Betriebsaufspaltung: Risiko bei der GmbH

Die Betriebsaufspaltung im Steuerrecht bringt viele steuerliche Nachteile für den GmbH-Gesellschafter mit sich. Liegen die Voraussetzungen einmal vor, kann die Betriebsaufspaltung nur noch schwer und fast nie steuerneutral beendet werden. Daher ist es besonders wichtig, im Voraus eine Strategie zu entwickeln, wie die Betriebsaufspaltung vermieden werden kann. 

Die Betriebsaufspaltung wird meist erst beim Beratungstermin beim Steuerberater oder Steueranwalt erkannt

Die Betriebsaufspaltung wird meist erst beim Beratungstermin beim Steuerberater oder Steueranwalt erkannt


Die Voraussetzungen der Betriebsaufspaltung

Sachliche Verflechtung

Sachliche Verflechtung

Zum einen muss eine sogenannte sachliche Verflechtung bestehen. Diese sachliche Verflechtung entsteht, wenn an die GmbH eine wesentliche Betriebsgrundlage überlassen wird. Eine wesentliche Betriebsgrundlage ist dadurch gekennzeichnet, dass Sie für den Geschäftsbetrieb der GmbH besonders wichtig ist. So hat der Bundesfinanzhof bereits im Jahr 1974 entschieden, dass ein speziell hergerichtetes Fabrikgebäude eine solche wesentliche Betriebsgrundlage ist. Seit dem Jahr 2000 sind davon auch Bürogebäude und Verwaltungsgebäude erfasst. Seit dem Jahr 2006 können auch Büroräume in dem Einfamilienhaus des Gesellschafters eine solche wesentliche Betriebsgrundlage darstellen (BFH vom 13.7.2006 – IV R 25/05).

Im Ergebnis kann u. a. bei nachfolgenden Wirtschaftsgütern eine sachliche Verflechtung gegeben sein:

  • Fabrikgebäuden
  • Büro- und Verwaltunsgebäuden
  • Büroräume im Einfamilienhaus des Gesellschafters
  • Domains
  • Rechte, Lizenzen, Patente

Dabei ist unerheblich, ob diese Wirtschaftsgüter durch einen Mietvertrag gegen Entgelt vermietet werden oder unentgeltlich der GmbH zur Verfügung gestellt werden. Die unentgeltliche Überlassung reich aus (BFH vom 24.4.1991 – X R 84/88).

Personelle Verflechtung

Personelle Verflechtung

Eine personelle Verflechtung ist gegeben, wenn eine Person sowohl bei der GmbH (Betriebsgesellschaft) als auch bei der oben genannten wesentlichen Betriebsgrundlage (Besitzgesellschaft) ihren geschäftliche Betätigungswillen durchsetzen kann. Dies ist klassischerweise immer dann gegeben, wenn ein Gesellschafter zu 100 % an einer Betriebs-GmbH beteiligt ist und daneben noch zu 100 % an einem Grundstück (Besitzeinzelunternehmen) beteiligt ist, welches er der GmbH zur Verfügung stellt. Damit kann der Gesellschafter sowohl bei der GmbH als auch bei der wesentlichen Betriebsgrundlage seinen Willen durchsetzen.

Eine personelle Verflechtung kann jedoch auch dann gegeben sein, wenn mehrere Personen zusammen (eine Personengruppe) ihren geschäftlichen Betätigungswillen bei der Kapitalgesellschaft und der wesentlichen Betriebsgrundlage durchsetzen können. Dies ist z. B. gegeben, wenn zwei Gesellschafter zu je 50 Prozent an der GmbH und zu je 50 Prozent am Grundstück beteiligt sind.


Die Rechtsfolgen der Betriebsaufspaltung

Besteuerung der laufenden Gewinnausschüttungen und Mieteinnahmen beim Besitzunternehmen

Besteuerung der laufenden Gewinnausschüttungen und Mieteinnahmen beim Besitzunternehmen

Ohne Betriebsaufspaltung werden die Gewinnausschüttungen als Einkünfte aus Kapitalvermögen besteuert. Dabei beträgt die Kapitalertragsteuer 25 Prozent und hat abgeltende Wirkung (Abgeltungsteuer). Ohne Betriebsaufspaltung werden auch die Mieteinnahmen als normale Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung mit Einkommensteuer belastet.

Anders ist dies bei der Betriebsaufspaltung:

Dividenden sind nun als gewerbliche Einkünfte nach § 15 EStG zu erfassen und zu 60 Prozent mit dem tariflichen Einkommensteuersatz des Gesellschafters steuerpflichtig. Unterstellen wir eine Dividende von EUR 100, wären EUR 60 mit dem persönlichen Steuersatz zu besteuern. Bei einem Steuersatz von klassischerweise 42 Prozent ergibt sich eine Steuerbelastung von 25,2 Prozent.  Gewerbesteuer fällt in der Regel keine an, weil die Dividendenerträge nach § 9 Nr. 2a GewStG vollständig gekürzt werden.

Mieteinnahmen sind ebenfalls als gewerbliche Einkünfte zu erfassen und mit Einkommensteuer und Gewerbesteuer zu besteuern. Allerdings gewährt der Gesetzgeber bei der Gewerbesteuer einen Freibetrag von EUR 24.500,00.

Im Ergebnis bringt die Betriebsaufspaltung bei der laufenden Besteuerung keine wesentlichen Nachteile mit sich. Auch für die Betriebsgesellschaft ergeben sich keine Nachteile der laufenden Besteuerung.

