Firmenwert & Abschreibung

Regeln, Bilanzierung und Fälle

Firmenwert abschreiben – alle Regeln & Vorschriften

Ein Firmenwert entsteht immer dann, wenn ein Unternehmer das Unternehmen eines anderen kauft und dabei nicht nur die einzelnen Wirtschaftsgüter zahlt, sondern noch mehr zahlt, weil das Unternehmen über einen Kundenstamm, Standortvorteile, etc. verfügt. In diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit der Frage was ein Firmenwert ist, wann dieser aktiviert und bilanziert werden darf sowie mit einigen Einzelfällen.

Unser Video: 15 Jahre keine…

Unser Video:
15 Jahre keine Steuern zahlen

In diesem Video erklären wir, wie Sie durch ein im Ausland aufgebautes Unternehmen nach dem Zuzug in Deutschland 15 Jahre keine Steuern zahlen.

office@juhn.com 0221 999 832-10

1. Der Firmenwert als Goodwill

Der Geschäfts- und Firmenwerte (kurz: GuF-Wert; im Folgenden nur noch als Firmenwert bezeichnet) ist die Bezeichnung für die wesentlichen Inhalte eines Unternehmens, welche nicht erworben oder hergestellt wurden sondern durch die unternehmerische Tätigkeit erlangt wurden. Dazu gehören beispielsweise und insbesondere der Kundenstamm, die Marke bzw. der Name, das Know-how, Standortvorteile, Personalausstattung bzw. -qualität, Lieferantenverträge sowie die Unternehmensstruktur und der Unternehmensaufbau. Der Firmenwert wird daher auch gerne als „Goodwill“ bezeichnet, da er die Werte umfasst, welche ein Unternehmen am Markt von anderen Unternehmen abhebt – der gute Ruf quasi.

2. Ansatz und Bilanzierung des Firmenwerts

Der Firmenwert ist hier bei Unternehmen also grds. selbst geschaffen worden. Das Gegenstück zu einem selbst geschaffenen Firmenwert ist der entgeltlich erworbene Firmenwert. Für die weitere bilanzielle Beurteilung ist es wichtig, dass wir diese beiden Versionen von Firmenwerten voneinander abgrenzen. Zudem werden wir auch die Handelsbilanz von der Steuerbilanz abgrenzen müssen. Obwohl grds. eine Einheitsbilanz (Steuerbilanz folgt der Handelsbilanz) angenommen werden kann, fällt diese Maßgeblichkeit der Handelsbilanz hier weg – für die Steuerbilanz gelten eigene Regeln.

2.1. Selbst geschaffener Firmenwert vs. entgeltlich erworbener Firmenwert

Ein selbst geschaffener Firmenwert ist hier ein Firmenwert, welcher durch die eigene unternehmerische Tätigkeit erschaffen wurde; Es ist somit ein aufgebautes Unternehmen – ein sog. originärer Firmenwert. Ein entgeltlich erworbener Firmenwert ist ein Firmenwert, welchen man bei einem Unternehmenskauf mit erworben hat – ein sog. derivativer Firmenwert.

„Mit erworben“ in dem Sinne, als dass man mehr für das Unternehmen bezahlt hat, als dass es rein objektiv Wert ist. Wenn Sie ein Unternehmen kaufen, dann zahlen Sie logischerweise für alle Vermögensgegenstände (Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, etc.) die im Unternehmen enthalten sind; hier kommen dann noch die stillen Reserven hinzu. Sollte der Kaufpreis nun mehr als die Vermögensgegenstände zzgl. stille Reserven und abzüglich Unternehmensschulden betragen, so entfällt diese Differenz auf den entgeltlich erworbenen Firmenwert.

2.2. Ansatz des Firmenwerts

Sowohl im Handelsrecht als auch im Steuerrecht kann ein selbst geschaffener Firmenwert nicht aktiviert und somit nicht abgeschrieben werden (Aktivierungsverbot).

