenden Zusätze übernommen werden.

Bei der Beurteilung, ob der prägende Zusatz übernommen wurde, gibt es gewisse Leitlinien. Ein Familienname gehört regelmäßig zum Firmenkern oder ist zumindest ein prägender Zusatz. Führt ein Einzelkaufmann neben seinem Familiennamen auch seinen Vornamen als Firmenbestandteil, so sind beide Bestandteile gleichermaßen prägend. Wird im Zuge einer Übertragung zwar der Nachnahme beibehalten, aber der Vorname ausgetauscht, liegt in der Regel eine derart gravierende Veränderung vor, dass der Geschäftsverkehr von einem gänzlich anderen Unternehmensträger ausgehen muss. Jedoch stellt die Änderung des Rechtsformzusatzes beispielsweise von „e.K.“(eingetragener Kaufmann) zu „GmbH“ keine gravierende Änderung der Firma dar. Denn der Rechtsverkehr sieht die Unternehmen als identisch an, auch wenn der Rechtsträger gewechselt hat.

Entscheidend ist zudem allein die tatsächliche Firmenfortführung. Daher ist es unerheblich, ob im Handelsregister eine andere Firma eingetragen wurde oder, ober die Fortführung im Innenverhältnis zum Veräußerer berechtigt ist, also dieser insbesondere gemäß § 22 HGB zugestimmt hat.

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2.5. Kein Haftungsausschluss

Erwerber und Veräußerer können die Haftung durch Vereinbarung ausschließen. Gegenüber Dritten wird diese Vereinbarung aber nur wirksam, wenn sie in das Handelsregister eingetragen und bekannt gemacht worden ist oder dem Dritten vom Erwerber oder Veräußerer mitgeteilt worden ist. Dies müsste allerdings unverzüglich nach der Übergabe erfolgen, da der Übergang der Verbindlichkeiten und Forderungen kraft Gesetzes im Zeitpunkt des Geschäftsübergangs erfolgt. Die Eintragung des Haftungsausschlusses ist allerdings nur zulässig, wenn eine Haftung nach § 25 Absatz 1 HGB ernsthaft in Betracht kommt.

Ein nachträglicher Haftungsausschluss ist nicht möglich, außer er erfolgt unverzüglich nach der Geschäftsübernahme. Der neue Geschäftsinhaber kann sich auch nicht durch eine Anfechtung des Übernahmevertrags im Innenverhältnis lösen. § 25 HGB knüpft die Haftung allein an die tatsächliche Übernahme und Fortführung des Geschäfts samt der Firma an. Diese ist ein reiner Realakt und kann daher nicht angefochten werden. Die Anfechtung kommt nur für rechtsgeschäftliche Willenserklärungen und rechtsgeschäftsähnliche Erklärungen in Betracht.

3. Forderungsübergang beim Unternehmenskauf

Der neue Betriebsinhaber haftet aber nicht nur. Vielmehr gelten gemäß § 25 Absatz 1 Satz 2 HGB die im Betrieb begründeten Forderungen den Schuldnern gegenüber als auf den Erwerber übergegangen. Die Norm betrifft daher die Frage, an wen der Schuldner im Falle der Übernahme des Handelsgeschäfts durch einen Dritten leisten muss.

3.1. Fortführung der Betriebs und der Firma mit Zustimmung

Dazu muss wieder ein Handelsgeschäft unter Lebenden erworben werden und unter der bisherigen Firma fortgeführt werden. Jedoch muss auch die Einwilligung des bisherigen Inhabers in die Fortführung der Firma durch den Erwerber (§ 22 HGB) vorliegen. Anders als bei § 25 Absatz 1 Satz 1 HGB muss die Fortführung daher auch im Innenverhältnis des Erwerbes zum Veräußerer zulässig sein.

3.2. Forderungsübergang nicht ausgeschlossen

Die Forderung geht nach allgemeinen Regeln nicht über, wenn die Übertragung der Forderung durch Vereinbarung zwischen Veräußerer und dem Schuldner ausgeschlossen oder von dessen Zustimmung abhängig gemacht ist. Veräußerer und Schuldner müssten also ein Abtretungsverbot vereinbart haben. Grundsätzlich sind solche Abtretungsverbote gemäß § 399 Variante 2 BGB möglich. Jedoch kann eine Abtretung trotz der Vereinbarung des Abtretungsverbots gemäß § 354a Absatz 1 HGB wirksam sein. Danach kann eine Geldforderung, deren Abtretung durch Vereinbarung mit dem Schuldner ausgeschlossen worden ist, gleichwohl wirksam abgetreten werden, wenn das Rechtsgeschäft, das die Forderung begründet hat, für beide Teile ein Handelsgeschäft ist. Daher sind Abtretungsverbote unbeachtlich, wenn das zugrundeliegende Rechtsgeschäft für beide eine Handelsgeschäft (§ 343 HGB) ist, also beide Kaufmänner sind und die Vermutung des § 344 Absatz 1 HGB nicht widerlegt wurde.

