Die Geschichte der Vermögensteuer in Deutschland ist von einem Gegensatz geprägt. In der Anfangszeit der Bundesrepublik blieb die Vermögensteuer über viele Jahre hinweg unverändert. Erst 1974 kam es zu einer ersten Neuauflage. Reformen und Anpassungen nahmen ab da stetig zu. Doch seit 1997 ist die Vermögensteuer in Deutschland ausgesetzt, was eine einschneidende Zäsur in ihrer Geschichte darstellt. Grund hierfür war ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG). Dort stellte man fest, dass die Erhebung der Vermögensteuer mit dem Grundgesetz unvereinbar ist. Aber anstatt das Vermögensteuergesetz und das Bewertungsgesetz innerhalb der vom Gericht bis Ende 1996 gegebenen Frist zu korrigieren unterließ die damalige Bundesregierung jeglichen ernsthaften Versuch. Darum zahlt man seitdem keine Vermögensteuer mehr in Deutschland.

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Unser Video: Wie Vermögen bis 1997 besteuert wurde

In diesem Video erklären wir, wie man bis 1997 in Deutschland Vermögensteuer zu zahlen hatte und wie sie berechnet wurde.

Inhaltsverzeichnis


1. Geschichte der Vermögensteuer in Deutschland – Einleitung

Bei der letzten Bundestagswahl 2021 zum 20. Bundestag war ein Thema in Wahlprogrammen verschiedener Parteien besonders relevant: die Vermögensteuer. Dabei zahlt doch heutzutage kein Mensch mehr in Deutschland Vermögensteuer. Aber ja, irgendwann einmal muss sie existiert haben. Doch wann genau hatte man sie abgeschafft? Und was war der Grund dafür?

All dies und noch viele weitere sind wohl Gedankenfetzen, die einem in den Sinn kommen, wenn man über die Vermögensteuer nachzudenken beginnt. Wer aber ernsthaft Antworten darauf sucht, sollte sich die ganze Geschichte der Vermögensteuer in Deutschland ansehen. Oder auch schildern lassen. Dazu nehmen wir Sie nun gerne mit und blicken mit Ihnen gemeinsam auf eine Zeit, in der die Vermögensteuer eine in Deutschland allgemein anerkannte Steuer war, ein Status, den sie aber nach langer Zeit schließlich einbüßen musste.

2. Geschichte der Vermögensteuer in Deutschland: die Anfänge

Die Vermögensteuer betritt erstmals 1895 die Bühne des deutschen Steuerrechts. Damals führte Preußen das sogenannte Ergänzungssteuergesetz ein. Und schon in den Jahren 1913 und 1918 forderte Vater Staat zur Stärkung der Wehrkraft eine zusätzliche, einmalige Vermögensabgabe – und zwar in ganz Deutschland.

Nach dem ersten Weltkrieg war der Bedarf an finanziellen Mitteln von Seite der jungen Republik so groß, dass man wiederum eine einmalige Vermögensabgabe erhob – diesmal als sogenanntes Reichsnotopfer. Doch schon 1922 führte man eine allgemeine Vermögensteuer nach preußischem Vorbild in ganz Deutschland ein. Mit verschiedenen zwischenzeitlichen Anpassungen blieb das entsprechende Gesetz bis 1952 in Kraft.

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3. Geschichte der Vermögensteuer: die neue Vermögensteuer 1952

Die noch junge Bundesrepublik entschied sich 1952 dazu, die Vermögensteuer und das Bewertungsgesetz zu reformieren. Dazu verabschiedete man ein neues Vermögensteuergesetz (VStG). Damit beginnt die Geschichte der Vermögensteuer in Deutschland in der Nachkriegszeit.

