Mit der Hinzurechnungsbesteuerung nach den §§ 7 bis 14 des Außensteuergesetzes (AStG) möchte der Gesetzgeber Gestaltungen entgegenwirken, bei denen ein deutscher Steuerpflichtiger Gewinne über ausländische Zwischengesellschaften „schleust“, um die Gesamtsteuerbelastung zu reduzieren. Anzusetzen ist dabei der sogenannte Hinzurechnungsbetrag, der zu den Kapitaleinkünften nach § 20 EStG gehört. Wir werfen einen etwas genaueren Blick auf die konkrete Berechnung des Hinzurechnungsbetrages nach § 10 AStG!

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Unser Video: Die Hinzurechnungsbesteuerung

In diesem Video erklären wir, wie die Hinzurechnungsbesteuerung funktioniert und wie sie vermieden werden kann.

Inhaltsverzeichnis


1. Grundsatz: Was steckt hinter der Hinzurechnungsbesteuerung?

Die in den §§ 7 bis 14 AStG geregelte Hinzurechnungsbesteuerung gehört zu den inländischen Normen des internationalen Steuerrechts, basiert also nicht – wie beispielsweise ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) – auf Absprachen und Vereinbarungen mit anderen Staaten. Wie auch die übrigen Vorschriften des Außensteuerrechts, erstreckt sich ihre Wirkung daher grundsätzlich nur auf inländische Steuerpflichtige.

Voraussetzung für die Anwendung der Hinzurechnungsbesteuerung ist, dass ein inländischer unbeschränkt Steuerpflichtiger (natürliche oder juristische Person) eine ausländische Kapitalgesellschaft beherrscht (§ 7 Absatz 1 Satz 1 AStG). „Beherrschung“ liegt dabei immer dann vor, wenn der jeweiligen Person mehr als die Hälfte der Stimmrechte oder mehr als die Hälfte der Anteile am Nennkapital unmittelbar oder mittelbar zuzurechnen sind (Absatz 2). Ist dies der Fall, gilt die ausländische Gesellschaft außerdem als nahestehende Person.

Die Ermittlung eines Hinzurechnungsbetrages nach § 10 AStG wird allerdings erst dann erforderlich, wenn die ausländische Gesellschaft Zwischengesellschaft im Sinne des § 8 AStG ist. Diese Voraussetzung gilt im Wesentlichen in folgenden Fällen als erfüllt:

In § 8 Absatz 1 AStG nennt der Gesetzgeber abschließend alle Fälle, in denen nicht von einer wesentlichen wirtschaftlichen Tätigkeit am statuarischen Sitz der Kapitalgesellschaft auszugehen ist. Diese Voraussetzung ist bei Gewerbetreibenden und Vermietungsunternehmen regelmäßig dann erfüllt, wenn im entsprechenden Staat ein aktiver Geschäftsbetrieb unterhalten wird. Während eine reine „Briefkastenfirma“ mitunter § 8 AStG unterfällt, gilt dies nicht, wenn vor Ort Mitarbeiter beschäftigt, Lager- und Betriebsstätten unterhalten oder Produkte veräußert werden.

Ist die ausländische Gesellschaft hingegen Zwischengesellschaft für inländische Einkünfte, ist für die Anteilseigner ein Hinzurechnungsbetrag nach § 10 AStG zu ermitteln!

2. Hinzurechnungsbetrag ermitteln – § 10 AStG im Detail

Die Einkünfte der sogenannten Zwischengesellschaft sollen durch den Hinzurechnungsbetrag im Ergebnis so behandelt und besteuert werden, als hätte sie der jeweilige Anteilseigner unmittelbar erzielt. Für Zwecke der inländischen Besteuerung ignoriert der Gesetzgeber also die zwischen die Einkunftsquelle und die natürliche oder juristische Person „geschaltete“ Gesellschaft und stellt eine Besteuerung unmittelbar auf Gesellschafterebene sicher.

Wie der Hinzurechnungsbetrag zu ermitteln ist, regelt dabei § 10 AStG. Grundsätzlich ist hier folgende Reihenfolge zu beachten:

  1. Prüfung der Tatbestandsvoraussetzungen der §§ 7 und 8 AStG.
  2. Ermittlung der Einkünfte der ausländischen Zwischengesellschaft nach deutschen Gewinnermittlungsgrundsätzen.
  3. Erfassung des Hinzurechnungsbetrages nach § 10 AStG in Verbindung mit § 20 Absatz 1 Nummer 1 EStG.
  4. Durchführung von Kürzungen nach den §§ 11 und 12 AStG.

Werfen wir also einen Blick auf die einzelnen Vorschriften, die die schlussendliche Ermittlung des Hinzurechnungsbetrages regeln.

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2.1. Prüfung der Tatbestandsvoraussetzungen der §§ 7 und 8 AStG

Bevor überhaupt ein Hinzurechnungsbetrag zu ermitteln ist, müssen die Tatbestandsvoraussetzungen der §§ 7 und 8 AStG gemeinsam vorliegen. Notwendig ist also insbesondere, dass

und diese Gesellschaft Zwischengesellschaft im Sinne des § 8 AStG ist, weil sie keine aktive wirtschaftliche Tätigkeit am Sitz ausübt und zudem einer Besteuerung mit weniger als 15 % unterliegt.

Fehlt es an einer dieser Voraussetzungen und liegt in der Folge keine Zwischengesellschaft vor, ist kein Hinzurechnungsbetrag zu ermitteln. Entsprechendes gilt durch § 7 Absatz 1 Satz 1 AStG in Fällen, in denen eine Gesellschaft zwar weder Sitz noch Geschäftsleitung in Deutschland hat, für die aber eine Steuerbefreiung nach § 3 Absatz 1 KStG griffe, wenn dem so wäre.

2.2. Ermittlung der ausländischen Einkünfte und des Hinzurechnungsbetrages

Nach § 10 Absatz 1 AStG sind die nach § 7 Absatz 1 AStG steuerpflichtigen Einkünfte der ausländischen Zwischengesellschaft beim Steuerpflichtigen als Hinzurechnungsbetrag anzusetzen. Die Bezeichnung „Hinzurechnungsbetrag“ stammt dabei daher, dass ohne die Regelungen des AStG keine Erfassung der Erträge beim Gesellschafter notwendig wäre, weil die Zwischengesellschaft sie bis zur Ausschüttung „abschirmt“.

Im Ergebnis entspricht der Hinzurechnungsbetrag den nach § 4 Absatz 1 EStG ermittelten Einkünften der Zwischengesellschaft. Sie gelten stets als solche aus Gewerbebetrieb (§ 10 Absatz 3 Satz 1 und 2 AStG). Folge der entsprechenden Anwendung des EStG ist, dass Betriebsausgaben im Sinne des § 4 Absatz 4 EStG den Hinzurechnungsbetrag mindern, soweit sie mit den Einkünften der Zwischengesellschaft in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen.

Beispiel: Der deutsche Unternehmer Max ist zu 100 % an einer ausländischen GmbH beteiligt. Sie erbringt verschiedene Beratungsleistungen im Versicherungsbereich und wird mit 10 % besteuert. Da Max überwiegend aus Deutschland für seine Kapitalgesellschaft arbeitet und vor Ort keinen aktiven Geschäftsbetrieb unterhält, ist sie Zwischengesellschaft im Sinne des § 8 Absatz 1 Nummer 3 AStG. Die nach deutschem Recht ermittelten Einkünfte der Gesellschaft betragen EUR 200.000 und gelten als Hinzurechnungsbetrag nach § 10 AStG.

2.3. Erfassung des Hinzurechnungsbetrages nach § 20 EStG

Der nach § 7 AStG ermittelte Hinzurechnungsbetrag gehört nach § 10 Absatz 2 Satz 1 AStG zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Konkret gilt er dabei als Ertrag im Sinne des § 20 Absatz 1 Nummer 1 EStG und gilt in dem Veranlagungszeitraum als zugeflossen, in dem das Wirtschaftsjahr der ausländischen Gesellschaft endet. Abzustellen ist daher im Wesentlichen auf die vor Ort geltenden Vorschriften zu Beginn und Ende von Wirtschaftsjahren.

Da ein Kapitalertrag im Sinne des § 20 Absatz 1 Nummer 1 EStG grundsätzlich nach den §§ 3 Nummer 40 EStG und 8b KStG (teilweise) steuerbefreit wäre, normiert § 10 Absatz 2 Satz 4 AStG die Nichtanwendung dieser Vorschriften. Entsprechendes gilt, soweit dieser anwendbar wäre, für § 32d EStG und die hier geregelte Abgeltungsteuer. Der Hinzurechnungsbetrag unterliegt damit der regulären Besteuerung mit dem für das jeweilige Unternehmen oder die Privatperson geltenden Steuersatz.

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2.4. Kürzungen nach den §§ 11 und 12 AStG

Um eine doppelte Besteuerung der jeweiligen Gewinne zu vermeiden, enthalten die §§ 11 und 12 AStG verschiedene Kürzungsvorschriften. Konkret gelten dabei folgende Grundsätze:

Die Kürzungen nach den §§ 11 und 12 AStG mindern das Einkommen des Steuerpflichtigen unmittelbar. Auf die Höhe des nach § 10 AStG anzusetzenden Hinzurechnungsbetrag haben sie zunächst keinen Einfluss.

3. Betriebsausgaben oder Werbungskosten – Abzug vom Hinzurechnungsbetrag

Der Hinzurechnungsbetrag gehört zwar zu den Kapitalerträgen, gleichzeitig finden die Freistellungsvorschriften des Ertragsteuerrechts allerdings keine Anwendung. Aus diesem Grund haben Anteilseigner einer Zwischengesellschaft die Möglichkeit, Betriebsausgaben nach § 10 Absatz 4 AStG vom Hinzurechnungsbetrag abzuziehen.

Notwendig für den Abzug ist ein wirtschaftlicher Zusammenhang mit den Einkünften. Ein solcher liegt zum Beispiel vor, wenn für die Zwischengesellschaft eine Steuerberaterin oder ein Steuerberater beauftragt werden muss. Auch die Abschreibung entgeltlich erworbener Firmenwerte kann zu Betriebsausgaben im Sinne des § 4 Absatz 4 EStG führen.


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Wenn man als einzelner Unternehmer ein Unternehmen gründen möchte, erscheint die Wahl eines Einzelunternehmens als Rechtsform oft sinnvoll, weil hierbei die Gründung ganz einfach ist. Allerdings kommt es ebenso oft vor, dass zu einem späteren Zeitpunkt die GmbH als Rechtsform geeigneter ist. Das liegt insbesondere an der Haftungsbeschränkung, die man als Einzelunternehmer nur allzu gerne zum Schutz des Privatvermögens implementieren möchte. Tritt aber die Idee eines Unternehmensverkaufs allmählich in den Vordergrund, so erweist sich aus steuerlichen Gesichtspunkten eventuell doch das Einzelunternehmen als vorteilhafter. Nimmt ein solcher Plan konkrete Gestalt an, kann dies bedeuten, dass man durch Umwandlung der GmbH in ein Einzelunternehmen wieder in die alte Rechtsform zurückzufinden versucht. Dabei unterscheidet sich die Umwandlung einer GmbH in ein Einzelunternehmen deutlich vom gegenteiligen Fall. Welche Besonderheiten die Umwandlung einer GmbH in ein Einzelunternehmen dabei offenbart, schildert Ihnen der folgende Beitrag.

Aufgrund dieser Praxisrelevanz haben wir zusammen mit der FOM Hochschule nachfolgenden Beitrag angefertigt. Die Ausarbeitung wurde von Mirco Walch (Bachelor of Laws in Steuerrecht) nach wissenschaftlichen Kriterien und unter Betreuung von FOM-Dozent Prof. Dr. Christoph Juhn LL.M./StB erstellt.

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Unser Video: Kapitalgesellschaft in Personenunternehmen umwandeln

In diesem Video erklären wir die Umwandlung einer Kapitalgesellschaft in ein Personenunternehmen.

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I. Einleitung

In der heutigen Geschäftswelt streben viele Unternehmer danach, ihre Unternehmensstruktur flexibel an aktuelle Anforderungen anzupassen. Dies kann sowohl aus zivil- als auch aus steuerrechtlichen Gründen erfolgen. Eine der häufigsten Anpassungen in diesem Kontext ist wahrscheinlich die Umwandlung eines Einzelunternehmens in eine GmbH, um die persönliche Haftung auf das Gesellschaftsvermögen zu begrenzen. Dies macht durchaus Sinn, wenn eine Firma wächst und dadurch beispielsweise ein hohes Haftungsrisiko entsteht. Allerdings sieht man auch heute noch, dass der Einzelunternehmer mit einem Anteil von ca. 59,2 % die am häufigsten gewählte Rechtsform in Deutschland ist.1 Natürlich liegt dies auch daran, weil es die am einfachsten zu gründende Rechtsform ist. Es stellt sich aber auch die Frage, welche Vorteile eventuell ein Einzelunternehmen im Gegensatz zu einer Kapitalgesellschaft bietet. Zum Beispiel ergeben sich besonders, wenn ein Verkauf des Unternehmens geplant ist und der Unternehmer das 55. Lebensjahr vollendet hat, steuerliche Vorteile für den Einzelunternehmer. Viele tun sich allerdings schwer daran, ihre Rechtsform ihren aktuellen unternehmerischen Gegebenheiten anzupassen. Dies liegt oft daran, dass Unternehmer nicht wissen, welche Folgen eintreten könnten bei einer solchen Umwandlung der Rechtsform, besonders in Bezug auf die steuerliche Behandlung. Daher stellt sich sicherlich gelegentlich bei Alleingesellschaftern einer GmbH aus unterschiedlichsten Gründen die Frage, ob solch eine Umwandlung in ein Einzelunternehmen auch steuerneutral durchzuführen ist.

Um diese Frage beantworten zu können und um einen besseren Überblick über diese Thematik zu bekommen, habe ich im Folgenden die Umwandlung einer GmbH in ein Einzelunternehmen ausführlich untersucht. Zu Beginn werden im Rahmen dieser Arbeit nähere Einblicke darüber gegeben, in welcher Form eine derartige Umwandlung möglich ist und welche Gründe für eine Umwandlung sprechen können. Dabei ist besonders die Rede von einer Umwandlung per Verschmelzung. Des Weiteren wird die steuerliche Behandlung einer Umwandlung von einer GmbH zu einem Einzelunternehmen detailliert untersucht. Hierbei werden sowohl die steuerliche Rückwirkung als auch die Auswirkungen auf die übertragende GmbH und das übernehmende Einzelunternehmen im Detail beleuchtet.

II. Allgemeines

1. Umwandlungsmethoden im Kontext GmbH in Einzelunternehmen

Ziel ist es bei einer Umwandlung von einer GmbH in ein Einzelunternehmen, dass der Betrieb der GmbH durch den bisherigen Anteilseigner weitergeführt wird und die juristische Person nicht bestehen bleibt.2 Man könnte denken, dass dies zum einen durch einen Formwechsel und zum anderen durch eine Verschmelzung auf ein bereits bestehendes oder neu zu gründendes Einzelunternehmen möglich ist. Allerdings ist eine Umwandlung auf ein Einzelunternehmen gem. § 3 Abs. 2 Nr. 2 i. V. m. §§ 120 – 122 UmwG nur durch eine Verschmelzung möglich. Dies lässt sich auch an § 226 UmwG erkennen, da dieser nicht die Möglichkeit eines Formwechsels von einer Kapitalgesellschaft in ein Einzelunternehmen aufführt. Auch wenn der Formwechsel keine mögliche Umwandlung darstellt, gibt es dafür drei verschiedene Alternativen der Verschmelzung auf ein Einzelunternehmen.

a) Verschmelzung auf ein bereits bestehendes Einzelunternehmen

In der Regel erfolgt die Verschmelzung vorwiegend auf diese Weise und stellt deshalb in der Praxis auch die häufigste Art dar. In diesem Fall führt die natürliche Person bereits ein Einzelunternehmen zusätzlich zur GmbH. Gesetzlich wird dies als Verschmelzung durch Aufnahme bezeichnet, da das Vermögen des übertragenden Rechtsträgers mit dem Vermögen eines bereits existierenden Rechtsträgers zusammengeführt wird.3

b) Verschmelzung auf ein neu zu gründendes Einzelunternehmen

Hierbei wird das Vermögen von mindestens zwei Rechtsträgern, beispielsweise zwei GmbHs, auf ein gleichzeitig neu gegründetes Einzelunternehmen nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches übertragen. Die übertragenden Rechtsträger werden aufgelöst, und lediglich der neu entstandene Rechtsträger bleibt gemäß § 20 Abs. 1 Nr. 1 und 2 UmwG bestehen. Grundsätzlich führen sie zu keinem wirklichen Unterschied, allerdings kann die Verschmelzung zur Neugründung zum Beispiel dann vorteilhaft sein, wenn sich zwei oder mehrere gleich starke übertragende Rechtsträger nicht darüber einigen können, wer übernehmender Rechtsträger werden soll.4 Ein Nachteil wiederum besteht in Bezug auf die Grunderwerbsteuer, da beide übertragenden Rechtsträger ihren Grundbesitz auf den übernehmenden Rechtsträger übertragen und somit höhere Grunderwerbsteuer anfallen kann.5

c) Verschmelzung auf ein Einzelunternehmen bei Freiberuflern

Zuerst einmal scheint die dritte Möglichkeit etwas komplizierter zu sein, da es sich um eine Verschmelzung auf einen Nichtkaufmann handelt. Dies betrifft vor allem Freiberufler, welche kein Gewerbe betreiben und daher nicht gem. §§ 1 ff. HGB als Kaufmann zur Eintragung verpflichtet sind. Somit bewirkt nämlich nicht die Eintragung des Einzelunternehmens das Wirksamwerden des Verschmelzungsvorgangs, sondern die Eintragung der Verschmelzung in das Register des Sitzes der übertragenden Kapitalgesellschaft gem. § 122 Abs. 2 UmwG.6

2. Gründe für die Umwandlung in ein Einzelunternehmen

Die Umwandlung einer GmbH in ein Einzelunternehmen ist nicht die häufigste Umwandlungsart, allerdings gibt es durchaus Gründe, weshalb es zu überlegen gilt, seine GmbH wieder in ein Einzelunternehmen umzuwandeln. Dabei ist in allen Fällen anzunehmen, dass die GmbH von einem Alleingesellschafter geleitet wird. Als erster und wahrscheinlich auch vorerst offensichtlichster Grund, allerdings nicht der häufigste, sind hier die Verpflichtungen einer GmbH bezüglich der Buchführung und der Veröffentlichung der Geschäftsbilanzen zu nennen. Diese Verpflichtungen würden bei einer Umwandlung in ein Einzelunternehmen voraussichtlich abgemildert oder weniger umfangreich ausfallen. Eine weitere Überlegung für eine Umwandlung in ein Einzelunternehmen ergibt sich, wenn die Kapitalgesellschaft beispielsweise bilanziell überschuldet ist und eine Kompensierung durch Aufdeckung der stillen Reserven erreicht werden kann. Dies bezeichnet man oftmals auch als Sanierungsumwandlung. Nun kommen wir zu dem wahrscheinlich häufigsten Beweggrund für eine Umwandlung in ein Einzelunternehmen, nämlich der Möglichkeit, oft langwierige und teilweise auch unerwünschte Liquidationsverfahren bei Auflösung einer Kapitalgesellschaft zu umgehen. Dennoch ist bei all diesen Überlegungen stets zu bedenken, dass es nur dann ratsam ist, wenn für den Alleingesellschafter keine Haftungsrisiken bestehen. Denn nach der Verschmelzung der GmbH in ein Einzelunternehmen haftet der Gesellschafter für die Verbindlichkeiten der vorherigen Kapitalgesellschaft in vollem Umfang mit seinem gesamten Privatvermögen.7

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III. Steuerliche Betrachtung einer Verschmelzung von einer GmbH auf ein Einzelunternehmen

Nachfolgend werden die steuerlichen Aspekte bei der Verschmelzung einer GmbH auf ein Einzelunternehmen eingehend betrachtet. Dabei wird insbesondere darauf eingegangen, ob eine derartige Verschmelzung steuerneutral verlaufen kann und was es dabei zu beachten gibt.