Außerdem erfasst der Übergang nur solche Forderungen, die ohne Wahrung einer besonderen Form übertragen werden können und überhaupt übertragbar sind. Die Abtretungsvoraussetzungen müssen erfüllt sein, da die Fiktion der Abtretung nach § 25 Absatz 1 Satz 2 HGB nicht weitergehen kann als eine wirklich erfolgte Abtretung. Zudem darf auch zwischen dem Veräußerer und dem Erwerber des Handelsgeschäfts keine abweichende Vereinbarung getroffen worden sein, welche im Handelsregister eingetragen oder dem Dritten vom Veräußerer oder Erwerber mitgeteilt ist (§ 25 Absatz 2 HGB).

Sind die Voraussetzungen des Forderungsübergangs erfüllt, so kann der ursprüngliche Betriebsinhaber die Forderung nicht mehr geltend machen.


Steuerberater für Unternehmen

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung für Unternehmen spezialisiert. Beim Unternehmenskauf schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

  1. Verkauf einer GmbH: Trotz Share Deal Steuern sparen; variablen Kaufpreis vereinbaren; Umsatzsteuerliche Bewertung des Anteilsverkaufs
  2. Verkauf einer GmbH & Co. KG
  3. Nutzung von Verlustvorträgen
  4. Share Deal & Asset Deal

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

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Der Kauf einer GmbH ist auf zwei unterschiedliche Weisen möglich: als Share Deal und als Asset Deal. Für den Käufer lohnt sich aus steuerlicher Sicht der Asset Deal, für den Verkäufer aber der Share Deal. Daher kommt es auf das Verhandlungsergebnis der beiden Parteien an, welche der beiden Optionen man anwendet. Sollte jedoch tatsächlich der Share Deal alternativlos bleiben, kann die zum Kauf bereite Partei dennoch einige Möglichkeiten nutzen, um Steuern zu sparen. Dazu führt sie den Share Deal mit einer Holding aus. Anschließend kann man beide Unternehmen verschmelzen. Etwaige Finanzierungskosten beim Kauf kann man dann steuermindernd berücksichtigen.

Unser Video:
GmbH-Kauf per Share Deal

In diesem Video erklären wir, wie man mit einer Holding einen GmbH-Kauf per Share Deal durchführt und dabei Steuern spart.

Inhaltsverzeichnis


1. Share Deal mit Holding – Einleitung

Ein Unternehmenskauf scheint auf den ersten Blick eine ganz simple Angelegenheit zu sein: man schließt einen Kaufvertrag und zahlt den vereinbarten Kaufpreis. Doch halt: was kauft man denn dabei eigentlich?

Einerseits kann man den bisherigen Anteilseignern ihre Anteile abkaufen; diesen Vorgang nennt man einen Share Deal. Andererseits kann man aber auch alle Vermögensgegenstände des Unternehmens – wir wollen hier prinzipiell von einer GmbH als Muster-Kapitalgesellschaft ausgehen – einzeln erwerben. Diese Güter gelangen dabei in ein eigenes Unternehmen. Die verkaufende GmbH bleibt dann somit inhaltslos zurück; sie ist dann leer. Diesen Vorgang kennt man als Asset Deal.

2. Share Deal mit Holding: Steuervorteile sichern

Abgesehen davon, dass bei Share Deal und Asset Deal unterschiedliche Sachen den Eigentümer wechseln und es sich auch um unterschiedliche Verkäufer und Käufer handelt, ist am Ende ein Unternehmen von einer Hand in eine andere gelangt. Wieso ist dann die Unterscheidung zwischen Share Deal und Asset Deal so wichtig?

Na ja, wegen der Besteuerung, die der Gesetzgeber in beiden Fällen unterschiedlich handhabt. Während der Share Deal für Verkäufer steuerlich vorteilhafter ist, weil man dabei etwa das Teileinkünfteverfahren anwenden und somit die Steuern um 40 % reduzieren kann, haben Käufer hierbei das Nachsehen. Zwar birgt dieser Vorgang für sie keine direkten steuerlichen Nachteile, aber mit einem Asset Deal hätten sie deutlich bessere steuerliche Konditionen auf ihrer Seite. Denn dabei könnten sie die für den Erwerb der Wirtschaftsgüter gezahlten Anschaffungskosten abschreiben. Mit anderen Worten: sie würden über die jeweiligen Nutzungsdauern der erworbenen Wirtschaftsgüter die Anschaffungskosten vom Fiskus komplett erstattet bekommen – praktisch geschenkt. Beim Share Deal ist dies ausgeschlossen. Deshalb favorisieren Käufer den Asset Deal.

Haben Sie Fragen zum
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3. Unser Gestaltungsmodell per Share Deal mit Holding

Dennoch kann man als Käufer auch mit einem Share Deal Steuern beim GmbH-Kauf sparen. Wie das geht, wollen wir nun vorstellen.

3.1. Ausgangslage

Angenommen Verkäufer und Käufer sind sich über den Verkauf einer GmbH per Share Deal einig. Dabei ist die GmbH solide aufgestellt und erwirtschaftet Jahr für Jahr Gewinne.

In unserem Gestaltungsmodell empfehlen wir, dass der Käufer den Kaufpreis fremdfinanziert. Dies hat selbstverständlich Zinskosten zur Folge. Aber darauf haben wir es tatsächlich auch abgesehen. Doch eins nach dem anderen.

3.2. Gründung und Erwerb der GmbH mit einer Holding

Zunächst gründet der Käufer eine eigene GmbH. Tatsächlich ist es nun diese GmbH, die das Darlehen mit ihren Kreditinstituten vereinbart. Dieses Darlehen nutzt sie nun und erwirbt die zuvor auserkorene GmbH als Tochtergesellschaft. Damit wird diese erwerbende GmbH automatisch zu einer Holding. Denn mit dem Share Deal ist die Holding zur Muttergesellschaft geworden.

3.3. Verschmelzung der Holding mit der Tochtergesellschaft

Damit haben wir aber noch keine steuerlichen Vorteile für die Holding generiert. Denn wenn sie zukünftig die Gewinne ihrer Tochtergesellschaft als Dividenden erhält, zahlt sie lediglich 1,5 % Steuern hierauf. Gleichzeitig muss sie die Zinsleistungen und die Tilgung stemmen. Zwar steht bei einer so geringen Besteuerung ein recht hoher Anteil des von der Tochtergesellschaft ausgeschütteten operativen Gewinns für diese Leistungen zur Verfügung, aber es geht noch besser.

Denn immerhin zahlt ja die erworbene Tochter-GmbH ihrerseits rund 30 % Steuern (15 % Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer). Und da kann man nun ansetzen. Indem wir die Holding mit der operativen Tochtergesellschaft verschmelzen können wir auch die Finanzierungskosten der einen Seite mit der Hauptbesteuerung der anderen Seite vereinigen. Aus der Verschmelzung geht so ein einziges Unternehmen vor, das einerseits Zinskosten zu entrichten hat, andererseits aber auch in vollem Umfang steuerpflichtig ist, wobei mit Umfang die ganzen operativen Gewinne gemeint sind.

Und der Steuervorteil? Der entsteht dadurch, dass die neue Gesellschaft die Zinskosten als Betriebsausgaben bei ihrer Besteuerung abziehen darf. Je höher dabei die Zinskosten sind, desto mehr schrumpft der steuerpflichtige Gewinn. Was dann noch für die Tilgung übrig bleibt, ist ein deutlich höherer Betrag, als vor der Verschmelzung.

Fachberatung für
Kapitalgesellschaften und ihre Anteilseigner?

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4. Holding und Tochter-GmbH verschmelzen: aufwärts oder abwärts?

Im Prinzip ist das von uns vorgeschlagene Gestaltungsmodell zum Share Deal mit Holding und anschließender Verschmelzung damit abschließend erklärt. Allerdings haben wir dabei ein kleines Detail übergangen. Denn wir haben keine Angaben dazu gemacht, ob die Verschmelzung von der Tochter-GmbH auf die Holding (also aufwärts) oder in umgekehrte Richtung (abwärts) erfolgen soll. Dazu gibt es einen recht simplen Grund: Steuerlich macht man zwischen Aufwärtsverschmelzung und Abwärtsverschmelzung keinen Unterschied. Beide sind steuerneutral zu Buchwerten durchführbar, beide haben am Ende die selben Steuern auf den laufenden Gewinn zu entrichten. Wo liegen dann die Unterschiede?

4.1. Aufwärtsverschmelzung der Tochter-GmbH auf die Holding

Bei einer Aufwärtsverschmelzung geht die zuvor operative Tochter-GmbH in der Holding-GmbH auf. Die Holding wird somit zur operativen GmbH. Durch die Verschmelzung kann die GmbH aber nun die aus der Tochtergesellschaft übernommenen Werte, also alle Aktiva und Passiva, in ihre eigene Handelsbilanz übernehmen. Oder anders ausgedrückt: man weist die stillen Reserven, die durch den Share Deal mit der Holding entstanden sind, in der Handelsbilanz aus. Damit steht sie in ihrer Außenwirkung mit deutlich besseren Zahlen da, als zuvor. Für Gläubiger, Investoren und Geschäftspartner erhöht sich also die Bonität der GmbH.

4.2. Abwärtsverschmelzung der Holding auf die Tochter-GmbH

Die Abwärtsverschmelzung hat hingegen andere Konsequenzen zur Folge. Hier erwerben die Anteilseigner der vorigen Muttergesellschaft Anteile an der vorigen operativen, die Muttergesellschaft aufnehmenden Tochtergesellschaft. Dafür gehen die zuvor gehaltenen Anteile an der Muttergesellschaft unter. Aus steuerlicher Sicht handelt es sich hierbei also um einen Erwerbsvorgang. Zwar ist der generell ebenfalls steuerfrei zu Buchwerten möglich, doch ist dies bei ausländischen Anteilseignern mitunter mit erheblichem Aufwand verbunden.

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5. Zusatzgedanke: weitere Holding vor dem Share Deal gründen

Da wäre ein weiterer Aspekt, den man bei unserem Gestaltungsmodell Share Deal mit Holding gleich von Anfang an mit im Blick haben sollte. Wenn man eine GmbH kauft, dann ist die Wahrscheinlichkeit mindestens ebenso groß, dass man sie später einmal auch wieder verkauft. Deshalb sollte man schon vor dem Kauf der GmbH Vorsorge treffen, um später beim Verkauf Steuern sparen zu können. Dazu gründet man neben der zukünftigen Muttergesellschaft, die den eigentlichen Kauf der GmbH vornimmt, eine weitere GmbH als Holding. Auf diese Weise entsteht beim GmbH-Kauf zunächst eine doppelte Holdingstruktur. Durch die anschließende Verschmelzung der Muttergesellschaft mit der erworbenen Tochter-GmbH kommt man dann auf eine einfache Holdingstruktur mit einer Muttergesellschaft und einer operativen Tochtergesellschaft.

Der Vorteil hierbei ist, dass man zukünftig die operative GmbH durch die Holding fast steuerneutral verkaufen kann; es fallen durch die Schachtelbeteiligung nur 1,5 % Steuern auf Ebene der Holding an. Wenn aber ein solcher Verkauf ansteht, ohne dass eine Holding vorliegt, dann bedeutet das, dass man erst eine Holdingstruktur schaffen muss, um diesen Steuervorteil zu erhalten. Dazu ist aber eine Einbringung mit Anteilstausch erforderlich. Darüber hinaus ist dieser Vorgang auch noch sperrfristbehaftet (§ 22 Absatz 2 UmwStG). Also ist es deutlich einfacher und flexibler, wenn man gleich von Anfang an die am Ende ohnehin erforderliche Holding mit einplant.


Steuerberater für Unternehmensteuerrecht

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zum Unternehmensteuerrecht spezialisiert. Beim Kauf von Kapitalgesellschaften schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

GmbH

  1. Strategische Beratung bei Kapitalgesellschaften (Erwerb eigener Anteile, disquotale Gewinnausschüttung)
  2. Begleitung beim Aufbau und Betreuung von Organschaften und Holdingstrukturen

Unternehmenskauf

  1. Durchführung der Due Diligence bei geplanten Unternehmensübernahmen
  2. Individuelle Beratung beim Unternehmenskauf zur Rettung von erworbenen Verlustvorträgen

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort
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Lehrauftrag für Unternehmensteuerrecht

Unsere besonderen Expertisen für Unternehmensteuerrecht werden auch durch die FOM Hochschule bestätigt. Steuerberater Christoph Juhn wurde dort zum Lehrbeauftragten für Steuerrecht berufen und lehrt seit dem Wintersemester 2013 die Veranstaltung „Steuergestaltung (3) Unternehmenskauf und -verkauf“. Das vorlesungsbegleitende Skript stellen wir Ihnen hier gerne vorab als Information zum kostenlosen Download zur Verfügung:

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