Schon damals unterschied man eine unbeschränkte von einer beschränkten Steuerpflicht, wobei auch hier, wie allgemein in Deutschland, das Welteinkommensprinzip Anwendung fand (auch wenn bestehendes Vermögen statt Einkommen besteuert wurde). Zum steuerpflichtigen Vermögen rechnete man damals unter anderem das Gesamtvermögen natürlicher Personen (bei beschränkter Steuerpflicht nur das Inlandsvermögen) sowie das Vermögen von Kapitalgesellschaften. Hierbei differenzierte man unter anderem zwischen Aktiengesellschaft (AG) und GmbH. Generell galt für Kapitalgesellschaften ein steuerpflichtiges Mindestvermögen. So legte man bei einer AG ein Mindestvermögen von DM 50.000 zugrunde. Bei einer GmbH war dies ein Mindestvermögen von DM 20.000 (mit Ausnahmen). Alle anderen Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmassen waren statt dessen bereits ab einem tatsächlichen Gesamtvermögen von DM 10.000 Ziel der Vermögensteuer (Freigrenze). Befreiungen gab es hingegen unter anderem für landwirtschaftliche Genossenschaften, gemeinnützige Unternehmen, bestimmte Banken und Parteien.

Allgemein anzuwenden war ein Steuersatz von 0,75 %. Als Bemessungsgrundlage setzte man das auf volle DM 1.000 gekürzte steuerpflichtige Vermögen an. Ehepaare oder ein Haushaltsvorstand, in dessen Haushalt unbeschränkt steuerpflichtige Kinder unter 18 lebten, wurden im Rahmen der vorteilhafteren Zusammenveranlagung besteuert. Weiterhin waren diverse Freibeträge verfügbar: DM 10.000 für natürliche Personen, weitere DM 10.000 für unbeschränkt steuerpflichtige Ehepartner (sofern dauerhaft zusammenlebend), DM 5.000 für jedes Kind unter 18 Jahren. Außerdem wurden zusätzliche DM 10.000 als Freibetrag gewährt, wenn Steuerpflichtige über 60 Jahre alt waren beziehungsweise wenn sie für mindestens drei Jahren erwerbsunfähig waren und das letzte Jahreseinkommen maximal DM 3.000 betrug, dies aber jeweils nur, sofern das Gesamtvermögen höchstens DM 100.000 erreichte.

4. Reform der Vermögensteuer 1974

Nach mehr als 20 Jahren sah der Gesetzgeber Bedarf zur Überarbeitung des Vermögensteuergesetzes. Im Großen und Ganzen behielt man jedoch die bisherigen Regelungen bei. Die wichtigsten Änderungen betrafen die Freibeträge für natürliche Personen und eine Absenkung des Steuersatzes. Natürliche Personen konnten nun einen Freibetrag von DM 70.000 in Anspruch nehmen, der sich bei Zusammenveranlagung verdoppelte. Schloss ein Haushalt auch minderjährige Kinder ein, kamen je Kind weitere DM 70.000 hinzu. Auch Personen über 60 beziehungsweise solche, die mindestens für drei Jahre als erwerbsunfähig galten und deren Gesamtvermögen nun maximal DM 150.000 betrug (bei Zusammenveranlagung der doppelte Betrag), profitierten von der Vermögensteuerreform. Nun senkte man auch den Steuersatz auf 0,7 %. Dieser konnte unter bestimmten Voraussetzungen nach den Regelungen des § 31 Lastenausgleichsgesetz bis Ende 1978 sogar auf 0,55 % gemindert werden.

Am wichtigsten war aber wohl, dass nun die Mindestbesteuerung von Kapitalgesellschaften entfiel. Allerdings blieb es auch hier bei einer Freigrenze von DM 10.000, die zuvor schon für andere Körperschaften galt.

Im Übrigen ergänzte der Gesetzgeber die Liste der Steuerbefreiungen. Hinzu kam etwa die Deutsche Bahn und die Bundespost. Ergänzungen dieser Art sollten nun regelmäßig bei Änderungen am Vermögensteuergesetz erfolgen.

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5. Geschichte der Vermögensteuer: Änderungen ab 1978

1978 kam es erneut zu Anpassungen in Bezug auf die Vermögensteuer. So senkte der Gesetzgeber den Steuersatz. Allerdings kam es nun zu einer Differenzierung zwischen natürlichen und juristischen Personen. Während Körperschaften weiterhin mit einem Steuersatz von 0,7 % rechnen mussten, durften sich natürliche Personen über eine Minderung auf 0,5 % freuen.