1. Steuerliche Rückwirkung

Vor Beginn der steuerlichen Betrachtung des Einkommens und der Vermögenswerte ist es allerdings wichtig zu klären, in welchem Zeitraum eine solche Umwandlung überhaupt möglich ist. Zunächst geht man davon aus, dass dies direkt im § 2 UmwStG geregelt ist, was auch zum Teil zutrifft, allerdings um den genauen Zeitraum zu erfahren, muss man noch einen weiteren Paragrafen prüfen. Denn § 2 UmwStG gibt keine Frist für die Rückwirkung an, sondern verknüpft lediglich den steuerlichen Übertragungsstichtag mit dem Stichtag der Bilanz, der die Basis für den Vermögensübergang bildet.8 Hiermit wird die Rückwirkung des Vermögensübergangs für steuerliche Zwecke auf den Stichtag der handelsrechtlichen Schlussbilanz gem. § 17 Abs. 2 UmwG fingiert. Dies wäre bei einem Kalenderjahr, welches mit dem Wirtschaftsjahr übereinstimmt, der 31.12. des jeweiligen Jahres.9 Ungeachtet dessen, dass an dieser Stelle das Vermögen dinglich noch nicht übergegangen ist und die übertragende GmbH noch nicht aufgelöst ist, erachtet § 2 UmwStG für die Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer den Vermögensübergang und die Auflösung der Kapitalgesellschaft als abgeschlossen mit Ablauf des steuerlichen Übertragungsstichtags. Es handelt sich hierbei also um eine steuerliche Fiktion, bei der die GmbH durch die Verschmelzung bereits zum steuerlichen Übertragungsstichtag erlischt und das Einzelunternehmen fiktiv zu diesem Zeitpunkt entsteht, obwohl es zivilrechtlich eventuell noch nicht existiert.10 Die Zeitspanne, während diese steuerliche Fiktion bestehen darf und dementsprechend rückwirkend gilt, beträgt höchstens acht Monate. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass gem. § 17 Abs. 2 S. 4 UmwG die handelsrechtliche Schlussbilanz höchstens acht Monate vor dem für die Anmeldung maßgeblichen Stichtag erstellt worden sein darf.11

2. Auswirkungen bei der übertragenden GmbH

Grundlegend erfolgt die Bewertung der zu übertragenden Wirtschaftsgüter, einschließlich unentgeltlich erworbener und selbstgeschaffener immaterieller Wirtschaftsgüter gem. § 3 Abs. 1 UmwStG, mit dem gemeinen Wert.12 Der gemeine Wert stellt den Preis dar, den das jeweilige Wirtschaftsgut im gewöhnlichen Geschäftsverkehr bei einer Veräußerung erzielen würde.13 Durch Ansatz des gemeinen Werts kommt es zur Realisierung und infolgedessen zur Besteuerung der stillen Reserven. Dies gewährleistet dem Gesetzgeber, dass auch bei grenzüberschreitenden Umwandlungen, die Besteuerung der stillen Reserven im Inland erfolgt.14 Da aber nicht jede Umwandlung grenzüberschreitend ist und der Gesetzgeber auch eine steuerneutrale Möglichkeit bieten will, damit eine Umwandlung überhaupt in Frage kommt, gibt es ein Wahlrecht, welches ausgeübt werden kann.

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Für Studierende: Grundlagen des Umwandlungssteuerrechts

In diesem Video erklären wir, wie das Umwandlungssteuergesetz die Umwandlung von Unternehmen steuerlich reguliert.

a) Bewertungswahlrecht auf Antrag

Dieses Wahlrecht beinhaltet die Möglichkeit, dass die übergehenden Wirtschaftsgüter entweder mit dem Buchwert oder einem sogenannten Zwischenwert, also einem Wert zwischen dem Buchwert und dem gemeinen Wert, auf Antrag in der steuerlichen Schlussbilanz angesetzt werden können.15 Dabei wird das Wahlrecht nicht durch eine Vereinbarung im Verschmelzungsvertrag ausgeübt, sondern in der Regel durch den Ansatz in der steuerlichen Schlussbilanz.16 Dafür müssen allerdings die Voraussetzungen gem. § 3 Abs. 2 S. 1 Nr. 1-3 UmwStG erfüllt sein und der Antrag muss spätestens gem. § 3 Abs. 2 S. 2 UmwStG bis zur erstmaligen Abgabe der steuerlichen Schlussbilanz bei dem für die GmbH zuständigen Finanzamt gestellt werden. Im Folgenden werden nun zwei der drei Voraussetzungen behandelt. Die dritte Voraussetzung, wonach keine Gegenleistung gewährt werden darf, ist in diesem Fall automatisch erfüllt, da es sich nur um einen Gesellschafter handelt.

aa) Betriebsvermögen und Sicherstellung der Besteuerung der stillen Reserven

Die übertragenen Wirtschaftsgüter müssen Betriebsvermögen der natürlichen Person werden und später trotzdem der Besteuerung mit Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer unterliegen. Dies umfasst nicht nur das gewerbliche Betriebsvermögen, sondern auch das land- und forstwirtschaftliche sowie das Betriebsvermögen der selbständigen Arbeit.17 Eine genaue Aussage über den Zeitpunkt, zu dem das Betriebsvermögen bei dem übernehmenden Einzelunternehmen vorliegen muss, wird in § 3 Abs. 2 UmwStG nicht getroffen. Allerdings kann man hier von dem steuerlichen Übertragungsstichtag ausgehen, da an diesem Tag die Wirtschaftsgüter steuerlich übergehen und bewertet werden.18 Zusätzlich muss bis zu diesem Tag die Besteuerung der stillen Reserven sichergestellt sein, da sonst ein Ansatz zu Buch- oder Zwischenwerten ausgeschlossen ist. Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass sie nicht zwangsläufig der inländischen Einkommen- und Körperschaftssteuer unterliegen müssen, sondern auch eine vergleichbare ausländische Steuer anerkannt wird.19

bb) Das deutsche Besteuerungsrecht

Die zweite Voraussetzung, also die Sicherung des Besteuerungsrechts für die Bundesrepublik Deutschland, bezieht sich lediglich auf den Veräußerungsgewinn des übertragenen Wirtschaftsguts. Daher ist unerheblich, wem nach der Verschmelzung das Recht zur Besteuerung der Erträge aus der Nutzung der Wirtschaftsgüter zukommt.20 Unter der Sicherung des Besteuerungsrechtsrechts versteht man vor allem gem. § 3 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 UmwStG, dass das Recht der Bundesrepublik Deutschland nicht beschränkt oder ausgeschlossen wird.

b) Möglichkeit der gewerbesteuerlichen Entstrickung

Ein bedeutender Aspekt, der zusätzlich zum Bewertungswahlrecht in § 3 UmwStG geregelt wird, allerdings nicht so bewusst auffällt, ist die Option der gewerbesteuerlichen Entstrickung stiller Reserven. Diese Möglichkeit ergibt sich aus der zuvor erwähnten Tatsache, dass die Übertragung der Wirtschaftsgüter nicht ausschließlich auf das gewerbliche Betriebsvermögen beschränkt ist, sondern auch auf ein Betriebsvermögen für land- und forstwirtschaftliche sowie selbständige Arbeit erfolgen kann. Für den Buch- oder Zwischenwertansatz besteht also ausdrücklich keine Voraussetzung einer fortbestehenden gewerbesteuerlichen Verstrickung des Betriebsvermögens.21 Ein konkretes Beispiel dafür ist die Umwandlung einer Steuerberatungs-GmbH, die bisher aufgrund ihrer Rechtsform gewerbliche Einkünfte erzielt hat, in eine Einzelunternehmer-Steuerberatung. In diesem Fall erzielt die Einzelunternehmer-Steuerberatung Einkünfte nach § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG und unterliegt daher nicht der Gewerbesteuerpflicht.22 Natürlich gibt es bei dieser Vorgehensweise etwas zu beachten. Sollte man nämlich den Betrieb innerhalb von fünf Jahren nach der Umwandlung veräußern, aufgeben oder auch nur zum Teil verkaufen, würde gem. § 18 Abs. 3 UmwStG der Gewinn aus der Veräußerung oder der Aufgabe der Gewerbesteuer unterliegen.

c) Übertragungsgewinn

Ein weiterer Gewinn, der entstehen kann und ebenfalls grundsätzlich in vollem Umfang der Gewerbesteuer und der Körperschaftsteuer unterliegt, ist der Übertragungsgewinn. Er entsteht, sobald die Wirtschaftsgüter der übertragenden GmbH mit einem Zwischenwert oder dem gemeinen Wert in der steuerlichen Schlussbilanz angesetzt werden und somit die Aufdeckung der stillen Reserven auslöst.23 Dies ist zu überlegen, falls man ein höheres Abschreibungsvolumen haben möchte, um die laufenden Gewinne des übernehmenden Einzelunternehmens zu reduzieren. Besonders vorteilhaft ist es, wenn noch verrechenbare Verlustvorträge vorhanden sind. Jene gehen nämlich gem. § 4 Abs. 2 S. 2 UmwStG mit der Umwandlung unter, womit der Zeitpunkt der Übertragung die letzte Möglichkeit ist, die Verluste zu nutzen und in Abschreibungspotenzial umzuwandeln. Bei der Inanspruchnahme bestehender Verlustvorträge ist jedoch die Mindestbesteuerung nach § 10d Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes zu berücksichtigen. Daher kann es trotz ausreichend hoher Verlustvorträge zu einer Besteuerung des Übertragungsgewinns kommen.24

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Fachberatung zur Umwandlung und Umstrukturierung von Unternehmen

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3. Auswirkungen bei dem übernehmenden Einzelunternehmen

a) Wertansatz

Die Vermögenswerte im übernehmenden Einzelunternehmen werden gem. § 4 Abs. 1 S. 1 UmwStG mit den Werten der steuerlichen Schlussbilanz der übertragenden GmbH angesetzt. Es besteht nämlich eine strikte Wertverknüpfung, unabhängig davon, ob das Vermögen mit dem Buchwert, einem Zwischenwert oder dem gemeinen Wert bewertet wird. Diese Verknüpfung gewährleistet, dass die bisher nicht aufgedeckten stillen Reserven in der Schlussbilanz später auf Seiten des Übernehmenden noch der Besteuerung unterliegen werden.25 Daher spielt es auch keine Rolle, inwieweit der Rechtsträger sein handelsbilanzielles Wahlrecht gemäß § 24 UmwG ausübt, da der Grundsatz der Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz nicht gilt.26 Der einzige Fall, bei dem eine Änderung der Schlussbilanzwerte eintreten kann, liegt vor, wenn es Änderungen aufgrund einer Betriebsprüfung gibt. In diesem Fall müssen auch die Werte der Eröffnungsbilanz des übernehmenden Einzelunternehmens angepasst werden, da dies Auswirkung auf die laufende Besteuerung haben kann.27

b) Die steuerliche Rechtsstellung

Das übernehmende Einzelunternehmen übernimmt nicht nur die Vermögenswerte zu dem Ansatz, in dem sie in der steuerlichen Schlussbilanz stehen, sondern sie tritt gem. § 4 Abs. 2 S. 1 UmwStG zusätzlich auch noch in die steuerliche Rechtsstellung der übertragenden GmbH.28 Das übernehmende Einzelunternehmen ist beispielsweise dazu verpflichtet, die bisher angewandte Abschreibungsmethode beizubehalten.29 Wiederum noch nicht abschließend geklärt ist die Verpflichtung zur Übernahme der bisher festgelegten betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer für das übernehmende Einzelunternehmen. Die Finanzverwaltung vertritt hier allerdings die Ansicht, dass im Fall einer Buchwertaufstockung auch die Restnutzungsdauer neu bewertet werden sollte.30 Es existiert jedoch eine Regelung für die Bemessungsgrundlage der Absetzung für Abnutzung im Falle des Ansatzes eines Zwischenwerts oder gemeinen Werts in der steuerlichen Schlussbilanz. Denn gem. § 4 Abs. 3 HS. 1 UmwStG ist in den Fällen des § 7 Abs. 4 S. 1 und Abs. 5 des EStG, also für die Abschreibung von Gebäuden bei einem höheren Wert als dem Buchwert, die bisherige Bemessungsgrundlage maßgebend. Das zeigt, dass Aufstockungen keine Auswirkung auf die Höhe der AfA haben sollen und der bisherige Buchwert als Bemessungsgrundlage weiter zu verwenden ist. Sollte allerdings die volle Absetzung innerhalb der tatsächlichen Nutzungsdauer nicht erreicht werden, kann die AfA auch an die Restnutzungsdauer angepasst werden. Bei allen anderen übrigen Wirtschaftsgütern und bei Gebäuden, die gem. § 7 Abs. 4 S. 2 EStG nach der tatsächlichen Nutzungsdauer abgeschrieben werden, ist gem. § 4 Abs. 3 HS 2 UmwStG der Buchwert, vermehrt um den Unterschiedsbetrag zwischen dem Buchwert und dem Wert in der steuerlichen Schlussbilanz, als Bemessungsgrundlage zu verwenden.31

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In diesem Video erklären wir, wie die rückwirkende Umwandlung eines Unternehmens im Rahmen der achtmonatigen Frist erfolgen kann.

c) Ermittlung des Übernahmeergebnisses

Nun kommen wir zum Kernteil des Umwandlungsprozesses einer GmbH in ein Einzelunternehmen. Bisher haben wir erörtert, dass die Umwandlung auf der Ebene der übertragenden GmbH steuerneutral zu Buchwerten erfolgen kann. Dies ist auf Ebene des Gesellschafters hingegen meistens leider nicht der Fall. Jedoch erscheint diese Vorgehensweise durchaus sinnvoll, da durch die Umwandlung eine Besteuerungsebene entfällt. Es müssen also einerseits die offenen Rücklagen besteuert werden nach den Rechtsfolgen, wie sie auch im Ausschüttungsfall gegolten hätten. Andererseits müssen bei steuerverstrickten Gesellschaftsanteilen, die in ihnen vorhandenen stillen Reserven abgerechnet und mit den stillen Reserven des übergehenden Betriebsvermögens zusammengefasst werden.32 Im Nachfolgenden wird zunächst auf die Ermittlung und Besteuerung der offenen Rücklagen eingegangen, da dies grundlegend ist, um weiterführend die Ermittlung des gesamten Übernahmegewinns bzw. -verlusts, welcher in zwei Stufen erfolgt, nachvollziehen zu können.33

aa) Ermittlung und Besteuerung noch offener Rücklagen

Um die Regelung zur Besteuerung offener Rücklagen gem. § 7 UmwStG zu verstehen, ist es zunächst wichtig zu klären, wie offene Rücklagen behandelt werden, wenn keine Umwandlung stattfinden würde. In diesem Fall würden sie nämlich als Gewinnausschüttung versteuert werden und den Gesellschaftern als Einkünfte i. S. d. § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG zugeordnet werden. Ist man sich dessen bewusst, erkennt man den grundlegenden Gedanken hinter § 7 UmwStG, nämlich, dass infolge einer Umwandlung eine fiktive Vollausschüttung an den Gesellschafter erfolgt. Diese wird gleichbehandelt wie jede normale Gewinnausschüttung und muss ebenfalls als Einkünfte aus Kapitalvermögen i. S. d. § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG versteuert werden.34 Im nächsten Schritt betrachten wir die konkrete Vorgehensweise zur Ermittlung der offenen Rücklagen. Gem. § 7 UmwStG handelt es sich dabei um das in der Steuerbilanz ausgewiesene Eigenkapital, vermindert um den Bestand des steuerlichen Einlagekontos nach § 27 KStG, welcher sich nach Anwendung des § 29 Abs. 1 KStG ergibt. Das maßgebliche Eigenkapital bestimmt sich nach der Schlussbilanz der übertragenden Körperschaft zum Zeitpunkt des steuerlichen Übertragungsstichtags. Dabei wird das Eigenkapital beeinflusst durch die Wertansätze in der steuerlichen Schlussbilanz. Erfolgt nämlich ein Ansatz zu gemeinen Werten oder Zwischenwerten, erhöht sich im Gegensatz zum Buchwertansatz das Eigenkapital entsprechend. In der Konsequenz kann dies zu einem höheren fiktiven Ausschüttungsbetrag führen.35 Weiterhin ist zur Ermittlung der Bestand des steuerlichen Einlagekontos zu prüfen. Hierbei sind ebenfalls die Verhältnisse, die zum steuerlichen Übertragungsstichtag vorliegen, maßgeblich. Dazu gehören alle geleisteten Einlagen, die nicht in das Nennkapital geleistet wurden und somit im steuerlichen Einlagenkonto ausgewiesen werden.36 Zusätzlich ist allerdings gem. § 7 UmwStG auch die Anwendung des § 29 Abs. 1 KStG zu beachten. Demnach gilt nämlich das Nennkapital der übertragenden GmbH als in vollem Umfang nach § 28 Abs. 2 S. 1 KStG herabgesetzt. Diese Vorschrift sieht vor, dass der Sonderausweis am Ende des vorangegangenen Wirtschaftsjahres zunächst gemindert wird und ein etwaiger Überschuss dem steuerlichen Einlagekonto gutgeschrieben wird. Diese fiktive Kapitalherabsetzung führt dazu, dass das Nennkapital, sofern kein Sonderausweis gem. § 28 Abs. 1 Satz 3 KStG vorliegt, sich in steuerliches Einlagekonto umwandelt.37 Haben wir beispielsweise also ein Eigenkapital i. H. v. 95.000 €, ein steuerliches Einlagenkonto i. H. v. 30.000 €, einen Sonderausweis von 0 € und ein Nennkapital i. H. v. 25.000 €, würden sich die offenen Rücklagen wie folgt berechnen:

Eigenkapital laut steuerlicher Schlussbilanz 95.000 €
./. Steuerliches Einlagekonto gem. § 27 KStG i. V. m. §§ 28, 29 KStG55.000 €
= Bezüge im Sinne des § 7 UmwStG40.000 €


Somit wären noch 40.000 € als Einkünfte aus Kapitalvermögen gem. § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG zu versteuern.

bb) Ermittlung des Übernahmegewinns/-verlusts

Ein Übernahmegewinn oder -verlust der sogenannten ersten Stufe i. S. d. § 4 Abs. 4 Satz 1 UmwStG resultiert aus der Differenz zwischen dem Wert, mit dem die übergegangenen Wirtschaftsgüter zu übernehmen sind, einschließlich des Zuschlags für neutrales Vermögen, abzüglich der Kosten für den Vermögensübergang und dem Buchwert der Anteile an der übertragenden GmbH.38 Der Wertansatz der übergegangenen Wirtschaftsgüter ist, wie vorher schon behandelt, klar aus § 4 Abs. 1 S. 1 UmwStG zu entnehmen, und zwar mit dem Wert, mit dem sie in der steuerlichen Schlussbilanz ausgewiesen sind.39 Bei Wirtschaftsgütern, für die Deutschland auf Ebene der GmbH kein Besteuerungsrecht zustand, handelt es sich um sogenanntes neutrales Vermögen. Dies betrifft hauptsächlich Betriebsstätten in einem Staat, mit dem ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Freistellungsmethode besteht. In diesen Fällen wird das deutsche Besteuerungsrecht gem. § 3 Abs. 2 UmwStG zunächst nicht beschränkt, weshalb die Wirtschaftsgüter mit dem Buchwert oder einem Zwischenwert angesetzt werden können. Letztlich muss aber bei der Ermittlung des Übernahmeergebnisses gem. § 4 Abs. 4 S. 2 UmwStG der Ansatz dieser Wirtschaftsgüter mit dem gemeinen Wert erfolgen.40 Bei den Umwandlungskosten ist vorerst zu unterscheiden in Kosten, die durch die umzuwandelnde Körperschaft aufgewandt wurden, und in Kosten des übernehmenden Rechtsträgers. Hinzurechnungsfähig als Kosten des Vermögensübergangs sind aber trotzdem alle nicht objektbezogenen Kosten des übernehmenden und des übertragenden Rechtsträgers laut Ansicht der Finanzverwaltung. Beispiele für Umwandlungskosten, die in Betracht kommen, sind unter anderem Ausgaben für die Erstellung und Beurkundung des Verschmelzungsvertrags, den Verschmelzungsbericht, die Anmeldung und Eintragung im Handelsregister sowie die Erstellung und Prüfung der Schlussbilanz.41 Das letzte Tatbestandsmerkmal, der Wert der Anteile, lässt sich bei der Umwandlung in ein Einzelunternehmen leicht bestimmen. Es handelt sich hierbei um die Anschaffungskosten auf die Beteiligung an der übertragenden Kapitalgesellschaft.42 Somit sind nun alle Aspekte für die Ermittlung des Übernahmegewinns/-verlusts der ersten Stufe geklärt. Deshalb kommen wir nun noch zur Ermittlung des Übernahmegewinns oder -verlusts der zweiten Stufe. Zur Ermittlung des Ergebnisses zweiter Stufe ist nur noch zu beachten, dass sich gem. § 4 Abs. 5 Satz 1 UmwStG ein Übernahmegewinn erster Stufe verringert und ein Übernahmeverlust erster Stufe erhöht, um die offenen Rücklagen nach § 7 UmwStG.43

Gehen wir nun davon aus, dass unsere Wirtschaftsgüter zu einem Buchwert i. H. v. 95.000 € übergehen, die Kosten der Umwandlung 10.000 € betragen, kein Zuschlag für neutrales Vermögen erfolgt, die Anschaffungskosten der Anteile an der GmbH 25.000 € betragen und die offenen Rücklagen nach unserer vorherigen Berechnung 40.000 € betragen, könnte die Berechnung eines Übernahmegewinns oder -verlusts wie folgt aussehen:

Wert, mit dem die Wirtschaftsgüter zu übernehmen sind95.000 €
./. Kosten des Vermögensübergangs10.000 €
./. Anschaffungskosten der Anteile an der GmbH25.000 €
= Übernahmegewinn erster Stufe60.000 €
./. Bezüge gem. § 7 UmwStG40.000 €
= Übernahmegewinn zweiter Stufe20.000 €

d) Besteuerung des Übernahmegewinns

Ein Übernahmegewinn, wie im vorherigen Beispiel, ist grundlegend wie ein Gewinn aus der Liquidation einer GmbH zu besteuern.44 Gem. § 4 Abs. 7 S. 2 UmwStG ist auf einen Übernahmegewinn, der auf eine natürliche Person entfällt, § 3 Nr. 40 EStG sowie § 3c EStG anzuwenden.45 Dies bedeutet, dass der Übernahmegewinn entsprechend dem Teileinkünfteverfahren zu besteuern ist. Er ist also regelmäßig zu 60 % steuerpflichtig und zu 40 % steuerfrei zu behandeln.46

e) Behandlung eines Übernahmeverlusts

Nicht selten entsteht ein Übernahmeverlust, da oftmals ein positiver Übernahmegewinn erster Stufe noch durch die Abzugsfähigkeit der Bezüge nach § 7 UmwStG in einen Übernahmeverlust zweiter Stufe verwandelt wird.47 Sollte ein Übernahmeverlust vorliegen, ist dieser im Falle der Umwandlung auf ein Einzelunternehmen gem. § 4 Abs. 6 S. 4 UmwStG zu 60 %, höchstens jedoch i. H. v. 60 % der Bezüge i. S. d. § 7 UmwStG abziehbar. Wurde allerdings der Anteil an der GmbH innerhalb von fünf Jahren vor dem steuerlichen Übertragungsstichtag entgeltlich erworben, besteht gem. § 4 Abs. 6 S. 6 Alt. 2 UmwStG die Einschränkung, dass der zuvor eigentlich abzugsfähige Übernahmeverlust nicht geltend gemacht werden kann. Diese Regelung wurde eingeführt, um einem potenziellen Gestaltungsmissbrauch vorzubeugen, bei dem der Anteilseigner die Anschaffungskosten für die Beteiligung verwendet, um die offenen Rücklagen zu vergüten. Dadurch würde es im Zusammenhang mit § 7 UmwStG zu einer steuerfreien Vereinnahmung der Rücklagen kommen, was der Gesetzgeber vermeiden wollte. Ganz nachvollziehbar ist diese Entscheidung jedoch eher nicht, da nicht zwingend die Differenz zwischen den Anschaffungskosten und dem Buchwert der übergehenden Wirtschaftsgüter den beim Erwerb der Anteile vorhandenen Rücklagen entsprechen muss. Zudem kann der befürchtete Effekt dennoch eintreten, wenn Rücklagen ausgeschüttet werden und die Ausschüttung als Grundlage für eine Teilwertabschreibung genutzt wird.48 Kein Gestaltungsmissbrauch dagegen ist eine Verschmelzung mit dem Motiv, die GmbH vor einem Konkurs zu bewahren und die Verwertung von privat gewährten Sicherheiten zu vermeiden. In diesem Fall ist ein entstandener Übernahmeverlust abziehbar.49

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Einzelunternehmen in eine Holding umwandeln

In diesem Video erklären wir, welche Schritte erforderlich sind, um ein Einzelunternehmen in eine Holdingstruktur zu überführen.

IV. Fazit

Die Umwandlung einer GmbH in ein Einzelunternehmen ist ein komplexes Thema, das sich vor allem mit den Prozessen der steuerlichen Rückwirkung, der Bewertung der zu übertragenden Wirtschaftsgüter und der steuerlichen Ermittlung der offenen Rücklagen und des Übernahmeergebnisses beschäftigt. Im Rahmen dieser Arbeit habe ich die Gründe für eine Umwandlung in das Einzelunternehmen sowie die drei unterschiedlichen Formen der Verschmelzung aufgeführt, da der Gesetzgeber keine Umwandlung als Rechtsformwechsel in das Einzelunternehmen vorsieht.

Im weiteren Verlauf bin ich auf die steuerliche Rückwirkung eingegangen, wobei deutlich wurde, dass diese einen präzisen zeitlichen Ablauf der Umwandlung benötigt, da sie innerhalb von acht Monaten abgeschlossen sein muss. In diesem Kontext rückt auch die Bewertung der zu übertragenden und zu übernehmenden Wirtschaftsgüter in den Fokus. Die Ausarbeitung hat gezeigt, dass eine steuerneutrale Übertragung von Wirtschaftsgütern zu Buchwerten möglich ist, allerdings an bestimmte Voraussetzungen geknüpft ist. Zusätzlich habe ich herausgestellt, dass unter bestimmten Umständen eine gewerbesteuerliche Entstrickung der stillen Reserven möglich ist, wobei jedoch die Einhaltung einer fünfjährigen Sperrfrist nach der Umwandlung zu beachten ist.

Im abschließenden Teil meiner Arbeit bin ich auf den komplexesten Teil der Umwandlung eingegangen, nämlich die Ermittlung und Besteuerung der noch offenen Rücklagen und des Übernahmeergebnisses. Durch die detaillierte Betrachtung und Veranschaulichung eines Beispiels wurde verständlich, wie sich die offenen Rücklagen und das Übernahmeergebnis ermitteln lassen. Ebenfalls wurde herausgearbeitet, dass offene Rücklagen, welche sich nach Abzug des steuerlichen Einlagekontos ergeben, als Einkünfte aus Kapitalvermögen zu versteuern sind, und ein etwaiger Übernahmegewinn nach Abzug der offenen Rücklagen dem Teileinkünfteverfahren unterliegt.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Umwandlung einer GmbH in ein Einzelunternehmen eine anspruchsvolle Angelegenheit darstellt, die spezialisiertes Wissen und fachliche Expertise erfordert. Allerdings kann die Anwendung der Umwandlung in ein Einzelunternehmen gerade für Alleingesellschafter einer GmbH im Zuge einer Umstrukturierung besonders sinnvoll sein, da auf diese Weise zum Beispiel eine langwierige Liquidation umgangen werden kann oder eventuell die aufwendigen Verpflichtungen einer GmbH beendet werden können. Es ist daher empfehlenswert, eng mit Fachleuten zusammenzuarbeiten, die die gesetzlichen Anforderungen und Möglichkeiten verstehen, um eine reibungslose Umwandlung einer GmbH in ein Einzelunternehmen durchzuführen.


Steuerberater für Umwandlung und Umstrukturierung

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zum Umwandlungsteuerrecht spezialisiert. Bei der Umwandlung ihrer GmbH schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

GmbH

  1. Allgemeine Informationen rund um die Besteuerung einer GmbH
  2. Begleitung bei der Gründung einer GmbH
  3. Warnung vor den Risiken durch Betriebsaufspaltungen,
  4. Realisierung steueroptimierter Gewinnausschüttungen

Umwandlungen

  1. Individuelle Beratung zu sämtlichen Umwandlungsvorgängen (Einbringung, Verschmelzung, Formwechsel, Anteilstausch)
  2. Informationen zur Einbringung von Einzelunternehmen in eine Holding

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln, Bonn und Düsseldorf gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort Köln

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Fachreferent beim Steuerberaterverband für Unternehmensstrukturierungen

Seit 2014 sind die Partner unserer Kanzlei regelmäßige Fachreferenten des Steuerberaterverbands Köln. Dabei besuchen circa 1.500 Steuerberater pro Jahr unsere Seminare. Wegen der hohen Nachfrage stellen wir Ihnen unsere Präsentation zu „Grundlagen des Umwandlungssteuerrechts“ gerne kostenlos zum Download zur Verfügung:

Umwandlungssteuerrecht – Christoph JuhnHerunterladen

V. Literaturverzeichnis:

Bartl, Harald / Bartl, Angela / Beine, Klaus / Koch, Detlef / Schlarb, Eberhard / Schmitt, Michaela
(Hrsg.) GmbH Recht, 8. Aufl., Heidelberg 2019

Eisgruber, Thomas (Hrsg.) Umwandlungssteuergesetz Kommentar, 3. Aufl., Herne 2023

Heuermann, Bernd / Brandis, Peter (Hrsg.) Ertragsteuerrecht, 169. Ergänzungslieferung,
München 2023

Kraft, Gerhard / Edelmann, Georg / Bron, Jan Frederik (Hrsg.) Umwandlungssteuergesetz, 2. Aufl., Heidelberg 2019

Menner, Stefan / Bilitewski, Andrea (Hrsg.) Umwandlungssteuergesetz, 5. Aufl., München 2019

Rödder, Thomas / Herlinghaus, Andreas / van Lishaut, Ingo (Hrsg.) Umwandlungssteuergesetz
Kommentar, 3. Aufl., Köln 2019

Schmitt, Joachim / Hörtnagl, Robert (Hrsg.) Umwandlungsgesetz, Umwandlungssteuergesetz, 9. Aufl., München 2020

Semler, Johannes (Begr.) / Stengel, Arndt / Leonard, Nina (Hrsg.) Umwandlungsgesetz, 5. Aufl.,
München 2021

Stoye-Benk, Christiane / Cutura, Vladimir (Hrsg.) Handbuch Umwandlungsrecht, 4. Aufl.,
Heidelberg 2021

Wendt, Michael / Suchanek, Markus / Möllmann, Peter / Heinemann, Peter (Hrsg.) Gewerbesteuergesetz, 2. Aufl., Köln 2022

Widmann, Siegfried / Mayer, Dieter (Hrsg.) Umwandlungsrecht Kommentar, 209. Ergänzungslieferung, Bonn 2023

Fußnoten

  1. https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Unternehmen/Unternehmensregister/Tabellen/unternehmen-rechtsformen-wz08.html ↩︎
  2. Eisgruber in: Umwandlungsteuergesetz Kommentar, Teil A; Rn. 4. ↩︎
  3. Stengel in: Semler/Stengel/Leonard, Umwandlungsgesetz, UmwG § 2, Rn. 24. ↩︎
  4. Fronhöfer in: Widmann/Mayer, Umwandlungsrecht § 2 UmwG, Rn. 34 ↩︎
  5. Stengel in: Semler/Stengel/Leonard, Umwandlungsgesetz, UmwG § 2, Rn. 31. ↩︎
  6. Heckschen in: Widmann/Mayer, Umwandlungsrecht § 122 UmwG, Rn. 22. ↩︎
  7. Gschwandtner/Stoye-Benk in: Stoye-Benk/Cutura, Handbuch Umwandlungsrecht, 3. Kapitel Verschmelzung, Rn.94. ↩︎
  8. Hörtnagl in: Schmitt/Hörtnagl, Umwandlungsgesetz, Umwandlungssteuergesetz, § 2 UmwStG, Rn. 1. ↩︎
  9. Loose in: Brandis/Heuermann, Ertragssteuerrecht, § 2 UmwStG, Rn. 2. ↩︎
  10. Hörtnagl in: Schmitt/Hörtnagl, Umwandlungsgesetz, Umwandlungssteuergesetz, § 2 UmwStG, Rn. 17. ↩︎
  11. Hörtnagl in: Schmitt/Hörtnagl, Umwandlungsgesetz, Umwandlungssteuergesetz, § 2 UmwStG, Rn. 18. ↩︎
  12. BFH, Urt. v. 10.09.2015 – IV R 49/14. ↩︎
  13. Mertgen in: Haritz/Menner/Bilitewski, Umwandlungssteuergesetz § 3, Rn. 90. ↩︎
  14. Mertgen in: Haritz/Menner/Bilitewski, Umwandlungssteuergesetz § 3, Rn. 86. ↩︎
  15. Martini in: Widmann/Mayer, Umwandlungsrecht § 3 UmwStG, Rn. 490. ↩︎
  16. BFH, Urt. v. 20.08.2015 – IV R 34/12. ↩︎
  17. Schmitt in: Schmitt/Hörtnagl, Umwandlungsgesetz, Umwandlungssteuergesetz, § 3 UmwStG, Rn. 76. ↩︎
  18. Mertgen in: Haritz/Menner/Bilitewski, Umwandlungssteuergesetz § 3, Rn. 113. ↩︎
  19. Mertgen in: Haritz/Menner/Bilitewski, Umwandlungssteuergesetz § 3, Rn. 114. ↩︎
  20. Schmitt in: Schmitt/Hörtnagl, Umwandlungsgesetz, Umwandlungssteuergesetz, § 3 UmwStG, Rn. 85. ↩︎
  21. Pitzal in: Wendt/Suchanek/Möllmann/Heinemann, Gewerbesteuergesetz Kommentar, § 3 UmwStG, Rn. 11. ↩︎
  22. Martini in: Widmann/Mayer, Umwandlungsrecht § 3 UmwStG, Rn. 819. ↩︎
  23. Schmitt in: Schmitt/Hörtnagl, Umwandlungsgesetz, Umwandlungssteuergesetz, § 3 UmwStG, Rn. 147. ↩︎
  24. Mertgen in: Haritz/Menner/Bilitewski, Umwandlungssteuergesetz § 3, Rn. 146. ↩︎
  25. Weigert in: Kraft/Edelmann/Bron, Umwandlungssteuergesetz, § 4, Rn. 12. ↩︎
  26. Schmitt in: Schmitt/Hörtnagl, Umwandlungsgesetz, Umwandlungssteuergesetz, § 4 UmwStG, Rn. 16. ↩︎
  27. Früchtl in: Eisgruber, Umwandlungsteuergesetz Kommentar, § 4, Rn. 37. ↩︎
  28. Martini in: Widmann/Mayer, Umwandlungsrecht § 4 UmwStG, Rn. 135. ↩︎
  29. Schmitt in: Schmitt/Hörtnagl, Umwandlungsgesetz, Umwandlungssteuergesetz, § 4 UmwStG, Rn. 58. ↩︎
  30. Schmitt in: Schmitt/Hörtnagl, Umwandlungsgesetz, Umwandlungssteuergesetz, § 4 UmwStG, Rn. 60. ↩︎
  31. Schmitt in: Schmitt/Hörtnagl, Umwandlungsgesetz, Umwandlungssteuergesetz, § 4 UmwStG, Rn. 79 ff. ↩︎
  32. van Lishaut in: Rödder/Herlinghaus/van Lishaut, § 4 UmwStG, Rn. 110. ↩︎
  33. Bohnhardt in: Haritz/Menner/Bilitewski, Umwandlungssteuergesetz § 4, Rn. 225. ↩︎
  34. Früchtl in: Eisgruber, Umwandlungsteuergesetz Kommentar, § 7, Rn. 11. ↩︎
  35. Bron in: Kraft/Edelmann/Bron, Umwandlungssteuergesetz, § 7, Rn. 35 ff. ↩︎
  36. Börst in: Haritz/Menner/Bilitewski, Umwandlungssteuergesetz § 7, Rn. 36. ↩︎
  37. Martini in: Widmann/Mayer, Umwandlungsrecht § 7 UmwStG, Rn. 57. ↩︎
  38. Schmitt in: Schmitt/Hörtnagl, Umwandlungsgesetz, Umwandlungssteuergesetz, § 4 UmwStG, Rn. 94. ↩︎
  39. Bron in: Kraft/Edelmann/Bron, Umwandlungssteuergesetz, § 4, Rn. 174. ↩︎
  40. van Lishaut in: Rödder/Herlinghaus/van Lishaut, § 4 UmwStG, Rn. 143. ↩︎
  41. Bohnhardt in: Haritz/Menner/Bilitewski, Umwandlungssteuergesetz § 4, Rn. 244 ↩︎
  42. Schlarb in: Bartl/Bartl/Beine/Koch/Schlarb/Schmitt GmbH-Recht, Kapitel III Die Besteuerung der GmbH, Rn. 610. ↩︎
  43. Schmitt in: Schmitt/Hörtnagl, Umwandlungsgesetz, Umwandlungssteuergesetz, § 4 UmwStG, Rn. 94. ↩︎
  44. Bron in: Kraft/Edelmann/Bron, Umwandlungssteuergesetz, § 4, Rn. 351. ↩︎
  45. Schmitt in: Schmitt/Hörtnagl, Umwandlungsgesetz, Umwandlungssteuergesetz, § 4 UmwStG, Rn. 149. ↩︎
  46. Bron in: Kraft/Edelmann/Bron, Umwandlungssteuergesetz, § 4, Rn. 370. ↩︎
  47. Früchtl in: Eisgruber, Umwandlungssteuergesetz Kommentar, § 4, Rn. 124. ↩︎
  48. Martini in: Widmann/Mayer, Umwandlungsrecht § 4 UmwStG, Rn. 952. ↩︎
  49. FG Schleswig-Holstein v. 23.02.2005 – 2 K 54/02 ↩︎

