Thieles Milliarden-Vermächtnis

Erbschaft in Rekordhöhe war steuerpflichtig

Thiele Rekorderbschaft: Lehren aus einer Vermögensnachfolge

Heinz Herrmann Thiele hat sich in einem der weltweit wichtigsten Industriebetriebe für Nutzfahrzeugtechnik hochgearbeitet und diesen dann praktisch übernommen. Unter seiner Führung entwickelte sich die Knorr-Bremse AG zu einem globalen Player mit großem Erfolg. An diesem hatte Herr Thiele auch finanziellen Anteil, sodass er am Ende seines Lebens Milliardär war. Er hatte sich also Gedanken über seine Vermögensnachfolge gemacht und sich für die Errichtung einer Familienstiftung entschieden. Dieses Vorhaben war bereits in der Umsetzung begriffen, da ereilte ihn ein relativ früher Tod. Dadurch ergaben sich mehrere Hürden, bis sein letzter Wille erfüllt werden konnte. Wir zeichnen diesen Weg nach und untersuchen, warum die Rekorderbschaft von Herrn Thiele, anders als von ihm geplant, steuerpflichtig wurde.

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Unser Video: Thiele Rekorderbschaft

In diesem Video erklären wir, wieso auf die Erbschaft des Milliardärs Thiele Steuern angefallen sind, obwohl sie eigentlich hätte steuerfrei sein sollen.

Inhaltsverzeichnis


1. Heinz-Herrmann Thiele Rekorderbschaft – Einleitung

Eine der reichsten Personen Deutschlands verstarb 2021 und hinterließ dabei eine Rekorderbschaft: Heinz Herrmann Thiele. Obwohl er vorausschauend seine Vermögensnachfolge geplant hatte, sodass möglichst keine Steuer anfällt, mussten die Erben letzten Endes etwa EUR 3,65 Milliarden an Erbschaftsteuer entrichten. Wie konnte es dazu kommen? Wurde Heinz Herrmann Thiele etwa falsch beraten? Lassen Sie uns in diese spannende Geschichte eintauchen. Vielleicht gewinnen wir ja daraus Erkenntnisse, die für die eine Leserin oder den anderen Leser interessant sind.

2. Wer war Heinz-Herrmann Thiele?

Bevor wir uns dem Erbschaftsfall zuwenden, wollen wir kurz betrachten, wer Heinz Herrmann Thiele war. Heinz Herrmann Thiele wurde 1941 in Mainz geboren. 1969 trat er in das damals mittelständische Unternehmen Knorr-Bremse ein. Dieses Unternehmen hatte sich als Zulieferer für Nutzfahrzeugtechnik etabliert, stellte also Bremsen, Kupplungen und andere Dinge her, die damals insbesondere im Bahnverkehr verbaut wurden. Thiele war dabei als Jurist in der Patentabteilung tätig. Nach zehn Jahren stieg er zum Vertriebschef auf. Schon 1985 folgte ein Wechsel in den Vorstand des damals noch als GmbH firmierenden Unternehmens. Ein Streit unter den damaligen Gesellschaftern erwies sich für ihn als außergewöhnlicher Glücksfall. Denn ein Jahr später erwirbt Thiele 71 % der Anteile von einem der Gesellschafter.

Unter seiner Führung expandiert das inzwischen in die Knorr-Bremse AG umgewandelte Unternehmen stark. Es erwirbt mehrere ausländische Unternehmen, unter anderem in den USA, und wird zu einem globalen Akteur. Zwischen 1987 und 2005 verneunfacht sich der Umsatz von umgerechnet etwa EUR 300 Millionen auf EUR 2,7 Milliarden. 2017 waren es sogar EUR 6,2 Milliarden. Da hatte Heinz Herrmann Thiele den Posten des Vorstandsvorsitzenden bereits gegen den des Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrats getauscht. Zu dieser Zeit wurde ein Börsengang organisiert, wobei Heinz Herrmann Thiele Teile seines privaten Aktienpakets am Markt platzierte. Dieser Punkt ist für uns später noch wichtig, denn der Erlös aus dem Verkauf seiner Anteile floss ihm privat zu. Jedenfalls konnte er dabei einen Betrag von EUR 4,2 Milliarden erzielen.