Nur ein entgeltlich erworbener Firmenwert darf hingegen angesetzt und abgeschrieben werden. Dies gilt sowohl im Handelsrecht als auch im Steuerrecht. Allerdings liegt der Unterschied zwischen Handelsbilanz und Steuerbilanz darin, dass der Firmenwert in der Handelsbilanz über 10 Jahre abgeschrieben wird und in der Steuerbilanz eine Abschreibung über 15 Jahre erfolgt.

Die steuerliche Abschreibung verläuft also langsamer als die handelsrechtliche Abschreibung. Dadurch entsteht eine abweichende Steuerbilanz von der Handelsbilanz für die Dauer von 15 Jahren. Anzumerken ist hier, dass bei einer Abweichung zwischen Handelsbilanz und Steuerbilanz immer latente Steuern in der Handelsbilanz entstehen, in unserem Fall liegen aktive latente Steuern vor.

Haben Sie Fragen zum Firmenwert?…

Haben Sie Fragen zum
Firmenwert?

Unsere Kanzlei hat sich hierauf besonders spezialisiert. Vereinbaren Sie jetzt Ihren Beratungstermin mit unseren Steuerberatern und Rechtsanwälten:

office@juhn.com 0221 999 832-10

2.3. Ermittlung des Firmenwerts der Höhe nach

Der Firmenwert ist bei einem Unternehmenskauf der Betrag, welcher die Gesamtsumme bestehend aus Einzelwirtschaftsgütern inkl. stille Reserven, noch nicht-bilanzierten Wirtschaftsgütern (z.B. Patente) abzüglich Unternehmensschulden übersteigt. Das heißt, dass sowohl erst stille Reserven als auch noch nicht-bilanzierte Wirtschaftsgüter aktiviert werden müssen, bevor der Ansatz eines Firmenwertes Anwendung findet.

Als Beispiel: A kauft das Einzelunternehmen des B im Ganzen. Der Kaufpreis beträgt TEUR 200. Im Einzelunternehmen des B sind TEUR 100 an Anlagevermögen vorhanden, die stillen Reserven hierauf betragen TEUR 20. Zudem hat B noch ein bisher nicht aktiviertes Patent im Wert von TEUR 50, die Schulden im Unternehmen liegen bei TEUR 100.

Der Firmenwert berechnet sich wie folgt:

Kaufpreis 200
Anlagevermögen 100
Stille Reserven vom AV 20
Aktivierung Patent 50
Zwischensumme 170
Hiervon ab: Schulden 100
Summe Betriebsvermögen 70 – 70
Firmenwert 130

Sowohl die stillen Reserven als auch das bisher nicht-bilanzierte Patent werden neben dem Firmenwert nun auch in voller Höhe aktiviert und abgeschrieben. Das Patent unterlag bisher einem Aktivierungsverbot, ähnlich wie der Firmenwert auch.

In Fällen, in denen kein Kaufpreis oder anderes Entgelt bzw. Gegenleistung fließt, ist der Firmenwert durch die direkte Methode oder indirekte Methode zu ermitteln; diese Methoden wendet der BFH regelmäßig an. Hierbei werden die Zuschläge, Rendite und Kapitalzinsfaktoren einbezogen, um so den Firmenwert zu bestimmen.

3. Einzelfälle zum Firmenwert: Wann kann der Firmenwert angesetzt werden?

3.1. Aufdeckungen bei Einbringungen von Einzelunternehmen in eine GmbH

Bei der Einbringung eines Einzelunternehmens in eine GmbH wird zum Wohle der Steuerneutralität die Buchwertfortführung angestrebt. Allerdings kann auf Antrag auch ein höherer Wert bis hin zum gemeinen Wert des eingebrachten Betriebsvermögens gewählt werden. Durch den Ansatz des gemeinen Wertes des Betriebsvermögens können so die stillen Reserven (1. Priorität) aufgedeckt werden und anschließend auch ein etwaiger Firmenwert (2. Priorität) aktiviert werden – alles bei der übernehmenden GmbH. Ein Zwischenansatz, also ein Wert zwischen dem Buchwert und dem gemeinen Wert, ist auch möglich.

