Stiftung in Liechtenstein

Voraussetzungen & Ablauf der Errichtung

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Stiftung in Liechtenstein gründen: Voraussetzungen & Ablauf

Die wichtigste gesetzliche Voraussetzung, um eine Stiftung in Liechtenstein gründen zu können, ist ein Mindestbetrag des Stiftungsvermögens. Dabei kann man zwischen drei Währungen wählen. Einerseits kann der Mindestbetrag CHF 30.000 betragen. So können sowohl Privatpersonen als auch Körperschaften aus dem In- uns Ausland eine Stiftung in Liechtenstein gründen. Darüber hinaus besteht alternativ die Option den gleichen Betrag in EUR oder USD zu stiften. Außerdem unterscheidet sich der Ablauf von jenem in Deutschland dadurch, dass man eine Stiftung in Liechtenstein gründen kann, ohne dabei auf eine behördliche Anerkennung angewiesen zu sein. Weiterhin gibt es formale Voraussetzungen zur Errichtung. Je nachdem, ob der Stifter eine gemeinnützige oder eine Familienstiftung errichtet, muss eine Anmeldung zum Handelsregister respektive eine Hinterlegung der Stiftungsdokumente beim Amt für Justiz stattfinden. Letztere hat innerhalb von 30 Tagen zu erfolgen.

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die verschiedenen Möglichkeiten zur Nutzung von Stiftungen spezialisiert. Dabei arbeiten wir für jeden Mandanten individuelle Gestaltungsmodelle aus. Aufgrund der aktuellen Relevanz haben wir mehrere Beiträge zu diesem Thema publiziert:

Datum Thema
23. Februar 2021 Verwaltung einer Stiftung in Liechtenstein – Organe sinnvoll einsetzen 
18. Februar 2021 Vermögensverwaltung von Bankvermögen einer Stiftung in Liechtenstein
17. Februar 2021 Stiftung in Liechtenstein: 6 Vorteile gegenüber einer deutschen Stiftung
11. Februar 2021 Stiftung in Liechtenstein gründen: Voraussetzungen & Ablauf (dieser Beitrag)
20. Januar 2021 Familienstiftung in Liechtenstein: keine Einkommensteuer in Deutschland
Stiftungen in EU/EWR: Der Schlüssel…

Stiftungen in EU/EWR: Der Schlüssel zur Steuergestaltung nach § 15 Abs. 6 AStG

In diesem Video erklären wir, wie man die Besteuerung von Gewinnen von Stiftungen im EU/EWR-Ausland in Deutschland vermeidet.

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1. Stiftung in Liechtenstein gründen: historische Betrachtung

1.1. Seit 1926 kann man eine Stiftung in Liechtenstein gründen

Seit 1926 existiert im Fürstentum Liechtenstein ein Gesetz zu Stiftungen. Eingebettet in das Personen- und Gesellschaftsrecht galt es über viele Jahrzehnte als Garant für ein Erfolgsmodell, bei dem vor allem Wohlhabende aus dem Ausland ihr Vermögen dem Zugriff der Besteuerung ihrer jeweiligen Länder entzogen. So lange die Anonymität der Stifter gewährleistet war, konnten sie sich sicher sein, dass sie durch die Gründung einer Stiftung in Liechtenstein – und hierbei insbesondere von Familienstiftungen – enorme finanzielle Vorteile erzielen konnten.

1.2. 2009: Reform des liechtensteinischen Stiftungsrechts

Doch spätestens seit der spektakulären Zumwinkel-Affäre 2008, die in der Verurteilung des damaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post AG gipfelte, kam es zu einem Umdenken im Fürstentum. Schließlich stand das saubere internationale Image des Fürstentums Liechtenstein auch aus einem Grund in der Kritik. Denn außer vermögenden Personen aus dem Ausland hatten auch viele kriminelle oder gar terroristische Vereinigungen die Vorteile für sich entdeckt, die mit der Gründung einer Stiftung in Liechtenstein umsetzbar sind: Geldwäsche.