Ob Heinz Herrmann Thiele viel Freude an seiner erheblichen Steigerung seines liquiden Vermögens hatte, ist uns unbekannt. Viel Gelegenheit dazu blieb ihm allerdings kaum. Denn schon am 23.02.2021 verstarb er unerwartet.

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3. Wie Thiele die Übertragung seiner Rekorderbschaft vorbereitet hatte

Wie es sich für eine vermögende Person gehört, hatte sich Thiele mit der Frage seiner Vermögensnachfolge intensiv beschäftigt. Daher überrascht es kaum, dass er noch vor seinem Ableben konkrete Vorbereitung hierzu getroffen hatte. Sein langjähriger Steuerberater Robin Brühmüller sollte als Testamentsvollstrecker über die Ausführung seines letzten Willens wachen. Und zwar beabsichtigte Thiele, dass bei der Vermögensnachfolge Streit unter den Erben vermieden werden sollte. Denn schon 2017 gab es ersten Ärger.

Damals zerstritt sich Thiele mit seinem Sohn Henrik offenbar derart heftig, dass Letzterer einen Pflichtteilsverzicht aussprach. Dem Sohn hätten dabei immerhin 12,5 % des Erbes zugestanden. Stattdessen erhielt er einen geradezu winzigen Betrag von nur EUR 25 Millionen als Ausgleich. Ironie des Schicksals: auch hierbei ging es wohl um die Ausrichtung des Konzerns, denn Sohn Henrik arbeitete damals ebenfalls in leitender Position bei diesem Industrieunternehmen.

Also blieben noch seine Frau Nadia Thiele und seine Tochter Julia Thiele-Schürhoff als Kandidaten aus seinem engsten Familienkreis für das Erbe übrig. Daher entschied sich Heinz Herrmann Thiele dazu eine Familienstiftung zu errichten. Erste Schritte hierzu hatte er vor seinem Tod bereits eingeleitet. Außerdem setzte er seine Frau als Vorerbin für relativ geringe Teile seines Vermögens ein. Den Großteil sollte die Familienstiftung empfangen. Darin war seiner Tochter Julia ein Posten im Vorstand vorbehalten.

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4. Wie die Thiele Rekorderbschaft tatsächlich ablief

4.1. Thiele Rekorderbschaft: Sohn Erik und sein Pflichtteilsverzicht

Thieles unerwartet frühes Lebensende kam zur Unzeit. Zwar war die Errichtung der Familienstiftung bereits angelaufen, doch hatte die Aufsichtsbehörde noch keine finale Bestätigung erteilt.

Nun meldete Henrik Thiele Einwände gegen seine frühere Entscheidung bezüglich seines früheren Pflichtteilverzichts an. Dies mündete in einem Gerichtsverfahren, das selbstverständlich Zeit beanspruchte. Letzten Endes blieb ihm sein Begehr verwehrt. Das Gericht sah nämlich keinen Grundlage, um die Annullierung des Pflichtteilsverzichts vorzunehmen.

4.2. Thiele Rekorderbschaft: Witwe Nadia hat juristische Bedenken

Neben dieser Verzögerung ergab sich eine weitere, noch viel gravierende, die ebenfalls juristische Gründe hatte. Denn seine Frau Nadia war mit mehreren Folgen der Erbschaft, so, wie sie ihr Mann geplant hatte, unzufrieden. Einerseits beanspruchte Nadia Thiele ebenfalls einen Posten in der Familienstiftung. Vermutlich wollte sie sich in keine Abhängigkeit von Tochter Julia begeben. Zumindest stand ein Sitz im Stiftungsrat zu dieser Zeit noch offen. Dies hätte Nadia Thiele erlaubt ein gewisses Mitspracherecht in der Stiftung auszuüben. Auch dieses Vorgehen verzögerte den Ablauf der Errichtung der Stiftung, weil die Aufsichtsbehörde erst dann die Anerkennung vornehmen konnte, nachdem diese juristischen Angelegenheiten geklärt wurden.

