Wie bewertet man den Kapitalwert eines Nießbrauchs? Dies ist wichtig, da der Nießbrauchskapitalwert als Nachlassverbindlichkeit bei der Schenkungsteuer bzw. Erbschaftsteuer abgezogen werden kann. Die Berechnung ergibt sich aus dem Bewertungsgesetz. Wir zeigen, wie zu rechnen ist:

Unsere Steuerberater und Steueranwälte berechnen den Kapitalwert des Nießbrauchs

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Unser Video: Nießbrauch - Kapitalwert berechnen

Im Video zeigen wir einfach erklärt an einem Beispiel die Berechnung des Kapitalwerts beim Nießbrauch. Ihr Kontakt per Telefon +49 221 999 832-10 oder E-Mail:


1. Der Nießbrauch als Steuergestaltung

Vermögen zu übereignen ist in Deutschland steuerpflichtig. Wird Vermögen zum Beispiel einfach verschenkt, fällt in voller Höhe Schenkungsteuer an. Behält sich der Schenkende jedoch ein Recht vor, das ihm auch nach der Übertragung einen Vorteil aus dem Vermögensgegenstand verschafft, spricht man hierbei vom Vorbehalt eines Nießbrauchs (Vorbehaltsnießbrauch). Dabei reduziert der Wert, den dieses Nutzungsrecht für die schenkende Person bedeutet, den Wert des zu übertragenden Vermögens. Der Beschenkte muss dann entsprechend weniger Schenkungsteuer bezahlen. Denn schließlich kann durch den Vorbehaltsnießbrauch die Bemessungsgrundlage zur Schenkungsteuer sogar um mehr als 70 % sinken. Im Idealfall ist dann der steuerpflichtige Wert des Vermögensgegenstands geringer als der Freibetrag, der dem Erwerber bei der Schenkungsteuer zusteht, sodass die Schenkung steuerfrei erfolgen kann.


2. Kapitalwert: Zwei Faktoren sind maßgebend

Der Kapitalwert des Nießbrauchs ergibt sich aus zwei Faktoren:

2.1. Faktor 1: Jahreswert

Zunächst ist der Jahreswert zu bestimmen. Dieser entspricht im Grunde dem durchschnittlichen Jahresgewinn aus dem übertragenen Vermögen.

  • Bei Personen- und Kapitalgesellschaften ist es der (ausschüttbare) Jahresüberschuss.
  • Bei Mietobjekten ist es die jährliche Miete.
  • Und bei Geldvermögen (Bargeld, Festgeldkonten, Girokonten) ist nach § 15 Abs. 1 Bewertungsgesetz für den theoretischen Zinsertrag pro Jahr ein Durchschnittswert von fix 5,5 Prozent anzusetzen. Uns bekannt, dass dieser Wert in Zeiten des Niedrigzins utopisch hoch ist. Doch ist dies die gesetzliche Vorgabe von vor ca. 25 Jahren. Das Gesetz wurde seither nicht angepasst. Nutzen Sie daher diese Gesetzeslücke zu Ihrem Vorteil. 

2.2. Faktor 2: Multiplikator (Laufzeit = statische Lebenserwartung des Schenkenden)

Zusätzlich muss die voraussichtliche Dauer des Vorbehaltsbnießbrauchs bestimmt werden. Dies kann, unter anderem, von der statistischen Lebenserwartung des Schenkenden abhängen. Ist der Schenkende beispielsweise männlich und 60 Jahre alt, wird er statistisch gesehen noch 21,62 Jahre leben, womit sich ein Multiplikator von 12,810 ergibt. Eine detaillierte Auflistung der statistischen Lebenserwartung erhalten Sie hier:


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3. Drei Beispielsberechnung zum Kapitalwert

3.1. Beispiel 1: Kapitalwert des Nießbrauchs an Geldvermögen

Ein Mann im Alter von 60 Jahren überträgt sein Geldvermögen in Höhe von EUR 1.000.000 unter Vorbehalt des Nießbrauchs auf seinen Sohn. Der Multiplikator ist 12,810. Der Jahreswert bei Geld beträgt 5,5 Prozent des Vermögens und somit EUR 55.000. Hieraus folgt die Berechnung des Kapitalwerts des Nießbrauchs: EUR 1.000.000 x 5,5 % x 12,81 = EUR 704.550.

Im Ergebnis wird die Schenkungsteuer also um mehr als 70 Prozent reduziert. Zusätzlich braucht der Sohn seinen Freibetrag bei der Schenkungsteuer in Höhe von EUR 400.000 nur teilweise zu nutzen.

3.2. Beispiel 2: Kapitalwert des Nießbrauchs am Gewinn einer GmbH

Eine Frau im Alter von 57 möchte ihrer Tochter alle Geschäftsanteile an ihrer GmbH übertragen, an der sie zu 100 Prozent beteiligt ist. Gleichzeitig beabsichtigt sie Nutzen aus dem Gewinn der GmbH zu ziehen. Die Höhe dieses Nießbrauchs soll 50 Prozent betragen. In den letzen drei Jahren bilanzierte die GmbH einen Jahresüberschuss von jeweils EUR -50.000, 100.000 und 100.000 aus. Im laufenden Geschäftsjahr, in dem die Schenkung vollzogen werden soll, wird jedoch mit einem Jahresüberschuss von EUR 250.000 gerechnet. Auch in den folgenden Jahren ist von einer Lage auszugehen, die einen Jahresüberschuss von mehr als EUR 200.000 erwarten lassen. Damit ist der Jahresüberschuss des laufenden Wirtschaftsjahres für die Berechnung des Kapitalwertes relevant. Der Jahresüberschuss von EUR -50.000 bleibt somit außer Acht.