Deshalb trat zum 01.04.2009 mit einer umfassenden Reform des liechtensteinischen Stiftungsrechts eine Neuauflage mit weitreichenden Veränderungen in Kraft. Durch diese Neuordnung des Stiftungsrechts in Liechtenstein sowie die sie begleitend abgeschlossenen internationalen Abkommen, denen Liechtenstein seitdem beigetreten ist (zum Beispiel Doppelbesteuerungsabkommen und TIEA mit Deutschland), gilt Liechtenstein als Musterbeispiel für Transparenz. Dabei ist die Reform unter der Vorgabe entstanden, dass das bisherige Stiftungsrecht auf die bereits errichteten Stiftungen im Prinzip weiterhin Anwendung findet. Somit gilt das neue Stiftungsrecht, bis auf wenige Ausnahmen, ausschließlich für ab dem 01.04.2009 gegründete Stiftungen.

Da wir uns in diesem Artikel mit der Frage beschäftigen, wie man eine Familienstiftung in Liechtenstein gründen kann, hat auch nur das aktuelle liechtensteinische Stiftungsrecht hierbei Relevanz.

2. In welcher Form kann man eine Stiftung in Liechtenstein gründen?

Im Grunde gibt zwei Arten von Stiftungen in Liechtenstein, wobei man eine Dritte als Mischform praktisch hinzuzählen kann.

2.1. Stiftung in Liechtenstein gründen: gemeinnützige Stiftung

Einerseits kann man eine reine Vergabestiftung gründen. Eine solche Stiftung hat nur einen Zweck, nämlich einen gemeinnützigen. Bei der Gründung der gemeinnützigen Stiftung steht der vom Stifter bekundete genauere Zweck der Stiftung natürlich ganz besonders im Mittelpunkt. Dabei kann der Zweck der gemeinnützigen Stiftung ein kultureller, sozialer, karitativer oder humanitärer, religiöser, wissenschaftlicher oder ökologischer sowie sportlicher Art sein. Wichtig hierbei ist natürlich, dass die Zuwendungen hierbei überwiegend der Allgemeinheit zugute kommt. Denn einerseits steht die gemeinnützige Stiftung unter einer besonderen Kontrolle der liechtensteinischen Stiftungsaufsicht. Schließlich geht es dabei auch darum, dass solche gemeinnützigen Stiftungen Steuerprivilegien genießen. Also hat die liechtensteinische Behörde den Auftrag, die Interessen des Stifters zu vertreten sowie sicherzustellen, dass die Steuervorteile, von denen eine gemeinnützige Stiftung in Liechtenstein profitiert, keinem Missbrauch anheimfallen.

2.2. Stiftung in Liechtenstein gründen: privatnützige Stiftung

Andererseits kann man eine Stiftung in Liechtenstein in der Form einer Familienstiftung gründen. Dabei sind die Destinatäre selbstverständlich Familienmitglieder des Stifters. Hierbei ist der Einfluss der Stiftungsaufsicht insoweit eingeschränkt, als dass sie prinzipiell nur die Richtigkeit der in den Gründungsanzeigen enthaltenen Informationen prüft. Da solche Daten gleichfalls bei Änderungsbeschlüssen relevant sein können, prüft die liechtensteinische Stiftungsaufsicht auch in diesen Fällen die Daten. Ansonsten kann eine Familienstiftung die Dienste der liechtensteinischen Stiftungsaufsicht auch auf freiwilliger Basis in Anspruch nehmen, vorausgesetzt, dass die Satzung dies zulässt.

2.3. Stiftung in Liechtenstein: Familienstiftung mit gemeinnützigen Aspekten

Wie bereits angedeutet, gibt es neben den hier vorgestellten reinen Formen auch die Möglichkeit eine Mischform zwischen gemeinnütziger und privatnütziger Stiftung zu gründen. So ist es zum Beispiel denkbar, dass ein Stifter den Willen äußert, ab einem bestimmten Gewinn den übersteigenden Betrag statt den erstrangig zuwendungsberechtigten Familienmitgliedern einem gemeinnützigen Zweck zuzuführen.

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Haben Sie Fragen zur Gründung einer Stiftung in Liechtenstein?

Unsere Kanzlei hat sich hierauf besonders spezialisiert. Vereinbaren Sie jetzt Ihren Beratungstermin mit unseren Steuerberatern und Rechtsanwälten:

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3. Voraussetzungen, um eine Stiftung in Liechtenstein zu gründen

3.1. Wer kann eine Stiftung in Liechtenstein gründen?

Zunächst kann man ausführen, dass es sowohl für natürliche als auch für juristische Personen aus dem In- und Ausland möglich ist in Liechtenstein eine Stiftung zu errichten.

3.2. Formale Voraussetzungen zur Gründung einer Stiftung in Liechtenstein

Zur Errichtung einer Stiftung ist eine Stiftungserklärung des Stifters erforderlich. Sie ist schriftlich abzufassen und die Unterschrift bedarf der Beglaubigung. Ebenso ist der Stellvertreter des Stifters per beglaubigter Unterschrift zu nennen, falls einer vorgesehen ist.

Weiterhin stehen auch formale Anforderungen bei der Hinterlegung der Gründungsanzeige an. So hat die Gründungsanzeige Namen und Sitz sowie den Zweck der Stiftung aufzuführen. Außerdem muss sie das Datum der Errichtung sowie, falls vorgesehen, die Befristung der Stiftung angeben. Ebenfalls relevant sind Informationen zu den Mitgliedern der Stiftungsorgane. Selbstverständlich erwartet man auch Angaben zu den Begünstigten durch den Stifter. Dann muss auch eine Bestimmung über den Status der Stiftung als gemeinnützige oder privatnützige Einrichtung enthalten sein. Schließlich rundet eine Bestätigung, dass die Stiftung über das gesetzlich vorgegebene Mindestkapital tatsächlich verfügt, die Gründungsanzeige ab.

3.3. Vorschriften zum Mindestkapital zur Gründung einer Stiftung in Liechtenstein

Zwar existiert in Deutschland keine Rechtsnorm, das exakte Vorgaben zur Minimalhöhe eines Stiftungskapitals vorgibt. Doch gilt der Grundsatz, dass das Kapital einer Stiftung ausreichen muss, um den Zweck der Stiftung nachhaltig zu erfüllen. Oft ist damit ein Mindestkapital von EUR 500.000 gemeint, aber auch EUR 1.000.000 sind hierbei in Diskussion.

Dagegen ist ein Mindestkapital zur Errichtung einer Stiftung in Liechtenstein gesetzlich vorgeschrieben. Dies kann entweder EUR 30.000, USD 30.000 oder CHF 30.000 betragen. Außerdem ist es hierbei unerheblich, ob der Stifter das Stiftungsvermögen in Form von Barkapital oder anderem Vermögen auf die Stiftung überträgt.

Stiftung in Liechtenstein: Errichtung und…

Stiftung in Liechtenstein: Errichtung und Aufbau

In diesem Video erklären wir, wie die Errichtung einer Liechtensteinischen Stiftung im Sinne des Stifters abläuft.

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4. Stiftung in Liechtenstein gründen: Berechnung des Minimum zum Stiftungsvermögens

Dabei ist für einen deutschen Stifter, der eine Stiftung in Liechtenstein lediglich mit dem Mindestkapital errichten möchte, wichtig, dass die Stiftung von diesem Kapital in der Regel auch die mit dem Stiftungsgeschäft verbundene Schenkungsteuer in Deutschland begleicht. Bei einem Stiftungskapital von EUR 30.000 und dem Abzug eines Freibetrags von EUR 20.000 sind EUR 10.000 steuerpflichtig. Die Schenkungsteuer beträgt 30 % dieser Bemessungsgrundlage, also EUR 3.000. Doch dadurch, dass nun die Stiftung diese Schenkungsteuer an die Finanzverwaltung in Deutschland entrichtet, fehlen ihr genau EUR 3.000, um die Bedingung des liechtensteinischen Stiftungsrechts in Bezug auf das Mindestkapital zu erfüllen.

Daher sollte man als deutscher Stifter in diesem Fall ein Mindestkapital von EUR 34.300 berücksichtigen. Denn nach Abzug des Freibetrags von EUR 20.000 entfällt die Schenkungsteuer auf die verbleibenden steuerpflichtigen EUR 14.300, was bei einem Steuersatz von 30 % zu einer Schenkungsteuer von EUR 4.290 führt (wer es ganz exakt ausrechnet, kommt auf einen erforderlichen Mehrbetrag von EUR 4.285,71).

