Bei der ertragsteuerliche Organschaft können durch Abweichungen der handelsrechtlichen Gewinnabführung beziehungsweise Verlustübernahme zur steuerlichen Ergebniszurechnung Mehrabführungen oder Minderabführungen entstehen. Daraus kann die Doppelbesteuerung oder eine Nichtbesteuerungen der betreffenden Beträge resultieren. Bisher ist das Problem durch die Bildung von Ausgleichsposten gelöst worden, die jedoch einen Steuerstundungseffekt zur Folge haben können. Durch das Gesetz zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts (KöMoG) hat der Gesetzgeber daher die sogenannte Einlagelösung in § 14 Absatz 4 KStG eingeführt. Wir erklären, wie diese funktioniert.

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die Beratungen von Organschaften spezialisiert. Dabei arbeiten wir für jeden Mandanten individuelle Gestaltungsmodelle zur Optimierung der Steuerlast aus. Aufgrund der aktuellen Resonanz haben wir mehrere Beiträge zu diesem Thema publiziert:

Datum Thema
21. Dezember 2015 Der Gewinnabführungsvertrag als Voraussetzung der ertragsteuerlichen Organschaft
15. Juli 2017 Organschaft bei GmbH
25. Februar 2020 Die Organschaft im Ertragsteuerrecht: Ihr Aufbau sowie ihre Vorteile und Nachteile
12. November 2021 Gruppenbesteuerung in Österreich & deutsche Organschaft im Vergleich
29. August 2022 Einlagelösung bei Organschaften: So funktioniert die Korrektur der Gewinnabführung (§ 14 Abs. 4 KStG)(dieser Beitrag)
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In diesem Video erklären wir, die Voraussetzungen und Rechtsfolgen einer Organschaft.

Inhaltsverzeichnis

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1. Hintergrund zur Einlagelösung

1.1. Entstehen von Mehrabführungen oder Minderabführungen

Hintergrund der Problematik zu Mehrabführungen und Minderabführungen bei ertragsteuerlichen Organschaften ist, dass die handelsrechtlichen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung gemäß § 5 Absatz 1 Satz 1 EStG zwar Grundlage für die steuerliche Gewinnermittlung von Gewerbetreibenden sind. Dennoch erfährt dieser Grundsatz der Maßgeblichkeit an zahlreichen Stellen Durchbrechungen durch steuerliche Spezialvorschriften. Dadurch kann es dazu kommen, dass der nach handelsrechtlichen Grundsätzen ermittelte Gewinn der Organgesellschaft, der aufgrund des Gewinnabführungsvertrags an den Organträger abzuführen ist, von dem Betrag abweicht, der dem Organträger gemäß § 14 KStG zugerechnet wird. Aufgrund derartiger Abweichungen kann es insbesondere bei einer späteren Veräußerung der Organgesellschaft zu einer Doppelbesteuerung oder zur Nichtbesteuerung der Differenzbeträge kommen. Aus dem Regelungszweck der körperschaftsteuerlichen Organschaftsregeln folgt jedoch, dass der Organträger das Einkommen der Organgesellschaft (mindestens/nur) einmal zu versteuern hat.

1.2. Handelsrechtliche Gewinnabführung und steuerliche Gewinnzurechnung

Aus §§ 301, 302 AktG ergibt sich, welcher Betrag bei einem bestehenden Gewinnabführungsvertrag von der Organgesellschaft an den Organträger abzuführen ist, beziehungsweise welchen Verlust der Organträger auszugleichen hat. Abzustellen ist dabei auf die nach den handelsrechtlichen Vorschriften ermittelten Beträge. Der Organträger erhält also von der Organgesellschaft bei der Gewinnabführung tatsächlich einen nach handelsrechtlichen Vorschriften ermittelten Betrag oder muss im Rahmen der Verlustübernahme einen nach den handelsrechtlichen Vorschriften ermittelten Verlust ausgleichen.

Demgegenüber wird das dem Organträger zuzurechnende steuerliche Einkommen auf der Grundlage des Steuerbilanzgewinns der Organgesellschaft zuzüglich außerbilanzieller Hinzurechnungen und abzüglich außerbilanzieller Abrechnungen ermittelt. Der Betrag der handelsrechtlichen Gewinnabführung beziehungsweise der Verlustübernahme geht dagegen nicht in das zu versteuernde Einkommen ein. Da die Ermittlung des abzuführenden handelsrechtlichen Gewinns der Organträger nicht nach denselben Regeln erfolgt, wie die Ermittlung des steuerbilanziellen Gewinns und des Einkommens, kann es daher zu Abweichungen zwischen der Höhe des abzuführenden Gewinns, des steuerbilanziellen Gewinns und/oder des Einkommens der Organträger kommen.

Daher ergibt sich eine Differenz zwischen dem tatsächlich abgeführten Jahresüberschuss oder dem tatsächlich ausgeglichenen Fehlbetrag und dem im zugerechneten Einkommen enthaltenen Steuerbilanzgewinn der Organgesellschaft. Dies soll die Einlagelösung verhindern.

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1.3. Lösung des Gesetzgebers: Einlagelösung

Der Gesetzgeber hat mit dem KöMoG bei Mehrabführungen und Minderabführungen, deren Ursache in der organschaftlichen Zeit liegen, den Wechsel von der bisher angewandten Ausgleichspostenmethode hin zur sogenannten Einlagelösung vollzogen. Ab dem Veranlagungszeitraum 2022 führen daher Minderabführungen zu einer verdeckten, fiktiven Einlage des Organträgers in die Organgesellschaft (§ 14 Absatz 4 Satz 1 KStG). Minderabführungen sind dabei solche, bei denen die handelsrechtliche Gewinnabführung niedriger ist als die steuerliche Gewinnzurechnung. Wenn hingegen die handelsrechtliche Gewinnabführung höher ist, als die steuerliche Gewinnzurechnung, liegt eine Mehrabführung vor. Dann erfolgt gemäß § 14 Absatz 4 Satz 2 KStG eine Einlagenrückgewähr.

2. Vororganschaftliche Abweichungen

Vororganschaftliche Abweichungen sind solche, die vor der steuerlichen Wirksamkeit der Organschaft verwirklicht wurden. Die Abweichung muss an einen Geschäftsvorfall anknüpfen, der bis zum Ende des letzten Wirtschaftsjahres verwirklicht wurde, in dem die Organschaft noch nicht bestand und der ursächlich für die Abführungsdifferenzen während der Organschaft ist. Ob die Differenz ihre Ursache in vororganschaftlicher Zeit hat, bestimmt sich nach dem Grund für die Mehrabführung oder Minderabführung und ob sich dieser Grund bis in die vororganschaftliche Zeit zurückverfolgen lässt. Ein tatsächlicher Vermögensfluss ist für die Bestimmung des Zeitraumes also nicht erforderlich.

Bei vororganschaftlichen Abweichungen gilt nicht die Einlagelösung, sondern der § 14 Absatz 3 KStG.

Liegt die Ursache für eine Mehrabführung in vororganschaftlicher Zeit, so gilt sie gemäß § 14 Absatz 3 Satz 1 KStG als Gewinnausschüttung der Organgesellschaft an den Organträger, womit das Schachtelprivileg des § 8b Absatz 1 und Absatz 5 KStG beziehungsweise § 3 Nummer 40 EStG zur Anwendung kommen.

Liegt hingegen eine vororganschaftliche Minderabführung vor, so stellt sie gemäß § 14 Absatz 3 Satz 2 KStG eine Einlage des Organträgers in Höhe der Minderabführung in die Organgesellschaft dar. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, dass der Betrag der Minderabführung handelsrechtlich zwar tatsächlich an den Organträger abgeführt wird, dann aber sofort wieder verdeckt in die Organgesellschaft eingelegt wird, mit der Folge einer entsprechenden Erhöhung der Anschaffungskosten.

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3. Einlagelösung

3.1. Einlagelösung und Mehrabführung

Mehrabführungen, die ihre Ursache in organschaftlicher Zeit haben, gelten gemäß § 14 Absatz 4 Satz 2 KStG in voller Höhe als Einlagenrückgewähr der Organgesellschaft an den Organträger. Auf die Beteiligungshöhe des Organträgers an der Organgesellschaft kommt es daher nicht an.

In der Handelsbilanz des Organträgers verbleibt es bei der Erfassung der Forderung aus dem Gewinnabführungsvertrag und des hieraus resultierenden Ertrags. Die Steuerbilanz des Organträgers weicht folglich aufgrund der Neufassung des § 14 Absatz 4 KStG bei der Mehrabführung weiterhin zwingend von der Steuerbilanz ab. Das Schema der steuerlichen Einkommensermittlung des Organträgers bleibt insoweit unverändert.

Der Betrag der Einlagenrückgewähr ist in der Steuerbilanz mit dem Buchwert der Beteiligung ergebnisneutral zu verrechnen. Überschreitet allerdings die Mehrabführung den Buchwert der Beteiligung, so kommt es in Höhe des übersteigenden Betrags zu einem eigenen steuerpflichtigen Ertrag des Organträgers. Fraglich ist, ob auf diesen Betrag die Begünstigungen des § 3 Nummer 40 EStG beziehungsweise § 8b KStG anzuwenden sind, weil das Gesetz für diesen Fall keine Regelung enthält. Das BMF angeschlossen hat, bejaht die Anwendung der Vorschriften in Fällen, in denen die Mehrabführung den Buchwert der Beteiligung übersteigt.

In dieser Sofortversteuerung von Mehrabführungen besteht ein wesentlicher materieller Unterschied zur bisherigen Behandlung passiver Ausgleichsposten, die erst bei einer Veräußerung der Beteiligung an der Organgesellschaft erfolgswirksam aufzulösen waren. Die nach bisheriger Rechtslage mögliche Steuerstundung ist damit zukünftig ausgeschlossen.

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3.2. Einlagelösung und Minderabführung

Minderabführungen der Organgesellschaft, die ihre Ursache in organschaftlicher Zeit haben, sind als Einlage durch den Organträger in die Organgesellschaft zu behandeln.

Auf der Ebene des Organträgers führt dies in dessen Steuerbilanz zu einer Erhöhung der Anschaffungskosten der Beteiligung an der Organgesellschaft und damit zu einer Erhöhung des Buchwerts. In gleicher Höhe ist ein Ertrag zu erfassen. Dieser Ertrag spiegelt die Differenz zwischen dem abgeführten handelsrechtlichen Ergebnis und dem zuzurechnenden Ergebnis der Organgesellschaft wider und erhöht den Ertrag. Der Gesetzeswortlaut des § 14 Absatz 4 Satz 1 KStG gibt allerdings keine ergebnisneutrale Behandlung durch eine außerbilanzielle Kürzung des Ertrags her.

Eine erfolgswirksame Erhöhung des Beteiligungsbuchwerts bei der Einlagelösung ist jedoch unzutreffend. Insbesondere würde dadurch eine deutliche Verschärfung.

4. Auswirkungen der Einlagelösung in der Steuerbilanz

Nach der Neuregelung der § 14 Absatz 4 KStG in Verbindung mit § 34 Absatz 6e KStG, endet die Pflicht zur Bildung von Ausgleichsposten spätestens mit der Erstellung der Schlussbilanz eines nach dem 31.12.2021 endenden Wirtschaftsjahres.

Aufgrund der gesetzlichen Fiktion gelten in der organschaftlichen Zeit verursachte Minderabführungen als Einlage in die Organgesellschaft.  Hingegen gelten die in organschaftlicher Zeit verursachten Mehrabführungen als Einlagenrückgewähr an den Organträger. Dies erfolgt nicht anteilig entsprechend der Beteiligungshöhe, sondern in voller Höhe. Die Neuregelung bedeutet, dass nunmehr in organschaftlicher Zeit verursachte Mehrabführungen und Minderabführungen zur Änderung des steuerlichen Buchwerts der Organbeteiligung führen. Minderabführungen und Mehrabführungen erhöhen beziehungsweise verringern den Beteiligungsbuchwert der Organgesellschaft in der Steuerbilanz des Organträgers und korrespondierend dazu das steuerliche Einlagekonto auf Ebene der Organgesellschaft. Bei Organträgern in der Rechtsform einer Personengesellschaft sind die entsprechenden Änderungen in etwaigen Ergänzungsbilanzen vorzunehmen. In der Handelsbilanz ergeben sich keine Änderungen zur bisherigen Praxis. Der Beteiligungsbuchwert bleibt daher unverändert.

Nach bisherigem Recht wurden gemäß R 14.8. Absatz 3 Satz 4 KStR die besonderen steuerlichen Ausgleichsposten beim Verkauf der Organbeteiligung mit dem Beteiligungsbuchwert zusammengefasst. Ebenso wurden die steuerlichen Ausgleichsposten bei Beendigung des Gewinnabführungsvertrags nicht aufgelöst. Materiell hat der Übergang zur Einlagelösung insoweit keine Auswirkung. Materielle Auswirkungen ergeben sich jedoch, wenn die zu verrechnende Mehrabführung den bestehenden Beteiligungsbuchwert übersteigt. Die Gesetzesänderung richtet sich daher insbesondere gegen sogenannte Mehrabführungsmodelle, die unter der Ausgleichspostenlösung zu einer permanenten Steuerstundung führen konnten.


Steuerberater für Organschaften

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zur Gründung von Organschaften spezialisiert. Bei der bilanziellen Bewertung von Organschaften schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Organschaft

  1. Vorteile und Nachteile einer Organschaft in der Abwägung
  2. Organschaften im Ausland
  3. Ausgestaltung des Gewinnabführungsvertrags
  4. Begründung umsatzsteuerlicher Organschaften

Buchhaltung

  1. Korrektur bei fehlerhaften Steuerbilanzen
  2. Langfristige Betreuung unserer Mandanten (FinanzbuchhaltungLohnbuchhaltungJahresabschlüsseSteuererklärungen)
  3. Einrichtung und Betreuung der digitalen Finanzbuchhaltung per DATEV Unternehmen Online

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort Köln

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Standort Bonn

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Telefon-/ Videokonferenz

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Fachreferent beim Steuerberaterverband für Körperschaftsteuerrecht

Seit 2014 sind die Partner unserer Kanzlei regelmäßige Fachreferenten des Steuerberaterverbands Köln. Dabei besuchen ca. 1.500 Steuerberater pro Jahr unsere Seminare. Wegen der hohen Nachfrage stellen wir Ihnen das Update zu unserer Präsentation Beratungsempfehlungen zur Körperschaftsteuer  gerne kostenlos zum Download zur Verfügung:

Mit einer Holding und einer Stiftung kann man das in einer operativen Gesellschaft geborgene IP steueroptimiert verkaufen. Dazu überträgt kurz nach der Unternehmensgründung das Eigentum am IP auf die Ebene der Gesellschafter und das Nießbrauchrecht auf die Stiftung. Die Stiftung kann in den folgenden Jahren Lizenzgebühren für die Nutzung des IP vereinnahmen. Dies wiederum führt zu einer niedrigeren Besteuerung der operativen Gesellschaft, weil die Lizenzgebühren dabei Betriebsaufwand darstellen. Zwar fällt beim Verkauf des Nießbrauchrechts am IP 25 % Körperschaftsteuer auf Ebene der Stiftung an. Doch können die Gesellschafter die Eigentumsrechte am IP nach Ablauf einer Veräußerungsfrist von einem Jahr steuerfrei verkaufen.

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1. IP steueroptimiert verkaufen – Einleitung

Wenn man im Geschäftsverkehr von geistigem Eigentum spricht, trifft man des Öfteren auf die Abkürzung IP. Dabei steht IP für den angelsächsischen Begriff intellectual property, der genau solche immateriellen Vermögensgegenstände bezeichnet – geschützte ebenso wie ungeschützte. Abseits aller materiellen Vermögen können aber auch IP einen gewissen Wert haben. Viele von Ihnen mögen gerade an das geistige Eigentum zur Herstellung von Medikamenten denken, andere wiederum kommt das klassische Design eines Porsche 911 in den Sinn. Ob ein solches geistiges Eigentum aber tatsächlich vorliegt und somit potentiell wertvoll und schutzwürdig ist, mag auf einem anderen Blatt stehen. Jedenfalls hat Porsche vor einigen Jahren einen Rechtsstreit über den Designschutz für das Modell 991 vor dem Europäischen Gerichtshof verloren.

Aber angenommen ein Unternehmer hätte eine Marke, ein Patent oder eine andere Art von IP in seinem Unternehmen geschaffen. Dann hätte es offensichtlich auch einen gewissen Wert. Und wenn etwas wertvoll ist, dann lohnt es sich möglicherweise auch es gewinnbringend zu veräußern. Selbstverständlich geht das auch mit IP. Doch wo Gewinne im Rahmen eines Unternehmens anfallen, streckt der Fiskus sogleich seine Steuern fordernden Finger danach aus.

Manchmal genügt einfach nur eine klar geregelte, feststehende Sache, etwas, das man allgemeinhin für unumstößlich hält, um es in Frage zu stellen – auch ohne konkretem Grund oder Anlass. Der Reiz besteht in der Herausforderung, einen legalen Weg zu finden, um eine Regel, wie die Besteuerung, zu umgehen, um zu zeigen, dass es auch anders geht. Wir als Steuerberatungskanzlei spüren diesen Reiz täglich, denn sie ist wesentlicher Antrieb bei unserer Gestaltungsberatung und somit von erheblichem Wert, auch wenn er vielleicht selbst kein IP darstellt. Hier wollen wir uns in diesem Sinne nun der Frage widmen, wie man IP steueroptimiert verkaufen kann.