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), ein Mosaik aus Tradition und futuristischer Vision, locken mit ihrem Versprechen eines Lebens voller Möglichkeiten, Luxus und Fortschritt. Besonders Dubai, die Stadt der Superlative, hat sich als globales Zentrum für Finanzen, Innovation und Kultur etabliert. Hier, in diesem glitzernden Wüstenparadies, bietet das Golden Visa System eine einzigartige Gelegenheit für Unternehmer und Investoren, Teil dieser dynamischen Gemeinschaft zu werden. Dieser Artikel entführt Sie in die Welt des Golden Visa Dubai – ein Tor zu unvergleichlichen Vorteilen und einem Leben, von dem viele kaum zu träumen wagen.

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Unser Video: wegzugsteuerfrei nach Dubai auswandern

In diesem Video erklären wir, wie man ohne Wegzugsteuer von Deutschland in die Vereinigten Arabischen Emirate auswandern kann.

Inhaltsverzeichnis


1. Golden Visa in Dubai – Einleitung

Der Aufenthalt in einem fremden Land, wenn er über die Dauer eines gewöhnlichen Urlaubs deutlich hinausgeht, ist oft mit erheblichen Formalitäten verbunden. Selbst die Einreise bei Urlaubsreisen kann Visa erfordern. In der Europäischen Union darf man daher froh sein, dass einem all diese Prozeduren bei der Einreise in Mittgliedstaaten erspart bleiben.

Deutschland ist ein Land, dessen Pass seinen Bürgerinnen und Bürgern eine Visa-freie Einreise in die meisten Länder der Welt ermöglicht. Dazu zählen auch die VAE. Wer aber beabsichtigt sich langfristig oder gar dauerhaft etwa in Dubai aufzuhalten, sollte über die Option eines Golden Visa nachdenken. Denn die VAE bieten neben den üblichen Visa auch besondere an. Jedoch sind Golden Visa in den VAE an die Erfüllung bestimmter Kriterien gebunden, sodass nur ausgewählte Personen Aussicht auf Erteilung eines Golden Visa haben. Deshalb, und weil auch viele Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland über ein Business in Dubai und anderswo in den VAE nachdenken, berichten wir im Folgenden über die Umstände, die zur Vergabe eines Golden Visa führen.

2. Dubai: das funkelnde Juwel der VAE und sein Golden Visa

Das Golden Visa der VAE ist mehr als nur ein Aufenthaltstitel. Es ist ein Versprechen für eine goldene Zukunft unter der Sonne Dubais. Seit seiner Einführung hat das Programm individuellen Talenten, Investoren und Unternehmern aus aller Welt die Türen zu einem privilegierten Leben geöffnet. Mit einer Gültigkeit von 5 bis 10 Jahren – weit über die üblichen Aufenthaltsbedingungen hinaus – gewährt dieses Visa seinen Inhabern und deren Familien Sicherheit und Stabilität in einer der dynamischsten Regionen der Welt.

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3. Dubai Golden Visa – Vorteile, die glänzen wie Gold

Das Golden Visa Dubai ist nicht nur ein Ticket in die Sonne. Vielmehr ist es ein umfassendes Paket, das den Lebensstil seiner Inhaber auf ein Niveau hebt, das in wenigen anderen Teilen der Welt erreicht wird. Einige der bemerkenswerten Vorteile umfassen:

4. Ein Schritt-für-Schritt-Guide zum Golden Visa für Dubai

Der Weg zum Erhalt eines Golden Visa in Dubai ist ein Paradebeispiel für Effizienz und Benutzerfreundlichkeit. Hier beschreiben wir, wie der Prozess typischerweise abläuft:

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Fachberatung für Unternehmer mit dem Ziel nach Dubai auszuwandern

Unsere spezialisierten Steuerberater und Rechtsanwälte beraten Sie gerne. Rufen Sie uns gerne an oder schildern Sie uns Ihr Anliegen per E-Mail:

5. Dubai erleben – jenseits des Golden Visa

Dubai, ein Synonym für Pracht und Prosperität, ist mehr als nur ein Ort zum Leben. Es ist ein Ort zum Erleben. Die Stadt vereint kulturelle Vielfalt mit technologischer Spitzenleistung. Hier findet man eine Lebensqualität, die auf der ganzen Welt unübertroffen ist. Ob es die atemberaubende Architektur des Burj Khalifa ist, der Sie in den Bann zieht, die ruhigen Wasser des Arabischen Golfs, die zum Entspannen einladen, oder die lebhaften Souks, die mit ihren Düften und Farben die Sinne berauschen – Dubai bietet unendliche Möglichkeiten, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Wie kann da ein simpler Urlaub ausreichen? Daher ist es sicher besser, wenn man gleich von Ort lebt. Und am besten ermöglicht Ihnen dies ein Dubai Golden Visa.

Neben den visuellen Wundern und der opulenten Lebensweise hat Dubai auch eine lebhafte Unternehmerszene zu bieten. Die Stadt zieht kluge Köpfe aus der ganzen Welt an, die in diesem innovativen Umfeld gedeihen. Mit seinen erstklassigen Business-Hubs, Inkubatoren und einem starken Fokus auf die Zukunftstechnologien wie Blockchain und Künstliche Intelligenz ist Dubai bestrebt, den Weg für die Unternehmer von morgen zu ebnen. Auch die zahlreichen Freihandelszonen in Dubai sind auf dieses Ziel hin ausgerichtet.

6. Steuerliche Vorteile – Ein Paradies für Unternehmer

Einer der bemerkenswertesten Vorteile Dubais ist sein steuerliches Umfeld. Die VAE bieten ein attraktives steuerfreies Einkommen für Einzelpersonen, was sie zu einem idealen Standort für Unternehmer und Investoren macht. Dieses verlockende Steuersystem, kombiniert mit dem Golden Visa, bietet eine unschätzbare Gelegenheit, Geschäfte in einem wettbewerbsfähigen, globalen Umfeld zu betreiben.

Zudem fördert Dubai aktiv die Gründung und Expansion von Unternehmen durch vereinfachte Registrierungsverfahren, Schutz geistigen Eigentums und Unterstützung bei der Unternehmensfinanzierung. Diese Maßnahmen haben Dubai zu einem Hotspot für Innovation und Unternehmertum gemacht, der Investoren aus aller Welt anzieht.

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7. Dubai Golden Visa als Schlüssel in eine strahlende Zukunft – Fazit

Das Golden Visa Dubai steht als Symbol für die grenzenlosen Möglichkeiten, die Dubai offeriert. Es öffnet die Türen zu einem Leben voller Luxus, Sicherheit und unternehmerischer Freiheit. Die Kombination aus steuerlichen Anreizen, einem hochwertigen Lebensstil und der dynamischen, innovativen Wirtschaft macht Dubai zu einem unwiderstehlichen Ziel für jene, die ganz nach oben streben.

Für Unternehmer und Investoren, die davon träumen, ihre Geschäfte auf die nächste Stufe zu heben, bietet Dubai mit seinem Golden Visa eine einzigartige Chance, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Es ist eine Einladung, Teil einer zukunftsorientierten Gemeinschaft zu werden, die Innovation und Exzellenz durch ihre Adern pulsieren lässt.

In Dubai geht es weniger darum, zu existieren, sondern vielmehr darum, zu florieren. Deshalb ist Dubais Golden Visa Ihr Schlüssel zu einem außergewöhnlichen Leben. Ja, es wartet darauf, von Ihnen entdeckt zu werden. Tauchen also auch Sie ein in die Welt Dubais. Denn nirgendwo sonst finden Sie einen Ort, wo Träume in den grenzenlosen Himmel wachsen und die Zukunft schon längst begonnen hat.


Steuerberater für internationales Steuerrecht

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Internationales Steuerrecht – Privat

  1. Erläuterungen zu den steuerlichen Konsequenzen einer unbeschränkten oder beschränkten Steuerpflicht in Deutschland
  2. Beratung zu steuerlichen Auswirkungen beim Arbeiten im Home Office im Ausland
  3. Beratung zur steuerlichen Optimierung der Auszahlung von Abfindungen
  4. Entwicklung von Gestaltungsmodellen zur Vermeidung der Wegzugsteuer

Internationales Steuerrecht – Unternehmen

  1. Informationen zum Steuerrecht in ausländischen Steuerregimen (zum Beispiel Madeira, Singapur, Texas)
  2. Warnung vor Risiken bei Gründung von Unternehmen im Ausland
  3. Informationen zu Unternehmensformen im Ausland (Dubai, Österreich, USA)
  4. Entwicklung und Umsetzung grenzüberschreitender steuerlicher Gestaltungsmodelle

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Fachreferent beim Steuerberaterverband für internationales Steuerrecht

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Alte und neue Risiken im internationalen Steuerrecht – Christoph JuhnHerunterladen

Nach § 4 Absatz 1 Satz 3 EStG kommt es zu einer steuerpflichtigen, aber fiktiven Entnahme, wenn ein Wirtschaftsgut aus einer deutschen in eine ausländische Betriebsstätte überführt wird. Diese sogenannte Entstrickungsbesteuerung, die wir auch von der Wegzugsteuer kennen, hat allerdings bestimmte Schranken. So greift sie nach einem aktuellen Urteil des FG Münster nicht in Fällen der passiven Entstrickung, das heißt ohne Zutun des jeweiligen Unternehmers.

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Unser Video: Wegzugsteuer durch leere GmbH & Co. KG vermeiden

In diesem Video erklären wir, wie die Wegzugsteuer durch Zwischenschaltung einer GmbH & Co. KG vermieden werden kann!

Inhaltsverzeichnis


1. Grundsatz: Aktive und passive Entstrickung nach § 4 Absatz 1 Satz 3 EStG

Das deutsche Steuerrecht kennt verschiedene Fälle der sogenannten Entstrickungsbesteuerung. Entsprechende Normen greifen immer dann, wenn ein Unternehmer oder eine Privatperson Wirtschaftsgüter ins Ausland überführt, gleichzeitig aber stille Reserven (Gewinnreserven) im jeweiligen Wirtschaftsgut „schlummern“. Im Rahmen der aktiven oder passiven Entstrickung besteuert der Fiskus diese Reserven „final“, bevor er den Zugriff auf das jeweilige Wirtschaftsgut verliert.

Eine dieser Entstrickungsnormen ist § 4 Absatz 1 Satz 3 EStG. Wird ein Wirtschaftsgut aus einer deutschen Betriebsstätte in eine ausländische Betriebsstätte überführt, gilt dieser Vorgang – der grundsätzlich steuerneutral möglich ist – als Entnahme im Sinne des Satzes 2. Die Unternehmerin oder der Unternehmer hat also die stillen Reserven zu versteuern.

Beispiel: Eine deutsche GmbH unterhält zwei Betriebsstätten, eine in Freilassing (deutsche Seite der Grenze zu Österreich) und eine in Salzburg, unmittelbar hinter der Grenze. Die GmbH überführt eine Immobilie, die mit EUR 200.000 in den Bilanzen steht, aus der deutschen in die österreichische Betriebsstätte. Der Verkehrswert der Immobilie liegt bei EUR 500.000. Damit befinden sich EUR 300.000 an stillen Reserven im Wirtschaftsgut „Immobilie“. Dieser Betrag ist infolge der Überführung in Deutschland zu versteuern. In der Betriebsstätte in Österreich wird das Gebäude nun mit EUR 500.000 angesetzt.

Es würde allerdings gegen die Kapitalverkehrsfreiheit verstoßen, die Steuer sofort zu erheben (EuGH Rs. C-371/10 vom 29.11.11, DStR 11, 2334). Daher kann der Steuerpflichtige nach § 4g Absatz 1 EStG einen Ausgleichsposten in Höhe des Differenzbetrages (hier EUR 300.000) bilden und diesen über fünf Jahre auflösen. So kommt es zu einem Steuerstundungseffekt, der allerdings nur bei Ausübung des Wahlrechtes eintritt.

2. Ausnahme: Passive Entstrickung von § 4 Absatz 1 Satz 3 EStG nicht erfasst

Nach einer Entscheidung des Finanzgerichts Münster vom 10.08.2022 (13 K 559/19 GF) erfasst § 4 Absatz 1 Satz 3 EStG allerdings keine Fälle der sogenannten passiven Entstrickung.

Im Streitfall hatte die Klägerin, eine inländische KG, rund 59 % unbewegliches Vermögen (insbesondere Immobilien) in ihrem Betriebsvermögen ausgewiesen. Neben ihren Kommanditanteilen hielten die Kommanditisten, von denen einer in der Schweiz lebte, Anteile an einer spanischen S.L. Nachdem das Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland-Spanien im Jahr 2012 geändert wurde, stand dem deutschen Fiskus kein Besteuerungsrecht mehr am Kommanditanteil des in der Schweiz lebenden Kommanditisten zu. Grund hierfür war, dass das Aktivvermögen der KG zu mehr als 50 % aus unbeweglichem Vermögen bestand.

Das Finanzamt sah einen Fall des § 4 Absatz 1 Satz 3 EStG in Form einer „passiven Entstrickung“, denn auch die Änderung des DBA führe zu einem Ausschluss des Besteuerungsrechts. Die Norm enthalte keine Regelung, nach der eine Besteuerung in diesem speziellen Fall ausgeschlossen sei.

Das Finanzgericht folgte allerdings der Klägerin und sah keine passive Entstrickung. Denn § 4 Absatz 1 Satz 3 EStG bewirke eine Gleichstellung mit der Entnahme nach Satz 2, die eine konkrete Entnahmehandlung und einen Entnahmewillen voraussetze (BFH vom 07.10.1974, GrS 1/73). Daher reiche eine rein passive Entstrickung nicht aus, es müsse zumindest der Wille vorhanden sein, das jeweilige Wirtschaftsgut der deutschen Besteuerungshoheit zu entziehen.


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Internationales Steuerrecht – Unternehmen

  1. Empfehlungen zur Gründung von Unternehmen im Ausland, Informationen zu Unternehmensformen (Österreich, USA)
  2. Beratung zur Einstellung von Mitarbeitern in den USA
  3. Entwicklung steuerlicher GestaltungsmodelleBeratung beim Unternehmenskauf (Verkauf GmbH, Verkauf GmbH & Co. KG, Nutzung von Verlustvorträgen)
  4. Umfassende Beratungen im internationalen Steuerrecht (Quellensteuerabzug, Wegzugsbesteuerung, Hinzurechnungsbesteuerung)
  5. Ausarbeitung von Vermeidungsstrategien für den Gestaltungsmissbrauch im Sinne des § 42 AO

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

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Im Hinblick auf seine Steuern bildet Norwegen im Vergleich zu den anderen Ländern Skandinaviens keine Ausnahme: sie sind relativ hoch. Dennoch gibt es in Norwegen in Bezug auf Steuern einige Besonderheiten. Bemerkenswert ist vor allem, dass die Steuerbehörden Informationen über das Einkommen, das Vermögen und die gezahlten Steuern eines jeden Steuerpflichtigen veröffentlichen. Für besonders prominente Personen sind diese Daten somit jährlich in den lokalen Zeitungen zu lesen. Indirekt erschwert dies zwar Steuerhinterziehung, für uns in Deutschland ist dies dennoch ein befremdliches Vorgehen.

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Unser Video: Auswandern nach Barbados

In diesem Video erklären wir, wie man als Gesellschafter einer GmbH ohne Wegzugsteuer in ein Land, mit dem kein Doppelbesteuerungsabkommen besteht, auswandert.