6. Weitere Anpassungen zur Vermögensteuer 1980

Zwei Jahre später hob der Gesetzgeber die Freigrenze zur Vermögensteuer bei Körperschaften auf DM 20.000 an. Ausgenommen blieben hiervon weiterhin Kapitalgesellschaften (AG, GmbH). Neu war auch die Einführung einer Untergrenze zur Festsetzung der Vermögensteuer. Erst wenn die Vermögensteuer mindestens DM 50 betrug, sollten die Finanzämter sie kassieren dürfen.

7. Erleichterungen zur Vermögensteuer ab 1984

1978 gestand der Gesetzgeber natürlichen Personen eine Minderung des Steuersatzes zu. Sechs Jahre später durften sich auch Körperschaften über eine Reduzierung freuen. Allerdings nur um 0,1 Prozentpunkt auf 0,6 %. Natürliche Personen konnten ihre Vermögenswerte hingegen weiterhin mit 0,5 % versteuern.

Eine weitere Neuerung im Jahr 1984 war eine Sonderregelung in Bezug auf beschränkt Steuerpflichtige. Wenn es aus volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten zweckmäßig erschien, konnte entweder eine pauschale Besteuerung erfolgen oder die Vermögensteuer sogar gänzlich erlassen werden. Gleiches galt, wenn die Ermittlung der Vermögensteuer besonders schwierig erschien. Hier erhielten die Finanzbehörden also einen deutlichen Ermessensspielraum.

8. Geschichte der Vermögensteuer: Neufassung des VStG 1985

Nur ein Jahr später erfolgte eine Neufassung des VStG. Allerdings gab es kaum nennenswerte Änderungen zur bisherigen Gesetzesfassung. Die wichtigste Änderung war eine Regelung, die den zusätzlichen altersbedingten Freibetrag von DM 10.000 auf DM 50.000 anhob, wenn das Alter der steuerpflichtigen Person mindestens 65 betrug, das Gesamtvermögen höchstens bei DM 150.000 lag und sich die steuerfreien Ansprüche der steuerpflichtigen Person nach § 111 BewG jährlich maximal auf DM 4.800 addierten.

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9. Die Vermögensteuer nach der Wiedervereinigung

Die Geschichte der Vermögensteuer in Deutschland nahm mit dem Mauerfall eine ganz neue Wendung. Sie befeuerte auch in vielerlei steuerlicher Hinsicht Handlungsbedarf seitens des Gesetzgebers. Davon war selbstverständlich ebenso die Vermögensteuer betroffen, die es übrigens zuvor in eigener Form auch in der DDR gab. Allerdings beschränkte sich der Gesetzgeber lediglich darauf, dass man auf die Erhebung der Vermögensteuer in den neuen Bundesländern vorerst verzichtete. Genau genommen war diese Ausnahmeregelung sowohl in § 136 Nummer 3 und 4 BewG als auch in § 24c VStG enthalten. Sie galt, verkürzt dargestellt, aber nur für jene Steuerpflichtige, die schon zuvor dort ansässig waren, beziehungsweise bei Unternehmen, deren Ort der Geschäftsleitung dort lag. 1992 verlängerte übrigens die Bundesregierung diese Ausnahmeregelung. Dies wiederholte sich in den Folgejahren, sodass die Ausnahmeregelung 1998 auslaufen sollte. Doch es sollte ganz anders kommen.

10. Geschichte der Vermögensteuer: Änderungen am VStG 1995

1995 brachte der Gesetzgeber erneut eine Reihe von Änderungen zum VStG auf den Weg. So hob er den Steuersatz für natürliche Personen auf 1 % an, was einer Verdoppelung des bisherigen Steuersatzes entsprach. Dafür gewährte man aber auch eine kräftige Anhebung des Freibetrags auf DM 120.000 (bei Zusammenveranlagung DM 240.000). Dieser Freibetrag stand auch Kindern im Sinne des Gesetzes zu. Auch bei steuerpflichtigen Senioren ab 60 oder solchen Steuerpflichtigen, die für mindestens drei Jahre mit einem Grad der Behinderung von 100 % rechnen mussten, war, wie schon zuvor, ein Zuschlag zum Steuerfreibetrag vorgesehen, sodass dieser nun auf insgesamt auf DM 170.000 ansteigen konnte.