2. IP steueroptimiert verkaufen: die Ausgangslage

Um unser Gestaltungsmodel zu erläutern, greifen wir auf ein Exempel zurück. Dazu möchten wir zunächst die Parameter justieren, die für dieses Beispiel erforderlich sind. Nehmen wir also an, Frau Idea hat eine geniale Idee für ein Startup. Diese Idee ist für ihr Unternehmen und seinem finanziellen Erfolg von großer Bedeutung. Außerdem ist Frau Idea unserer Empfehlung gefolgt und hat eine Holding als Muttergesellschaft für ihr Startup gegründet. Dabei soll ihr die Holdingstruktur dereinst bei einem Exit auf Basis eines Share Deals einen weitestgehend steuerfreien Verkauf ermöglichen.

Da man aber weiß, dass Käufer aus steuerlichen Gründen einen Asset Deal bevorzugen, möchte Frau Idea auch für diese Eventualität eine steuergünstige Antwort finden. Schließlich wird im Laufe der Zeit der Wert des IP ihrer operativen Gesellschaft zunehmend an Wert gewinnen, ja sogar einen großen Anteil am dereinstigen Verkaufserlös ausmachen. Bei einem Asset Deal würden dann etwa 30 % Steuern darauf anfallen. Also helfen wir Frau Idea jetzt, dies zu vermeiden, sodass sie ihr IP steueroptimiert verkaufen kann.

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3. IP Steueroptimiert verkaufen: unser Gestaltungsmodell

3.1. Aufteilung des Eigentums und des Nießbrauchs am IP

Außer einer Holding, die für Frau Idea bei einem Share Deal besonders interessant ist, braucht sie in unserem Gestaltungsmodell vor allem eine Stiftung.

Bevor der Wert des IP, das sich von Anfang an im Eigentum des Startups befindet, bedeutend ansteigt, verkauft das Startup das IP. Einerseits geht das Eigentum am IP an Frau Idea privat, andererseits gehen die Rechte zur Nutzung des IP an ihre Stiftung, sodass die Stiftung über ein Nießbrauchrecht am IP verfügt. In beiden Fällen findet die Übertragung entgeltlich statt. Daher braucht man vorher ein Gutachten, dass den anfänglich noch relativ geringen Wert des IP bestimmt, sodass wir hier keine Einwände durch die Finanzverwaltung zu erwarten haben.

3.2. Besteuerung der Übertragung der Rechte am IP

Ja, das Finanzamt ist hierbei auch involviert. Gewiss, wir sagten, wir wollen die IP steueroptimiert verkaufen, aber damit ist der Verkauf zu einem späteren Zeitpunkt gemeint. Im Augenblick, da der Wert des IP noch relativ gering ist, lassen wir es dennoch auf eine Besteuerung ankommen. Zumindest ist der Kaufpreis für das Eigentum am IP für Frau Idea recht niedrig, weil das im Verhältnis dazu wertvollere Nutzungsrecht ja an ihre Stiftung geht.

3.3. Der Nießbrauch am IP und seine steuerlichen Folgen

Die Stiftung wiederum kann nun den Kaufpreis abschreiben und Lizenzen für die Nutzung des IP durch die operative Gesellschaft erheben. Als Körperschaft zahlt die Stiftung auf diese Lizenzgebühren 15 % Körperschaftsteuer. Da man aber als Stiftung kein Gewerbebetrieb sondern lediglich vermögensverwaltend tätig ist, entfällt hierauf keine Gewerbesteuer. Wichtig dabei ist, dass Frau Idea darauf achtet, dass ihre Stiftung tatsächlich keine gewerbliche Tätigkeit ausübt.

Auf Seite des Startups kann man nun die mit der Stiftung vereinbarten Lizenzgebühren als Betriebsaufwand ansetzen. Dies reduziert die Bemessungsgrundlagen sowohl bei der Körperschaft- als auch bei der Gewerbesteuer. Effektiv spart Frau Idea auf dieser Ebene bereits etwa 30 % Steuern. Aber dies ist nur ein Nebeneffekt. Der große Clou folgt erst beim Exit, denn dabei wollen wir das IP steueroptimiert verkaufen.

3.4. IP steueroptimiert verkaufen nach Ablauf der Veräußerungsfrist

Angenommen nach einigen erfolgreichen Jahren hat das Startup die prognostizierte enorme Wertsteigerung erreicht. Für Frau Idea rückt der Exit in greifbare Nähe. Unter den vielen Interessenten bietet einer ein besonders lukratives Angebot, das aber über einen Asset Deal laufen soll. Da der größte Anteil am Wert des Unternehmens im IP liegt, geht es in der Hauptsache um den Verkauf der Eigentums- und Nießbrauchrechte am IP. Da seit der Übertragung des IP vom Startup auf Frau Idea beziehungsweise der Nießbrauchrechte an ihre Stiftung sicherlich mehr als ein Jahr vergangen ist, kann man das IP steueroptimiert verkaufen, zum Teil sogar komplett steuerfrei.

3.4.1. Aus dem Privatvermögen einer natürlichen Person IP steueroptimiert verkaufen

Sie fragen sich nun, wie das sein kann. Schließlich hatten wir vorhin erläutert, dass der Verkauf durch das Startup steuerpflichtig ist. Und genau darin liegt der Unterschied. Denn der Verkauf fand damals aus dem Betriebsvermögen des Startups heraus statt. Diesmal verkauft Frau Idea das IP aber aus ihrem Privatvermögen. Und bei einem Verkauf aus dem Privatvermögen gelten die Regeln des § 23 EStG, die besagen, dass ein Jahr nach dem Erwerb eines Vermögensgegenstands dessen Verkauf aus dem Privatvermögen steuerfrei erfolgen kann. Allerdings gilt dies nur dann, wenn in der Zwischenzeit keine Nutzung zum Erzielen von Einkünften mittels dieses Vermögensgegenstands erfolgte (§ 23 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 4 EStG in Verbindung mit § 22 Nummer 2 EStG). Andernfalls verlängert sich die Veräußerungsfrist zum steuerfreien Verkauf auf zehn Jahre.

Wie gut, dass Frau Idea keine Nutzung der IP-Rechte vornehmen konnte. Denn das Nießbrauchrecht lag ja in den Händen ihrer Stiftung.

3.4.2. Aus dem Privatvermögen einer Stiftung IP steueroptimiert verkaufen

Allerdings hat ihre Stiftung in der Vergangenheit genau dies getan. Außerdem müsste der Verkauf der Nutzungsrechte durch die Stiftung doch zumindest Körperschaftsteuer auslösen, oder? Ja, das stimmt. Aber dennoch kann man dadurch das IP steueroptimiert verkaufen, weil eben nur 15 % Körperschaftsteuer auf einen Teil des Werts des IP anfallen, die Gewerbesteuer aber sogar ganz vermeidbar ist. Schließlich verfügt eine Stiftung, anders als andere Körperschaften, über Privatvermögen anstatt über Betriebsvermögen (es sei denn sie ist gewerblich tätig). Also erfolgt die Besteuerung analog zur Besteuerung von Frau Idea, nur, dass hierbei Körperschaftsteuer anstatt Einkommensteuer anfällt.

Sollte die Stiftung hingegen letztmalig vor mehr als zehn Jahren Einkünfte über ihr Nießbrauchrecht am IP bezogen haben, kann sie das IP sogar komplett steuerfrei verkaufen. Denn dann greift auch für die Stiftung die Regelung des Einkommensteuergesetzes im Hinblick auf die zehnjährige Veräußerungsfrist. Wenn die Stiftung also auf Lizenzgebühren verzichtet, dann ist der Verkauf des IP nach einem Jahr jederzeit steuerfrei möglich.

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4. IP steueroptimiert verkaufen: zwei Rechenexempel

Unterfüttern wir doch unsere Ausführungen an dieser Stelle mit einigen Zahlen. Angenommen der Verkaufspreis der Eigentumsrechte durch Frau Idea beträgt EUR 1.000.000 und jener für die Nießbrauchrechte der Stiftung EUR 4.000.000. Außerdem sollen die jährlichen Einnahmen über die Lizenzgebühren EUR 100.000 betragen. Der Verkauf soll weiterhin 15 Jahre nach der Übertragung der Rechte am IP erfolgen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass wir unsere Betrachtungen allein darauf fokussieren, wie wir hierbei das IP steueroptimiert verkaufen können. Die übrigen im Startup enthaltenen Vermögensgegenstände bleiben somit unberücksichtigt. Da wir dem IP aber den höchsten Wert beimessen, soll diese Vereinfachung ohne Gewicht sein. Dafür wollen wir aber trotzdem die steuerlichen Auswirkungen der Lizenzzahlungen berücksichtigen. Wie Sie gleich sehen werden, ist dies höchst interessant.

4.1. IP steueroptimiert verkaufen: Modell mit Lizenzgebühren

In den 15 Jahren bezieht die Stiftung EUR 1.500.000 an Lizenzgebühren. Darauf entfällt eine Körperschaftsteuer von EUR 225.000. Gleichzeitig konnte das Startup durch diesen Betriebsaufwand etwa EUR 450.000 an Körperschaft- und Gewerbesteuer sparen. Wir setzen dazu vereinfachend die prozentuale Höhe der Gewerbesteuer ebenfalls zu recht realistischen 15 % an. Daraus folgt, dass die Differenz von EUR 225.000 im Laufe dieser 15 Jahre als Steuerersparnis winkt.

Beim Verkauf des IP kommen nun folgende Steuern zustande: Bei Frau Idea erfolgt der Verkauf steuerfrei und bei ihrer Stiftung setzt das Finanzamt EUR 600.000 an (15 % von EUR 4.000.000). Unter Berücksichtigung der Steuerersparnisse des Startups im Verlauf der vorangegangenen 15 Jahre fallen in der Summe also nur EUR 375.000 an Steuern an.

4.2. IP steueroptimiert verkaufen: Modell ohne Lizenzgebühren

In dieser Variante untersuchen wir, welche steuerlichen Auswirkungen sich aus einem Verzicht auf die Nutzung des Nießbrauchrechts ergeben. Wiederum ist der Verkauf des IP durch Frau Idea steuerfrei. Bei der Stiftung ist dies diesmal ebenfalls steuerfrei. Doch hat das Startup in den 15 Jahren auf die Vermeidung von Steuern in Höhe von EUR 450.000 verzichtet. Daher ist dieser Betrag bei unseren Betrachtungen als Steuer relevant.

4.3. IP steueroptimiert verkaufen: Vergleichsbesteuerung ohne Optimierung

Um ein Verständnis für den Umfang der Steueroptimierung zu schaffen, bieten wir noch eine Steuerberechnung, wie sie bei einem Asset Deal des IP aus dem Betriebsvermögen des Startups heraus anfallen würde. Dazu setzten wir als Verkaufspreis EUR 5.000.000 an, was dem kombinierten Wert des Eigentumsrechts von Frau Idea und des Nießbrauchrechts ihrer Stiftung entspricht. Auf diesen Verkaufspreis, der auch mangels relevanter Anschaffungs- oder Herstellungskosten für das IP den Gewinn darstellt, fallen jeweils 15 % Körperschaft- und Gewerbesteuer an. Insgesamt sprechen wir dabei also von einer Steuer in Höhe von EUR 1.500.000.

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5. IP steueroptimiert verkaufen – unsere Quintessenz

Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht ungewohnt scheint, dass wir verschiedene Steuerarten beim Startup und der Stiftung miteinander verrechnen, so dient dies der Verdeutlichung, wie hoch die Ersparnis ausfallen kann, wenn man über unser Gestaltungsmodell IP steueroptimiert verkaufen möchte. Dass hierbei sehr willkürlich angesetzte Zahlen für den Wert des IP sowie der Lizenzgebühren Verwendung finden, ist ebenfalls vertretbar. Schließlich muss man all diese Faktoren stets im Einzelfall betrachten. Deshalb mag es auch sein, dass es in manchen Situationen auch günstiger sein könnte, wenn die Stiftung auf Lizenzeinnahmen verzichtet. In unseren Beispielen war es jedoch steuerlich am günstigsten, die Lizenzgebühren zur Reduktion der Unternehmensbesteuerung auf Ebene des Startups zu verwenden.

Jedenfalls sollte klar sein, dass beide Varianten deutlich geringere Steuern verursachen, als wenn man den Verkauf des IP ohne Steuergestaltung durchführt. In unserem günstigsten Beispiel liegt die Steuerersparnis bei phänomenalen 75 % des sonst anfallenden Steuerbetrags (EUR 1.500.000 – EUR 375.000 = EUR 1.125.000 Steuerersparnis, was 75 % von EUR 1.500.000 entspricht)! Dabei haben wir die Kapitalertragsteuer in Höhe von 25 %, die dereinst auf die Gewinnausschüttung der Holding entfällt, schon unberücksichtigt gelassen.

Zwar gehen wir hier stets vom weniger günstigen Fall eines Asset Deals aus, wo doch der Share Deal nur mit 1,5 % an Steuern bei der Holding zu versteuern wäre, aber da der Asset Deal für den Käufer steuerlich deutlich günstiger als der Share Deal ist, sollten wir eben auch auf diese Eventualität vorbereitet sein. Jedenfalls dürfte die Bereitschaft eines Käufers, bei einem Asset Deal einen höheren Preis zu zahlen, ebenfalls in unsere Überlegungen einfließen und somit mitbestimmen, wie wir unser IP steueroptimiert verkaufen wollen.


Steuerberater für Unternehmensteuerrecht

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zum Unternehmensteuerrecht spezialisiert. Bei der Ausarbeitung individueller Gestaltungsmodelle schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Allgemein:

  1. Entwicklung von Maßnahmen zur Reduktion der Steuerlast (zum Beispiel RechtsformwahlSitzverlegung)
  2. Gründung von Holdinggesellschaften (Realisierung steuerfreier VeräußerungsgewinneDividendenerträge)
  3. Entwicklung individueller Gestaltungsmodelle im internationalen Steuerrecht, beim Unternehmenskauf/-verkauf und bei Umstrukturierungen
  4. Ausarbeitung von Vermeidungsstrategien für den Gestaltungsmissbrauch im Sinne des § 42 AO
  5. Entwicklung von Verteidigungsstrategien gegenüber der Finanzverwaltung bei EinspruchsverfahrenBetriebsprüfungenFG-Klageverfahren und BFH-Revisionsverfahren
  6. Rechtsberatung durch unsere Rechtsanwälte

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort Köln

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Telefon-/ Videokonferenz

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Lehrauftrag für Unternehmensteuerrecht

Unsere besonderen Expertisen für Unternehmensteuerrecht werden auch durch die FOM Hochschule bestätigt. Steuerberater Christoph Juhn wurde dort zum Lehrbeauftragten für Steuerrecht berufen und lehrt seit dem Wintersemester 2013 die Veranstaltung „Steuergestaltung im Unternehmensteuerrecht “. Das vorlesungsbegleitende Skript stellen wir Ihnen hier gerne vorab als Information zum kostenlosen Download zur Verfügung:

C-Shares sind disquotale Beteiligungen an Kapitalgesellschaften. Bauen Investoren ein Unternehmen in Deutschland auf, für das sie die Manager am Erfolg beteiligen möchten, so bietet sich dies über eine Zwischenholding in Luxemburg an. Denn in Luxemburg sind C-Shares als eigenständige Anteilsklasse etabliert. Dabei rücken C-Shares bei bestimmten Ereignissen, wie etwa dem Unternehmensverkauf, in den Vordergrund und führen zu einer Vergütung der von den Managern zum Erfolg beigetragenen Leistung. Da C-Shares echte Kapitalbeteiligungen darstellen, sind C-Shares für Manager steuerlich als Veräußerungsgewinn aus dem Verkauf von Kapitalvermögen anstatt als Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit zu behandeln. Somit erfolgt die Besteuerung entweder per Kapitalertragsteuer oder über das ebenfalls vorteilhafte Teileinkünfteverfahren. Der Steuervorteil hierbei ist, dass der anwendbare Steuersatz nur etwa 25 % statt bis zu 45 % beträgt.

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die verschiedenen Möglichkeiten zur Nutzung von Mitarbeiterbeteiligungen spezialisiert. Dabei arbeiten wir für jeden Mandanten individuelle Gestaltungsmodelle aus. Aufgrund der aktuellen Resonanz haben wir mehrere Beiträge zu diesem Thema publiziert:

Datum

Thema
30. November 2020 Besteuerung von Phantom Shares beim Verkauf eines Unternehmens
1. Dezember 2020 Vesting bei Phantom Shares: wie man den vorzeitigen Austritt regelt
28. Januar 2021 Phantom Shares: wie man Mitarbeiter indirekt am Unternehmen beteiligt
29. Januar 2021 Phantom Shares in der Bilanz: wie bilanziert man virtuelle Beteiligungen?
25. Mai 2022 C-Shares für Manager: Vorteile einer Zwischenholding in Luxemburg (dieser Beitrag)

Unser Video:
C-Shares für Manager

In diesem Video erklären wir, wie Manager über eine luxemburgische Zwischenholding von C-.Shares profitieren.

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1. C-Shares für Manager – Einleitung

Die Beteiligung von besonders wichtigen Mitarbeitern am Unternehmenserfolg ist gerade bei Startups verbreitet, aber keineswegs darauf beschränkt. Gleichzeitig legen Unternehmer aber auch einen hohen Wert darauf, dass solche Mitarbeiterbeteiligungen keineswegs ihre eigenen Gesellschafterrechte tangieren. Deshalb versucht man in Deutschland mit verschiedenen Konstrukten die Unterschiede zwischen diesen Beteiligungsvarianten zu etablieren. Dies kann sowohl über das Gesellschaftsrecht als auch über arbeitsvertragliche Bestimmungen erfolgen.

In Luxemburg folgt man jedoch einer anderen Regelungsphilosophie. Denn dort sind verschiedene Beteiligungsklassen gesetzlich definiert, von denen die A-Shares jenen eines regulären deutschen GmbH-Gesellschafters oder von Stammaktien entspricht. C-Shares sind hingegen disquotal ausgestaltete Beteiligungen, die lediglich bei bestimmten Ereignissen Wirkung entfalten.