Inhaltsverzeichnis


1. Steuern in Norwegen – Einleitung

Normalerweise berichten wir ja gerne über ausländische Steuerregime, die Steuervergünstigungen in der einen oder anderen Form kennen. In diesem Artikel werden wir jedoch über Steuern in Norwegen informieren, einem Land, das kaum jemand mit besonders wohlwollenden Steuererleichterungen in Verbindung bringt, dafür aber mit vielen außersteuerlichen Besonderheiten, die das Land kennzeichnen. So ist es kein Wunder, dass in den letzten Jahren viele vermögende norwegische Unternehmer das Land verlassen haben und sich in der Schweiz ansiedelten.

2. Steuern in Norwegen: allgemeine Informationen über das Land

Wenn wir allgemein über Norwegen zu sprechen kommen, dann spielen Superlative und eine faszinierende Geschichte eine große Rolle. Daraus ergießen sich Traditionen und Folklore in einer Weise, wie sie nur Fortunas Horn hervorzubringen vermag.

2.1. Die Natur in Norwegen

Fangen wir mit der Natur Norwegens an. Es ist als Land der Fjorde bekannt und erstreckt sich bis weit jenseits des Polarkreises. Wie die Fjordküste so sind auch alle anderen Landschaften in Norwegen ein Produkt des skandinavischen Eisschilds, dessen mächtige Gletscher in der letzten Eiszeit über zig Jahrtausende hinweg unablässig mahlend und hobelnd die alten Gneise und Granite zerrieben. Entstanden ist ein gebirgiges Land, dass zwar felsig schroff und unwirtlich wirkt, aber keineswegs den klassisch alpinen Charakter Österreichs oder der Schweiz vorweist. Lediglich die Lofoten sehen aus, als hätte man das Matterhorn mitsamt seiner Geschwister bis auf die Gipfel im Meer versenkt.

Und das Meer, die Nordsee, Skagerrak, Barentssee und der Atlantik, ist rau, gnadenlos und gewaltig. Wo die windgepeitschten Wogen an Land branden, schleifen sie unermüdlich den harten, blanken Fels. In den langgezogenen Fjorden jedoch ist es meist so still und ruhig wie das Wasser tief, kalt und klar ist. Und doch ist es das Meer, das Norwegen überhaupt bis in den hohen Norden weitestgehend eisfrei und einigermaßen habitabel hält. Denn ohne dem wärmenden Golfstrom wäre Europa wohl noch immer wenig mehr als eine riesige Tiefkühltruhe.

Hinzu kommt das Licht und die Finsternis. Im Sommer scheint in weiten Teilen die Sonne 24 Stunden lang, im Winter bleibt es Nacht. Es sei denn, man hat das Glück und erblickt in einer der eisigen Nächte eine Aurora borealis über den pechschwarzen Himmel geistern.

Norwegen ist und bleibt ein Land, in dem man als Mensch ständig den Herausforderungen der Natur gegenübersteht – klein und schwach vor ihrer Majestät.

2.2. Geschichte Norwegens

2.2.1. Prähistorische Zeit

Und doch hat der Mensch gewagt ihr zu trotzen. Seitdem der Eisschild abschmolz und die ersten Küstenstreifen freigab, siedelten sie sich Menschen in Norwegen an. Grundlage hierfür sind wohl insbesondere die fischreichen Gewässer, die zunächst einer schwindend geringen Bevölkerung eine erste Lebensgrundlage bot. Seit dieser alten Zeit hat sich im Hinblick auf die Bevölkerungsdichte in Norwegen kaum etwas verändert. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern leben mit einer Einwohnerzahl von knapp fünfeinhalb Millionen nur ganz wenig Menschen hier. Dabei konzentriert sich mehr als ein Viertel von ihnen in und um Oslo, der Hauptstadt Norwegens im Süden des Landes; der Rest ist somit fast menschenleer.

2.2.2. Das Mittelalter – die Zeit der Wikinger

Doch bevor Oslo zum Bevölkerungsmagneten wurde, in der Zeit des frühen Mittelalters sowie davor und danach, waren kaum größere Ortschaften in Norwegen vorhanden. Es war die Zeit der Wikinger. Sie waren Bauern und Seefahrer, Opportunisten, die mal Handel trieben, mal Schutzgelder mit Waffengewalt erpressten oder gleich mitnahmen, was leicht zu rauben war. Als fähige und unerschrockene Krieger standen sie aber auch im Sold fremder Mächte, etwa der Kaiser von Byzanz, die sie als Leibwache schätzten, weil sie keine politischen Ambitionen hegten. In Russland und der Ukraine war dies freilich anders. Denn Russland geht auf die Gründung von Stadtstaaten durch sich dort ansiedelnde Skandinavier zurück. Westeuropa hingegen erlebte Jahrhunderte des Schreckens durch marodierende Nordmänner, von denen viele auch aus Norwegen kamen. Doch manche blieben im lieblicheren Süden, siedelten und vermischten sich mit der einheimischen Bevölkerung. Im Namen Normandie klingt ihr Einfluss auch heute noch nach.

2.2.3. Die Neuzeit – Unabhängigkeit für ein Volk unter fremder Herrschaft

Man weiß, das Ende der Wikingerzeit geht mit der Christianisierung Skandinaviens einher. Doch hängt es vielleicht eher mit der gesellschaftlich folgerichtigen Etablierung von zentral gelenkten Königreichen zusammen, für die die neue Religion eine willkommene divine Rechtfertigung bot. So fiel das dünn besiedelte Norwegen zunächst für viele Jahrhunderte durch eine Personalunion an die dänische Krone. Denn Dänemark konnte mit seiner stärkeren Wirtschaftskraft und dem Vorteil einer effizienten Administration Norwegen beanspruchen, ohne sich um einen nationalen Widerstand der Norweger sorgen zu müssen. Schließlich betrachteten die meisten Norweger ihren Lebensunterhalt lange Zeit als primäre und einzige Sorge.

Je mehr aber die Konsolidierung von Nationen in Europa und anderswo auf der Welt mit der Zeit zunahm, desto mehr wurde den auch Norwegern ihre nationale Identität bewusst. Zwar war Norwegen im 19. Jahrhundert zwischenzeitlich in eine Personalunion mit Schweden getreten, doch reichte der sich in Norwegen allmählich ebenfalls bildende Widerstand gegen die Fremdbeherrschung, um Schweden 1905 davon zu überzeugen, Norwegen in die Unabhängigkeit zu entlassen. So feiern die Norweger alljährlich am 17. Mai ihre Verfassung (von 1814) als Zeichen für die erlangte nationale Souveränität.

2.2.4. Das norwegische Wirtschaftswunder

Die Freiheit kam, die Armut blieb. Auch die deutsche Besatzung im zweiten Weltkrieg hatte ihren Anteil daran. Als die Wehrmacht vor den vorrückenden Sowjets nach Süden zurückwich, zerstörten sie bei ihrer verbrannte Erde-Taktik praktisch alle Gebäude und Infrastruktur in Nordnorwegen.

Heutzutage zählt Norwegen zu den wohlhabendsten Staaten der Welt. Da mag man kaum glauben, dass Norwegen noch vor 100 Jahren ein Armenhaus war – unterentwickelt und darbend. Nachdem man jedoch in den 1960er Jahren offshore Erdöl und Erdgas in großen Mengen entdeckte, nahm Norwegen eine beispiellose wirtschaftliche Entwicklung. Davon sowie von seinen vielen anderen natürlichen Ressourcen – Fischerei, Holz, Wasserkraft, wichtige Erze und andere Mineralstoffe – profitiert Norwegen heutzutage ebenfalls.

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3. Steuern in Norwegen: allgemeine Informationen zum Steuerrecht

So wie Deutschland und viele andere europäische Länder erhebt Norwegen Steuern nach dem Welteinkommensprinzip. Auch der allgemeine Veranlagungszeitraum entspricht mit dem Kalenderjahr dem unseren. Daher überrascht es wenig, dass es in Norwegen ebenso Regeln zur Steuerpflicht gibt, die auf das Merkmal der Ansässigkeit abstellen. Allerdings legt man sich in Norwegen auf eine bestimmte Anzahl an Tagen fest, die man im Jahr im Inland wohnhaft ist, um dort als ansässig zu gelten. Die Schwelle hierfür sind 183 Tage innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten. Ergänzend gilt weiterhin, dass in einem Zeitraum von 36 Monaten das Überschreiten des Limits von 270 Tagen ebenfalls zu einer unbeschränkten Steuerpflicht in Norwegen führt.

Ein relativ hoher Prozentsatz der norwegischen Bevölkerung kann auf eine zumindest zeitweise berufliche Tätigkeit im Ausland blicken. Aus diesem Grund ist es verständlich, dass das Steuerrecht in Norwegen auch für diese Eventualität entsprechende Regelungen getroffen hat. So entfällt die unbeschränkte Steuerpflicht in Norwegen erst, wenn man nachweisen kann, dass man im Veranlagungszeitraum maximal 61 Tage in Norwegen verbracht hat. War man hingegen in den vergangenen zehn Jahren in Norwegen unbeschränkt steuerpflichtig, so muss man diese Bedingung sogar für drei aufeinanderfolgende Jahre nachweisen. Erst ab dem vierten Jahr entfällt in diesem Fall also die unbeschränkte Steuerpflicht.

Das Gegenstück zur unbeschränkten Steuerpflicht ist auch in Norwegen die beschränkte Steuerpflicht. Sie betrifft nur jene Steuerpflichtigen, die zwar ausschließlich im Ausland ansässig sind, aber dennoch einen Bezug zu Einkunftsquellen oder Vermögen in Norwegen haben.

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Internationale Lieferketten besteuern

In diesem Video erklären wir, wie man internationale Verrechnungspreise steueroptimiert ansetzt und worauf man dabei zu achten hat.

4. Zu den einzelnen Arten von Steuern in Norwegen

4.1. Steuern in Norwegen: Einkommensteuer

Einkommensteuer fällt in Norwegen sowohl auf staatlicher als auch auf Ebene der Fylke (Provinzkörperschaften, Entsprechung zu deutschen Bundesländern) sowie der Städte und Gemeinden an. In dieser Hinsicht ähnelt das norwegische Besteuerungssystem eher denen der USA oder der Schweiz als unserem eigenen. Und doch gibt es einen deutlichen Unterschied, weil in Norwegen die Besteuerung des Einkommens zweigeteilt erfolgt.

4.1.1. Grundfreibetrag und Werbungskostenabzug

In Norwegen zieht man einen Grundfreibetrag von NOK 73.100 (10 Norwegische Kronen entsprechen etwa EUR 0,90) vom Einkommen ab, um das zu versteuernde Einkommen zu ermitteln, welches Basis bei der Erhebung der ordentlichen Einkommensteuer auf Ebene der Fylke und Gemeinden ist.

Daneben haben Arbeitnehmer die Möglichkeit die im Zusammenhang mit ihrer Arbeit stehenden tatsächlichen Aufwendungen als Werbungskosten vom Einkommen abzuziehen. Alternativ können sie auch ihre Werbungskosten pauschal berechnen. Dazu setzt man 46 % des Einkommens an, maximal NOK 104.450. Dieser Mindestabzug deckt aber nur einen Teil der Werbungskosten ab. Weitere Werbungskosten können daher angesetzt werden, wenn beispielsweise Kosten für einen arbeitsbedingten Aufenthalt außerhalb von zuhause, Reisekosten, Gewerkschaftsbeiträge bis zu einer Höhe von NOK 7.700 oder Rentenbeiträge angefallen sind.

Weiterhin kann man auch bei der Besteuerung von Renten einen Freibetrag nutzen. Dieser beträgt 40 % und ist auf maximal NOK 86.250 begrenzt.

4.1.2. Ordentliche Einkommensteuer

Und nun zur zweigeteilten Einkommensbesteuerung in Norwegen: Bis zu einer Höhe des zu versteuernden Einkommens von NOK 208.050 fließt die Abgabe als ordentliche Einkommensteuer an die Fylke und Gemeinden. Hierzu wendet man einen pauschalen Einkommensteuertarif von 22 % an. Für die beiden nördlichsten Fylke auf dem norwegischen Festland gibt es aber Ausnahmen, um die schwierigen Lebensverhältnisse in diesen entlegenen Landesteilen zu berücksichtigen; dies soll der dort besonders relevanten Landflucht entgegenwirken. So beträgt 2024 der pauschale Steuersatz in den Fylke Troms und Finnmark 18,5 %.

4.1.3. Progressive Einkommensteuer

Bei Einkommen über NOK 208.050 erfolgt die Besteuerung des Einkommens progressiv und die Einnahmen stehen dann dem Staat zu. Hierzu finden folgende Steuerklassen und Steuertarife Anwendung:

Einkommen vonbisSteuersatz
NOK 208.051NOK 292.8501,7 %
NOK 292.851NOK 670.0004,0 %
NOK 670.001NOK 937.90013,6 %
NOK 937.901NOK 1.350.00016,6 %
über NOK 1.350.00017,6 %

Zu den steuerpflichtigen Einkünften zählen insbesondere solche aus einem Anstellungsverhältnis sowie Renten, aus Gewerbebetrieb (sowohl Einzelunternehmen als auch von Personengesellschaften) und aus Kapitalvermögen, denen auch Vermietungseinkünfte zuzurechnen sind.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass in Norwegen ebenfalls Lohnsteuer als Quellensteuer von den Arbeitgebern einbehalten und an den Fiskus abgeführt wird.

Weiterhin gilt für Renten ein ermäßigter Steuersatz von 15 %, sofern es sich um Renten aus norwegischen Quellen handelt.

Gewisse Kapitalerträge unterliegen einer speziellen Besteuerung. Hängen sie mit Dividendenausschüttungen zusammen, sind die erhaltenen Beträge mit einem Faktor von 1,72 zu multiplizieren, sodass der effektive Steuersatz auf 37,84 % ansteigt. Außerdem unterliegen Gewinnausschüttungen an Empfänger im Ausland prinzipiell einer Quellenbesteuerung von 25 %, auf die etwaige Doppelbesteuerungsabkommen jedoch mildernd Einfluss nehmen. Auch andere Zahlungen ins Ausland erfasst Norwegen mit einer Quellensteuer, etwa Lizenzzahlungen und vergleichbare Gebühren für die Überlassung von Wirtschaftsgütern.

Interessant ist ebenfalls, dass Norwegen sogar Mieteinkünfte aus ausländischen Vermietungen besteuert. Sollten Doppelbesteuerungsabkommen vorliegen, sind sie maßgebend. Doppelbesteuerungsabkommen hat Norwegen unter anderem mit Deutschland, Österreich und der Schweiz abgeschlossen sowie mit allen anderen Ländern Skandinaviens.

4.1.4. Alternative Einkommensveranlagung für Angestellte aus dem Ausland

Außerdem gibt es für Angestellte aus dem Ausland, die nur kurzfristig in Norwegen in ein Beschäftigungsverhältnis eintreten, ein alternatives Einkommensteuerregime, das pay-as-you-earn-System oder kurz PAYE. Hier behalten Arbeitgeber eine pauschale Einkommensteuer von 25 % als abgeltende Quellensteuer ein. Darin sind dann auch alle Sozialabgaben enthalten. Ein Ansatz von Werbungskosten oder anderen Abzügen ist hingegen ausgeschlossen. Steuerlich kann das PAYE-Besteuerungsregime gegenüber der regulären Besteuerung für die betroffenen Steuerpflichtigen sowohl vorteilhaft als auch nachteilig sein, sodass es sich lohnt, hier genauer nachzurechnen.

Voraussetzung für die PAYE-Besteuerung ist, dass das Einkommen unter einer bestimmten Schwelle liegt (für 2024 sind es NOK 670.000). Sie korrespondiert stets mit der zweiten Einkommensstufe im progressiven Steuertarifsystem (siehe oben).

Bei Anwendung der PAYE-Besteuerung ist weder die Abgabe einer Einkommensteuererklärung vorgesehen, noch erhält man einen Steuerbescheid. Dafür quittiert die Steuerbehörde im Jahr, das auf den Veranlagungszeitraum folgt, die gezahlte PAYE-Steuer.

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Fachberatung für internationales Steuerrecht

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4.2. Steuern in Norwegen: Körperschaftsteuer

4.2.1. Allgemeine Informationen zur Körperschaftsteuer in Norwegen

Körperschaften, insbesondere Kapitalgesellschaften, unterliegen in Norwegen der Körperschaftsteuer, wenn sie in Norwegen ihren statuarischen Sitz haben, die Geschäftsführung im Inland stattfindet oder wenn sie dort geschäftlich tätig sind. Auch für sie gilt das Welteinkommensprinzip. Dabei ist zu beachten, dass die überwiegende Mehrheit aller Unternehmen in Norwegen in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft (Aksjeselskap, abgekürzt AS) existiert. Es gibt kein genaues Gegenstück zur GmbH.

Im Unterschied zur Einkommensteuer steht das Steueraufkommen aus der Körperschaftsteuer allein dem Staat zu. Außerdem existiert in Norwegen keine Entsprechung zur deutschen Gewerbesteuer.

4.2.2. Die Körperschaftsteuer in Norwegen

Die Körperschaftsteuer ist eine pauschal berechnete Steuer in Norwegen. Der Körperschaftsteuersatz beträgt 22 %. Er ist somit genauso hoch wie bei der ordinären Einkommensteuer. Berücksichtigt man in Deutschland die Gewerbesteuer als zweite bedeutende Unternehmensteuer, ist die Besteuerung von Kapitalgesellschaften in Norwegen nur wenig geringer, dafür aber landesweit einheitlich.

Bestimmte Finanzdienstleistungsinstitute müssen ihr Einkommen hingegen mit 25 % besteuern.

4.2.3. Ausnahmeregelungen in Bezug auf die Körperschaftsteuer in Norwegen

4.2.3.1. Besteuerung des Erdölsektors

Handelt es sich bei einem steuerpflichtigen Unternehmen um eines, das mit der Förderung und Produktion im petrochemischen Sektor Gewinne erzielt, entrichtet es eine Zusatzabgabe zur Körperschaftsteuer. Zusätzlich zu den 22 % kommt dann noch eine Spezialsteuer von 56 % hinzu, sodass die Gesamtbelastung in dieser für den norwegischen Staatshaushalt so wichtigen Branche bei 78 % liegt. Diese Spezialsteuer kann aber um Investitionen in die weitere Produktion gekürzt werden. Gleichzeitig findet eine lineare Abschreibung der Investitionen über sechs Jahre statt, die sich auf die normale Körperschaftsteuer zum Steuersatz von 22 % steuersenkend auswirkt.