Nun ist dies ein rein hypothetisches Szenario. Tatsächlich bietet eine Stiftung in Liechtenstein erst dann Aussicht auf Erfüllung ihres Zwecks, wenn das Stiftungsvermögen mindestens EUR 1.000.000 beträgt.

5. Ablauf der Gründung einer Stiftung in Liechtenstein

Wie bereits erwähnt, hinterlegt der Stifter bei der Errichtung einer Stiftung in Liechtenstein eine unterschriebene Stiftungserklärung. Auf diese Weise bestätigt der Stifter sein Stiftungsgeschäft formal. Es ist somit ein deklaratorischer Akt.

Der nächste Schritt beim Prozess zur Gründung einer Stiftung in Liechtenstein sieht entweder eine Bekanntmachung oder Hinterlegung der Stiftungsurkunde vor. An dieser Stelle muss man unterscheiden, ob eine zu errichtende Stiftung gewerblich tätig ist oder lediglich die Verwaltung des Stiftungsvermögens betreibt. Denn bei einer gewerblichen Tätigkeit der Stiftung, wie sie im Regelfall bei einer gemeinnützigen Stiftung vorliegt, aber auf freiwilliger Basis auch von einer Familienstiftung wählbar ist, ist auch die Eintragung der Stiftung ins Handelsregister obligat. Hingegen erfordert die Errichtung einer gewöhnlichen Stiftung lediglich die Hinterlegung der Stiftungsurkunde beim Amt für Justiz in Liechtenstein. Diese gesetzliche Pflicht zur Abgabe einer Gründungsanzeige ist innerhalb von 30 Tagen nach Gründung der Stiftung zu erfüllen. Dabei muss ein in Liechtenstein zugelassener Jurist, Treuhänder oder Notar die in der Gründungsanzeige enthaltenen Angaben bestätigen.

Eine Anerkennung durch eine Stiftungsbehörde, wie es in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben ist, ist in Liechtenstein gänzlich unbekannt. Daher kann man eine Stiftung in Liechtenstein sehr leicht gründen. Doch sollte im Hinblick auf die Erfüllung des Stiftungszwecks sowie deren langfristige Perspektive eine entsprechend intensive Beratung im Vorfeld erfolgen.

Schließlich wollen wir noch daran erinnern, dass man nach einer Schenkung von Stiftungsvermögen an eine Stiftung in Liechtenstein auch verpflichtet ist, eine entsprechende Steuererklärung beim deutschen Fiskus einzureichen.


Steuerberater für internationales Steuerrecht

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zum internationalen Stiftungsrecht spezialisiert. Bei der Gründung einer Familienstiftung in Liechtenstein schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Allgemeines

  1. Umfassende Beratungen im Internationalen Steuerrecht (Quellensteuerabzug, Wegzugsbesteuerung, Hinzurechnungsbesteuerung)
  2. Entwicklung von Maßnahmen zur Reduktion der Steuerlast (z.B. RechtsformwahlSitzverlegung)
  3. Entwicklung individueller Gestaltungsmodelle im internationalen Steuerrecht, beim Unternehmenskauf/-verkauf und bei Umstrukturierungen)
  4. Ausarbeitung von Vermeidungsstrategien für den Gestaltungsmissbrauch i.S.d. § 42 AO
  5. Entwicklung von Verteidigungsstrategien gegenüber der Finanzverwaltung bei Einspruchsverfahren, Betriebsprüfungen, FG-Klageverfahren und BFH-Revisionsverfahren
  6. Beratung zum internationalen Erbschaftsteuerrecht
  7. Rechtsberatung durch unsere Rechtsanwälte (insbesondere im Gesellschaftsrecht und Vertragsrecht)

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

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Lehrauftrag für internationales Steuerrecht

Unsere besonderen Expertisen für internationales Steuerrecht werden auch durch die FOM Hochschule bestätigt. Steuerberater Christoph Juhn wurde dort zum Lehrbeauftragten für Steuerrecht berufen und lehrt seit dem Wintersemester 2013 die Veranstaltung „Spezialgebiete des Steuerrechts Internationales Steuerrecht“. Das vorlesungsbegleitende Skript stellen wir Ihnen hier gerne vorab als Information zum kostenlosen Download zur Verfügung:

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