In diesem Beitrag möchten wir nun zeigen, wie ein Investor über eine luxemburgischen Unternehmensstruktur steuerliche Vorteile für sich und über C-Shares auch für Manager eines in Deutschland ansässigen Unternehmens generiert. Dabei soll der Hauptfokus auf die C-Shares für Manager liegen, genauer gesagt den damit verbundenen Steuervorteilen.

2. C-Shares für Manager – rechtliche Grundlagen

Wie wir eben festgestellt haben sind C-Shares als echte Kapitalbeteiligungen aufzufassen. Die rechtliche Grundlage hierzu finden wir in § 17 EStG. Hierzu heißt es in Absatz 1 Satz 1: „Zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb gehört auch der Gewinn aus der Veräußerung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft, wenn der Veräußerer innerhalb der letzten fünf Jahre am Kapital der Gesellschaft unmittelbar oder mittelbar zu mindestens 1 Prozent beteiligt war.“ Somit fällt unser Blick zunächst auf das jeweils eintretende Ereignis, das zu einer Veräußerung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft oder dieser gleichgestellter Vorgänge führt. Gleichzeitig müssen wir beachten, dass die Bedingungen nur dann erfüllt sind, wenn die Beteiligungsquote mindestens 1 % beträgt. In diesem Zusammenhang ist auch der zeitliche Aspekt von Bedeutung. Denn die Beteiligung muss mindestens für fünf Jahre bestanden haben, um alle Voraussetzungen zu erfüllen. In diesem Fall bietet sich das Teileinkünfteverfahren als Besteuerungsmethode an.

Sollte jedoch die Beteiligungshöhe unter 1 % liegen, dann ließe sich die Besteuerung des Gewinns aus der Veräußerung von C-Shares aber auch über § 20 EStG regeln. In diesem Fall spricht man von der Kapitalertragsteuer, die abgeltende Wirkung entfaltet, weil sie neben der regulären Einkommensbesteuerung erfolgt.

Warum die Besteuerung nach § 17 EStG beziehungsweise nach § 20 EStG für unsere Betrachtungen wichtig ist, erläutern wir im Verlauf unseres Artikels. An dieser Stelle sei aber bereits angemerkt, dass die einzige weitere relevante Alternative hierzu die Versteuerung von Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit im Rahmen der regulären Veranlagung zur Einkommensteuer darstellt.

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3. C-Shares für Manager – unser Steuermodell

3.1. Aufbau der Holdingstrukturen in Luxemburg

Gehen wir nun davon aus, dass Sie, liebe Leserin und lieber Leser, in ein deutsches Unternehmen investieren möchten. Dazu haben sie zwar die dafür erforderlichen finanziellen Freiheiten, doch wünschen Sie, dass besonders fähige Manager die Leitung des Unternehmens übernehmen. Um das Management also entsprechend zu motivieren, sehen Sie eine Beteiligung am voraussichtlichen Unternehmenserfolg vor. Dazu gründen Sie mit Ihrem Kapital zunächst eine Holdinggesellschaft in Luxemburg. Wir wollen diese Holding LuxCo nennen. Ihre LuxCo gründet nun ihrerseits eine luxemburgische Gesellschaft, die LuxInterHolding heißen soll. Dabei fungiert die LuxInterHolding, wie man leicht erkennen kann, ebenfalls als Holding. Da sie aber als Tochtergesellschaft zur LuxCo in Beziehung steht, wollen wir sie als Zwischenholding beschreiben.

3.2. C-Shares für Manager der deutschen operativen Gesellschaft

Als Holdinggesellschaft hält die LuxInterHolding nun die gesamten Anteile an einem Unternehmen in Deutschland. Dieses Unternehmen ist jetzt tatsächlich eine operative Gesellschaft. Hier sollen nun neu eingestellte Manager für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung sorgen. Und genau diese Manager sollen nun als besonderen Anreiz C-Shares an der LuxInterHolding erhalten. Ob Sie nun alle hierfür eingestellten Manager mehr oder weniger als 1 % der Anteile an der Zwischenholding zusprechen, soll an dieser Stelle offen bleiben. Wir untersuchen dann gleich beide Fälle getrennt. Insgesamt kann man aber anmerken, dass die disquotale Aufteilung den C-Shares für Manager in der Realität in der Größenordnung von 20 % liegen kann.

3.3. Verkauf der luxemburgischen Zwischenholding und der damit verbundenen C-Shares

Gehen wir nun davon aus, dass Sie mit ihrer LuxInterHolding ihr Kapital in ein vielversprechendes Unternehmen investiert haben. Dies kann sowohl ein bereits existierendes Unternehmen, ein Startup oder ein Joint Venture sein. Lassen Sie uns weiterhin annehmen, dass der Unternehmenswert, auch dank des erfolgreichen Managements, im Laufe der Zeit beträchtlich steigt. Somit steigt auch der Wert der sie haltenden Zwischenholding (LuxInterHolding).

Schließlich stellen Sie fest, dass sich der Verkauf ihres Unternehmens, aus welchen Gründen auch immer, für Sie vorteilhaft darstellt. Sie finden daher auch rasch einen Käufer, der über einen Share Deal einen guten Preis für Ihre Anteile zu zahlen bereit ist. Natürlich sagen Sie zu. Denn auch wenn Ihnen aus dem Verkaufserlös lediglich 80 % zustehen – die übrigen 20 % sind ja den C-Shares vorbehalten – so ist dies für Sie dennoch ein gutes Geschäft. Doch wie verläuft nun die Besteuerung der Gewinnanteile, insbesondere jener, die Ihre Manager über ihre C-Shares erhalten?

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4. C-Shares für Manager – Besteuerung der Gewinnanteile

4.1. Besteuerung des Gewinns aus dem Verkauf der A-Shares

Zunächst betrachten wir in aller Kürze, wie Sie den Gewinn aus dem Verkauf der Anteile an der LuxInterHolding zu versteuern haben. Da die LuxCo als alleinige Anteilseignerin ebenso wie die verkaufte Tochtergesellschaft in Luxemburg ansässig ist, erfolgt die Besteuerung nach den dort geltenden Steuergesetzen. Somit vermeiden Sie auf dieser Ebene eine Besteuerung in Deutschland. Sollten Sie in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig sein, dann kommt eine Besteuerung für Sie nur dann in Betracht, wenn Sie Gewinnausschüttungen von Ihrer LuxCo erhalten sollten. Aber dies können Sie ja selbst bestimmen.

4.2. Besteuerung des Gewinns aus dem Verkauf der C-Shares

Richten wir nun unseren Blick auf die hier im Vordergrund stehende Besteuerung der Manager. Dabei unterscheiden wir nun zwischen einer Beteiligungshöhe von unter 1 % und einer, die diese Quote erfüllt oder übersteigt.

4.2.1. C-Shares mit einer Beteiligung unter 1 %: Kapitalertragsteuer

Bei einer Beteiligung unter 1 % oder bei einem Fehlen der anderen in § 17 EStG genannten Voraussetzung (fünfjährige Haltensfrist) versteuern Ihre Manager ihren Gewinn im Wege der Kapitalertragsteuer nach § 20 EStG. Dies hat für ihre Manager den steuerlichen Vorteil, dass hierbei der pauschale Körperschaftsteuersatz von 25 % Anwendung findet. Zusätzliche Abgaben  wie Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer lassen wir der Einfachheit halber in diesem Blog-Beitrag ganz unberücksichtigt.

Wenn man stattdessen die Gewinnbeteiligung aus dem Verkauf des Unternehmens über Vereinbarungen im Arbeitsvertrag geregelt hätte, würde man die Besteuerung im Rahmen des Lohnsteuerverfahrens abwickeln. Und das würde wiederum bedeuten, dass hierauf der persönliche Steuersatz Anwendung findet, der bekanntlich im Spitzensteuersatz 42 % beträgt und bei besonders hohem Einkommen sogar auf 45 % ansteigen kann. Darüber hinaus müssten Ihre Manager dann aber wohl auch noch Sozialleistungen in sicherlich erheblichem Umfang aus ihrem Gewinn bestreiten. Auch diese sollen hier generell außen vor bleiben.

4.2.2. C-Shares mit einer Beteiligung von mindestens 1 %: Teileinkünfteverfahren

Im umgekehrten Fall, also bei einer Mindestbeteiligung Ihrer Manager von 1 %, findet das Teileinkünfteverfahren Anwendung. Hier liegt die Einkommensteuer in der Regel ebenfalls deutlich unter dem persönlichen Steuersatz. Schließlich kommen beim Teileinkünfteverfahren nur 60 % der durch den Verkauf der C-Shares entstandenen Gewinne als steuerpflichtiger Anteil in Betracht. Zwar kann man im Teileinkünfteverfahren auch nur 60 % der Werbungskosten abziehen. Allerdings ist dies im Zusammenhang mit den C-Shares kaum relevant, weil hier ohnehin kaum Werbungskosten entstehen.

Wenn wir nun davon ausgehen, dass auf den steuerpflichtigen Anteil des Gewinns aus dem Verkauf der C-Shares der höchstmögliche persönliche Steuersatz von 45 % anfällt, dann bedeutet dies eine Steuer von maximal 27 % (60 % x 45 % = 27 %). Bei einem etwas realistischeren Steuersatz von 42 % (Spitzensteuersatz) fiele die tatsächlich anfallende Steuer sogar nur mit 25,2 % an. Somit sind wir ebenfalls recht nah an der Kapitalertragsteuer, die man andernfalls zahlen würde. Auf jeden Fall ist dies eine deutliche Verbesserung gegenüber einer Besteuerung mit dem persönlichen Steuersatz.

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5. C-Shares für Manager – Fazit

Der Verkauf der in Luxemburg ansässigen Zwischenholding zwecks Übertragung der operativen Tochtergesellschaft bietet also gleich mehrere Vorteile. Einerseits kann man als Investor die Besteuerung des damit verbundenen Gewinns ins oftmals steuerlich vorteilhaftere Ausland verlagern. Andererseits kann man damit auch einen Steuervorteil für die über die C-Shares mitbeteiligten Manager ermöglichen. Auf jeden Fall ist dies auch ein gutes Argument, wenn es darum geht, die Manager für das eigene Unternehmen zu gewinnen. Denn schließlich führt dieses Gestaltungsmodell dazu, dass die Manager am Ende nur etwa die Hälfte an Steuern aus dem Gewinn durch den Verkauf ihrer C-Shares zu zahlen brauchen. Oder noch positiver dargestellt: sie bekommen etwa 75 % des Gewinns ausgezahlt!

Dabei funktioniert die Mitarbeiterbeteiligung über dieses Gestaltungsmodell auch ohne C-Shares. Man kann es daher mit Anpassungen auch auf eine in Deutschland ansässige Zwischenholding übertragen. Die dafür erforderlichen Anpassungen müssen dann allerdings im Gesellschaftsvertrag niedergeschrieben sein. Dies wiederum erfordert bei nachträglichen Änderungen, etwa bei einer Einstellung weiterer privilegierter Mitarbeiter, eine Überarbeitung des Gesellschaftsvertrags. Man muss dann also jedes mal einen Rechtsanwalt und einen Notar dazu beauftragen, um die Beteiligungen entsprechend zu regeln. Weil aber in Luxemburg die Aufteilung von Anteilsklassen, die wir in unserem Gestaltungsmodel verwenden, gesetzlich bereits geregelt ist, fällt es in unserem Nachbarland deutlich leichter das Model umzusetzen.


Steuerberater für Unternehmensteuerrecht

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zum Unternehmensteuerrecht spezialisiert. Bei der langfristigen Steuerplanung von Kapitalgesellschaften schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

GmbH

  1. Allgemeine Beratung zu GmbH-Besteuerung (Gründung, Steuerreduktion bei Gewinnausschüttungen, Nutzung von Verlustvorträgen)
  2. Steuervorteile der Immobilien-GmbH
  3. Strategische Beratung bei Kapitalgesellschaften (Erwerb eigener Anteile, disquotale Gewinnausschüttung, Organschaft, Holdingstrukturen)

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  1. Empfehlungen zur Gründung von Unternehmen im Ausland
  2. Informationen zur aktuellen Besteuerung von IP Boxen in Luxemburg
  3. Entwicklung steuerlicher Gestaltungsmodelle

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  2. Unterstützung zu Due Diligence Prüfungen
  3. Beratung beim Unternehmensverkauf (Vorteile bei Share Deal & Asset Deal)

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort
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Das Landesgericht München I stellte kürzlich fest, dass die Jahresabschlüsse 2017 und 2018 der Wirecard AG nichtig sind. Damit verbunden sind dann aber auch die bereits erfolgten Gewinnausschüttungen und Boni-Zahlungen an Spitzenmanager der Wirecard AG ohne gesetzliche Grundlage. Denn wenn kein ordentlicher Jahresabschluss vorliegt, fehlt die wesentliche Grundlage für einen ordentlichen Beschluss zur Gewinnverwendung. Somit ist die Wirecard AG nun berechtigt, die von den Empfängern unberechtigt erhaltenen Zahlungen zurückzufordern. Allerdings hat dies auch steuerliche Konsequenzen. Schließlich haben die Zahlungsempfänger ihre Steuererklärungen, in denen sie ihre Dividendeneinnahmen erklärten, längst abgegeben. Selbstverständlich hat der Fiskus auch die Steuern hierauf bereits erhalten. Prinzipiell kann man diese unrichtigen Steuern aufgrund der durch das Gerichtsurteil herbeigeführten neuen Tatsachen korrigieren. Doch muss man hierbei auch auf die Festsetzungsfrist achten, die als Verjährungsfrist von Bedeutung ist.

Unser Video:
Wirecard: Gericht befindet Jahresabschlüsse für nichtig!

In diesem Video erklären wir, welche Rechtsfolgen Wirecard-Aktionäre nun erwarten müssen.

Inhaltsverzeichnis


1. Der Skandal um die Wirecard AG – Einleitung

Die Wirecard AG war einmal ein DAX-Konzern, dem insbesondere viele Privatanleger lange Zeit vertrauten. Schließlich lag der Börsenwert des Konzerns noch vor wenigen Jahren sogar bei vielen Milliarden Euro. Dies lag auch daran, dass der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens enorm war. Oder besser gesagt, er wurde so dargestellt. Denn die Bilanzen waren manipuliert und wiesen offenbar Gewinne aus, die keine reale Grundlage hatten. Den mit der Prüfung der Bücher beauftragten Wirtschaftsprüfern war dies jedoch anscheinend entgangen. Sie testierten alle Jahresabschlüsse, auf die sich die Hauptversammlungen zur Bestimmung der Gewinnverwendung später in Unkenntnis der wahren Lage beriefen.

Als dann 2020 die Wahrheit über Scheinbuchungen in Höhe von etwa 1,9 Milliarden Euro bekannt wurde, brach zunächst der Aktienkurs und dann der gesamte Wirecard Konzern in sich zusammen. Vorstandsmitglieder stehen nun im Verdacht, unter anderem Betrug und Bilanzfälschungen begangen zu haben. Die Aktionäre aber erlitten durch den enormen Kursverlust eine finanzielle Katastrophe. Deshalb ist es auch nachvollziehbar, dass nun viele ehemalige Aktionäre über den Rechtsweg einen Teil ihrer Verluste einzuklagen versuchen. Insbesondere die damals in die Bilanzprüfungen involvierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY steht hierbei im Fokus.

Aber auch die Wirecard AG und ihre Tochterunternehmen haben noch mit dem Skandal zu kämpfen. Denn mittlerweile steht der einstmalige Star der Frankfurter Börse unter Insolvenzverwaltung. In diesem Zusammenhang ist es selbstredend, dass sich der Insolvenzverwalter, Michael Jaffé, darum bemüht, so viele liquide Mittel der Wirecard AG wie möglich zu sichern. Dazu gehört auch die Frage nach der Rechtmäßigkeit der zuvor ausgeschütteten Dividenden und der an das Management geflossenen Boni. Aber auch die Höhe der in der Vergangenheit gezahlten Steuern ist hierbei von Interesse.

2. Wirecard Jahresabschlüsse 2017 & 2018: aktuelle Rechtsprechung 

In diesem Zusammenhang wählte Insolvenzverwalter Jaffé einen eher ungewöhnlichen Ansatz. Üblicherweise versuchen Insolvenzverwalter nämlich die liquiden Mittel im Wege einer Insolvenzanfechtung zu erwirken. Da dies im Fall Wirecard wohl zu aufwändig und zu wenig erfolgversprechend erschienen ist, entschied man sich stattdessen die Nichtigkeit bestimmter Jahresabschlüsse zu erwirken. Somit legte man einen entsprechenden Antrag dem zuständigen Landegericht München I zur Beurteilung vor. Am 05.05.2022 entschied das Gericht in seinem Urteil, dass tatsächlich die Voraussetzungen gegeben seien, um die Jahresabschlüsse 2017 und 2018 für nichtig zu erklären.

Genauer gesagt lag der Fokus in diesem Gerichtsverfahren weder auf den Bilanzen aller im Wirecard Konzern verbundenen Unternehmen noch im Konzernabschluss. Vielmehr betrachtete das Gericht lediglich die Jahresabschlüsse der Wirecard AG selbst. Denn genau hier lag die Basis für die offenkundig unzulässigen Gewinnausschüttungen.