Risiko der Beendigung der Betriebsaufspaltung

Risiko der Beendigung der Betriebsaufspaltung

Mögliche Gründe für die Auflösung der Betriebsaufspaltung sind:

  • Verkauf Grundbesitz
  • Anmietung anderer Räume
  • Verkauf GmbH-Beteiligung
  • Aufnahme anderer stimmberechtigter Gesellschafter
  • Vererbung GmbH-Anteil und Grundbesitz auf zwei unterschiedliche Erben

Wir die Betriebsaufspaltung aufgelöst oder beendet, führt dies zur Besteuerung sämtlicher stille Reserven. Denn durch die Auflösung der Betriebsaufspaltung werden sämtliche Wirtschaftsgüter des Besitzunternehmens fiktiv zum Verkehrswert verkauft. Für die wesentliche Betriebsgrundlage (Immobilie, Grundbesitz, Domain, Patente etc.) ist damit die Differenz aus Buchwert/Anschaffungskosten und Marktwert steuerpflichtig. Hierbei ist die Beteiligung an der Betriebs-GmbH ebenfalls zum Verkehrswert zu versteuern. Der Verkehrswert der GmbH bestimmt sich damit grob berechnet aus dem Jahresüberschuss der GmbH nach pauschal 30 Prozent Unternehmensteuern und einem Multiplikator von 13,75. Für eine GmbH mit einem Jahresüberschuss nach Steuern von EUR 700.000,00 ergibt sich damit ein Unternehmenswert von EUR 9.625.000,00.

Das Ende der Betriebsaufspaltung ist damit mit erheblichen Steuernachteilen und Steuerrisiken verbunden.


Empfehlungen von den Steuerberatern und Steueranwälten in Köln und Bonn

Strategien zur Vermeiden der Betriebsaufspaltung im Voraus

Strategien zur Vermeiden der Betriebsaufspaltung im Voraus

Die Betriebsaufspaltung kann im Voraus vermieden werden. Damit entzieht man sich sämtlicher steuerlicher Nachteile.

Zum einen bietet sich das sogenannte Wiesbadener Modell an. Dabei hält der Unternehmer weiterhin 100 Prozent der GmbH-Anteile. Nicht er, sondern seine Ehefrau oder seine Kinder erwerben dann das Grundstück, bauen die Immobilie und vermieten sodann den Grundbesitz an die GmbH. Damit wird die personelle Verflechtung umgangen und einer Betriebsaufspaltung ausgewichen.

Möchte der GmbH-Gesellschafter das Fabrikgrundstück selbst kaufen und vermieten, muss er zusammen mit einem Nicht-Gesellschafter (z.B. Ehefrau, Kind etc.) eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gründen. Diese GbR erwirbt nun das Grundstück und vermietet es an die GmbH. An der GbR können der Vater zu 99 Prozent und seine Frau bzw. seine Kinder zu 1 Prozent beteiligt sein. Dieses Modell ist zwar durch den Bundesfinanzhof und die Finanzverwaltung anerkannt, doch ist es mit vielen steuerlichen Stolpersteinen verbunden. Sprechen Sie uns daher bitte unbedingt im Voraus an. Wir beraten Sie und erstellen auch gerne die erforderlichen Verträge, damit die Betriebsaufspaltung erfolgreich vermieden wird.

Strategien zur steuerneutralen Beendigung der Betriebsaufspaltung im Nachhinein

Strategien zur steuerneutralen Beendigung der Betriebsaufspaltung im Nachhinein

Wird die Betriebsaufspaltung beendet, werden sämtliche stille Reserven steuerpflichtig. Wir haben dennoch zwei Modelle entwickelt:

Modell 1: Formwechsel der GmbH in eine GmbH & Co. KG. Damit wird die Betriebsaufspaltung steuerneutral aufgelöst und das Betriebsgrundstück steuerneutral in das sogenannte Sonderbetriebsvermögen der GmbH & Co. KG überführt. Der Nachteil dieses Modell ist jedoch, dass die Gewinnvorträge um Zuge des Formwechsels einer fiktiven Gewinnausschüttung unterworfen werden und damit 25 Prozent Kapitalertragsteuer auslösen.

Modell 2: Sie bringen das Besitzeinzelunternehmen zu Buchwerten und damit steuernetral in die GmbH ein. Anschließend ist das Grundstück in der GmbH und die Betriebsaufspaltung steuerneutral beendet. Die GmbH-Anteile werden steuerfrei in das Privatvermögen überführt. Aufgrund des Umwandlungssteuerrechts müssen die GmbH-Anteile grundsätzlich als wesentliche Betriebsgrundlage mit in die GmbH eingebracht werden – dies macht jedoch keinen Sinn, da die GmbH anschließend an sich selbst beteiligt wäre. Wir haben daher ein Modell entwickelt, mit dem diese gesetzliche Voraussetzung vermieden werden kann. Sprechen Sie uns gerne an.


Präsentation zur Unternehmensaufspaltung

Der Vortrag wird für den Steuerberaterverband Köln gehalten. Hieran haben ca. 1.000 Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte teilgenommen. Diese Präsentation steht Ihnen hier auszugsweise zum kostenlosen Download zur Verfügung.


Ihre Steuerberater und Steueranwälte in Köln und Bonn

Ihre Steuerberater und Steueranwälte in Köln und Bonn

Steuerberater in Bonn und Köln

Unsere Steuerberater haben sich besondern auf die Beratung von Unternehmen spezialisiert. Unsere Steuerberater und Steueranwälte verfügen daher über besondere Expertisen zur Vermeidung und zur Auflösung der Betriebsaufspaltung. Sprechen Sie uns hierzu gerne an. Herr Steuerberater Christoph Juhn steht Ihnen gerne unter 0228 299 748-0 zur Verfügung.

 

 

 

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