4.2.3.2. Besteuerung von stromerzeugenden Wasserkraftanlagen

Eine ähnliche Ausnahmebehandlung bei der Körperschaftsteuer haben Unternehmen zu befolgen, die sich mit der Gewinnung von Strom durch Wasserkraft beschäftigen, sofern sie mindestens über eine Kapazität von 10.000 kVA verfügen. Hier steigt die Gesamtbelastung durch Steuern in Norwegen auf 67 %. Interessant hierbei ist, dass zusätzlich noch Steuern auf sogenannte Zufallsgewinne anfallen können. Bei realisierten Strompreisen von NOK 0,7 pro kWh berechnet man dabei 23 % an Steuern auf den Teil des Einkommens, der zu diesen oder höheren Preisen realisiert wurde.

Zusätzlich zur Körperschaftsteuer haben die hier angesprochenen Stromerzeuger auch eine Abgabe auf natürliche Ressourcen zu entrichten. Dabei bemisst man die Steuer nach der erzeugten Strommenge, die im Jahr der Veranlagung sowie in den sechs vorangegangenen Jahren summarisch generiert wurde. Auf ein Siebtel dieser Summe fällt dann eine Steuer von NOK 0,013 pro kWh an. Dabei darf man diese Steuer auf die Körperschaftsteuer anrechnen.

4.2.3.3. Optionale Tonnagebesteuerung

Als große Seefahrernation überrascht es wenig, dass Norwegen auch im Schifffahrtssektor Steuern in besonderer Weise erhebt. So kennt man in Norwegen ebenfalls eine Tonnagebesteuerung. Sie ist optional. Findet sie Anwendung, bindet sie das Unternehmen für zehn Jahre. Die Bestimmungen zur Tonnagebesteuerung in Norwegen sind umfangreich. Außerdem setzt das norwegische Parlament den anwendbaren Steuersatz jährlich neu fest. Daher erübrigt sich an dieser Stelle die Darstellung weiterer Details.

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Tonnagebesteuerung von Schifffahrtsunternehmen

In diesem Video erklären wir, wieso Schifffahrtsunternehmen in Deutschland ein besonders günstiges Steuerregime nutzen können.

4.3. Steuern in Norwegen: Umsatzsteuer

Lieferungen und Leistungen unterliegen in Norwegen der Umsatzbesteuerung. Der allgemeine Regelsatz beträgt dabei 25 %. Da man für Reisen in Norwegen aufgrund der großen Entfernungen relativ hohe Beförderungskosten aufwenden muss und diese auch Einfluss auf die Landflucht haben, hat man sich entschieden, den Umsatzsteuersatz für einheimische Personenbeförderungen aller Art auf 12 % zu setzen. Zu diesem Steuersatz sind auch Leistungen im Bereich sportlicher und kultureller Darbietungen sowie Museumseintritte zu besteuern. Mit einem Steuersatz von 0 % sind hingegen Printmedien (Bücher, Zeitungen etc.) sowie ihre digitalen Gegenstücke belegt. Gänzlich steuerfrei bleiben soziale und medizinische Leistungen sowie Finanzdienstleistungen. Mit Ausnahme der Vermietung von Parkplätzen ist auch die Vermietung von Immobilien steuerbefreit. Doch kann man, ähnlich wie in Deutschland, optional Umsatzsteuer bei Vermietungen in Rechnung stellen.

4.4. Steueranreize für Unternehmen in Norwegen

Norwegen kommt Unternehmen in steuerlicher Hinsicht besonders in zwei Aspekten entgegen. Einerseits dürfen alle Unternehmen, die in Norwegen steuerpflichtig sind, einen Antrag stellen, um 19 % der Kosten, die auf Forschung und Entwicklung entfallen, steuerlich abzuziehen (maximal NOK 25 Millionen pro Jahr). Dabei müssen die Forschungs- und Entwicklungsbemühungen das Ziel verfolgen, neue oder verbesserte Dienstleistungen, Produkte sowie andere Wirtschaftsgüter und Produktionsprozesse hervorzubringen. Sollte der Gewinn eines beantragenden Unternehmens geringer als die Steuervergünstigung sein, erhält es eine Auszahlung der Differenz. Über die Gewährung dieser Steuervergünstigung beziehungsweise Förderung entscheidet der norwegische Forschungsrat. Die Dauer der Gewährung ist auf maximal drei Jahre beschränkt.

Zweitens kann man bei der Übertragung von Wirtschaftsgütern innerhalb einer Konzernstruktur einen Antrag beim Finanzministerium stellen, damit dieser Transfer steuerfrei bleibt. Hierfür müssen die Beteiligungsverhältnisse beziehungsweise die Stimmrechte zu mindestens 90 % in einer Hand liegen.

4.5. Steuern in Norwegen: Vermögensteuer

In Norwegen zahlt man Vermögensteuer sowohl auf staatlicher als auch auf kommunaler Ebene. Steuerpflichtige entrichten dabei eine Vermögensteuer von 0,7 % auf Vermögenswerte, die NOK 1,7 Millionen übersteigen, an die Kommunen und 0,3 % an den Staat. Sollte der steuerpflichtige Vermögenswert NOK 20 Millionen übersteigen, entfällt auf den darüber liegenden Betrag 0,4 % als staatliche Vermögensteuer. Bei verheirateten Paaren verdoppeln sich die Bemessungsgrundlagen sowohl hinsichtlich der kommunalen als auch der staatlichen Vermögensteuer (NOK 3,4 Millionen und NOK 40 Millionen).

Übrigens zählen neben Immobilien, Aktien und anderen Unternehmensbeteiligungen, Wertpapieren sowie anderen Wertgegenständen auch eigene Fahrzeuge zum steuerpflichtigen Vermögen, somit insbesondere Autos, Motorboote und Yachten.

4.6. Grundsteuer

Hinzu kommt eine weitere kommunale Abgabe, die Immobilienvermögen betrifft, das zu eigenen Wohnzwecken dient (inklusive Ferienhäuser). Jedoch können Gemeinden in eigener Regie entscheiden, ob und gegebenenfalls in welcher Höhe sie eine Grundsteuer erheben. Entscheiden sie sich für die Erhebung einer Grundsteuer, sind Gemeinden dabei an zwei Bedingungen gebunden. So muss die Grundsteuer mindestens 0,1 % und maximal 0,4 % des Immobilienwerts betragen.

Auch Kapitalgesellschaften sind unter Umständen zur Zahlung der Grundsteuer verpflichtet. Jedoch gelten hierbei einige Sonderregelungen, die beispielsweise Betreiber von Wasserkraftwerken betreffen.

4.7. Erbschaft- und Schenkungsteuer

Seit 2014 zahlt man in Norwegen weder eine Schenkung– noch eine Erbschaftsteuer.

4.8. Dokumentensteuer auf Immobilienübertragungen

Für die Übertragung von Immobilien ist ebenfalls eine Steuer in Norwegen vorgesehen, die sogenannte Dokumentensteuer. Sie fällt mit 2,5 % auf den Wert der übertragenen Immobilie an. Ausnahmen sind vorgesehen, wenn die Übertragung zwischen Eheleuten oder im Wege einer Erbschaft erfolgt. Auch bei einer Übertragung von Immobilien zwischen Personen eines gemeinsamen Hausstands ist keine Dokumentensteuer erforderlich.

Bemerkenswert ist, dass die Kartographie-Behörde des Landes (Kartverket) mit der Besteuerung solcher Vorgänge beauftragt ist. Sie erfüllt nämlich auch die Funktion eines Katasteramts.

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In diesem Video betrachten wir, wie man in den USA Steuern zu zahlen hat und worin sich das US-Steuerrecht vom deutschen unterscheidet.

5. Steuern in Norwegen – Schlussbetrachtungen

Zunächst eine Einschränkung. Hier haben wir über das Steuerrecht Norwegens gesprochen, tatsächlich aber ausgeklammert, dass es für Spitzbergen ein eigenes Steuerrecht gibt. Da Spitzbergen eine sehr spezielle Situation darstellt, obwohl die Inselgruppe offiziell zum norwegischen Hoheitsgebiet zählt, findet auf diesem Gebiet die Besteuerung nach den speziellen Regeln des Svalbard-Steuergesetzes statt. Zwar ist es stark an das norwegische Steuerrecht angelehnt, doch gibt es für diese Region spezifische Regelungen, auf deren Wiedergabe wir im Rahmen dieses Artikels verzichten mussten, um den Rahmen überschaubar zu halten.

Norwegen verfügt aber auch ohne dieses spezielle Steuergesetz über ein ausgeklügeltes und hochdiverses Steuerrecht. Dennoch ist die Besteuerung von natürlichen und juristischen Personen im Allgemeinen eher simpel gehalten. Vor allem die Erhebung der Steuern, die damit einsetzt, dass man zwischen März und April eines jeden Jahres von der jeweils zuständigen Finanzbehörde eine vorausgefüllte Steuererklärung zugeschickt bekommt, ist sehr einfach. Hat man keinen Grund, Änderungen vornehmen zu lassen, kann man sogar auf eine Rücksendung verzichten. Das Finanzamt setzt dann die Steuern mit den ihm bekannten Informationen fest und sendet dann einen Steuerbescheid zu. Im Vergleich zum alljährlichen Drama, das viele Steuerpflichtige in Deutschland Rund um ihre Steuern erleben, ist die Steuererhebung in Norwegen somit spielend einfach. Zumindest darin besteht ein Kontrast zur sonst so harten Natur des Landes.


Steuerberater für internationales Steuerrecht

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zum internationalen Steuerrecht spezialisiert. Bei der Beratung zu steuerlichen Fragen mit grenzüberschreitenden Zusammenhängen schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Internationales Steuerrecht – Privat

  1. Erläuterung zum Doppelbesteuerungsabkommen mit Dänemark
  2. Informationen zum Steuerrecht in ausländischen Steuerregimen (zum Beispiel Belize, Japan, Texas)
  3. Klärung von steuerlichen Fragen für Grenzgänger

Internationales Steuerrecht – Unternehmen

  1. Allgemeine Informationen zur Steuerverstrickung und Entstrickung
  2. Umsetzung von Gestaltungen, mit denen man nach Rückkehr aus dem Ausland 15 Jahre steuerfrei in Deutschland bleibt
  3. Darlegung der Maßnahmen in Bezug auf die globale Mindestbesteuerung in Deutschland
  4. Unterstützung zum Country-by-Country-Reporting (CbCR)

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Fachreferent beim Steuerberaterverband für internationales Steuerrecht

Seit 2014 sind die Partner unserer Kanzlei regelmäßige Fachreferenten des Steuerberaterverbands Köln. Dabei besuchen circa 1.500 Steuerberater pro Jahr unsere Seminare. Wegen der hohen Nachfrage stellen wir Ihnen unsere Präsentation zu „alte und neue Risiken im internationalen Steuerrecht“ gerne kostenlos zum Download zur Verfügung:

Alte und neue Risiken im internationalen Steuerrecht – Christoph JuhnHerunterladen

Nach § 4 Absatz 4a EStG sind bestimmte Schuldzinsen steuerlich nicht abziehbar. Das mit Absatz 5 vergleichbare Abzugsverbot greift dabei immer in Fällen, in denen ein Unternehmer sogenannte Überentnahmen tätigt. Ist dies der Fall, geht der Gesetzgeber davon aus, dass die Aufnahme des Darlehens überwiegend zur Finanzierung des privaten Lebensunterhaltes erfolgte – und normiert für den entsprechenden Anteil der Zinsen eine außerbilanzielle Hinzurechnung. Der Hinzurechnungsbetrag ist fortzuschreiben.

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Unser Video: Internationale Steuerstrukturen

In diesem Video erklären wir, wie internationale Steuerstrukturen dabei helfen, erhebliche Steuerbeträge einzusparen!

Inhaltsverzeichnis


1. Grundsatz: Wann erfolgt eine Hinzurechnung nach § 4 Absatz 4a EStG?

In § 4 Absatz 4a EStG regelt der Gesetzgeber die Behandlung von Schuldzinsen im Fall sogenannter Überentnahmen.

Grundsätzlich sind Zinsen, die insbesondere auf Bankdarlehen anfallen, als Betriebsausgaben abziehbar, wenn sie der Finanzierung betrieblicher Investitionen dienen (§ 4 Absatz 4 EStG). Grund hierfür ist, dass der für einen Abzug von Betriebsausgaben notwendige unmittelbare Zusammenhang mit dem jeweiligen Unternehmen in der Regel gegeben ist (zum Beispiel BFH vom 11.11.2022, VIII B 97/21).

Liegen Betriebsausgaben in Form von Schuldzinsen vor, mindern sie den steuerlichen Gewinn. Der Unternehmer trägt dann zwar den entsprechenden Aufwand, spart hierauf aber auch entsprechend seines Steuersatzes Einkommen- oder Körperschaftsteuer.

Diese Grundsätze dürfen durch § 12 Nummer 1 EStG, dem Verbot des steuerlichen Abzugs der Aufwendungen der privaten Lebensführung, in den Fällen einer sogenannten Überentnahme allerdings keine Anwendung finden. Eine solche liegt nach § 4 Absatz 4a Satz 2 EStG vor, wenn der Unternehmer im jeweiligen Wirtschaftsjahr einen höheren Betrag als die Summe aus Jahresgewinn und Einlagen entnimmt.

Beispiel: Der Unternehmer Max, der seinen Gewinn nach § 4 Absatz 3 EStG ermittelt, hat im Jahr 2023 einen steuerlichen Jahresüberschuss von EUR 100.000 erwirtschaftet. Gleichzeitig hat er EUR 110.000 aus dem Betriebsvermögen entnommen, allerdings keine Einlagen getätigt. Max hat vorliegend eine Überentnahme in Höhe von EUR 10.000 realisiert, da er insgesamt EUR 10.000 mehr aus dem Betriebsvermögen entnommen als er ihm zugeführt hat.

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2. Berechnung von Überentnahmen und nicht abziehbaren Schuldzinsen

Die Höhe der Überentnahmen ist vergleichsweise einfach zu berechnen, da sie schlichtweg der Differenz aus Gewinn, Einlagen und Entnahmen entspricht. Zu beachten ist aber, dass Überentnahmen in mehreren aufeinanderfolgenden Wirtschaftsjahren zu kumulieren sind. Erst später, wenn der Unternehmer keine Überentnahme mehr tätigt, erfolgt eine entsprechende Verrechnung mit dem Einlage- oder Gewinnüberschuss.

Um den Umfang der nicht abziehbaren Schuldzinsen zu berechnen, geht der Unternehmer nach § 4 Absatz 4a Satz 2 fort folgende EStG in folgender Reihenfolge vor:

  1. Ermittlung der Überentnahme: Um die Höhe der Überentnahmen zu ermitteln, rechnet man die Summe aus Gewinn und Einlagen von den Entnahmen des Wirtschaftsjahres ab. Überentnahmen aus vorangegangen Wirtschaftsjahren sind mitzuberücksichtigen.
  2. Typisierung: Von der Summe der Überentnahmen sind 6 % nicht als Schuldzinsen abziehbar.
  3. Ausnahme: Ausgenommen sind Schuldzinsen, die der Finanzierung von Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens dienen (§ 4 Absatz 4a Satz 5 EStG).

Beispiel (Fortsetzung): Max hat im Kalenderjahr 2023 EUR 10.000 an Schuldzinsen gezahlt und ebenfalls EUR 10.000 als Überentnahmen getätigt. Da hiervon 6 % nicht als solche abziehbar sind, ist der Schuldzinsenabzug auf EUR 9.400 (EUR 10.000 – 6 % x EUR 10.000) beschränkt.

Als Sockelbetrag bleiben dabei stets mindestens EUR 2.050 als Schuldzinsen abziehbar. Die Summe der nicht abziehbaren Schuldzinsen wird dem steuerlichen Gewinn außerhalb der Bilanz oder außerhalb der EÜR hinzugerechnet. Durch § 4 Absatz 4a EStG ergibt sich mitunter eine erhebliche Abweichung von der handelsrechtlichen Gewinnermittlung.


Steuerberater für Unternehmenssteuerrecht

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  1. Gründung von Holdinggesellschaften (Realisierung steuerfreier Veräußerungsgewinne, Dividendenerträge)
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Unter dem Begriff erweitertes Anwachsungsmodell ist eine Umwandlung einer GmbH & Co. KG in eine GmbH zu verstehen. Diese Umwandlung erfolgt durch eine Anwachsung der Personengesellschaft auf die Kapitalgesellschaft, die als Komplementär dient. Man erreicht dies dadurch, dass man als Kommanditist alle Anteile an der GmbH & Co. KG in die GmbH einbringt. Auf diese Weise verbleibt die GmbH als einziger Gesellschafter der Personengesellschaft. Da aber eine Personengesellschaft immer über mindestens zwei Gesellschafter verfügen muss, bedeutet dies das Erlöschen der Personengesellschaft. So bleibt die GmbH allein übrig.

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Unser Video: Umwandlung GmbH & Co. KG in GmbH

In diesem Video erklären wir, es gibt vier verschiedene Optionen, um eine GmbH & Co. KG in eine GmbH umzuwandeln. Wir stellen sie vor.

Inhaltsverzeichnis


1. Erweitertes Anwachsungsmodell – Einleitung

Wir haben schon häufig darüber berichtet, wie man ein Einzelunternehmen erfolgreich in eine GmbH umwandelt. Auch über den umgekehrten Weg haben wir bereits informiert. Doch gibt es im Umwandlungssteuerrecht eine Konstellation, auf die wir noch keine ausführliche Beschreibung geliefert haben, und zwar über das, was man mit dem Begriff erweitertes Anwachsungsmodell kennzeichnet. Dies ist insofern spannend, weil hier eine Personengesellschaft plötzlich verschwindet und dadurch eine GmbH verbleibt. Damit haben wir im deutschen Steuerrecht praktisch etwas, wonach Teilchenphysiker ständig suchen, nämlich, dass etwas fast spurlos zu verschwinden vermag.

2. Anwachsung bei Personengesellschaften

Der Fachbegriff erweitertes Anwachsungsmodell mag Ihnen sehr wahrscheinlich unbekannt sein, aber vielleicht haben Sie ja schon einmal von der Anwachsung gehört. Dies ist nämlich ebenfalls ein Umwandlungsvorgang und er betrifft Personengesellschaften. Deshalb blicken wir zunächst einmal auf diesen Aspekt, um dann später den Gesamtkontext mit dem erweiterten Anwachsungsmodell ganzheitlich zu verstehen.

Eine Anwachsung liegt vor, wenn die Mitunternehmeranteile an einer Personengesellschaft von einem Gesellschafter auf einen anderen übergehen. Wenn zum Beispiel eine OHG drei Gesellschafter hat und einer ausscheiden möchte, dann könnte er einerseits die Beteiligung an einen externen Interessenten veräußern. Genauso gut könnte aber auch einer der anderen Mitgesellschafter (oder beide) seine Anteile übernehmen wollen. Wenn also die Mitgesellschafter die Beteiligung des ausscheidenden Gesellschafters erwerben, dann wachsen sie auf die ihrigen an.