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3. Rechtsfolgen für Wirecard-Aktionäre

Doch was bedeutet nun genau, dass die Jahresabschlüsse der Wirecard AG für die Jahre 2017 und 2018 nichtig sind? Nun, das bedeutet, dass die Wirecard AG für 2017 und 2018 leine gültigen Jahresabschlüsse vorweisen kann. Folglich waren die rechtlichen Grundlagen für einen ordentlichen Beschluss in der Hauptversammlung über die Verwendung der Gewinne niemals wirklich wirksam vorhanden gewesen. Ergo sind auch die Gewinnausschüttungen ohne die erforderliche rechtliche Grundlage erfolgt. Weder die Aktionäre, die 2017 EUR 0,18 und 2018 EUR 0,20 je Wirecard Aktie erhalten hatten, noch die Vorstandsmitglieder, deren Boni sich ebenfalls nach dem Gewinn richteten, haben ihre Zahlungen rechtmäßig erhalten.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber, dass der Insolvenzverwalter diese Zahlungen nun auf Basis des Gerichtsurteils zurückfordern kann. Immerhin wurden allein an Dividenden etwa EUR 47.000.000 ausgeschüttet. Damit könnte man wenigstens einen Teil der offenen Forderungen der Gläubiger gegenüber der Wirecard AG befriedigen. Deshalb ist zu erwarten, dass nun als nächstes die ehemaligen Aktionäre und alle anderen Empfänger unberechtigter Zahlungen Post von Herrn Jaffé erhalten werden, in denen die Aufforderung zur Rückzahlung enthalten sein wird. Allerdings ist das Urteil zum Zeitpunkt dieser Darstellungen noch nicht rechtskräftig.

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4. Nichtigkeit der Wirecard Jahresabschlüsse: steuerliche Konsequenzen

Neben den juristischen Konsequenzen hat das Urteil des Landgerichts München I auch steuerliche Implikationen, wenn auch auf indirekte Weise. Denn die als Dividenden oder Boni erhaltenen Zahlungen haben die steuerpflichtigen Empfänger ja seinerzeit ordnungsgemäß versteuert. Aber auch die Wirecard AG hat auf ihre, wie wir nun wissen, offenbar erfundenen Gewinne Körperschaft- und Gewerbesteuer entrichtet. Folglich ist eine Rückforderung dieser Steuern, zumindest nach dem Rechtsempfinden der Allgemeinheit, nachvollziehbar. Jedoch muss man hierbei auch einige gesetzliche Regelungen des Abgabenrechts beachten.

Für Steuern existiert in § 169 Absatz 2 Satz 1 AO eine allgemeine vierjährige Festsetzungsfrist, die gleichzeitig auch eine Verjährungsfrist darstellt. Sie beginnt nach § 170 Absatz 1 AO nach Ablauf desjenigen Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist. Abweichend hiervon beginnt sie gemäß § 170 Absatz 2 Nummer 1 AO mit Ablauf desjenigen Jahres, in dem ein Steuerpflichtiger die Steuererklärung eingereicht hat.

Eine weitere Möglichkeit, die man unter Umständen nutzen kann, um eine Steuererklärung bei Bedarf ändern zu können, geht mit Einschränkungen im Steuerbescheid einher. Denn wenn die Finanzverwaltung einen Steuerbescheid unter dem Vorbehalt der Nachprüfung erlässt, hemmt dies die Festsetzungsfrist bis zu dem Zeitpunkt, an dem eine Prüfung eines zu überprüfenden Sachverhalts stattfindet oder an dem die Finanzverwaltung den Vorbehalt der Nachprüfung aufhebt.

Wer also von einer Rückzahlung der vermeintlich erhaltenen Wirecard Dividende betroffen ist, der sollte schauen, ob die darauf entrichtete Kapitalertragsteuer sowie andere damit verbundene Abgaben (Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer) auf die eine oder andere oben dargestellte Weise zurückgefordert werden können.

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In diesem Video erklären wir, wie Betroffene im Skandal um die Wirecard AG juristisch vorgehen können.

5. Wirecard AG – quo vadis?

Für kleine Aktionäre dürfte die Rückzahlung finanziell eher weniger ins Gewicht fallen. Schließlich muss man je Wirecard Aktie EUR 0,38 zurückzahlen, was beispielsweise für 100 Aktien gerade einmal EUR 38,00 ausmacht. Vielmehr dürfte man die für nichtig erklärten Wirecard Jahresabschlüsse als weitere Demütigung empfinden. Doch sind es in diesem Fall eher die ehemaligen Großaktionäre und Vorstandsmitglieder, die seinerzeit von den üppigen Dividenden und Boni am meisten profitierten, die nun von den Rückzahlungen kaum begeistert sein dürften.

Dafür dürften sich aber die Gläubiger der Wirecard AG über die Rückforderung der ungültigen Zahlungen sowie der auf den Gewinn gezahlten Unternehmenssteuern freuen. Doch auch wenn der Insolvenzverwalter die gesamte Summe einzutreiben vermag, so dürften die ausstehenden Schulden diesen Betrag deutlich übersteigen.

Aber auch alle ehemaligen Anleger, die sich durch den mutmaßlichen Betrug um ihre in die Wirecard AG investierten Ersparnisse geprellt sehen und nun als Kläger Wiedergutmachung von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY fordern, sehen einem ungewissen Ausgang der juristischen Aufarbeitung gegenüber. Schließlich steht EY ein Heer an kompetenten Rechtsanwälten zur Verfügung, das mit Sicherheit alles aufbieten wird, um den finanziellen Schaden für das Unternehmen so weit wie möglich zu reduzieren.

Auch die in diesem Fall beschuldigten Personen haben eine ungewisse Zukunft vor sich. So auch der Vorstandsvorsitzende Markus Braun und zwei weitere Top-Manager der Wirecard AG. Konzernchef Braun sitzt seit bald zwei Jahren in Untersuchungshaft. Er muss wohl schon dieses Jahr vor Gericht Rechenschaft ablegen. Und dann wäre noch Vertriebsvorstand Jan Marsalek. Er setzte sich kurz nach dem Aufdecken der Buchungsunstimmigkeiten offenbar ins Ausland ab und ist nun flüchtig. Zwar fahndet man mit internationalem Haftbefehl nach ihm, doch könnte es sein, dass man noch eine ganze Weile auf einen Fahndungserfolg wird warten müssen.


Steuerberater für Kapitalgesellschaften

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zum Unternehmensteuerrecht spezialisiert. Bei Fragen zur Bilanzerstellung schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

GmbH

  1. Allgemeine Beratung zu GmbH-Besteuerung (Gründung, Steuerreduktion bei Gewinnausschüttungen, Nutzung von Verlustvorträgen)
  2. Steueroptimierte Besteuerung der GmbH
  3. Strategische Beratung bei Kapitalgesellschaften (Erwerb eigener Anteile, disquotale Gewinnausschüttung, Organschaft, Holdingstrukturen)

Umwandlungen

  1. Beratung zu sämtlichen Umwandlungsvorgängen (Einbringung, Verschmelzung, Formwechsel, Anteilstausch)

Digitale Buchhaltung

  1. Langfristige Betreuung unserer Mandanten (Finanzbuchhaltung, Lohnbuchhaltung, Jahresabschlüsse, Steuererklärungen)
  2. Einrichtung und Betreuung der digitalen Finanzbuchhaltung per DATEV Unternehmen Online

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Seit 2014 sind die Partner unserer Kanzlei regelmäßige Fachreferenten des Steuerberaterverbands Köln. Dabei besuchen circa 1.500 Steuerberater pro Jahr unsere Seminare. Wegen der hohen Nachfrage stellen wir Ihnen unsere Präsentation zu „Erwerb eigener Anteile bei GmbH“ gerne kostenlos zum Download zur Verfügung:

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Eine Stiftungsholding ist eine Stiftung, die als Holding fungiert und der Vermögensverwaltung dient. Man setzt sie insbesondere zum Halten und Verwalten von Unternehmensbeteiligungen ein. Dabei hat die Stiftungsholding gegenüber einer GmbH-Holding den Vorteil, dass sie kein gewerbliches Unternehmen darstellt. Zwar kann auch eine Stiftungsholding gewerbliche Tätigkeit entfalten, was dann zum Anfall der Gewerbesteuer führt. Vermeidet man jedoch bei einer Stiftungsholding eine gewerbliche Tätigkeit, die bei der reinen Vermögensverwaltung ohnehin ausbleiben sollte, dann kann man mit ihr auch etwa 15 % Gewerbesteuer gegenüber der GmbH-Holding einsparen. Außerdem stellt eine Stiftungsholding eine langfristige Lösung bei der Regelung der Unternehmensnachfolge dar. Darüber hinaus bietet sie auch alle Vorteile, die man von einer Familienstiftung erwarten kann, inklusive eines fundierten Vermögensschutzes. Die Errichtung einer Stiftungsholding ermöglicht aber auch den Wegzug ins Ausland, ohne dass dabei eine Wegzugsteuer anfällt.

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die verschiedenen Möglichkeiten zur Nutzung von Holdingstrukturen spezialisiert. Dabei arbeiten wir für jeden Mandanten individuelle Gestaltungsmodelle zum Erhalt des Verlustabzug aus. Aufgrund der aktuellen Resonanz haben wir mehrere Beiträge zu diesem Thema publiziert:

Datum

Thema
6. Dezember 2018 Holding-GmbH: Vorteile / Gewinnausschüttung / Verkauf / Gestaltungen
30. Oktober 2020 Wegzugsteuer vermeiden: Familienstiftung gründen und GmbH-Anteile übertragen
16. März 2021 Gründung einer Holding: Von welchen Vorteilen profitieren Sie?
13. Mai 2021 Wann lohnt sich eine Holding und welche Kosten sind mit ihr verbunden?
12. April 2022 Stiftungsholding als Alternative zur GmbH-Holding (dieser Beitrag)

Unser Video:
Holding gründen: Gewerbesteuer bei der ersten Dividende beachten

In diesem Video erklären wir, wie man nach Gründung einer Holding die Gewerbesteuer vermeidet.

Inhaltsverzeichnis


1. Stiftungsholding – Einleitung

Wer als Unternehmer gleich mehrere Unternehmen führt, der dürfte bestimmt schon mal darüber nachgedacht haben, sie alle unter einem Dach zu vereinen. Tatsächlich bietet die zentralisierte Vermögensverwaltung mehrerer Unternehmen vielfältige Vorteile. So ist etwa die Verrechnung von Gewinnen und Verlusten verschiedener Unternehmen im Rahmen einer Organschaft möglich. Aber auch die Risikominimierung durch die Folgen einer potentiellen Haftung mit dem jeweiligen Unternehmensvermögen stehen als Vorteil einer Holding im Raum.

Dabei sind die meisten Holdinggesellschaften in der Rechtsform einer GmbH aufgestellt. Dies hat ebenfalls viele Vorteile. Zum Beispiel fällt die Besteuerung der Dividenden, die eine Holding über die Gewinnausschüttung ihrer Tochtergesellschaften bezieht, mit 1,5 % sehr günstig aus. Man nennt dies auch das Schachtelprivileg. Dennoch sind auch alternative Rechtsformen für eine Holding denkbar. Beispielsweise bedient sich die doppelstöckige Holding gerne einer GmbH & Co. KG als Rechtsform für die übergeordnete Muttergesellschaft.

Hier möchten wir nun eine weitere Alternative zur GmbH-Holding vorstellen. Dabei betrachten wir, welche Besonderheiten eine Stiftung in der Funktion einer Holding vorweisen kann. Insbesondere die steuerlichen Vorteile interessieren uns hierbei. Aber auch alle anderen Aspekte der Stiftungsholding wollen wir hierbei einer Analyse unterziehen.

2. Stiftungsholding – Rechtsgrundlagen

Für eine Holding gibt es keine besonderen rechtlichen Vorgaben. Ihr rechtlicher Rahmen richtet sich somit allein nach den allgemeinen steuerlichen und anderen Vorschriften. In welcher Rechtsform auch immer eine Holding also vorliegen mag, man muss stets in die entsprechenden Gesetze schauen, um sich über die in einer bestimmten Situation anwendbaren Regelungen zu informieren. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf Regelungen, die sich auf die Vermögensverwaltung beziehen.

Da wir jedoch über eine Stiftungsholding sprechen möchten, sind einige Worte zu den Rechtsgrundlagen die Stiftungen betreffend angebracht. Dazu ist vor allem § 80 BGB von Bedeutung, weil es die Regelungen zur staatlichen Anerkennung als Voraussetzung zur Errichtung einer rechtsfähigen Stiftung enthält. Denn nur durch die staatliche Anerkennung, die durch die Stiftungsbehörde des jeweiligen Bundeslandes, in dem die Stiftung ihren Sitz haben soll, kann eine rechtsfähige Stiftung entstehen. Daneben bestehen aber auch noch weitere Vorschriften, die sich auf die Errichtung einer Stiftung sowie viele weitere Aspekte beziehen. Die steuerliche Behandlung einer Stiftung unterliegt hingegen dem Körperschaftsteuergesetz. Schließlich handelt es sich bei einer Stiftung ja um eine Körperschaft des Privatrechts.

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3. Die 3 Funktionen einer Stiftungsholding

3.1. Funktion Nr. 1: Vermögensverwaltung von Unternehmensbeteiligungen

Eine Stiftungsholding ist eine juristische Person des Privatrechts, die sich mit der Verwaltung des auf sie übertragenen Vermögens beschäftigt. Dabei besteht das verwaltete Vermögen aus Unternehmensbeteiligungen. Damit betreibt sie im Grunde die gleiche Art von Vermögensverwaltung, die auch jede andere Holding erbringen würde. Dennoch gibt es einige Besonderheiten, die auf ihrer einzigartigen Rechtsform basieren.

3.2. Funktion Nr. 2: Zuwendungen an Destinatäre sichern

Schon die Errichtung einer Stiftungsholding stellt einen besonderen Akt dar. Schließlich ist dafür ein Stiftungsgeschäft sowie die staatliche Anerkennung durch die zuständige Stiftungsbehörde erforderlich. Das Stiftungsgeschäft erfordert darüber hinaus auch die Erstellung einer Satzung für die Stiftungsholding. Darin ist insbesondere der Zweck, der Umfang des Vermögens – hier also die Unternehmensanteile, über die die Stiftungsholding verfügen soll, und die Zusammensetzung des Vorstands der Stiftungsholding zu regeln. Wenn man die Stiftungsholding im Sinne einer Familienstiftung führen möchte, muss man selbstverständlich auch die Destinatäre entsprechend bestimmen. Aber auch andere Zwecke kommen für eine Stiftungsholding in Betracht. Darin sind die Stifter in ihrer Entscheidung völlig frei.

3.3. Funktion Nr. 3: Organisation der Unternehmensnachfolge

Damit kommen wir zur nächsten Funktion, die eine Stiftungsholding übernimmt. Denn mit einer Stiftungsholding hat der Stifter die Möglichkeit, die Unternehmensnachfolge über Generationen hinaus zu regeln. Während man bei einer GmbH-Holding die Beteiligung an ihr irgendwann einmal auf einen Nachfolger überträgt, ohne, dass man dabei Einfluss auf die Entscheidungen des Nachfolgers in Bezug auf die Behandlung der Holding-Beteiligung ausüben kann, ist eine Stiftungsholding eine Rechtspersönlichkeit, die lediglich den Vorgaben ihres Stifters gemäß der von ihm entworfenen Satzung unterliegt. Selbst der Stifter hat nach der Errichtung der Stiftung keinen Einfluss mehr auf ihre Geschicke.

Das bedeutet einerseits, dass ein Stifter beim Stiftungsgeschäft einen Teil seines Vermögens zugunsten einer fortan unabhängigen Einrichtung aufgibt. Andererseits entsteht somit eine Entität, bei der lediglich der vom Stifter zuvor in der Satzung bestimmte Zweck und Wille maßgebend ist. Die Kontrolle über die Stiftung obliegt ab diesem Zeitpunkt dem Stiftungsvorstand. Dieser ist allein dem in der Satzung festgelegten Zweck der Stiftung verpflichtet. Dabei muss er sich an die dort festgeschriebenen Vorgaben etwa zu den Mitteln, die man zum Erreichen des Zwecks nutzen darf oder soll, halten.

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4. Steuerliche und andere Vorteile einer Stiftungsholding

Wie man bereits deutlich erkennen konnte, mag die Stiftungsholding zwar einerseits die gleiche Funktion wie jede andere Holdinggesellschaft erfüllen. Jedoch führt sie ihre Funktion auf eine ganz andere Art und Weise als zum Beispiel eine GmbH-Holding aus. Dies bedingt natürlich auch andere Konsequenzen.

4.1. Steuervorteile der Stiftungsholding bei der Gewerbesteuer

Auf dem Gebiet der Steuern ist es sogar ein Vorteil, den die Stiftungsholding gegenüber einer GmbH-Holding für sich beanspruchen kann. Denn dadurch, dass die Stiftungsholding in der Regel kein gewerbliches Unternehmen im Sinne des Handelsgesetzbuches darstellt, ist die Gewerbesteuer für sie ohne Relevanz. Nur falls sie neben der reinen Vermögensverwaltung tatsächlich auch gewerbliche Einkünfte erzielt, fällt für die Stiftungsholding ebenfalls Gewerbesteuer an. Aber das kann man ja leicht vermeiden. Sollte die Stiftungsholding nämlich tatsächlich planen gewerbliche Einkünfte zu erzielen, so gründet sie einfach eine operative Tochtergesellschaft hierfür.

4.1.1. Keine Gewerbesteuer bei Dividenden und Veräußerungsgewinnen

Dieser Punkt ist insofern relevant, als beim Verkauf von Unternehmensbeteiligungen für die Stiftungsholding auch dann keine Gewerbesteuer anfällt, wenn sie weniger als 15 % an der Tochtergesellschaft hält. Aber auch bei Dividendenerträgen von Tochterunternehmen, an denen die Stiftungsholding weniger als 15 % hält, spielt die Gewerbesteuer keine Rolle. Sie ist somit deutlich besser zur Vermögensverwaltung von Aktien und anderen Wertpapieren geeignet, als es eine GmbH-Holding ist. Denn auch wenn sie aufgrund eines Unterschreitens der Untergrenze von 10 % bei der Beteiligung an anderen Kapitalgesellschaften so wie eine GmbH-Holding Körperschaftsteuer auf Dividenden und andere Gewinne in diesem Zusammenhang zahlen muss, so bleibt der Stiftungsholding die Gewerbesteuer, die in etwa gleicher Höhe anfällt, erspart. Voraussetzung hierbei wiederum ist, dass dies keinesfalls eine gewerbliche Tätigkeit darstellt.