In solchen Fällen kann also, wenn es die Umstände zulassen, eine Aktivierung des Firmenwerts erfolgen; leider aber erst nach der Aufdeckung der stillen Reserven.

Problematisch ist allerdings, dass in einem solchen Fall der bisherige Einzelunternehmer, wenn ein Wert über dem Buchwert angesetzt wird, die Einbringung als eine Betriebsveräußerung nach § 16 EStG zu versteuern hat. Dem kann man aber mit dem Freibetrag und der Fünftelregelung bzw. dem halben Steuersatz entgegenwirken.

3.2. Ausscheidender Mitunternehmer & Abfindung als Aktivierung

Bei einer Personengesellschaft kann es unter Umständen vorkommen, dass die restlichen Mitunternehmer (= Gesellschafter) einen unliebsamen Mitunternehmer aus der Personengesellschaft drängen möchten. Hierzu wird dem unliebsamen Mitunternehmer zumeist eine Abfindung gezahlt, um den Ausstieg einfacher zu machen.

Hierbei kann es dazu kommen, dass die Abfindung sowohl den Anteil des unliebsamen Mitunternehmers am bilanzierten Betriebsvermögen, an den stillen Reserven sowie am bisher nicht bilanzierten Firmenwert umfasst. Der BFH hat entschieden (v. 16. 5. 2002 – III R 45/98), dass in solchen Fällen ein entgeltlicher Erwerb der Mitunternehmerschaft vorliegt. Der Anteil des unliebsamen Mitunternehmers wurde quasi von den übrigen, verbleibenden Mitunternehmern gekauft und damit entgeltlich angeschafft

Fachberatung für Bilanzierung? Unsere spezialisierten…

Fachberatung für
Bilanzierung?

Unsere spezialisierten Steuerberater und Rechtsanwälte beraten Sie gerne. Rufen Sie uns gerne an oder schildern Sie uns Ihr Anliegen per E-Mail:

office@juhn.com 0221 999 832-10

Steuerberater für Unternehmensteuerrecht

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung im Unternehmensteuerrecht spezialisiert. Bei der steuerrechtlichen Gestaltung schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

  1. Allgemeine Beratung zu GmbH-Besteuerung (Gründung, Vermeidung von Betriebsaufspaltungen, Steuerreduktion bei GewinnausschüttungenNutzung von Verlustvorträgen)
  2. Individueller Rechtsformvergleich zwischen GmbH und GmbH & Co. KG
  3. Steueroptimierte Besteuerung der GmbH
  4. Steueroptimierung bei Gewinnausschüttungen (Kapitalertragsteuer und Teileinkünfteverfahren)
  5. Beratung beim Unternehmenskauf (Verkauf GmbHVerkauf GmbH & Co. KGNutzung von Verlustvorträgen)
  6. Beratung beim Unternehmensverkauf (Vorteile bei Share Deal & Asset Deal)

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort
Köln

Kontakt in Köln

Telefon: 0221 999 832-10
E-Mail: office@juhn.com

Mo.-Fr.: 8:30 bis 18:00 Uhr

Standort
Bonn

unsere Steuerkanzlei

Telefon: 0228 299 748-10
E-Mail: office@juhn.com

Mo.-Fr.: 8:30 bis 18:00 Uhr

Telefon-/ Videokonferenz

Telefon: 0221 999 832-10
E-Mail: office@juhn.com

Mo.-Fr.: 8:00 bis 20:00 Uhr

Blogbeitrag zum Download
Kontakt

Sie lesen diesen Artikel seit : Min.

Sparen Sie Zeit und nutzen Sie direkt unsere Beratung!

Rücksprache mit Christoph Juhn

Oder schreiben Sie uns direkt: