Steuerhinterziehung

im großen Stil?

100 Milliarden Steuerhinterziehung jährlich – ist das realistisch?

Eine erschreckend hohe Zahl steht im Raum: EUR 100 Milliarden sollen dem Staat jährlich durch Steuerhinterziehung entgehen. Was auf den ersten Blick unglaublich erscheint, könnte es tatsächlich auch sein. Denn dies ist nur eine von vielen Schätzungen. Fakt ist, dass Steuerhinterziehung im massivem Ausmaß in Deutschland stattfindet. Das belegen schon allein die Zahlen zu den Erfolgen der Steuerfahndung, die jährlich veröffentlicht werden. Sie belaufen sich auf etwa EUR 2,5 Milliarden. Damit erscheinen sie zunächst einmal weit entfernt von den EUR 100 Milliarden, die manch ein Experte schätzt. Aber ist die Schätzung wirklich so abwegig? Schließlich sind die Möglichkeiten, die Steuerhinterzieher haben, sehr umfangreich. Gleichzeitig sind die Mittel, die der Fiskus zu ihrer Bekämpfung einsetzen kann, eher beschränkt. Dabei könnte mehr getan werden, um Steuergerechtigkeit in Deutschland zu stärken.

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Unser Video: Verschärfung bei Steuerhinterziehung

In diesem Video erklären wir, wie man eine Steuerhinterziehung durch Selbstanzeige klären kann und warum das nur noch 2026 geht.

Inhaltsverzeichnis


1. 100 Milliarden Steuerhinterziehung – Einleitung

Dem Staat fehlen viele Milliarden Euro. Kein Wunder, dass er einerseits zum Sparen gezwungen ist. Andererseits erhöht der Gesetzgeber aber auch die Steuern. Mehr Einnahmen bedeuten nämlich mehr Mittel für den Finanzhaushalt. Gleichzeitig bremsen höhere Steuern aber auch den Konsum der Bevölkerung. Folglich sinken dann die Einnahmen diverser Steuern, insbesondere der Umsatzsteuer und der Grunderwerbsteuer. Beide sind auch für die Bundesländer von Bedeutung. Diese Spirale steigender Steuern und sinkender Steuereinnahmen betrifft somit sowohl den Bund als auch die Länder. Ein Teufelskreis.

Solange diese Praxis im Vordergrund steht und von Legislaturperiode zu Legislaturperiode weitergereicht wird, weil man sich darauf verlässt, dass man damit schon immer erfolgreich gefahren ist, dürfte sich kaum etwas ändern. Dabei gibt es Alternativen. Denn der Fiskus nimmt tatsächlich viel weniger Steuern ein, als ihm eigentlich zustehen. So steht die Summe von EUR 100 Milliarden im Raum, die jährlich durch Steuerhinterziehung in Deutschland fehlen. Manche spekulieren sogar über die doppelte Höhe.

100 Milliarden Steuerhinterziehung, Jahr für Jahr – das klingt unglaublich. So hoch kann doch der Schaden kaum sein, oder? Wenn man das zum Beispiel mit dem Sondervermögen vergleicht, das der Bundeswehr genehmigt wurde, erkennt man die Dimension. Es ist, als hätte man in Deutschland jedes Jahr eine halbe Armee, Marine und Luftwaffe geplündert. Also haben wir uns gefragt, ob diese Schätzung realistisch ist, oder ob es sich vielleicht doch eher um Populismus handelt. Wir gehen dieser Frage einmal nach.

2. 100 Milliarden Steuerhinterziehung: wo ist das Geld hin?

Zunächst einmal stellen wir klar, es existieren keine verlässlichen Zahlen zum Umfang der jährlich in Deutschland hinterzogenen Steuern. Damit wäre bereits ein wesentlicher Aspekt der im Titel dieses Blogs formulierten Frage beantwortet, wenn auch mit nur geringem Informationsgehalt. Daher lohnt es sich, die Thematik ein wenig näher zu beleuchten. Zum Beispiel ist es spannend zu erfahren, wie weit verbreitet Steuerhinterziehung in den unterschiedlichen Bereichen ist und welchen Schaden sie dort anrichtet.

Verschaffen wir uns einen ersten Überblick über Deutschlands Steuerhinterziehungsvolumen. Der Ansatz, den wir hierzu wählen, basiert auf einer Statistik des Bundesministeriums für Finanzen (BMF). Sie weist aus, in welchen Bereichen die Steuerfahndung im Jahr 2024 wie viel Mehreinnahmen verzeichnen konnte. Insgesamt handelt es sich dabei um eine Summe über EUR 2,6 Milliarden. Sie teilt sich primär in die Bereiche Umsatzsteuer, Lohnsteuer, Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer auf. Das ist wenig überraschend, weil dies die gängigsten Steuern sind. Andere Steuern werden zu sonstigen Steuern zusammengefasst. Ergänzend führt die Statistik an Mehreinnahmen aber auch die Zinsen auf, die durch den Erfolg der Steuerfahndung ebenfalls fällig wurden. Für unsere Betrachtungen sind sie aber irrelevant. Deshalb ziehen wir sogleich die EUR 114,9 Millionen an Zinsen von den EUR 2,6 Milliarden ab. Rechnen wir doch vereinfachend mit EUR 2,5 Milliarden.