4.1.2. Keine Gewerbesteuer bei der Vermietung und Verpachtung

Ein weiterer steuerlicher Vorteil ist eher indirekter Art. Denn die Stiftungsholding kann aus dem gleichen wie dem zuvor genannten Grund auch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erzielen, ohne dass dabei eine Gewerbesteuer anfällt. Dabei kann sie zum Beispiel immaterielle Wirtschaftsgüter an ihre Tochterunternehmen gegen Entgelt überlassen. Dies ist etwa der Fall wenn beispielsweise Markenrechte oder Patente zum Umfang des Stiftungsvermögens gehören. Auf Seite der Tochterunternehmen kann man diese Gebühren als Betriebsaufwand steuerlich ansetzen. Dabei reduzieren diese Kosten den Gewinn, der einer Besteuerung mit insgesamt etwa 30 % Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer unterliegt. Die Einkünfte der Stiftungsholding auf die Überlassung der immateriellen Wirtschaftsgüter bleibt hingegen von der Gewerbesteuer verschont, sodass lediglich 15 % Körperschaftsteuer anfallen. Man spart also 50 % an Steuern gegenüber einer GmbH-Holding.

4.2. Steuervorteile der Stiftungsholding bei Immobilienverkäufen

Außerdem kann eine Stiftungsholding einen Steuervorteil gegenüber einer GmbH-Holding bei Immobiliengeschäften für sich reklamieren. Denn während eine GmbH als Holding auf den Verkauf einer Immobilie stets Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer zahlt, sieht dies bei der Stiftungsholding ganz anders aus. Da die Stiftungsholding bei ihrer Besteuerung im Rahmen der Körperschaftsteuer auch sonstige Einkünfte im Sinne des Einkommensteuergesetzes beziehen kann, steht es der Stiftungsholding offen, nach Ablauf einer Spekulationsfrist von entweder einem Jahr, wenn keine Einkünfte mit der veräußerten Immobilie außer durch den Verkauf erzielt wurden, oder andernfalls nach zehn Jahren die Gewinne aus dem Immobilienverkauf gänzlich steuerfrei zu vereinnahmen.

4.3. Keine Erbschaftsteuer bei der Stiftungsholding

Da die Stiftungsholding eine unabhängige Entität ist, weil sie niemandes Eigentum ist, findet auch keine Übertragung durch Schenkung oder Erbschaft auf sie Anwendung. Folglich fällt auch keine Schenkung- oder Erbschaftsteuer im herkömmlichen Sinne an. Allerdings gibt es bei Stiftungen die gesetzlich geregelte Fiktion einer Erbschaft. Darauf basierend findet alle 30 Jahre eine Erbersatzsteuer auf das Vermögen der Stiftung Anwendung. Dennoch steht die Stiftungsholding auch in diesem Hinblick vorteilhaft da. Denn einerseits kann man bei einer Vermögensnachfolge natürlicher Personen nur schwerlich ausschließen, dass es im genannten Zeitraum nur zu einer einzigen Erbschaft kommt. Andererseits eröffnet die strikte Festlegung des Zeitraums für den Anfall der Erbersatzsteuer auf 30 Jahre, dass man ausreichend Zeit hat, um rechtzeitig vor dem Anfall der Steuer eine steuerliche Gestaltung zu finden, mit der man die Erbersatzsteuer vermeiden kann. Denn mit einer fundierten steuerlichen Beratung ist dies durchaus realisierbar.

4.4. Vermeidung der Wegzugsteuer

Außerdem hilft eine Stiftungsholding dabei die Wegzugsteuer zu vermeiden, wenn man ins Ausland fortziehen möchte. Zwar ist die Stiftungsholding ebenfalls eine Körperschaft, was sie somit für den Anfall der Wegzugsteuer prinzipiell qualifiziert. Allerdings besitzt niemand eine Beteiligung an ihr. Deshalb kann sie auch niemand verkaufen. Der Grund für den Anfall der Wegzugsteuer fehlt daher gänzlich.

Anders ist dies übrigens bei der GmbH-Holding. Denn an dieser ist der Anteilseigner tatsächlich beteiligt. Zieht er also ins Ausland fort, fällt auch eine Wegzugsbesteuerung auf den fiktiven Verkaufsgewinn in Deutschland an. Denn auf diese Weise möchte die Bundesrepublik ja vermeiden, dass der Anteilseigner an der GmbH die Anteile am deutschen Fiskus vorbei vom Ausland aus verkauft.

4.5. Vorteile der Stiftungsholding bei der Gestaltung der Unternehmensnachfolge

Auf die Unabhängigkeit der Stiftungsholding gegenüber äußeren Einflüssen haben wir bereits hingewiesen. Tatsächlich ist dies ein wesentlicher Vorteil der Stiftungsholding gegenüber einer GmbH-Holding. Während nämlich nach der Übertragung der Beteiligung an einer GmbH-Holding auf einen Nachfolger dieser stets die Freiheit besitzt, um uneingeschränkt über die GmbH-Holding zu verfügen, einschließlich der Option zum Verkauf oder zur Liquidation, bleibt die Stiftungsholding von solchen und anderen, ähnlichen Einflüssen verschont. Eine Stiftungsholding ist schließlich im Unterschied zur GmbH-Holding eigenständig. Man kann sie weder verkaufen noch liquidieren, denn sie gehört niemandem.

Wenn also ein Stifter die Unternehmensnachfolge bei der Gründung einer Holding mit im Blick hat und dabei darauf achtet, dass auch alle seine Nachkommen künftig von dem vom Stifter aufgebauten Unternehmenskonstrukt profitieren, dann sollte er auch die Option der Stiftungsholding in Betracht ziehen. Schließlich kann man dabei sicherstellen, dass die Vermögensverwaltung auch dann im Sinne des Stifters fortgeführt wird, wenn der Stifter keinen Einfluss mehr darauf zu nehmen vermag. Tatsächlich ist dies sogar ab dem Zeitpunkt gegeben, ab dem die Holdingstiftung errichtet wird. Schon von da an hat auch ihr Stifter keinen Einfluss mehr auf ihre weiteren Geschicke und ihr Vermögen. Deshalb ist es so wichtig, dass der Stifter in der Stiftungssatzung schon im Voraus alle Eventualitäten regelt. Denn nach dem Stiftungsgeschäft hat auch er keinen Einfluss mehr auf die Stiftung.

4.6. Vorteile der Stiftungsholding beim Vermögensschutz

Allerdings bedeutet dies gleichzeitig auch, dass die Stiftungsholding mit all ihren durch das Stiftungsgeschäft übertragenen Vermögenswerten vor dem Zugriff Dritter geschützt ist. Ansprüche Dritter gegenüber dem Stifter kann man somit abwehren.

Umgekehrt ist aber auch ein Durchgreifen von Forderungen Dritter auf das Privatvermögen des Stifters durch die Holding ausgeschlossen. Aber diesen Schutz bietet auch eine GmbH-Holding.

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5. Fazit zur Stiftungsholding

Für die Stiftungsholding sprechen also eine ganze Reihe an Vorteilen. Viele davon sind sogar steuerlicher Natur. Ganz besonders interessant ist die Stiftungsholding hingegen, wenn es um eine nachhaltige Ordnung der Unternehmens- und Vermögensnachfolge geht. Denn hierbei vermag die Stiftungsholding einzigartige Gestaltungsmöglichkeiten zu bieten, die mit anderen Rechtsformen kaum zu verwirklichen sind.

Allerdings hat die Stiftungsholding auch einige Besonderheiten, mit denen sich potentielle Stifter ebenfalls auseinandersetzen sollten, bevor sie sich hierzu entschließen. Denn dadurch, dass die Errichtung der Holdingstiftung mit einem Verzicht auf das Stiftungsvermögen einhergeht, verliert man auch die Möglichkeit, um außerhalb des Rahmens der Satzung Einfluss auf die Holdingstiftung und ihr Vermögen zu nehmen. Deshalb sollte man auch sehr gründlich über die Bestimmungen nachdenken, die die Satzung enthalten soll. Schließlich ist sie der einzige Weg, um den eigenen Willen in Bezug auf die zukünftigen Geschicke des Unternehmenskonstrukts und ihrer Holding zu nehmen. Außerdem sollten dann auch alle Eventualitäten in Bezug auf die derzeitigen sowie zukünftigen Destinatäre in der Satzung geregelt sein. Gleiches gilt aber auch auf die Organe, die fortan die Kontrolle über die Stiftungsholding ausüben sollen. Wie stellt man zum Beispiel sicher, dass der Vorstand stets im Sinne des Stifters agiert?

Wie bereits gesagt, die Errichtung einer Stiftungsholding erfordert weitsichtiges und vielschichtiges Denken. Es bedarf aber auch einer vorausschauenden Steuerberatung. Deshalb ist hierbei der Aufwand zur Errichtung einer Stiftungsholding mit Sicherheit sowohl zeitaufwendiger als auch kostenintensiver als bei einer GmbH-Holding. Auch dies sollte man hierzu bedenken. Dies gilt umso mehr, als dieser Schritt unumkehrbar ist.


Steuerberater für Unternehmensnachfolge

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  2. steuerliche Gestaltung mit Stiftungen
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Wenn man eine Holding mit einer Stiftung kombiniert, kann man über Lizenzgebühren für die Überlassung immaterieller Wirtschaftsgüter die Steuern der Holding deutlich reduzieren. Ein zweiter Vorteil bei der Kombination Holding mit Stiftung ist der steuerfreie Verkauf der immateriellen Wirtschaftsgüter nach Ablauf einer Spekulationsfrist von zehn Jahren. Wenn dabei die Holding die immateriellen Wirtschaftsgüter von der Stiftung kauft, kann sie die Anschaffungskosten sogar abschreiben. Dabei kann man davon ausgehen, dass die immateriellen Wirtschaftsgüter, die die Stiftung bis zum Verkauf hält, über die Jahre an Wert gewinnen. Somit steigt sogar noch das Potential, Steuern zu sparen.

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Holdingstruktur mit besonderer Rechtsform

In diesem Video erklären wir, wie man mit einer Holding und einer Familienstiftung Steuern spart.

Inhaltsverzeichnis


1. Holding mit Stiftung kombinieren – Einleitung

Eine Holding ist meistens eine vermögensverwaltende Gesellschaft. Sie hält im Grunde bloß Anteile an einem oder mehreren Tochterunternehmen. Diese Tochterunternehmen führen dann in aller Regel die eigentlichen geschäftlichen Tätigkeiten aus. Daher nennt man sie auch Operating Company, kurz OpCo. Allerdings kann eine Holding auch eine Immobiliengesellschaft als Tochtergesellschaft führen. Dies eröffnet den steuerlichen Vorteil, dass die Immobiliengesellschaft Vermietungsleistungen an die OpCos erbringen kann, für die letztere die Mietkosten bei der Steuer ansetzen kann. Dabei beträgt ihre Besteuerung etwa 30 % ihres Gewinns. Hingegen zahlt die Immobiliengesellschaft unter Nutzung der erweiterten Grundstückskürzung nur 15 % auf ihre Mieteinnahmen. Man spart also mit dieser Kombination 50 % an Steuern.

In Sachen Vermögensverwaltung ist aber auch die Stiftung eine Option. Dabei ist die Art und Weise wie sie aus dem von ihr verwalteten Vermögen Gewinne erzielt mit der einer Holding durchaus vergleichbar. Die hauptsächlichen Unterschiede liegen natürlich in der Rechtsform. Denn die Stiftung stellt eine eigene Rechtsform dar, während eine Holding in unterschiedlichen Rechtsformen vorliegen kann, wenn auch in den meisten Fällen die Wahl auf eine GmbH fällt. Darauf begründen aber auch Unterschiede bei der Besteuerung. Dies kann man nutzen, indem man Holding mit Stiftung kombiniert. Wie dies zu drei großen Steuervorteilen führt, soll Ihnen der vorliegende Beitrag erläutern.

2. Steuerliche Besonderheiten bei Holding und Stiftung

Bevor wir Ihnen zeigen, wie man steuerlich vorteilhaft eine Holding mit einer Stiftung kombiniert, sollten wir noch etwas mehr Licht auf die unterschiedliche Besteuerung der beiden Vermögensverwaltungen richten. Denn obwohl beide in aller Regel als Körperschaften Steuern nach dem Körperschaftsteuergesetz entrichten, liegt hier ein kleiner, aber feiner Unterschied vor, den man bei einer Kombination von Holding und Stiftung ausspielen kann.

2.1. Holding mit Stiftung kombinieren: Besteuerung einer Holding

Wie bereits erwähnt, haben die meisten Holdingstrukturen die GmbH als Rechtsform. Als GmbH ist die Holding eine Handelsgesellschaft. Daher ist sie im Sinne des Körperschaftsteuergesetzes ein prinzipiell gewerbliches Unternehmen, obwohl sie im Grunde nur Vermögensverwaltung betreibt. Deshalb fallen auch alle Einnahmen als gewerbliche Einkünfte bei der Holding an. Andere Einkunftsarten sind für eine Holding in der Rechtsform einer GmbH damit ausgeschlossen. Somit zahlt eine Holding in aller Regel sowohl Körperschaftsteuer als auch Gewerbesteuer auf ihre Gewinne.

Ähnlich ist die Situation, wenn die Holding in einer anderen Rechtsform vorliegt. Denn auch dann ist die Holding als gewerbliches Unternehmen anzusehen, sodass ihre Einkünfte stets als gewerblich klassifizierbar sind. Also betrachten wir im weiteren Verlauf unserer Erörterungen die Holding in der Rechtsform der GmbH.

2.2. Holding mit Stiftung kombinieren: Besteuerung einer Stiftung

Warum haben wir explizit auf die möglichen Einkunftsarten einer GmbH-Holding hingewiesen? Nun, weil hier der große, kleine Unterschied zur Stiftung liegt. Denn die Stiftung ist eine eigene Rechtsform, die außerhalb der strikten Regeln des Handelsgesetzbuches steht. Mit anderen Worten: sie ist keineswegs nur auf die Erzielung gewerblicher Einkünfte beschränkt. Vielmehr kann sie auch eine ganze Reihe anderer Einkünfte im Sinne des Einkommensteuergesetzes erzielen, wenn ihr auch manche ebenfalls verschlossen bleiben, Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit etwa. Dennoch bleibt sie als juristische Person des privaten Rechts bei der Besteuerung dem Körperschaftsteuergesetz unterworfen. Deshalb kann eine Stiftung unter anderem auch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung oder sonstige Einkünfte einerseits im Rahmen der Körperschaftsteuererklärung anführen. Andererseits wendet sie aber dabei die Regeln des Einkommensteuerrechts hierauf an.

Das bedeutet aber auch, dass die Stiftung keine Gewerbesteuer zu zahlen braucht, wenn sie keine gewerbliche Tätigkeit entfaltet. Denn nur für gewerbliche Einkünfte ist eine Stiftung gewerbesteuerpflichtig.

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3. Unser Modell: Holding mit Stiftung für IP

Wie soll nun unser Gestaltungsmodell zur Holding in Kombination mit einer Stiftung aussehen? Dazu gehen wir davon aus, dass die Holding neben diversen Tochtergesellschaften, die als OpCos fungieren,  auch über immaterielle Güter verfügt. Das können zum Beispiel Patente, Marken, Quellcodes sowie Persönlichkeitsrechte oder geistiges Eigentum sein. Ein selbst geschaffener Firmenwert ist hingegen hierbei ausgeschlossen. Durch ein Stiftungsgeschäft überträgt die Holding nun diese immateriellen Wirtschaftsgüter auf die neuerrichtete Stiftung. Wen die Holding hierbei als Destinatäre einsetzt, ist für unsere Betrachtungen irrelevant. Das bedeutet also, dass die Gesellschafter der Holding frei über den Zweck der Stiftung bestimmen können.

Jedenfalls verfügt nun die Stiftung über die immateriellen Wirtschaftsgüter, die sie fortan an die OpCos der Holding vermietet. Die OpCos nutzen diese überlassenen Rechte bei ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit, um Gewinne zu erzielen. Dafür zahlen sie der Stiftung eine angemessene Gebühr. Für die Gewinne, die die Stiftung über die Lizenzgebühren generiert, zahlt sie dann ganz regulär Körperschaftsteuer. Allerdings kann sie auch alle Ausgaben, die mit der Überlassung der immateriellen Wirtschaftsgüter zusammenhängen, steuerlich ansetzen. Da es sich hierbei jedoch um Mieteinkünfte handelt, fällt keine Gewerbesteuer darauf an.

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4. Holding mit Stiftung: 3 Steuervorteile

4.1. Steuervorteil 1: Lizenzgebühren der Tochtergesellschaften an die Stiftung

Der erste Vorteil bezieht sich somit auf die Möglichkeit, Lizenzen zur Nutzung gewisser Rechte zu vergeben. Für die Überlassung der Rechte müssen die Tochtergesellschaften der Holding jedoch auch eine Lizenzgebühr an die Stiftung zahlen. Zwar ist dieser Gewinn, den die Stiftung aus der Nutzungsüberlassung ihrer immateriellen Rechte erzielt, auf ihrer Seite steuerpflichtig. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass die Tochtergesellschaften diese Lizenzgebühren als Betriebskosten steuerlich ansetzen dürfen. Durch diesen Ansatz verringert sich nämlich ihr steuerpflichtiger Gewinn. Also helfen die Lizenzgebühren, die die Stiftung gegenüber den Tochtergesellschaften der Holding erhebt, die Steuern der Tochtergesellschaften teils deutlich zu reduzieren. Denn die Überlassungsgebühren können die OpCos sowohl bei ihrer Körperschaftsteuer- als auch bei ihrer Gewerbesteuererklärung als gewinnmindernde Aufwendungen anführen. Somit ist eine Steuerersparnis von rund 30 % bei den Tochtergesellschaften möglich.