Als größtes Hindernis erwies sich jedoch der Rechtsstreit mit dem Testamentsvollstrecker Robin Brühmüller . Der hatte für diese Tätigkeit ein Honorar von etwa EUR 225 Millionen berechnet, was Nadia Thiele für übertrieben hielt. Sie argumentierte, dass ihr verstorbener Ehemann einen so hohen Betrag niemals akzeptiert hätte, weil er von seinem Wesen her sehr sparsam war. Also vermutete sie Betrug. Doch das Honorar entsprach den üblichen Gepflogenheiten, auf die sich der Testamentsvollstrecker berief.

Außerdem scheint es Nadia Thiele missfallen zu haben, dass neben der Tochter auch noch er im Vorstand der Stiftung einen Sitz erhalten sollte. Sie verklagte Robin Brühmüller daraufhin, was aber keinen Erfolg hatte. Davon ließ sich Frau Thiele aber keineswegs beeindrucken. So startete sie gleich mehrere Anläufe, um ihre Auffassungen durchzusetzen, unter anderem sogar die Einleitung strafrechtlicher Ermittlungen. Aber auch diesen war kein Erfolg beschienen. Schließlich einigte sich die Witwe mit dem Testamentsvollstrecker. Erst da konnte die Aufsichtsbehörde die Anerkennung der Familienstiftung vornehmen.

4.3. Thieles Rekorderbschaft geht auf die Familienstiftung über

Inzwischen war es aber bereits 2024. Nachdem alle Rechtstreitigkeiten beseitigt waren, konnte die Aufsichtsbehörde die Anerkennung der Familienstiftung aussprechen. Dies hatte jedoch zur Folge, dass ein bedeutender Teil der Erbmasse noch aus dem Verkaufserlös aus Heinz Herrmann Thieles Aktienveräußerung stammte. Ohne dieses liquide Vermögen hätte wohl ein erheblicher Teil des Erbes aus Unternehmensbeteiligungen bestanden. Dieses wiederum hätte die Stiftung steuerfrei erhalten können, indem sie einen Antrag auf Verschonungsbedarfsprüfung gestellt hätte. Doch das Geld bedeutete, dass zur Zahlung der Erbschaftsteuer verfügbares Vermögen vorhanden war. So kam es zu einer Besteuerung der Rekorderbschaft von Heinz Herrmann Thiele. Insgesamt sollen dabei ungefähr EUR 3,65 Milliarden überwiesen worden sein.

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5. Die Rekorderbschaft von Heinz Herrmann Thiele – Fazit

Heinz Herrmann Thiele wollte sein Vermögen eigentlich still und heimlich, insbesondere ohne mediales Echo und somit vor der Öffentlichkeit verborgen, übertragen. Doch dafür waren seine Vorkehrungen offenbar zu spät angelaufen. Außerdem wollte er angeblich ausschließen, dass sein Vermächtnis zu Zwist unter seinen Familienangehörigen führt. Anscheinend hatte er bereits zu Lebzeiten das Potenzial dazu erkannt, sodass er auch hierfür Vorbereitungen traf. Stattdessen ist die Rekorderbschaft von Thiele sowohl dem medialen Interesse der Allgemeinheit ausgeliefert worden als auch zum Zankapfel seiner Hinterbliebenen eskaliert.

Was können wir hieraus lernen? Die erste Idee dürfte hierbei wohl sein, dass man möglichst frühzeitig über die Vermögensnachfolge nachdenken sollte, wenn man vermögend ist. Denn so, wie es mit Herrn Thiele überraschend früh zu Ende ging, so kann es jede und jeden treffen. Eigentlich hatte er alles richtig gemacht, zumindest in Bezug auf die Nachfolgeregelung. Doch hatte er noch keine Gelegenheit gehabt, das liquide Vermögen, das aus der Veräußerung der Aktien stammte, noch in andere Werte umzuwandeln, die kein schädliches Vermögen im Sinne des § 28a ErbStG darstellen. Wäre ihm dies noch vor seinem Ableben gelungen, hätte Thieles milliardenschwere Rekorderbschaft still und ohne Steuern über die Bühne gegangen.

Wir könnten nun spekulieren, ob er sich dieses Sachverhalts bewusst war. Wenn ja, war die Erkenntnis, dass sein Plan unvollendet blieb, vielleicht ein Schock, den er in seinen letzten Minuten noch erleben musste.


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