Zunächst erfolgt die Berechnung des Unternehmenswerts der GmbH. Hierbei gibt das Bewertungsgesetz vor, dass der durchschnittliche Jahresüberschuss der drei relevanten Jahre mal einem Faktor von 13,75 den Unternehmenswert darstellt. Also rechnen wir hierzu: 13,75 x (EUR 100.000 + 100.000 + 250.000) / 3 = EUR 2.062.500.

Als nächstes können wir dann den Kapitalwert der GmbH berechnen. Hierzu entnehmen wir der Sterbetafel 2015/2017 des Statistischen Bundesamts für eine Frau von 57 Jahren einen Multiplikator von 14,496. Weiterhin schreibt § 16 BewG vor, dass der Jahreswert des Nießbrauchs mit einem Faktor von 1/18,6 zu ermitteln ist. Also beträgt der Kapitalwert des Nießbrauchs, den sich die schenkende Mutter vorbehält: EUR 2.062.500 x 14,496 / 18,6 x 50 % = EUR 803.709,68. Hätte sie stattdessen den gesamten Gewinn für sich beansprucht, würde sich dieser Kapitalwert des Nießbrauchs auf EUR 1.608.419,35 verdoppeln und damit rd. 78 % des Unternehmenswerts betragen.

3.3. Beispiel 3: Kapitalwert des Nießbrauchs an einem Haus

Ein Mann im Alter von 62 Jahren möchte seiner Frau ein zu Wohnzwecken vermietetes Haus schenken, das vor 20 Jahren erbaut wurde. Der Mann entscheidet sich weiterhin für ein lebenslanges Recht die Mieteinnahmen zu beanspruchen, nimmt also die Option des Nießbrauchs wahr.

Das Haus hat, laut Information eines Verkehrswertgutachtens, einen Wert von EUR 1.000.000. Hierbei entfallen EUR 200.000 auf den Bodenwert. Die jährlichen Mieteinnahmen belaufen sich auf EUR 48.000, wobei keine Umlagen berücksichtigt wurden. Diesen stehen Bewirtschaftungskosten in Höhe von EUR 8.000 gegenüber, für die keine Umlage bei den Mietern anfiel. Also beträgt der sogenannte Reinertrag EUR 40.000. Davon ist der sogenannte Liegenschaftszinssatz von 5 Prozent auf den Bodenwert abzuziehen, also EUR 200.000 x 5% = EUR 10.000. Der Reinertrag des Gebäudes beträgt somit EUR 30.000.

Da aus gesetzlicher Sicht eine restliche Nutzungsdauer des Hauses von 50 Jahren besteht, ist mit einem Multiplikator von 18,26 zu rechnen. Somit können wir folgende Berechnung zum Kapitalwert des Nießbrauchs aufstellen: EUR 30.000 x 18,26 = EUR 547.800.

Wie man also sieht führt der Nießbrauch auch in diesem Fall zu einer beträchtlichen Reduzierung der Bemessungsgrundlage zur Schenkungsteuer von mehr als 50 Prozent bei. Dies reicht somit aus, dass die Ehefrau, unter Nutzung ihres Freibetrags zur Schenkungsteuer in Höhe von EUR 500.000, das Haus steuerfrei erhält.

Übrigens ist eine solche Schenkung von Immobilien unter Eheleuten und zwischen Verwandten gerader Linie auch von der Grunderwerbsteuer befreit.


4. Steuerersparnis durch Nießbrauch meist über 50 Prozent!

Aus den drei vorgenannten Beispielen wird deutlich, dass die Bemessungsgrundlage für die Erbschaftsteuer zwischen 50-80 % reduzieren lässt. Die genaue Höhe hängt dabei im Wesentlichen von der statischen Lebenserwartung des Nießbrauchsbegünstigten ab. Zusätzlich können von dem verbleibenden Vermögenswert noch die erbschaftsteuerlichen Freibeträge abgezogen werden. Nur der anschließend verbleibende Wert ist mit dem Erbschaftsteuersatz zu multiplizieren. Die Steuerersparnis durch einen Nießbrauch ist damit erheblich und liegt meist über 50 %.


Steuerberater für Vorbehaltsnießbrauch / Zuwendungsnießbrauch

Unsere Steuerberater sind dabei auf Erbfälle, Schenkungen und Nießbrauchssachverhalte spezialisiert. Hierzu verfügen unsere Steuerberater und Steueranwälte beispielsweise über besondere Expertisen zur Planung, Gestaltung und Optimieren der Vermögensnachfolge. Sprechen Sie uns hierzu gerne an. Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

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Fachreferent beim Steuerberaterverband zum Nießbrauch

Wir sind regelmäßige Referenten zum Erbrecht, zur Erbschaftssteuer sowie zur Schenkungssteuer für verschiedene Steuerberaterverbände. Einen Auszug aus unserer Präsentation zum Niebrauchsrecht steht Ihnen hier zum kostenlosen Download zur Verfügung:


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