Gleichzeitig versteuert die Stiftung ihre Mieteinnahmen lediglich mit 15 % Körperschaftsteuer. Denn auf die Mieteinnahmen braucht die Stiftung – anders als eine Holding-GmbH – keine Gewerbesteuer zu zahlen. Insgesamt betrachtet macht dies eine steuerliche Ersparnis von 50 % aus, weil man bei der Kombination Holding mit Stiftung nur 15 % statt 30 % an Steuern zu zahlen braucht.

4.2. Steuervorteil 2: steuerfreier Verkauf der immateriellen Wirtschaftsgüter

Der zweite Aspekt, der daraus hervorgeht, dass wir Holding und Stiftung kombinieren, liegt in der Möglichkeit des steuerfreien Verkaufs der immateriellen Wirtschaftsgüter. Denn die Stiftung unterliegt hierbei den klassischen Regeln des Einkommensteuerrechts, welches bei privaten Veräußerungsgeschäften Anwendung findet. Tatsächlich erlaubt das Gesetz im Allgemeinen einen steuerfreien Verkauf von Wirtschaftsgütern aus dem Privatvermögen, wenn die Haltedauer mindestens ein Jahr beträgt. Nutzt man Wirtschaftsgüter jedoch, um mit ihnen Einnahmen zu generieren, dann verlängert sich die Haltefrist zur steuerfreien Veräußerung auf zehn Jahre. Da jedoch die Stiftung mit den immateriellen Wirtschaftsgütern tatsächlich solche Einnahmen generiert, nämlich über die Lizenzgebühren, muss man zum steuerfreien Verkauf der immateriellen Rechte mindestens zehn Jahre warten. Aber immerhin kann man hierbei steuerfreie Gewinne erzielen.

Dabei ist es doch oft so, dass immaterielle Wirtschaftsgüter kräftig an Wert gewinnen. Wenn die Holding die immateriellen Wirtschaftsgüter selbst erworben hat, dann sind die Anschaffungskosten hierbei zur Berechnung des Gewinns relevant. Hat die Holding diese Rechte selbst hervorgebracht, dann fällt der Gewinn sogar noch größer aus, weil wir ja dann keinen Abzug von Anschaffungskosten bei der Berechnung des Gewinns vornehmen müssen.

4.3. Steuervorteil 3: erneute Abschreibung der immateriellen Wirtschaftsgüter

Natürlich ist die Stiftung beim Verkauf der immateriellen Wirtschaftsgüter frei zu entscheiden, an wen sie sie verkauft. Deshalb kann neben einem Verkauf an Dritte auch ein Verkauf an die Holding in Frage kommen. Das bietet einen weiteren Vorteil. Denn die Holding kann in diesem Fall die Wirtschaftsgüter steuerlich abschreiben. Und das sogar zu einem höheren Wertansatz als bei der Anschaffung oder Entstehung zuvor! Denn im Laufe der Jahre dürften die Werte der immateriellen Wirtschaftsgüter weiter gestiegen sein. Also kann nun die Holding die von der Stiftung erworbenen immateriellen Wirtschaftsgüter zu den neuen Anschaffungskosten abschreiben und auf diese Weise sogar kräftig Steuern sparen.

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5. Fazit zur Kombination Holding mit Stiftung

Das vorgeschlagene Modell, das wir durch Kombination einer Holding mit einer Stiftung gestalten, offeriert gleich drei bedeutende Steuervorteile. Dabei handelt es sich sowohl um Steuervorteile, die jährlich zum Tragen kommen, als auch solche, die erst ab dem zehnten Jahr der Umsetzung entstehen. Das schöne daran ist, dass alle drei Steuervorteile die Eigenschaft haben, dass man sie immer wieder neu ansetzen kann. Dabei haben wir die steuerlichen und anderen Vorteile einer Holding und einer Stiftung sogar unberücksichtigt gelassen. Zum Beispiel kann man hierbei den Aspekt des Vermögensschutzes durch die Holding anführen. Diese Vorteile müsste man dann tatsächlich noch hinzurechnen. Allerdings ist bei Spenden, die eine GmbH an eine mit ihr verbundene Stiftung richtet, Vorsicht angeraten. Denn dabei handelt es sich in der Regel um verdeckte Gewinnausschüttungen.

Wenn also auch Sie sich für eine solche Kombination aus Holding und Stiftung interessieren, dann rufen Sie uns doch einfach an. Wir bewerten und entwickeln gerne auch für Sie ein maßgeschneidertes Gestaltungsmodell, mit dem Sie eine Reihe hochkarätiger Steuervorteile nutzen können.


Steuerberater für Unternehmensteuerrecht

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zum Unternehmensteuerrecht spezialisiert. Bei der Ausarbeitung von Steuergestaltungsmodellen schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

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  1. Strategische Beratung bei Kapitalgesellschaften (Erwerb eigener Anteile, disquotale Gewinnausschüttung)
  2. Entwicklung von Maßnahmen zur Reduktion der Steuerlast (zum Beispiel Rechtsformwahl, Sitzverlegung)
  3. Beratung bei komplexen Unternehmensstrukturen (Holdinggesellschaften, Organschaften)
  4. Gründung von Holdinggesellschaften (Realisierung steuerfreier Veräußerungsgewinne, Dividendenerträge)
  5. Steuervorteile der Immobilien-GmbH, insbesondere in Kombination mit einer Holding

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Wenn Sie eine Holding gründen, dann freuen Sie sich sicher schon auf die erste Gewinnausschüttung, die sie von ihren Tochtergesellschaften erhalten soll. Doch ist hierbei ein wenig Geduld erforderlich. Denn wenn Sie die Gewinnausschüttung an die Holding direkt nach ihrer Gründung vornehmen, dann fällt Gewerbesteuer in voller Höhe an. Wenn Sie aber im Jahr der Gründung der Holding keine Gewinnausschüttung an sie vornehmen, sondern damit auf das darauffolgende Kalenderjahr warten, dann fällt die Gewerbesteuer nur mit etwa 0,75 % an (der genaue Prozentsatz hängt hierbei selbstverständlich vom Hebesatz der hebeberechtigten Gemeinde ab). 

Holding gründen: Gewerbesteuer beachten

In diesem Video erklären wir, wieso sie nach der Gründung Ihrer Holding mit der Gewinnausschüttung warten sollten.

1. Keine Gewinnausschüttung bei Gründung einer Holding – Einleitung

Wer nach einer steuerlichen Optimierung der eigenen Unternehmensstruktur trachtet, kommt nur selten an der Gründung einer Holding vorbei. Schließlich bietet eine Holding eine Vielzahl an Steuervorteilen. Einer der bedeutendsten Steuervorteile ist hierbei das Schachtelprivileg. Denn wenn eine operative Tochtergesellschaft ihre Gewinne versteuert, dann sollte sie die bereits versteuerten Gewinn bitte schön auch steuerfrei auf ihre übergeordnete Muttergesellschaft übertragen dürfen. Daher hat der deutsche Gesetzgeber eine prinzipielle Steuerbefreiung bei der Körperschaftsteuer und der Gewerbesteuer berücksichtigt. Doch gibt es hierzu einige Voraussetzungen zu beachten. Tatsächlich können diese Voraussetzungen aber dazu führen, dass die Holding beim Empfang ihrer ersten Gewinnausschüttung dennoch Steuern zahlen muss.

Aus diesem Grund möchten wir in diesem Beitrag erörtern, wann dies der Fall ist. Schließlich möchte niemand bei der Gründung einer Holding Steuern zahlen, nur weil gleich darauf eine Gewinnausschüttung an sie stattfindet.

2. Keine Gewinnausschüttung bei Holding-Gründung: Rechtsgrundlagen

Einerseits wollen wir bezüglich der Körperschaftsteuer einen kurzen Blick in das Körperschaftsteuergesetz werfen. Denn auf dieser Grundlage stellen wir dann einen Vergleich zum Gewerbesteuergesetz her. Obwohl nämlich das Gewerbesteuergesetz im Hinblick auf die Vermeidung einer Besteuerung bereits versteuerter Gewinne in weiten Teilen dem Körperschaftsteuergesetz folgt, gibt es doch ein paar bemerkenswerte Punkte, die auch wir beachten wollen. Dazu merken wir uns insbesondere § 8b KStG sowie § 9 GewStG.

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3. Grundlagen zur Gewinnausschüttung an eine Holding nach der Gründung

Schauen wir also, warum man im Jahr der Gründung einer Holding keine Gewinnausschüttung an sie vornehmen sollte. Dazu betrachten wir die Besteuerung, die sie träfe, wenn man im Jahr der Gründung dennoch Dividenden an eine Holding ausschütten würde. Dabei gehen wir als erstes auf die Körperschaftsteuer und anschließend auf die Gewerbesteuer ein.

3.1. Körperschaftsteuer der Holding im Jahr ihrer Gründung

Wenn Sie 2022 eine Holding gründen, um sie einer operativen Tochtergesellschaft überzuordnen, dann kann sie die von der Tochtergesellschaft bereits besteuerten Gewinne im Grunde steuerfrei vereinnahmen. Die Einschränkung „im Grunde“ ist hierbei deshalb erforderlich, weil der Gesetzgeber in § 8b Absatz 5 Satz 1 KStG eine pauschale Berücksichtigung von Verwaltungskosten vorsieht. Dabei sind diese angenommenen Kosten von der allgemeinen Steuerbefreiung ausgenommen. Zum Glück unterliegt hierbei aber nur ein sehr geringer Anteil des Gewinns der Körperschaftsteuer, nämlich nur 5 %. Bei einem Steuersatz von 15 %, der bei der Körperschaftsteuer pauschal anfällt, kommen wir auf eine Körperschaftsteuer von gerade einmal 0,75 %.

Wichtig ist hierbei jedoch die Voraussetzung, dass die empfangende Holding mindestens zu 10 % an der Tochtergesellschaft beteiligt ist. Daher wollen wir bei unseren Betrachtungen, warum man keine Gewinnausschüttung an eine Holding im Jahr ihrer Gründung vornehmen sollte, davon ausgehen, dass die Holding sogar zu 100 % an der Tochtergesellschaft teilhat. Somit wäre diese Bedingung zur Steuerbefreiung erfüllt. Andernfalls würden ja 15 % als Körperschaftsteuer bei der Holding anfallen.

Ebenfalls von Bedeutung ist, dass die Regelung zur Besteuerung auch bei einem unterjährigen Zustandekommen einer solchen Unternehmensstruktur aus Holding und Tochtergesellschaft Anwendung findet. Dies ergibt sich aus § 8b Absatz 4 Satz 6 KStG.

Damit stellen wir erstaunt fest, dass die Gewinnausschüttung einer Tochtergesellschaft an ihre Holding im Jahr der Gründung für gewöhnlich keine außergewöhnlichen steuerlichen Konsequenzen bedingt. Daher liefert wohl ein genauerer Blick auf die Regelungen im Gewerbesteuergesetz Aufschluss über des Rätsels Lösung.

3.2. Gewerbesteuer der Holding im Jahr ihrer Gründung

Auch hier gehen wir von einer Gründung der Holding im Jahr 2022 aus. Im selben Jahr soll die Tochtergesellschaft ihre versteuerten Gewinne an die Holding ausschütten. Ein Blick in das Gewerbesteuergesetz klärt uns dabei darüber auf, dass keine Steuer auf die Gewinnausschüttung an die Holding anfällt, wenn die Holding zum Beginn des Kalenderjahres mindestens 15 % der Anteile an der ausschüttenden Tochtergesellschaft hält (§ 9 Nr. 2a GewStG). Damit findet keine Ausnahme bei der Erhebung der Gewerbesteuer statt, wenn eine Gewinnausschüttung im selben Jahr an die Holding erfolgt, in dem ihre Gründung stattfand.

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4. Fazit: Keine Gewinnausschüttung an eine Holding im Jahr ihrer Gründung

Deshalb ist es wichtig, dass man im Jahr der Gründung einer Holding keine Gewinnausschüttung an sie vornimmt. Denn andernfalls unterliegt die Gewinnausschüttung der regulären Besteuerung im Rahmen der Gewerbesteuer. Also wartet man am besten mit der Gewinnausschüttung bis zum nächsten Kalenderjahr, das auf die Gründung der Holding folgt. In unserem Beispiel wäre dies also frühestens Anfang 2023 eine Option. Und wenn Sie dabei mit der Gründung einer doppelstöckigen Holding liebäugeln, dann sollten Sie an besten beide Holdinggesellschaften im selben Jahr gründen.

Ganz am Rande sei nochmals darauf hingewiesen, dass einer Holding nur dann die optimale Steuerbefreiung sowohl bei der Körperschaft- als auch bei der Gewerbesteuer zusteht, wenn sie mindestens 15 % der Anteile an der Tochtergesellschaft hält. Denn andernfalls fällt zumindest die volle Gewerbesteuer bei der Holding an. Doch im Gegensatz zum pauschalen Steuersatz der Körperschaftsteuer (15 %) legen die zur Erhebung der Gewerbesteuer berechtigten Kommunen den Hebesatz für die Gewerbesteuer selber fest. Im bundesweiten Durchschnitt beträgt die Gewerbesteuer aber ebenfalls ungefähr 15 % der Gewinne.

Bleibt noch zu fragen, warum es bei einem ähnlichen Hintergrund und Ansatz bei der Berücksichtigung von bereits versteuerten Gewinnen im Körperschaftsteuerrecht und im Gewerbesteuerrecht derart bedeutende Abweichungen gibt. Und um die Wahrheit zu sagen: wir wundern uns auch, haben also keine logisch erscheinende Erklärung für diese Abweichungen. Aber vielleicht ist dieses Geheimnis auch im Verfahren begründet, mit dem der deutsche Gesetzgeber Steuergesetze erlässt.


Steuerberater für Unternehmensteuerrecht

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  1. Steueroptimierte Besteuerung der GmbH
  2. Steueroptimierung bei Gewinnausschüttungen (Kapitalertragsteuer und Teileinkünfteverfahren)
  3. Strategische Beratung bei Kapitalgesellschaften, insbesondere zu Holdingstrukturen
  4. Entwicklung von Maßnahmen zur Reduktion der Steuerlast (z.B. RechtsformwahlSitzverlegung)
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Wissenschaftliche Ausarbeitung zur Familienholding

Als Lehrbeauftragte für Steuerrecht haben wir aufgrund der Praxisrelevanz dieses Themas zusammen mit Studierenden der FOM Hochschule eine wissenschaftliche Ausarbeitung erstellt. Wegen der hohen Nachfrage stehen Ihnen diese Forschungsergebnisse nachfolgend kostenlos zum Download zur Verfügung:

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Die Zinsschranke nach § 4h EStG ist eine Regelung zur Vermeidung von grenzüberschreitenden Steuergestaltungen aufgrund von Zinszahlungen. Dabei sind insbesondere Zahlungen aus dem Inland an ausländische Gesellschafter hierunter zu fassen. Denn in der Vergangenheit wurde häufiger Zinsaufwand in Länder mit niedrigen Steuersätzen abgeführt. Folglich gilt es bei Zinsaufwendungen über die Landesgrenzen hinweg bestimmte Regeln einzuhalten. 

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die verschiedenen Gestaltungen von Zinsaufwendungen spezialisiert. Dabei arbeiten wir für jeden Mandanten individuelle Gestaltungsmodelle zum Erhalt des Betriebsausgabenabzugs aus.

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Steuervorteil durch internationale Gewinnverlagerung

In diesem Video erklären wir, wie durch Zinszahlungen Steuervorteile entstehen.

1. Einführung der Zinsschranke

Die Zinsschranke wurde 2008 mit der Unternehmenssteuerreform eingeführt. Hierbei sollen Schuldzinsenabzüge bei international tätigen Konzernen begrenzt werden. Denn häufig werden Darlehen von Mutter- zu Tochtergesellschaften und anders herum vergeben, um den Gewinn zu reduzieren. Dies ist durch den Betriebsausgabenabzug von gezahlten Zinsen möglich. Dadurch ließ sich die Steuerlast in Hochsteuerländern reduzieren und in niedrig besteuerte Länder überführen. Solch eine Regelung gibt es heutzutage in vielen Ländern und ist im internationalen Kontext häufig als „interest oder earnings stripping rule“ bekannt. Dabei gilt sie auch seit dem Jahr 2018 durch Einführung des ATAD-Umsetzungsgesetzes in 2016 in der gesamten europäischen Union sowie dem europäischen Wirtschaftsraum verpflichtend.

Da die Einführung in Deutschland aus europarechtlichen Gründen für alle Unternehmen Wirksamkeit aufweist, gilt es auch die besonderen Regelungen für natürliche Personen und Personengesellschaften zu beachten. Dazu wird im Verlauf auch ein Beispiel aufgeführt.

2. Voraussetzungen der Zinsschranke

Die Zinsschranke ist bei Zinsaufwendungen innerhalb von Unternehmensstrukturen anzuwenden. Jedoch lässt sich allgemein sagen, dass jegliche Körperschaften, Personengesellschaften sowie Einzelunternehmer, egal ob bilanzierend oder bei Gewinnermittlung nach der Einnahmenüberschussrechnung unter die Regelung fallen. Nur spielt die Anwendung eher bei größeren Gesellschaften eine Rolle, da die Zinsabzugsgrenze immer noch bei drei Millionen Euro liegt, obwohl teilweise kontrovers eine Reduzierung auf eine Grenze von einer Million Euro diskutiert wird. Diese Veränderung ist allerdings nicht abzusehen und gilt es dennoch weiterzuverfolgen, da ansonsten weitaus mehr Unternehmen unter die Regelung fallen würden.