Dies ist der Normalfall bei einer Anwachsung. Kennzeichnend ist also eine Reduktion der Anzahl an Gesellschaftern in einer Personengesellschaft. Zwar wäre auch eine Auflösung der Beteiligung des ausscheidenden Gesellschafters denkbar, sodass die Beteiligungsverhältnisse der verbleibenden Gesellschafter neu zu bestimmen wären. Allerdings kann es ja zu unterschiedlich hohen Aufteilungsquoten bei der Übertragung der Beteiligung des ausscheidenden Gesellschafters kommen. Etwa dadurch, dass der eine OHG-Gesellschafter 10 % der Anteile erhält und der andere 90 % . Daher ist die Anwachsung als Umwandlungsvorgang in einer solchen Situation durchaus sinnvoll.

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3. Erweitertes Anwachsungsmodell bei einer GmbH & Co. KG

Der Spezialfall zur Anwachsung ist die Umwandlung einer GmbH & Co. KG in eine reine GmbH. Darunter versteht man das erweiterte Anwachsungsmodell, denn meistens hat eine GmbH & Co. KG nur zwei Gesellschafter, eine natürliche Person als Kommanditist und eine juristische Person als Komplementär. Dabei ist die Beteiligungsstruktur üblicherweise derart gestaltet, dass die Komplementär-GmbH nur zu 0 % an der GmbH & Co. KG beteiligt ist und der Kommanditist über 100 % der Anteile verfügt. Wenn jetzt der Kommanditist die GmbH & Co. KG in eine GmbH umwandeln möchte, kann er das erweiterte Anwachsungsmodell zur Umwandlung nutzen.

Und das geschieht folgendermaßen: Der Kommanditist überträgt per Einbringung seine gesamten Anteile an der GmbH & Co. KG auf die bisher leere Komplementär-GmbH. Damit wird die GmbH Alleingesellschafterin der Personengesellschaft, denn der Kommanditist tritt ja durch die vollständige Übertragung seiner Anteile praktisch aus der Personengesellschaft aus. Da aber eine Personengesellschaft zwingend über mindestens zwei Gesellschafter verfügen muss (dies geht implizit aus § 705 BGB hervor), ist dies der Endpunkt ihrer Existenz. Ohne dass es zu irgendeiner explizit in diese Richtung weisende Entscheidung oder Anmeldung in das Handelsregister gekommen ist, hört die GmbH & Co. KG auf zu existieren. Was dann noch verbleibt ist allein die GmbH, die zuvor die Rolle des Komplementärs übernommen hatte.

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Fachberatung für Umwandlungssteuerrecht

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4. Erweitertes Anwachsungsmodell: Rechtsfolgen

Rechtlich betrachtet geht das Ende der Existenz der Personengesellschaft indirekt aus § 738 Absatz 1 Satz 1 BGB hervor. Dort steht weiterhin die Forderung, dass das Enden einer im Handelsregister eingetragenen Gesellschaft einen entsprechenden Eintrag ins Handelsregister erfordert. Spätestens dann muss man also auch das Erlöschen der GmbH & Co. KG ins Handelsregister eintragen.

Für die GmbH gilt außerdem, dass man ihren Zweck im Gesellschaftsvertrag anpassen muss. Denn in der Regel erfüllte die Komplementär-GmbH ja nur einen Zweck, nämlich das Halten und Verwalten von Unternehmensbeteiligungen. Durch Anwachsung des operativen Teils der Personengesellschaft ist die GmbH aber nun selbst ein operatives Unternehmen geworden. Tatsächlich informiert ja ein Handelsregisterauszug auch über den Zweck einer GmbH. Aus diesem Grund muss man die Änderung des Zwecks der GmbH in den Gesellschaftsvertrag aufnehmen und diesen dem Registergericht einreichen, sodass die Änderung des Zwecks ebenfalls im Handelsregister vermerkt wird. Gegebenenfalls ist auch die Firma zu ändern.

Die Einbringung der Kommanditanteile in die Komplementär-GmbH bedingt eine weitere Rechtsfolge. Denn im Gegenzug erhält der ausscheidende Gesellschafter Anteile an der GmbH. In der Regel entspricht der Gegenwert dieser neuen Anteile dem Wert der Kommanditanteile, die hierbei übergegangen sind. Man spricht hierbei auch von der Anwendung der Spiegelbildmethode (§ 39 Absatz 2 Nummer 2 AO).

Und damit noch ein letzter Punkt zu den Rechtsfolgen einer Umwandlung mittels erweitertem Anwachsungsmodell: Die Umwandlung ist steuerneutral möglich. Allerdings gilt dies nur, wenn dem ehemaligen Kommanditisten neue Anteile an der GmbH gewährt werden (§ 20 UmwStG).

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Unser Video für Studierende: Umwandlungssteuerrecht

In diesem Video erklären wir, welche Rechtsfolgen mit den Umwandlungsvorgängen Einbringung, Anwachsung und Anteilstausch einhergehen.

5. Erweitertes Anwachsungsmodell – Fazit

Es gibt viele Wege, um eine GmbH & Co. KG in eine GmbH umzuwandeln. Einer davon ist das erweiterte Anwachsungsmodell, das wir Ihnen in diesem Artikel ausführlich vorstellen wollten. Tatsächlich handelt es sich hierbei um eines der elegantesten Umwandlungsverfahren, um eine GmbH aus einer GmbH & Co. KG zu formen. Grund hierfür ist insbesondere, dass man nur geringen rechtlichen Aufwand betreiben muss, um dieses Ziel zu erreichen. Außerdem ist dies steuerneutral möglich.


Steuerberater für Umwandlungssteuerrecht

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zum Umwandlungssteuerrecht spezialisiert. Beim Aufsetzen steueroptimierter Unternehmensstrukturen schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

GmbH & Co. KG

  1. Individueller Rechtsformvergleich zwischen GmbH und GmbH & Co. KG
  2. Nutzung einer GmbH & Co. KG im Rahmen eines Mittelstandsmodells in Spanien

Umwandlungen

  1. Erläuterungen zu sämtlichen Umwandlungsvorgängen (Einbringung, Verschmelzung, Formwechsel, Anteilstausch)
  2. Strategische Beratung zu Holdinggesellschaften und Organschaften
  3. Gründung von Holdinggesellschaften aus bestehenden Unternehmensstrukturen heraus
  4. Durchführung von grenzüberschreitenden Einbringungen

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln, Bonn und Düsseldorf gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort Köln

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Lehrauftrag für Umwandlungsteuerrecht

Unsere besonderen Expertisen für Umwandlungsteuerrecht werden auch durch die FOM Hochschule bestätigt. Steuerberater Christoph Juhn wurde dort zum Lehrbeauftragten für Steuerrecht berufen und lehrt seit dem Wintersemester 2013 die Veranstaltung „Steuergestaltung (4) Umwandlungsvorgänge“. Das vorlesungsbegleitende Skript stellen wir Ihnen hier gerne vorab als Information zum kostenlosen Download zur Verfügung:

Steuergestaltung durch Umwandlungsvorgänge und Umstrukturierungen – Christoph JuhnHerunterladen

Familienstiftungen sind regelmäßig eigennützig, dienen also keinen gemeinnützigen oder kirchlichen Zwecken. Hierdurch greift alle 30 Jahre § 1 Absatz 1 Nummer 4 ErbStG. Nach den entsprechenden Vorschriften unterliegt das Vermögen einer Stiftung im Rahmen der sogenannten Erbersatzsteuer der Besteuerung mit Erbschaft- und Schenkungsteuer nach allgemeinen Vorschriften. Dies klingt zunächst nach einem erheblichen Nachteil, zu beachten ist aber, dass man die Erbersatzsteuer auch vermeiden kann. Notwendig hierfür ist lediglich eine detaillierte Planung im Vorfeld!

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Unser Video: Familienstiftung für Immobilien

In diesem Video erklären wir, welche Vorteile eine Familienstiftung bei der Vermietung von Immobilien hat!

Inhaltsverzeichnis


1. Erbersatzsteuer vermeiden – warum das notwendig sein kann

Der Erbschaft- und Schenkungsteuer unterliegen nach § 1 ErbStG grundsätzlich nur Vorgänge, bei denen Vermögen von einer Person auf eine andere übergeht – zum Beispiel im Rahmen der Schenkung oder bei Zustiftungen. Dies unterscheidet die Steuerart unter anderem von der Vermögensteuer, in dessen Rahmen der Fiskus ein bestehendes Vermögen in regelmäßigen Abständen oder einmalig mit Abgaben belastet.

Die sogenannte Erbersatzsteuer stellt hier eine Ausnahme dar. Mit ihr stellt das ErbStG in § 1 Absatz 1 Nummer 4 sicher, dass neben den Erträgen auch das Vermögen einer Familienstiftung in regelmäßigen Abständen der Besteuerung unterliegt. Eine Belastung mit Erbersatzsteuer findet dabei alle 30 Jahre statt.

Hintergrund ist, dass Stiftungen und damit auch Familienstiftungen zwar einen Vorstand, rechtlich aber keine Eigentümer haben. Stirbt ein Begünstigter, der sogenannte Destinatär, erhalten andere Personen – zum Beispiel die Kinder – weiterhin Leistungen aus der Familienstiftung. Damit gehen zwar bestimmte Ansprüche, etwa auf finanzielle Unterstützung in Notfällen, nicht aber das Vermögen der Stiftung selbst auf die Rechtsnachfolger über. Das fehlende Eigentum sorgt außerdem dafür, dass eine Familienstiftung nicht verschenkt werden kann.

Um diese Erbersatzsteuer zu vermeiden, bestehen verschiedene Möglichkeiten. Zu beachten ist dabei grundsätzlich, dass § 1 Absatz 1 Nummer 4 ErbStG ausschließlich für Stiftungen und Vereine gilt, deren Zweck wesentlich im Interesse einer Familie verfolgt wird.

2. Grundsatz der Erbersatzsteuer: Allgemeine Vorschriften gelten alle 30 Jahre

Das Vermögen einer Familienstiftung wird alle 30 Jahre mit Erbersatzsteuer belastet, wobei die 30-Jahres-Frist nach § 1 Absatz 1 Nummer 4 ErbStG bereits mit dem Zeitpunkt des erstmaligen Übergangs von Vermögen auf die Stiftung beginnt. Wie hoch das zugeführte Vermögen ist, spielt dabei keine Rolle. Dies führt im Ergebnis dazu, dass spätere Zustiftungen den Ablauf der 30 Jahre weder nach vorne noch nach hinten verschieben; der Zeitpunkt der Besteuerung steht bereits bei der ersten Vermögensübertragung fest.

Kommt es dann zur Besteuerung, gelten die allgemeinen Vorschriften des Erbschaft- und Schenkungsteuergesetzes. Das Vermögen der Familienstiftung gilt insoweit als Erwerb im Sinne des § 1 ErbStG.

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3. Erbersatzsteuer vermeiden: Welche Möglichkeiten bestehen?

Stiftungsvorstände, regelmäßig vermögende Privatpersonen, haben mehrere Möglichkeiten, die Erbersatzsteuer zu vermeiden. Sie richten sich in erster Linie nach den geltenden Steuerbefreiungen der §§ 13 bis 13d ErbStG, aber auch nach anderen Grundsätzen der Erbschaft- und Schenkungsteuer. Im Ergebnis lässt sich die Erbersatzsteuer vor allem auf folgende Weisen vermeiden:

Zu beachten ist, dass dabei auch für Familienstiftungen die Verschonungsbedarfsprüfung nach § 28a ErbStG Anwendung finden kann. Auf diese Weise lässt sich die Erbersatzsteuer vermeiden, wenn die Stiftung selbst über kein ausreichendes Vermögen zur Entrichtung der Steuerforderung verfügt. Damit die Vorschrift Anwendung finden kann, sind allerdings bestimmte Voraussetzungen zu beachten.

3.1. Anwendung der Steuerklassen und Nutzung von Freibeträgen

Durch die Gleichstellung der Erbersatzsteuer mit der regulären Erbschaft- und Schenkungsteuer gelten auch für diese fiktiven Erwerbe die §§ 15 und 16 ErbStG. Die Stiftung, die hier als Erwerberin gilt, kommt also in den Genuss diverser Freibeträge und Vergünstigungen. Je nach Art und Umfang des Stiftungsvermögens lässt sich die Erbersatzsteuer vollständig vermeiden, wenn der steuerpflichtige Erwerb nach allen Abzügen bei EUR 0,00 oder (gedanklich) darunter liegt.

Nach § 15 Absatz 1 ErbStG gehören Stiftungen grundsätzlich zu den Erwerbern der Steuerklasse III, was zu einer Besteuerung mit dem jeweils höchstmöglichen Steuersatz nach § 19 Absatz 1 ErbStG führen würde. Denn hier gelten, gestaffelt nach Höhe der steuerpflichtigen Bereicherung, folgende Prozentsätze:

Wert des steuerpflichtigen
Erwerbs (§ 10)

bis einschließlich
… Euro
Prozentsatz in
Steuerklasse ISteuerklasse IISteuerklasse III
75 00071530
300 000112030
600 000152530
6 000 000193030
13 000 000233550
26 000 000274050
über 26 000 000304350

Durch § 15 Absatz 2 Satz 3 ErbStG kann die Stiftung die Erbersatzsteuer allerdings dennoch vermeiden. Denn die Steuer wird abweichend von Absatz 1 und bei Vorliegen aller Voraussetzungen des § 1 Absatz 1 Nummer 4 ErbStG so berechnet, als

Das folgende Beispiel zeigt, wie die Familienstiftung durch geschickte Nutzung dieser Freibeträge und der fiktiven Steuerklasse erheblich Erbersatzsteuer vermeiden kann, ohne hierfür auf weitere Gestaltungen zurückgreifen zu müssen.

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3.2. Beispiel: Erbersatzsteuer vermeiden durch Freibeträge und Steuerklasse

Ausgangsfall: Die M-Stiftung verfügt über ein Gesamtvermögen von EUR 2.000.000, das ausschließlich aus liquiden Mitteln besteht. Dadurch greifen keine bestimmten Steuerbefreiungen und die Vermögenswerte wären im Grundsatz – mit den folgenden Abzügen – voll zu besteuern.

Lösung:

  1. Das Vermögen der M-Stiftung wird zunächst halbiert, um den Steuersatz zu ermitteln. Maßgebend ist der Steuersatz der Steuerklasse I, der sich nach § 19 Absatz 1 ErbStG für ein Vermögen von EUR 1.000.000 (EUR 2.000.000 / 2) ergibt. Dies sind hier 19 %.
  2. Vom Gesamtvermögen der M-Stiftung wird der fiktive Freibetrag nach § 16 Absatz 1 Nummer 2 ErbStG in doppelter Höhe abgezogen (§ 15 Absatz 2 Satz 3 ErbStG). Dies sind hier EUR 800.000, sodass insgesamt EUR 1.200.000 zu versteuern sind.
  3. Auf den Betrag von EUR 1.200.000 zahlt die Stiftung nun EUR 228.000 an Erbersatzsteuer.

Ohne die entsprechenden Vergünstigungen kann die Familienstiftung die Erbersatzsteuer also vermeiden, ohne auf komplexere Gestaltungen zurückgreifen zu müssen. Hierbei gilt es allerdings zu beachten, dass die Vorteile mit höherem Vermögen kleiner werden, da insbesondere der Freibetrag von EUR 800.000 stets „fix“ ist.

3.3. Nutzung der Steuerbefreiung für Wohnungs- und Immobilienunternehmen

Das Gros der Familienstiftungen wird mit dem Zweck des Vermögensaufbaus und der Vermögenssicherung gegründet. Im Mittelpunkt zahlreicher Stiftungen steht daher die Tätigung von Investments in bewegliche oder unbewegliche Vermögenswerte, zum Beispiel in Immobilien und Wertpapiere. Für sogenannte Wohnungsunternehmen, also Investitionen in Immobilien, sieht das Erbschaftsteuergesetz dabei bestimmte Befreiungen vor. Durch geschickte Nutzung des § 13b ErbStG kann die Stiftung die Erbersatzsteuer vollständig vermeiden.

Fremdvermietete Immobilien stellen bei Unternehmen grundsätzlich schädliches und damit steuerpflichtiges Verwaltungsvermögen dar. Dies gilt allerdings dann nicht, wenn die Objekte im Betriebsvermögen eines sogenannten Wohnungsunternehmens im Sinne des § 13b Absatz 4 Satz 1 Nummer 1 Buchstabe d ErbStG gehören. Hierbei gelten folgende Voraussetzungen:

Die Hürden für die Annahme eines wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes sind zwar hoch, mit entsprechendem Vorlauf aber gut zu nehmen. Das Wohnungsunternehmen, das regelmäßig als vermögensverwaltende Immobilien-GmbH unter der Stiftung platziert wird, wird dann nicht mit Erbersatzsteuer belastet. Stellt es den einzigen Vermögenswert der Familienstiftung dar, kann sie die Erbersatzsteuer zu 100 % vermeiden.

Liegt kein Wohnungsunternehmen vor, greift § 13d ErbStG. Die Norm ist zwar kein echter „Gamechanger“, führt aber dennoch zu einer 10%igen Steuerbefreiung für die jeweiligen Vermögenswerde. Voraussetzung ist, dass es sich um Vermietungsobjekte innerhalb der EU und/oder des EWR handelt.

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Fachberatung für Familienstiftungen?

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3.4. Mit der Steuerbefreiung für Betriebsvermögen die Erbersatzsteuer vermeiden

Neben Wohnungsunternehmen gelten die Steuerbefreiungen nach den §§ 13a bis 13c ErbStG auch für

Hält die Familienstiftung also Anteile an einem operativen Unternehmen, kann sie auch auf dessen gemeinen Wert die Erbersatzsteuer vermeiden. Dies gilt allerdings nur, soweit das Betriebsvermögen nicht oder nur innerhalb bestimmter Grenzen aus sogenanntem Verwaltungsvermögen besteht. Zum Verwaltungsvermögen nach § 13b Absatz 4 ErbStG gehören beispielsweise

Auch die Familienstiftung hat also zahlreiche Möglichkeiten, die auf den ersten Blick nachteilige Erbersatzsteuer zu vermeiden. Wichtig ist allerdings eine rechtzeitige Planung, da beispielsweise der Aufbau eines wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Diese Kapazitäten sind allerdings regelmäßig gegeben, weil Besteuerungszeitpunkt und Fälligkeit der Steuer – alle 30 Jahre – bereits heute feststehen.