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3. In 2024 aufgedeckte Steuerhinterziehung im Detail

Die BMF-Statistik zeigt, dass die Einkommensteuer, von der man allgemein annimmt, dass sie den größten Anteil der Steuerhinterziehung ausmacht, EUR 477,7 Millionen beträgt. Immerhin landet die Hinterziehung der Einkommensteuer damit auf Platz zwei unseres Rankings. Allerdings befindet sie sich weit abgeschlagen hinter der Umsatzsteuer-Hinterziehung, die mit EUR 1,284 Milliarden den größten Posten ausmacht und auch ohne die anderen Bereiche klarmacht, dass Steuerhinterziehung in Deutschland einen Schaden in Milliardenhöhe ausmacht. Selbst wenn man die EUR 71,1 Millionen an hinterzogener Lohnsteuer zur Einkommensteuer hinzuaddiert, bleibt man noch bei der Hälfte des Schadens, der mit der Umsatzsteuer einhergeht.

Körperschaftsteuer schlägt bei der Steuerhinterziehung mit EUR 78,8 Millionen zu buche, Gewerbesteuer mit EUR 180,3 Millionen. Alle übrigen Steuerarten tragen EUR 424,7 Millionen zum Volumen hinterzogener Steuern bei, die 2024 aufgedeckt wurden. In Prozenten entspricht dieses Bild folgender Aufstellung:

  • 51 % Umsatzsteuer
  • 19 % Einkommensteuer
  • 17 % sonstige Steuern
  • 7 % Gewerbesteuer
  • 3 % Körperschaftsteuer
  • 3 % Lohnsteuer

Eines muss man dabei im Hinblick auf unsere Ursprungsfrage feststellen: von einer Steuerhinterziehung in einer Größenordnung von EUR 100 Milliarden sind diese Zahlen weit entfernt.

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4. 100 Milliarden Steuerhinterziehung: wie groß ist die Dunkelziffer?

4.1. Schwarzarbeit in Deutschland als Faktor zur Steuerhinterziehung

Wie bereits eingangs vorangestellt, die genaue Höhe der jährlich in Deutschland hinterzogenen Steuer ist unbekannt. Verschiedene Experten haben sich an Schätzungen versucht, die auf unterschiedlichen Quellen beruhen. Dabei geht man davon aus, dass die aufgedeckten Steuerhinterziehungen keineswegs repräsentativ für die tatsächlichen Höhen sind. Grund dafür ist, dass die verschiedenen Steuerarten ganz unterschiedliche Möglichkeiten bieten, um Steuern zu verschleiern. So geht man etwa davon aus, dass mehr als drei Millionen Menschen in einem verheimlichten Beschäftigungsverhältnis stehen. Auf diese Schwarzarbeit fällt somit keine Steuer an; sie wird hinterzogen. Bei einer so großen Dunkelziffer ist es verständlich, dass auch die Dimension an hinterzogener Steuer im Bereich der Lohnsteuer und der Einkommensteuer sehr groß erscheint.

4.2. Steuerhinterziehung mit Umsatzsteuer

Große Bedeutung bei der Steuerhinterziehung schreibt man ebenfalls der Umsatzsteuer zu. Die Steuergewerkschaft schätzt den Schaden auf EUR 20 bis 30 Milliarden pro Jahr, was schon einen guten Teil der angenommenen 100 Milliarden Steuerhinterziehung ausmachen dürfte. Allerdings geht die Steuergewerkschaft auch von einem Gesamtschaden in Höhe von EUR 200 Milliarden aus, was doppelt so hoch ist wie das, was viele andere Experten schätzen.

Weiterhin zeigt eine von der EU in Auftrag gegebene Studie, dass es innerhalb der Staatengemeinschaft Umsatzsteuerbetrug in variierender Größenordnung gibt. Dabei geht es allein um Umsatzsteuer, die von Unternehmern einbehalten wird, ohne dass sie entsprechend der jeweiligen Vorschriften an die Finanzbehörden übermittelt werden. Es geht weiterhin um verschiedene Modelle, die man allgemein als Umsatzsteuerkarussell bezeichnet. Da dies ebenfalls als Steuerhinterziehung gilt, ist diese Art von Steuerbetrug gleichfalls für die Schätzung der Höhe Steuerhinterziehung relevant. Im Grunde handelt es sich beim Umsatzsteuerkarussell um eine mit Cum-Ex vergleichbare Methode der Steuerhinterziehung. Und da wissen wir ja auch, dass die Dimensionen der Steuerhinterziehung gigantisch waren und allem Anschein nach im Verborgenen immer noch sind.