Dabei gelten nicht nur die üblichen Zinszahlungen zur Regelung der Zinsschranke, sondern auch ein etwaiges Damnum bzw. Disagio, Provisionen sowie Gebühren. Andererseits dürfen Zahlungen für Sachüberlassungen wie Miete oder Leihgebühren nicht bei der Zinsschranke mit einbezogen werden.

3. Anwendung der Zinsschranke

Bevor die Zinsschranke zur Geltung kommt, gilt es genau zu prüfen, ob ein Abzug der Zinsaufwendungen überhaupt begrenzt werden muss oder ob der Abzug gerechtfertigt ist. Dafür gilt es nachfolgende Kriterien zu überprüfen.

3.1. EUR 3 Mio. Nettozinsaufwand als Freigrenze

Zunächst gilt es zu prüfen, ob die gesamten Zinsaufwendungen die Zinserträge übersteigen. Sofern dies der Fall ist kann eine Begrenzung des Abzugs dieser Aufwendungen bei der Gewinnermittlung folgen. Jedoch müssten dafür die gesamten Nettozinsaufwendungen, also die Aufwendungen abzüglich der Erträge, zusätzlich die Grenze nach § 4h Abs. 2 EStG von EUR 3 Mio. übersteigen. Dabei ist besonders der Begriff Freigrenze richtig zu deuten, denn jegliche Beträge werden anders als bei einem Freibetrag schlussendlich berücksichtigt. Bei einem Freibetrag wäre nur der den Freibetrag überschreitenden Wert heranzuziehen.

Die Anwendung der Freigrenze steht jedem Betrieb eines Steuerpflichtigen zu, sollte dieser mehrere davon unterhalten. Ausgeschlossen davon ist die Organschaft, wobei einmalig beim Organträger die Freigrenze geltend gemacht werden kann. Außerdem greift mit der Überschreitung der Grenze noch nicht final die Begrenzung des Abzugs der Zinsaufwendungen, denn weitere Kriterien müssen dafür erfüllt sein.

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3.2. 30 % des steuerlichen EBITDA

Dabei ist der nächste Schritt die Ermittlung des steuerlichen EBITDA. Jedoch gilt es davor zu klären, wodurch sich das EBITDA definiert.

3.2.1. Erklärung EBITDA

Hierbei ist wichtig zu wissen, dass das EBITDA (engl. = earnings before interest, tax, depreciation and amortization) der Betrag ist, der sich aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit einer Gesellschaft ergebende Gewinn ist. Jedoch ohne dabei Zinsen, Steuern, Abschreibungen und sonstigen Finanzierungsaufwendungen zu berücksichtigen. Diese Regelungen zur Zusammensetzung können sich je nach Definition eines Land unterscheiden und gilt es zu beachten, um eine vermeidbare zusätzliche Besteuerung zu vermeiden.

3.2.2. Berechnung des EBITDA

Um das EBITDA im Zuge der Berechnung zur Begrenzung des Abzugs der Zinsaufwendungen zu ermitteln gilt es folgendes Schema zu befolgen:

Steuerliches EBITDA = Steuerpflichtiger Gewinn (vor den Ertragssteuern) + Zinsaufwendungen – Zinserträge + planmäßige Abschreibungen nach § 7 EStG + Aufwendungen für Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG nach § 6 Abs. 2, 2a EStG)

Nun gilt es den Abzug der Zinsaufwendungen auf 30 % diesen Wertes zu begrenzen. Falls dies nicht ausgeschöpft wird, besteht die Möglichkeit durch § 4h Abs. 1 S. 3 EStG ungenutztes, verrechenbares EBITDA in Folgejahre fortzuführen als sogenannter EBITDA-Vortrag.

3.2. Die Stand-alone-Klausel (Konzernklausel)

Die Anwendung der Konzernklausel basiert auf speziellen Kriterien. Denn diese Regel ist eine der gesetzlichen Ausnahmen nach § 4h Abs. 2 S. 1 lit. b EStG von der Zinsschranke. Hierbei darf die Gesellschaft nicht oder nur anteilsmäßig zu einem Konzern gehören. Dazu ist auf die prozentualen Beschränkungen der Zinsaufwendungen an maßgeblich beteiligte Gesellschafter abzustellen. Denn nach § 8a Abs. 2 KStG dürfen, für einen vollständigen Abzug der Zinsaufwendungen, nur 10 % der Zinsen für Verbindlichkeiten an Gesellschaftern mit einer Beteiligung von mehr als 25 % fließen. Andernfalls ist von einer schädlichen Gesellschafterfremdfinanzierung die Rede, wonach die Zinsschranke weiterhin greifen müsste.

Außerdem kann die Gründung einer Organschaft nicht einen Stand Alone Escape von der Zinsschranke zur Folge haben. Da die Gründung einer Organschaft auf im Inland ansässige Gesellschaften beschränkt ist, schließt das den organschaftlichen Zusammenschluss über Landesgrenzen hinweg aus.

3.3. Die Eigenkapitalquote im Konzern (Escape-Klausel)

Nun kann die Eigenkapitalquote der Tochtergesellschaft doch noch einen Abzug der gesamten Zinsaufwendungen zur Folge haben. Jedoch ist dies sozusagen die letzte Möglichkeit einer Beschränkung der Zinsausgaben im Betriebsausgabenabzug zu entkommen. Dabei gilt, sofern mehr als 10 % der Zinsen für Verbindlichkeiten an wesentlich beteiligte Gesellschafter abfließen, dass die Eigenkapitalquote der Tochtergesellschaft maximal 2 % niedriger als die Eigenkapitalquote des Konzerns sein darf. Hierbei ist der Vergleich nach den Internationalen Financial Reporting Standards (IFRS) vorzunehmen. Jedoch muss eine Gesellschaft ihren HGB Abschluss in einem solchen Fall mittels einer Überleitungsrechnung, welche unter bestimmten Voraussetzungen geprüft sein muss, umwandeln.

Demnach folgt eine Begrenzung des Zinsausgabenabzugs auf 30 % des steuerlichen EBITDA, sofern die geforderte Eigenkapitalquote nicht eingehalten wird. Zudem würde als Folge einer Begrenzung der überschüssige Zinsaufwand als sogenannter Zinsvortrag für die darauffolgenden Jahre festgehalten werden.

3.4. Zinsschranke bei Betriebsaufgabe

Im Fall einer Betriebsaufgabe oder bei der Veräußerung des Betriebs sowie beim Ausstieg eines Mitunternehmers (MU) fällt dieser Zinsvortrag aber auch der EBITDA-Vortrag nach § 4h Abs. 5 EStG komplett (anteilig im Fall vom MU) weg. Somit könnte beispielsweise eine Ansammlung an Zinsaufwendungsüberschüssen umgangen werden.

4. Beispiele zur Zinsschranke

4.1. Beispiel 1

Eine natürliche Person P ist zu 100 % an einer GmbH in Deutschland beteiligt. Die GmbH weist vor Berücksichtigung von Zinserträgen und Zinsaufwendungen ein Einkommen von EUR 12.000.000 im Jahresabschluss aus. Zudem gibt P der GmbH ein verzinstes Darlehen in Höhe von EUR 80.000.000 zu einem Zinssatz von 10 %. Des Weiteren liegen keine Verbindlichkeiten vor. Da die GmbH keine Zinserträge vereinnahmt und die Zinszahlungen EUR 8.000.000 betragen, stellt dies den Nettozinsaufwand dar.

Die Freigrenze des § 4h Abs. 2 S. 1 lit. a EStG von drei Millionen ist zwar überschritten, da die GmbH jedoch zu keinem Konzern gehört, bleibt diese deswegen von der Zinsschranke zunächst einmal verschont.
Jedoch bestehen die gesamten Zinsaufwendungen aus Vergütungen, die an einen Gesellschafter fließen, der zu mehr als 25 % an der GmbH beteiligt ist. Deshalb ist in diesem Fall die Regelung zur Zinsschranke dennoch anzuwenden.
Es sind nur EUR 4.000.000 (30 % von EUR 12.000.000) als Zinsaufwand abzugsfähig (Abschreibungen werden hierbei zur Vereinfachung nicht berücksichtigt).
Dabei stellen die restlichen EUR 4.000.000 Zinsaufwand nichtabzugsfähige Betriebsausgaben im Sinne des § 4h Abs. 1 EStG dar.

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Zinsschranke?

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4.2. Beispiel 2

Die deutsche C AG hat zum 01.01.2017 Kredite von Banken in Höhe von EUR 40 Mio., die einer jährlichen Verzinsung von 10 % unterliegen. Des Weiteren hat der zu 60 % beteiligte Anteilseigner E der C AG zum 01.01.2017 ein Darlehen in Höhe von EUR 3,5 Mio. mit jährlicher Verzinsung in Höhe von 10 % und Tilgung zum 31.12.2023 gewährt. Das verrechenbare EBITDA beträgt in 2017 EUR 2 Mio.

Hierbei ist zunächst ein Überschuss der Zinsaufwendungen über die Zinserträge zu prüfen und zu bejahen, da keine andere Angaben gegeben sind. Weiterhin müssen diese Zinsaufwendungen die Freigrenze von EUR 3 Mio. überschreiten. Da für die Bankdarlehen EUR 4 Mio. und für das Gesellschafterdarlehen EUR 350.000 fällig werden ist die Grenze deutlich überschritten. Zudem ist der Zinsaufwand auch EUR 2,35 Mio. höher als das verrechenbare EBITDA (=30 % des steuerlichen EBITDA) und somit vorläufig nicht vollständig abziehbar. Da auch keine Konzernzugehörigkeit angenommen werden kann greift hier § 4h Abs. 2 S. 1 lit. b EStG noch nicht und die Zinsschranke greift erst einmal noch nicht.

Dennoch gilt es noch § 8a Abs. 2 KStG auf eine schädliche Gesellschafterfremdfinanzierung zu prüfen. Hierbei gilt, dass nicht mehr als 10 % der Fremdkapitalaufwendungen an einen Gesellschafter mit mehr als 25 % der Anteile fließen dürfen. In diesem Fall wäre der Gesellschafter mit 60 % der Anteile deutlich über der Grenze von 25 %, jedoch fließen an ihn nur knapp 8 % der gesamten Zinsaufwendungen. Somit greift keine Zinsabzugsbeschränkung in diesem Jahr.

5. Fazit zur Zinsschranke nach § 4h EStG

Abschließend lässt sich ausdrücken, dass kleinere und die meisten mittleren Unternehmen nicht von der Zinsschranke betroffen sind. Jedoch gilt es bei der Abschöpfung von Gewinnen durch vergebene Darlehen, bei welchen Zinszahlungen anfallen, unbedingt auch länderübergreifend auf die Regelung der Zinsschranke zu achten. Andernfalls ist mit hohen Hinzurechnungen zur Steuerbemessungsgrundlage zu rechnen, wobei dies unbedingt vermieden werden sollte. Dabei gilt, dass die Zinsschranke eingeführt wurde, um hauptsächlich internationale Steuervermeidungsstrategien zu unterbinden. Des Weiteren fallen die Lizenzschranke, die Wegzugsteuer sowie die Hinzurechnungsbesteuerung unter das ATAD-Umsetzungsgesetz der EU, welchem auch die Zinsschranke angehört. Schlussendlich gilt es als Unternehmer bei all den zuvor aufgezählten Regelungen, um möglichst frühzeitige Klärung der Tatbestände und Kenntnis der etwaigen darauffolgenden Steuerpflichten. Hierzu können Sie uns gerne kontaktieren. Außerdem helfen wir im Rahmen unseres Optimierungsprogramm Steuergestaltung 12.0 bei Fragestellungen zum Thema Gewinnverlagerung.


Steuerberater für internationales Steuerrecht

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zu grenzüberschreitenden Sachverhalten spezialisiert. Beim internationalen Steuerrecht schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

GmbH

  1. Allgemeine Beratung zu GmbH-Besteuerung (Gründung, Vermeidung von Betriebsaufspaltungen, Steuerreduktion bei Gewinnausschüttungen, Nutzung von Verlustvorträgen)
  2. Steueroptimierte Besteuerung der GmbH
  3. Steueroptimierung bei Gewinnausschüttungen (Kapitalertragsteuer und Teileinkünfteverfahren)
  4. Vermeidung von Betriebsaufspaltungen
  5. Strategische Beratung bei Kapitalgesellschaften (Erwerb eigener Anteile, disquotale Gewinnausschüttung, Organschaft, Holdingstrukturen etc.)

Internationales Steuerrecht

  1. Internationale Steuergestaltung (Patent- & Lizenzgesellschaft im Ausland)
  2. Beratung zur Lizenzschranke nach § 4j EStG

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

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Lehrauftrag für Internationales Steuerrecht

Unsere besonderen Expertisen für internationale Steuersachverhalte werden auch durch die FOM Hochschule bestätigt. Steuerberater Christoph Juhn wurde dort zum Lehrbeauftragten für Steuerrecht berufen und lehrt seit dem Wintersemester 2013 die Veranstaltung „Internationales Steuerrecht“. Das vorlesungsbegleitende Skript stellen wir Ihnen hier gerne vorab als Information zum kostenlosen Download zur Verfügung:

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Eine Holding sieht man am besten als eine Spardose an, das Unternehmensgewinne verwahrt. Denn wenn ein Großteil der Gewinne in einer GmbH verbleibt, um die persönliche Einkommensteuer der Gesellschafter zu optimieren, dann steht dem Unternehmen ein wachsendes Vermögen zur Verfügung. Sollte dann ein Haftungsfall eintreten, dann haftet die GmbH mit ihrem gesamten Vermögen. Somit besteht das Risiko, dass der angesparte Gewinn untergeht. Also nimmt die Holding den Gewinn aus dem Haftungsmantel der Tochtergesellschaft, um die beschränkte Haftung der GmbH auch praktisch zu bewahren. Wann eine Holding sinnvoll ist, hängt somit von der Höhe der jährlichen Gewinne der GmbH ab. Außerdem eignet sich eine Holding auch, um beim Verkauf der Tochter-GmbH Steuern zu sparen. Allerdings muss man dabei auch die Kosten berücksichtigen, um zu verstehen, wann eine Holding wirklich sinnvoll ist.

Unser Video:
Geschäftsführergehalt

In diesem Video erklären wir, wie hoch Sie das Geschäftsführergehalt optimal ansetzen, um die Steuerbelastung deutlich zu reduzieren.

1. Mandanten fragen: Wann ist eine Holding sinnvoll?

Unsere Beiträge zu Holdingstrukturen sind bei unseren Lesern sowie den Nutzern unserer anderen Medien sehr beliebt. Schließlich bieten Holdinggesellschaften in vielerlei Hinsicht Vorteile. Allerdings steht dabei oft auch die Frage im Raum, ab wann eine Holding sinnvoll ist.

Tatsächlich ist eine Holding ein außergewöhnliches Konstrukt. Denn eine Holding ist ein Unternehmen, das meist kein operatives Geschäft betreibt, sondern vielmehr Beteiligungen an Tochterunternehmen hält. Dabei finden insbesondere Unternehmensstrukturen Anwendung, die die Rechtsform der GmbH nutzen. Zwar gibt es auch Gestaltungen, bei denen eine Personengesellschaft, etwa eine GmbH & Co. KG, sinnvoller erscheint, doch steht die GmbH im Zusammenhang mit Holdinggesellschaften stets im Vordergrund.

Verbunden mit der Frage, wann eine Holding sinnvoll ist, geht auch eine weitere einher. Denn der Nutzen, den eine Holding bietet, hat auch ihren Preis. So sollte man bedenken, dass die Holding als eigenständiges Unternehmen ebenfalls entweder direkt oder indirekt einer jährlich wiederkehrenden steuerlichen Veranlagung unterliegt. Da wir aber meistens mit einer GmbH als Holding zu tun haben, fällt auch für sie eine Besteuerung per Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer an. Um die entsprechenden handelsrechtlichen und steuerrechtlichen Bilanzen zu erstellen, fallen natürlich ebenfalls Kosten an. Weil dabei die sogenannten Gegenstandswerte auf die Höhe der Kosten einwirken, steigen diese mit dem Wert der Holding.

2. Wann ist eine Holding sinnvoll – Gründe und Vorteile

Bevor wir aber über die Kosten im Zusammenhang mit einer Holding sprechen, wollen wir Argumente liefern, die zeigen, wann eine Holding sinnvoll ist. Dazu wollen wir zunächst mit einer Betrachtung der idealen Holdingstruktur als Ausgangslage für unsere Ausführungen einleiten.

2.1. Aufbau der Holdingstruktur

Die Idealvorstellung einer Holdingstruktur sieht eine Tochtergesellschaft und eine Muttergesellschaft vor. Weiterhin liegen beide in der Rechtsform der GmbH vor. Außerdem soll die Tochtergesellschaft einen erfolgreichen Betrieb führen, der jährlich hohe Gewinne erwirtschaftet. Die Muttergesellschaft hingegen hält lediglich die Beteiligung an der Tochtergesellschaft. Sie hat keinen eigenen Geschäftsbetrieb.

Bevor wir nun den Vorteil der Holding erklären, und dabei aufdecken, wann sie sinnvoll ist, schauen wir noch wie es einer GmbH ohne Holdingstruktur ergehen könnte.