4. Die Verschonungsbedarfsprüfung nach § 28a ErbStG bei Familienstiftungen

Auch Familienstiftungen können die Erbersatzsteuer durch § 28a ErbStG vermeiden. Die sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung erfasst dabei allerdings nur Erwerbe von begünstigtem Betriebsvermögen im Sinne des § 13b Absatz 2 ErbStG.

Kann die Stiftung die fällige Steuer nicht bezahlen, wird sie auf Antrag erlassen. Einsetzen muss sie lediglich

Bei der Erbersatzsteuer entspricht das vorhandene regelmäßig dem übergehenden Vermögen, da es sich um eine Substanzbesteuerung handelt.


Steuerberater für Erbschaft- und Schenkungsteuer

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung bei Erbschaften und Schenkungen spezialisiert. Hierbei schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Erbschaft/Schenkung

  1. Beratung zum Erbschaftsteuerrecht (Freibeträge, Anzeigepflichten)
  2. Beratung beim Unternehmenskauf (Verkauf GmbH, Verkauf GmbH & Co. KG, Nutzung von Verlustvorträgen)
  3. Empfehlungen vor Schenkungen zu Lebzeiten, Beratung zum internationalen Erbschaftsteuerrecht
  4. Entwicklung von Verteidigungsstrategien gegenüber der Finanzverwaltung bei Einspruchsverfahren, Betriebsprüfungen, FG-Klageverfahren und BFH-Revisionsverfahren
  5. Ausarbeitung von Vermeidungsstrategien für den Gestaltungsmissbrauch im Sinne des § 42 AO

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort Köln

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Telefon-/Videokonferenz

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Rechtsfolge der Hinzurechnungsbesteuerung ist, dass die gemäß § 7 Absatz 1 AStG in Verbindung mit § 10 AStG hinzurechnungssteuerpflichtigen Einkünfte bei dem Steuerpflichtigen als Hinzurechnungsbetrag anzusetzen sind. Bei der Ermittlung des Hinzurechnungsbetrags gelten gemäß § 10 Absatz 3 Satz 1 AStG die deutschen Grundsätze. Daher gehört der Hinzurechnungsbetrag kraft Gesetzes zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb. Nun kann es aber sein, dass der Hinzurechnungsbetrag schon in steuerlichen Ansässigkeitsstaat der Zwischengesellschaft lokal besteuert wurde. Diesen Fall betrifft der § 12 Absatz 1 Satz 1 AStG. Demnach ist die lokalen Steuerbelastung auf die nationale Körperschaftsteuer anzurechnen. Wir klären, wie die Anrechnung der ausländischen Steuer bei der Hinzurechnungsbesteuerung funktioniert und welche Probleme bestehen.

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Unser Video: Wegzugsbesteuerung, Hinzurechnungsbesteuerung, Steuerverstrickung

In diesem Video erklären wir, die Regelungskomplexe des internationalen Steuerrechts.

Inhaltsverzeichnis


1. Rechtsfolge der Hinzurechnungsbesteuerung

Die gemäß § 7 Absatz 1 AStG in Verbindung mit § 10 AStG hinzurechnungssteuerpflichtigen Einkünfte sind bei dem Steuerpflichtigen als Hinzurechnungsbetrag anzusetzen. Bei der Ermittlung des Hinzurechnungsbetrags gelten gemäß § 10 Absatz 3 Satz 1 AStG die deutschen Grundsätze. Daher gehört der Hinzurechnungsbetrag kraft Gesetzes zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb.

Gewerbesteuerlich gilt der Hinzurechnungsbetrag aufgrund der Fiktion des § 7 Satz 7 GewStG als in einer inländischen Betriebsstätte angefallen. Folge ist, dass der Hinzurechnungsbetrag sowohl der Körperschaftsteuer als auch der Gewerbesteuer unterliegt.

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Fachberatung für Hinzurechnungsbesteuerung

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2. Anrechnung der ausländischen Steuer

2.1. Sinn und Zweck der Anrechnung der ausländischen Steuer

Der Hinzurechnungsbetrag unterliegt regelmäßig auch im Ansässigkeitsstaat der Zwischengesellschaft der lokalen Unternehmensbesteuerung. Infolge der Kombination von lokaler Besteuerung im Ansässigkeitsstaat und der Besteuerung im Wege der Hinzurechnungsbesteuerung im Inland kommt es daher zu einer grenzüberschreitenden Doppelbesteuerung des Hinzurechnungsbetrags. Zu einer Doppelbesteuerung kommt es nur dann nicht, wenn die Steuerbelastung im Ausland 0 % beinhaltet. Ziel die Anrechnung der lokalen Steuerbelastung ist es daher, diese Doppelbesteuerung zu vermeiden.

2.2. Ausgestaltung der Anrechnung

In § 12 Absatz 1 AStG ist geregelt, dass die lokale Steuerbelastung der ausländischen Zwischengesellschaft auf die Körperschaftsteuer angerechnet wird. Ferner ist es gemäß § 12 Absatz 2 AStG möglich auf Antrag die ausländische Hinzurechnungsbesteuerung anzurechnen. Ausdrücklich ist im Gesetz jedoch nur die Anrechnung auf die Körperschaftsteuer vorgesehen. In Umkehrschluss dazu findet keine Anrechnung auf die Gewerbesteuer statt.

Folgerichtig ist die Ablehnung der Anrechnung auf die Gewerbesteuer jedoch nicht. Der Hinzurechnungsbetrag gilt für Zwecke der Gewerbesteuer als in einer inländischen Betriebsstätte angefallen. Damit ist er grundsätzlich mit Gewerbesteuer belastet. Demgegenüber lässt sich aber die Gewerbesteuerbelastung mangels Anrechenbarkeit der im Ausland entstandenen Steuerbelastung nicht mindern.

Nicht anrechnungsfähig sind zudem Quellensteuern, die auf Gewinnausschüttungen der Zwischengesellschaft erhoben werden. Grund hierfür ist, dass die Zwischengesellschaft weder Steuerschuldner ist, noch die Quellensteuer zu ihren Lasten erhoben wird.

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Unser Video: Rechtsgrundlagen (EStG, AStG, DBA, AEUV) & Mitwirkungspflichten | Internationales Steuerrecht

In diesem Video erklären wir, welche Rechtsgrundlagen es im internationalen Steuerrecht gibt.

2.2. Problem: Welche ausländischen Steuern sind anzurechnen

2.2.1. Anrechenbarkeit von Steuern aus anderen Ländern?

Es stellt sich jedoch die Frage, welche ausländischen Steuern anrechenbar sind. Es könnten lediglich die Steuern anrechenbar sein, die die Zwischengesellschaft unmittelbar schuldet. Denkbar ist aber auch, dass die Erträge der Zwischengesellschaft auch oder nur in einem anderen Land besteuert werden. Zu einem solchen Fall kommt es beispielsweise, wenn die Gewinne im Rahmen einer Gruppenbesteuerung einer anderen Gesellschaft zuzurechnen sind.

§ 12 Absatz 1 Satz 1 AStG lässt lediglich die Anrechnung der Steuern zu, die „zu Lasten der ausländischen Gesellschaft … tatsächlich erhoben worden sind.“ Einige fordern daher Steuersubjektidentität. Daher müsste die Zwischengesellschaft Steuerschuldner sein und die Steuerlast tragen.

2.2.2. Anrechnung ausländischer Steuer, die Zwischengesellschaft wirtschaftlich belastet

Andere hingegen meinen, für die Anrechnung der ausländischen Steuer sei nicht erforderlich, dass die ausländische Gesellschaft selbst Schuldner der Steuer sei. Es reiche aus, wenn die Steuer wirtschaftlich von ihr getragen werde.

Richtigerweise ist nicht zu unterscheiden, wer Steuerschuldner der Zahlung ist. Die ausländische Zwischengesellschaft müsse die Steuer lediglich wirtschaftlich tragen beziehungsweise die Steuer müsste zu ihren Lasten gehen. Dabei ist der Grund, warum die Zwischengesellschaft die Steuer tragen musste, irrelevant. Es kommt daher nicht darauf an, ob eine Steuerumlage gesetzlich gefordert ist oder die Steuerumlage auf freiwilliger Basis vereinbart wurde.

Wären solche Steuern nicht anrechenbar, würde die Anrechnung in den Fällen ins Leere laufen. Folge dessen wäre, dass die Hinzurechnungsbesteuerung zu einer Strafbesteuerung mutieren würde.

Auch weitere Erwägungen sprechen dafür, von einem solchen Verständnis auszugehen. Die Finanzverwaltung geht bei der Berechnung der Niedrigbesteuerung der ausländischen Einkünfte auch von einem weiten Verständnis aus. Demnach könne eine Gesellschaft nicht bereits deshalb als niedrig besteuert gelten, weil die Steuer auf das von ihr erzielte Einkommen von einer anderen Gesellschaft entrichtet wurde. Dementsprechend ist die tatsächliche Steuerbelastung unter Berücksichtigung der Steuer, die in anderen Staaten entrichtet wurde, maßgeblich. Wenn es für die Belastungsberechnung nicht auf die Steuerschuldnerschaft der ausländischen Zwischengesellschaft ankommt, so kann sich für die Anrechnung der ausländischen Steuer nichts anderes ergeben.

Auch die Gesetzessystematik legt ein solches Verständnis nahe. Nach § 12 Absatz 2 AStG ist auf Antrag auch die Anrechnung ausländischer Hinzurechnungsbesteuerung möglich. Die ausländische Hinzurechnungsbesteuerung wurde in diesem Fall aber bei einem anderen Steuersubjekt erhoben. Dennoch ermöglicht § 12 Absatz 2 AStG die Anrechnung. Daher kann es auch im Rahmen des § 12 Absatz 1 AStG nicht von Bedeutung sein, wer Steuerschuldner ist.

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3. Verbleibende Steuerbelastung

Für ein Unternehmen ist es daher von erheblicher Bedeutung, ob die nach deutschen Grundsätzen ermittelte Steuerbelastung im Ausland 14,99 % oder 15 % beträgt.

Das zu versteuernde Einkommen der ausländischen Zwischengesellschaft beträgt 100. Bei einem Steuersatz von 14,99 % liegt die lokale Steuerbelast bei 14,99, so dass die Hinzurechnungsbesteuerung ausgelöst ist. Damit käme es zu einer deutschen Steuerbelastung mit Körperschaftsteuer von 15. Die ausländische Steuer wäre aber anrechenbar, so dass die Steuerbelastung entfällt. Jedoch bleibt die Gewerbesteuerbelastung bestehen. Bei einem Hebesatz von 490 % beträgt die Gewerbesteuerbelastung 17,15 %. Zu der lokalen Steuerbelastung der Zwischengesellschaft (14,99) kommt daher die Gewerbesteuerbelastung (17,15) hinzu. Die Gesamtsteuerbelastung beträgt daher 32,14.

Unterliegt die Zwischengesellschaft einer ausländischen Steuerlast von 15 %, so ist die Hinzurechnungsbesteuerung nicht ausgelöst. Somit kommt es nicht zu einer hinzukommenden Steuerbelastung in Deutschland.

Dieses Beispiel zeigt, dass bei Anwendung der Hinzurechnungsbesteuerung der Hinzurechnungsbetrag tatsächlich so besteuert wird, als wären die Einkünfte in Deutschland erzielt worden.


Steuerberater für Unternehmen

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung für Unternehmen spezialisiert. Im internationalen Steuerrecht schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

  1. Empfehlungen zur Gründung von Unternehmen im Ausland (beispielsweise Dubai)
  2. Informationen zu Unternehmensformen im Ausland (Österreich, USA)
  3. Beratung zur Einstellung von Mitarbeitern in den USA
  4. Entwicklung steuerlicher Gestaltungsmodelle
  5. Steuerfreier Wegzug aus Deutschland
  6. Informationen zum Steuerrecht in ausländischen Steuerregimen (zum Beispiel Gibraltar, San Marino, Uruguay, Mongolei)

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Wer Immobilien innerhalb der Familie verkauft, etwa an den eigenen Ehegatten, kann hiermit erhebliche Abschreibungspotenziale heben. Gleichzeitig ist die Käuferin oder der Käufer verpflichtet, den vereinbarten Kaufpreis zu überweisen – und hieran kann die Gestaltung in der Praxis scheitern. Eine Lösung ist das sogenannte Verkäuferdarlehen, bei dem der Verkäufer dem Käufer den Kaufpreis leiht. Durch die fällig werdenden Zinsen lassen sich weitere Gestaltungspotenziale nutzen.

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Interview: Immobilie privat oder über eine GmbH kaufen?

In diesem Interview mit Finanzfluss geht Christoph Juhn auf die optimale Steuerstrategie für Immobilien ein.

Inhaltsverzeichnis


1. Grundsatz: Wie funktioniert das Verkäuferdarlehen?

Bevor ein Darlehen überhaupt benötigt wird, müssen sich Käufer und Verkäufer gegenüberstehen. In der Praxis ist dies meist bei Immobilien der Fall. So möchte beispielsweise die Ehefrau ein ihr gehörendes Mehrfamilienhaus nach 10 Jahren steuerfrei an ihren Ehemann verkaufen, damit dieser erneut vom aktuellen Verkehrswert des Objektes abschreiben kann.

Üblicherweise würde sich der Ehemann das notwendige Kapital nun von einer Bank leihen. Beim Verkäuferdarlehen aber tritt der Verkäufer, hier die Ehefrau, an die Stelle ebendieses Kreditinstitutes. Sie leiht ihrem Ehemann also das Geld, indem dieser den Kaufpreis in Raten – zum Beispiel über 20 Jahre – abzahlen kann.

Der Verkäufer übernimmt beim Verkäuferdarlehen also eine „Doppelrolle“. Denn er ist in zweifacher Hinsicht Vertragspartner des Käufers, einerseits im Hinblick auf den Verkauf des jeweiligen Wirtschaftsgutes und andererseits hinsichtlich des notwendigen Darlehensvertrages.

2. Steuerliche Behandlung eines Verkäuferdarlehens

Ein Verkäuferdarlehen kann steuerlich erhebliche Vorteile bieten. Dies gilt vor allem dann, wenn – wo die Darlehensform auch am häufigsten anzutreffen ist – die entsprechende Vertragsgestaltung innerhalb des Familienverbundes erfolgt. Denn gegenüber fremden Dritten würden nur wenige Verkäufer auf eine sofortige Zahlung des Kaufpreises verzichten.

Verkäuferdarlehen unter Angehörigen, etwa Ehegatten oder Eltern und Kindern, müssen fremdüblich ausgestaltet sein. Nur dann werden sie steuerlich anerkannt, führen also zu einer Abzugsmöglichkeit von Zinsen nach § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 1 EStG. Es steht den Vertragsparteien allerdings frei, den Darlehensvertrag für den Käufer möglichst ungünstig auszugestalten, um so einen höheren Zinssatz zu rechtfertigen.

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2.1. Behandlung des Darlehens beim Verkäufer

Der Verkäufer – beispielsweise einer Immobilie – tritt durch das Verkäuferdarlehen gleichzeitig als Darlehensgeber auf. Die erhaltenen Zinsen führen bei ihm zu Einkünften aus Kapitalvermögen, wobei § 32d Absatz 2 Nummer 1 EStG bei fremdüblicher Gestaltung des Vertrages keine Anwendung findet. Im Ergebnis unterliegen die Zinsen mit Zufluss (§ 11 EStG) einer Besteuerung mit lediglich 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag.

Zu versteuern ist dabei allerdings nicht die gesamte monatliche Rate, sondern lediglich der sogenannte Zinsanteil. Dieser ergibt sich aus dem Tilgungsplan und sinkt – jedenfalls bei klassischen Annuitätendarlehen – mit der Laufzeit immer weiter ab.

Ausnahmen sind sogenannte endfällige Darlehen. Beim endfälligen Verkäuferdarlehen zahlt der Käufer der Immobilie den tatsächlichen Darlehensbetrag erst später, etwa nach 10 Jahren, in einer Summe zurück. Dadurch fallen während der Laufzeit ausschließlich Zinsen an, was zu einer vollen Versteuerung der gesamten Zahlungen führt.

2.2. Behandlung des Verkäuferdarlehens beim Käufer

Der Käufer entrichtet im Rahmen des Verkäuferdarlehens Zinsen an den Verkäufer. Diese sind, sofern das erworbene Wirtschaftsgut zur Erzielung von Einkünften genutzt wird, als Werbungskosten nach § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 1 EStG abziehbar. Alternativ liegen Betriebsausgaben vor, wobei bei ihnen ebenfalls der sogenannte Zinsanteil zum Abzug kommt.

Auf Käuferseite wirken sich die Zinszahlungen damit regelmäßig in Höhe von rund 50 % aus. Zahlt der Käufer also EUR 10.000 an den Käufer, spart er hierdurch rund EUR 5.000 an Steuern. Der Verkäufer hat das erhaltene Geld allerdings nur mit 25 % zu versteuern, entrichtet also rund EUR 2.500.
Gerade Ehegatten können sich mit dem Verkäuferdarlehen so ein Steuersatzgefälle zunutze machen. Denn die Zinszahlungen „bleiben in der Familie“, mindern aber durch den Abfluss die mit rund 50 % versteuerten Einkünfte und unterliegen gleichzeitig einer Belastung von nur 25 %.

3. Verkäuferdarlehen in Steuergestaltungen einbinden!

Werden Immobilien innerhalb der Familie verkauft, ist die Gestaltung über ein Verkäuferdarlehen in erster Linie wegen des Steuersatzgefälles sinnvoll. Hinzu kommen schenkungsteuerliche Gestaltungsmöglichkeiten, denn der Gläubiger der Darlehensforderung kann alle 10 Jahre einen Teil der Forderung erlassen. Ein solcher Erlass ist im Rahmen der erbschaft- und schenkungsteuerlichen Freibeträge steuerfrei möglich.


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Besteuerung von Immobilien

  1. Steueroptimierter Verkauf von Immobilien , Beratung zum Nießbrauchrecht
  2. Allgemeine Beratung zu GmbH-Besteuerung (Gründung, Steuervorteile der Immobilien-GmbH, Vermeidung von Betriebsaufspaltungen, Steuerreduktion bei Gewinnausschüttungen, Nutzung von Verlustvorträgen)
  3. Umfassende Beratungen im internationalen Steuerrecht (Quellensteuerabzug, Wegzugsbesteuerung, Hinzurechnungsbesteuerung)
  4. Entwicklung von Maßnahmen zur Reduktion der Steuerlast (zum Beispiel RechtsformwahlSitzverlegung)

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

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