Immerhin sind die Zahlen, die die EU-Studie für Deutschland ermitteln konnte, vergleichsweise niedrig. Doch handelt es sich hierbei nur um Prozentwerte. Da Deutschland in Europa eine führende Wirtschaftsnation ist, richten auch relativ kleine Verhältnisse in absoluten Zahlen gemessen einen enormen Schaden an.

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In diesem Video erklären wir, wie Uli Hoeneß, Boris Becker und andere prominente Personen in Deutschland Steuern hinterzogen haben.

5. EUR 100 Milliarden Steuerhinterziehung in Deutschland – Fazit

5.1. Steuerhinterziehung bekämpfen neu denken

Wer Steuerhinterziehung nachhaltig bekämpfen möchte, sollte zunächst wissen, wie weit sie tatsächlich verbreitet ist. Ein Mittel, um diese Basis zu schaffen, ist die Feststellung der sogenannten Steuerlücke. Damit sind unter anderem Untersuchungen gemeint, die auf Basis der postulierten wirtschaftlichen Tätigkeit in einem Land Rückschlüsse auf das potenzielle Steueraufkommen erlauben. Diese Untersuchungen sind in verschiedenen Staaten bereits etabliert, etwa in Dänemark, Norwegen und Schweden. In Deutschland sind sie jedoch unmöglich, weil die Daten, die hierfür erforderlich sind, dem Steuergeheimnis unterliegen.

Aber auch im Bereich der Bekämpfung von Steuerhinterziehung lässt sich sicherlich einiges verbessern. So ist die Situation derzeit dergestalt, dass immer weniger Betriebsprüfer im Einsatz sind. Zudem erledigen sie ihre Arbeit mit mittlerweile veralteten technischen Mitteln. An den Einsatz von KI wird beispielsweise erst jetzt langsam gearbeitet. Außerdem legen Betriebsprüfer ihren Fokus prioritär auf große Unternehmen und Konzerne. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kleinstbetrieb Besuch von Betriebsprüfern erhält, liegt bei erstaunlichen 126,5 Jahren! Selbst in der nächsten Größenklasse, den Kleinbetrieben, beträgt die Häufigkeit einer Prüfung alle 43,7 Jahre. Wie wir oben berichteten, besteht durchaus Grund zur Annahme, dass ein erheblicher Teil der Steuerhinterziehung in diesem Bereich stattfinden dürfte, insbesondere im Hinblick auf Umsatzsteuer, Lohnsteuer und Einkommen- sowie Gewerbesteuer. Dazu sei ergänzend daran erinnert, dass in Deutschland sehr viele solche Unternehmen existieren.

5.2. Steuergerechtigkeit verbessern, Gesellschaft und Wirtschaft stärken

Freilich ist es ausgeschlossen, dass mit einer verbesserten Kontrolle der Steuerpflichtigen gleich EUR 100 Milliarden mehr Steuermittel zur Verfügung stehen, zumal derzeit völlig unklar ist, wie groß das Defizit der Steuereinnahmen tatsächlich ist. Aber es wäre für die zunehmend von der Politik enttäuschte Gesellschaft ein positives Signal, wenn die Steuergerechtigkeit in Deutschland deutlich steigen würde. Nebeneffekt wäre neben den höheren Steuereinnahmen und dem damit wachsenden Spielraum zur Gestaltung des Landes vielleicht auch die langfristige Aussicht, dass dadurch die Steuern gesenkt werden könnten. Das wiederum könnte die Wirtschaft fördern, was ebenfalls zu mehr Steuereinnahmen beitragen dürfte. Es gibt also viele vernünftige Gründe, sich mehr um die Bekämpfung von Steuerhinterziehung zu bemühen.

Ein Ansatz, den die gegenwärtige Bundesregierung gewählt hat, ist übrigens die Abschaffung der Strafbefreiung bei Selbstanzeige. In Zukunft soll es stattdessen lediglich eine strafmindernde Wirkung haben, wenn man sich freiwillig meldet. Anscheinend entwickelt sich auch auf staatlicher Seite langsam die Einsicht, Steuerhinterziehung zu bekämpfen, zu einem echten Kampf. Vielleicht erfahren wir dann doch einmal, ob in Deutschland tatsächlich jedes Jahr EUR 100 Milliarden durch Steuerhinterziehung verloren gehen.


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Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche und juristischen Beratung zum Steuerstrafrecht spezialisiert. Bei Sachverhalten rund um das Thema Steuerehrlichkeit schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Allgemeines

  1. Informationen zum Tatbestand der Täterschaft bei Steuerhinterziehung
  2. Abgrenzung zwischen Steuerstraftat und Steuerordnungswidrigkeit
  3. Vorbereitung und Einreichung einer strafbefreienden Selbstanzeige beim Finanzamt
  4. Begleitung des gerichtlichen Strafverfahrens durch unsere Juristen und Steuerberater

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt am Main und Dubai (VAE) gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

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