2.2. Risiken durch Gewinnvortrag in der GmbH

Es liegt in der Natur der GmbH, dass sie hinsichtlich ihrer Haftung nur mit ihrem eigenen Vermögen geradesteht. Ihre Gesellschafter genießen somit den Schutz ihres Privatvermögens. Wenn eine GmbH jedoch so hohe Gewinne erwirtschaftet, dass die Ausschüttung an die Gesellschafter zu einer hohen Steuerlast führen würde und auch die Gewährung eines maximal vorteilhaften Geschäftsführergehalts hierbei kaum Linderung verschafft, dann wählen die Gesellschafter per Gesellschafterbeschluss meistens die Option, den Gewinn in der GmbH zu belassen. Sie tragen ihn also vor. Auf diese Weise wächst das Vermögen der GmbH von Jahr zu Jahr an. Wenn nun jedoch ein Haftungsfall eintritt, dann haftet die GmbH mit auch mit diesem erheblich angewachsenen Vermögen, der im Gewinnvortrag enthalten ist. Somit findet indirekt dann doch wieder eine Haftung der Gesellschafter statt. Schließlich ist es ja ihr bisher vorgetragener Gewinn aus den Vorjahren, der nun im Haftungsfall untergeht.

2.3. Wann ist eine Holding sinnvoll? Als Spardose!

Nun kommen wir zum wesentlichen Vorteil der Holding. Denn die erfolgreich wirtschaftende operative GmbH kann nun den Gewinn abführen. Allerdings schüttet sie ihn statt an die natürlichen Personen, die im Normalfall ihre Gesellschafter wären, an eine Holding-GmbH aus. Also fungiert die Muttergesellschaft als Zwischenspeicher für den von der operativen Tochter-GmbH erwirtschaften Gewinn. Daher nennt man sie auch oftmals salopp eine Spardose.

Somit sind die Gesellschafter der Holdinggesellschaft in der Lage, die Höhe der Gewinnausschüttung so zu optimieren, dass sie nur geringe Steuern zahlen brauchen. Dazu nutzen sie die Möglichkeit, sich über ein Geschäftsführergehalt einen Teil des Gewinns steueroptimiert von der Holding auszuzahlen.

2.4. Wann ist eine Holding sinnvoll? Beim Unternehmensverkauf

Einen weiteren Vorteil der Holding erkennt man, wenn man die operative GmbH verkaufen möchte. Denn dann fallen natürlich Steuern auf den Gewinn an. Im Gegensatz zur Besteuerung dieses Gewinns durch eine natürliche Person als Gesellschafter, fällt die Steuer bei einer Holding sehr vorteilhaft aus. Denn nur 1,5 % des Gewinns fallen hierbei als Kapitalertragsteuer an.

2.5. Wann ist eine Holding sinnvoll? Bei der Vermietung von Betriebsimmobilien

Abschließend noch ein anderes Beispiel zur Frage, wann eine Holding sinnvoll ist. Wenn nämlich die Tochtergesellschaft vorhat, in eine eigene Immobilie zu ziehen, dann kann sie diese entweder selber erwerben oder mieten. Kauft sie die Immobilie selbst, dann hat sie neben den Betriebskosten allenfalls die Möglichkeit die Abschreibung auf die Anschaffungskosten steuerlich als Betriebsausgaben abzusetzen. Mietet sie die Immobilie jedoch von der Holding, dann hat die Holding die Möglichkeit die Betriebskosten und die Abschreibung als Betriebsaufwand den Miteinnahmen gegenüberzustellen. Die Tochtergesellschaft kann die Miete jedoch in voller Höhe als Betriebsausgaben abziehen. Somit minimiert sie ihren steuerpflichtigen Gewinn.

Fragen zur Betrachtung, wann eine Holding sinnvoll ist?

Unsere Kanzlei hat sich hierauf besonders spezialisiert. Vereinbaren Sie jetzt Ihren Beratungstermin mit unseren Steuerberatern und Rechtsanwälten:

3. Kosten für eine Holdingstruktur

Da eine Holding am ehesten sinnvoll ist, wenn sie als Spardose dient, kann man daraus schließen, dass die darin angesparten Gewinne auch auf Ebene der Holding der Besteuerung unterliegen. Wie wir bereits zeigten, fällt diese Steuer besonders günstig aus. Allerdings bedeutet die Verpflichtung zur Besteuerung auch, dass dabei Verwaltungskosten bei der Erstellung der erforderlichen Steuererklärungen entstehen.

Da man hierbei nach den Gegenstandswerten abrechnet, fallen die Kosten hierzu etwas höher aus. Dabei sollte man mit mindestens EUR 1.000 im Jahr rechnen, wobei auch noch weitere Verwaltungskosten und Mitgliedsbeiträge, zum Beispiel bei der IHK, hinzukommen können. Bei einer Holding mit einem Vermögen von mehreren Millionen Euro kann daraus aber auch ein Betrag in der Größenordnung von EUR 10.000 bis EUR 15.000 pro Jahr entstehen.

Jedoch sollte man die Mehrkosten durchaus als lohnend ansehen. Schließlich dient die Holding ja dem Vermögensschutz. Deshalb ist die Höhe der Kosten, die im Zusammenhang mit der Besteuerung der Holding entstehen, nur ein relativ geringer Anteil dessen, was man ganz zu verlieren riskiert, wenn man Schadensersatzforderungen in einem Haftungsfall zu tragen hat.

4. Wann ist eine Holding sinnvoll – Fazit

Zum Schluss ziehen wir Bilanz, indem wir über die Frage entscheiden, wann eine Holding sinnvoll ist. Tatsächlich ist die Holdingstruktur nur dann zu empfehlen, wenn ein Unternehmen eine Größenordnung erreicht, wo die Gewinne so hoch sind, dass sie weder steuerlich sinnvoll an die Gesellschafter fließen noch im Unternehmen verbleiben können. Zwar ist die Thesaurierung für zukünftige Anschaffungen oder andere Pläne durchaus sinnvoll, doch können auch andere Wege hierbei zur Finanzierung dienen. Außerdem sollte die Vermögenslage groß genug sein, dass sie die mit einer Holding verbundenen Kosten rechtfertigt.


Steuerberater für die Besteuerung von Kapitalgesellschaften

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zur Besteuerung von Kapitalgesellschaften spezialisiert. Bei der Beratung zur Gründung von Holdingstrukturen schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

GmbH

  1. Allgemeine Beratung zu GmbH-Besteuerung (Gründung, Vermeidung von Betriebsaufspaltungen, Steuerreduktion bei Gewinnausschüttungen, Nutzung von Verlustvorträgen)
  2. Individueller Rechtsformvergleich zwischen GmbH und GmbH & Co. KG
  3. Steueroptimierte Besteuerung der GmbH
  4. Steueroptimierung bei Gewinnausschüttungen (Kapitalertragsteuer und Teileinkünfteverfahren)
  5. Steuervorteile der Immobilien-GmbH
  6. Strategische Beratung bei Kapitalgesellschaften (Erwerb eigener Anteile, disquotale Gewinnausschüttung, Organschaft, Holdingstrukturen etc.)

Umwandlungen

  1. Beratung zu sämtlichen Umwandlungsvorgängen (Einbringung, Verschmelzung, Formwechsel, Anteilstausch)

Holdinggesellschaften

  1. Gründung von Holdinggesellschaften (Realisierung steuerfreier Veräußerungsgewinne, Dividendenerträge)
  2. Entwicklung individueller Gestaltungsmodelle im internationalen Steuerrecht, beim Unternehmenskauf/-verkauf und bei Umstrukturierungen)
  3. Beratung bei komplexen Unternehmensstrukturen (Holdinggesellschaften, Organschaften)
  4. Rechtsberatung durch unsere Rechtsanwälte (insbesondere im Gesellschaftsrecht und Vertragsrecht)

Digitale Buchhaltung

  1. Langfristige Betreuung unserer Mandanten (Finanzbuchhaltung, Lohnbuchhaltung, Jahresabschlüsse, Steuererklärungen)
  2. Einrichtung und Betreuung der digitalen Finanzbuchhaltung per DATEV Unternehmen Online

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

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Fachreferent beim Steuerberaterverband für die Besteuerung von Kapitalgesellschaften

Seit 2014 sind die Partner unserer Kanzlei regelmäßige Fachreferenten des Steuerberaterverbands Köln. Dabei besuchen circa 1.500 Steuerberater pro Jahr unsere Seminare. Wegen der hohen Nachfrage stellen wir Ihnen unsere Präsentation zur Familienholding gerne kostenlos zum Download zur Verfügung:

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Eine Holding-Gesellschaft ist ein Unternehmen, welches Anteile an einem oder mehreren anderen Unternehmen hält. Dabei wird die Holding auch als Muttergesellschaft bezeichnet. Weiterhin ist eine solche Konstruktion für die Muttergesellschaft vorteilhaft. Denn ihre Steuerbelastung wird dadurch im Vergleich zu einer einzelnen Gesellschaft deutlich vermindert. Jedoch können unerwünschte Steuerbelastungen bei der Gründung einer Holding auftreten. Deshalb beraten wir entsprechend hin zu einer steuersparenden Gründung.

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die verschiedenen Möglichkeiten zur Nutzung und Gründung von Holding-Strukturen spezialisiert. Dabei arbeiten wir für jeden Mandanten individuelle Gestaltungsmodelle aus. Aufgrund der aktuellen Relevanz haben wir mehrere Beiträge zu diesem Thema publiziert:

Datum

Thema

16. März 2021

Gründung einer Holding: Von welchen Vorteilen profitieren Sie? (dieser Beitrag)
25. Januar 2021 Internationale dreifach Holding
01. Januar 2021 7 Jahre Sperrfrist bei Einbringung und Anteilstausch bei einer Holding
18. September 2020 GmbH-Erwerb durch eine Holding mit Vorteil bei der Darlehenstilgung
17. Juni 2020 Steuerfreie Gewinnausschüttung an eine Holding mit Sitz im Ausland
13. März 2019 Holdinggesellschaft einfach erklärt: Definition / Vorteile / Beispiele / gründen

Unser Video:
Steuerfrei einbringen?

In diesem Video erklären wir, wie Sie Ihre GmbH steuerneutral in eine Holdingstruktur überführen können, wenn Sie weniger als 51 % der Anteile halten.

1. Was ist eine Holding?

1.1. Gründung einer Holding-Gesellschaft – Einführung

Eine Holding-Gesellschaft (umgangssprachlich Holding) ist ein Unternehmen, welches Anteile an einem oder mehreren anderen Unternehmen hält. Dabei wird die Holding-Gesellschaft auch als Muttergesellschaft bezeichnet. Durch die Gründung einer Holding-Struktur entfällt auf die Muttergesellschaft eine deutlich verminderte Steuerbelastung. Dabei sind Dividenden von der Tochtergesellschaft an die Muttergesellschaft zu 95 % steuerfrei. Somit sind nur 5 % der Dividende mit Körperschafts- und Gewerbesteuer belastet. Schlussendlich beträgt die effektive Steuerbelastung demnach 1,5 %. Die Gewinne einer alleinstehenden Gesellschaft werden hingegen mit etwa 30 % belastet. Die Gründung einer Holding ist zudem für den späteren Verkauf der Anteile an der Tochter interessant. Hierbei gelten ebenso 95 % der Erlöse als steuerfrei.

1.2. Verschiedene Formen einer Holding

Das Spezielle an einer Holding ist, dass die Muttergesellschaft selbst kein operatives Unternehmen sein muss. Somit muss bei der Muttergesellschaft kein operativer Unternehmenszweck ersichtlich sein. Stattdessen hält diese ausschließlich die Anteile am Tochterunternehmen. Hierbei schüttet das Tochterunternehmen Gewinne an die Muttergesellschaft aus.

Die Holding kann jedoch auch operativ am Markt tätig sein und wird dabei durch ein oder mehrere Tochterunternehmen erweitert. Das entspricht dem Grundsatz nach einem Konzern. In diesem Fall wäre das jedoch eine separate Rechtsform. Zudem haftet der Konzern, anders als die Holding, als zusammenhängende Einheit für alle seine verbundenen Tochtergesellschaften.

2. Gründung einer Holding: Allgemeines

2.1. Verschiedene Möglichkeiten der Gründung einer Holding

Weiterhin kann durch drei Varianten ein Holding-Konstrukt entstehen. Erstens durch Gründung zweier Unternehmen, welche folglich als Mutter und Tochter fungieren. Außerdem besteht die Möglichkeit aus zwei oder mehreren bestehenden Unternehmen eine Holding zu bilden. Zuletzt kann eine Holding gegründet und ein bereits bestehendes Unternehmen hier einbezogen werden. Diese nachträgliche Gründung einer Holding zieht eine siebenjährige Sperrfrist nach sich. Hierbei kommt es zur Besteuerung der Anteile an der Holding, sofern diese vor Ablauf der Frist verkauft werden. Tatsächlich sollte man dies grundsätzlich vermeiden. Zudem kann bei mehreren Gesellschaftern einer Kapitalgesellschaft die Einbringung dieses Anteils in eine Holding steuerpflichtig sein. Allerdings kann man eine steuerneutrale Einbringung durch verschiedene Gestaltungsaspekte erreichen.

Unerheblich für die Gründung einer Holding ist die Rechtsform der jeweiligen Gesellschaften. Jedoch kann der Steuervorteil für Dividenden ausschließlich bei zwei überlagerten Kapitalgesellschaften genutzt werden. Um bei der Auszahlung an den beziehungsweise die Gesellschafter eine möglichst niedrige Steuerbelastung zu erreichen, ist oftmals auch eine doppelstöckige Holding von Vorteil. Die beste Vorgehensweise zur Gründung einer Holding ist anhand der individuellen Voraussetzungen zu entscheiden.

2.2. Voraussetzungen einer steuersparenden Holding

Dabei muss die Muttergesellschaft mit mindestens 10 % an der Tochtergesellschaft beteiligt sein. Somit werden nur 5 % der Ausschüttungen an die Muttergesellschaft der Körperschaftssteuer unterworfen, die Gewerbesteuerbelastung wird jedoch nicht reduziert. Um dies zu gewährleisten müsste eine Beteiligung von mindestens 15 % an der Tochtergesellschaft vorliegen.

Unter einer Beteiligung von 10 % kann gemäß § 8b Absatz 4 Satz 1 KStG die Steuerersparnis bei Dividenden nicht genutzt werden und das Konstrukt der Holding wäre dadurch nicht mehr zielführend.

2.3. Kosten bei Gründung einer Holding

Bei einer Holdingstruktur entstehen einmalige und laufende Kosten, welche es zu beachten gilt. Einmaliger Aufwand entsteht für die Eintragung der Gesellschaften ins Handelsregister,  und durch das einzulegende Kapital. Fortlaufende Kosten entstehen zudem durch die Anfertigung mehrerer Finanzbuchhaltungen und Jahresabschlüsse. Für jede Gesellschaft innerhalb der Holding werden außerdem separate Verträge benötigt. Hierbei ist die genaue Höhe der Kosten individuell zu ermitteln.

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Gründung einer Holding?

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3. Gründung einer Holding: Vorteile

Nun noch einmal die wesentlichen Vorteile einer Holding auf einen Blick:

4. Gründung einer Holding: Nachteile

Inzwischen ist es durch die Rechtsform der UG (haftungsbeschränkt) auch für kleine und mittlere Unternehmer interessant eine Holding zu gründen, weil man hierbei weniger Stammkapital als bei einer GmbH benötigt. Dennoch erhöht die Verzweigung und Verschachtelung mehrerer Unternehmen den damit einhergehenden Verwaltungsaufwand. Deshalb betrachten wir nun zusätzlich einige Nachteile:

5. Fazit zur Gründung einer Holding

Abschließend gilt es festzuhalten, dass eine Holding wertvolle steuerliche Vorteile bietet. Dennoch gilt es bei der Gründung die oben angesprochenen Gestaltungsmerkmale zu beachten. Insbesondere die Höhe der Anteile an untergeordneten Gesellschaften muss angemessen sein. Weiterhin ist bei der Einbringung bereits bestehender Gesellschaften in eine Holding das Umwandlungssteuergesetz zu beachten. Ansonsten kommt es zu ungewollten Besteuerungen. Schlussendlich ist im Einzelfall zu entscheiden, inwiefern die Steuerersparnisse die aufkommenden Kosten übersteigen. Dabei sind wir Ihnen sehr gerne behilflich.


Steuerberater für Unternehmenssteuerrecht

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung von Unternehmen spezialisiert. Bei der Gründung von Holdinggesellschaften schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

  1. Allgemeine Beratung zu GmbH-Besteuerung (Gründung, Vermeidung von Betriebsaufspaltungen, Steuerreduktion bei Gewinnausschüttungen, Nutzung von Verlustvorträgen)
  2. Strategische Beratung bei Kapitalgesellschaften (Erwerb eigener Anteile, disquotale Gewinnausschüttung, Organschaft, Holdingstrukturen etc.)
  3. Gründung von Holdinggesellschaften (Realisierung steuerfreier Veräußerungsgewinne, Dividendenerträge)
  4. Beratung zu sämtlichen Umwandlungsvorgängen (Einbringung, Verschmelzung, Formwechsel, Anteilstausch)
  5. Beratung beim Unternehmenskauf (Verkauf GmbH, Verkauf GmbH & Co. KG, Nutzung von Verlustvorträgen)

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

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Lehrauftrag für Steuerrecht

Unsere besonderen Expertisen für Unternehmenssteuerrecht werden auch durch die FOM Hochschule bestätigt. Steuerberater Christoph Juhn wurde dort zum Lehrbeauftragten für Steuerrecht berufen und lehrt seit dem Wintersemester 2013 die Veranstaltung „Steuergestaltung im Unternehmensteuerrecht“. Das vorlesungsbegleitende Skript stellen wir Ihnen hier gerne vorab als Information zum kostenlosen Download zur Verfügung:

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Grundlagen Unternehmenssteuerrecht – Christoph Juhn