Bei der Vermögensteuer, die Körperschaften zu zahlen hatten, blieb der Steuersatz bei 0,6 %. Lediglich Betriebe der Land- und Forstwirtschaft und andere Betriebsvermögen erhielten ein kleines Steuergeschenk. Denn nun betrug ihr Steuersatz nur noch 0,5 %.

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11. Geschichte der Vermögensteuer: der große Knall

11.1. Bewertung von Vermögen

Die Vermögensteuer hängt elementar an der Bewertung von Vermögen. Daher ist die Bindung an das Bewertungsgesetz enorm groß. Logischerweise bedarf es für die Bewertung unterschiedlicher Vermögensarten unterschiedlicher Ansätze. Für die Bewertung von Immobilien galten somit andere Verfahren als etwa für Unternehmen. Weil Immobilien im Laufe der Zeit an Wert zulegen, müsste man eigentlich alle paar Jahre eine neue Bewertung vornehmen (die sogenannte Hauptfeststellung der Einheitswerte). Tatsächlich hatte das BewG eine solche Maßgabe ursprünglich vorgesehen. So sollte ein solches Hauptfeststellungsverfahren alle sechs Jahre anstehen. Doch nur ein einziges Mal, 1964, erfolgte eine allgemeine Neubewertung. Da der Verwaltungsaufwand sehr groß war, führte man eine Alternative zur laufenden Neubewertung ein, wobei man eine pauschalierende Wertsteigerung annahm. Durch die Wiedervereinigung kam noch hinzu, dass man in den neuen Bundesländern auf noch ältere Einheitswerte zurückgreifen musste.

11.2. Klage zur Vermögensteuer vor dem Bundesverfassungsgericht

Mit der Zeit stellte sich aber heraus, dass man Immobilien mit einem, im Verhältnis zu anderen Vermögensgegenständen, immer geringeren Wert bei der Veranlagung zur Vermögensteuer ansetzen durfte. Daher kam es zu einer Klage beim Bundesverfassungsgericht, das darüber entscheiden sollte, ob diese Diskrepanz bei der Besteuerung unterschiedlicher Vermögensarten verfassungskonform sei.

Wenig überraschend urteilten die Karlsruher Richter 1995, dass die Erhebung der Vermögensteuer in ihrer damaligen Form gegen den Gleichheitssatz im Grundgesetz verstieß (Artikel 3 Absatz 1 GG). Zum ersten Mal in der Geschichte der Vermögensteuer in Deutschland gab es erhebliche Kritik an ihr. Allerdings ging es dabei lediglich um die Festsetzung und anschließende Erhebung der Vermögensteuer in ihrer bisherigen Form. Denn allein nach ihrer Art war sie durchaus verfassungskonform, wie auch Artikel 106 Absatz 2 Nummer 1 GG bestätigt. Somit war der Gesetzgeber aufgefordert, die Erhebung der Vermögensteuer anzupassen. Hierfür setzten die Richter des BVerfG ein Frist bis Ende 1996.

11.3. Reaktion des Gesetzgebers auf das BVerfG-Urteil

Normalerweise hält sich der Gesetzgeber an Vorgaben des BVerfG, wenn es um rechtliche Korrekturen an bestehenden Gesetzen geht. Doch diesmal unterließ er jeglichen Versuch. Einerseits lag das daran, dass zur gleichen Zeit die Einkommensteuer deutlich angehoben wurde, sodass der Wegfall der Vermögensteuer einen Ausgleich herbeiführen sollte (von dem allerdings nur vermögende Steuerpflichtige profitierten). Andererseits war die Vermögensteuer eine reine Ländersteuer. Ihr Wegfall minderte somit nur das Steueraufkommen der Bundesländer, während der Bund davon unbehelligt blieb. So hat laut dem Finanzbericht 1998 der Steuerausfall der Länder aufgrund des Wegfalls der Vermögensteuer allein für 1997 DM 9 Milliarden betragen. Zudem war die Bundesregierung damals CDU-geführt, die Mehrheit der Länder hatten hingegen eine Regierung mit der SPD an der Spitze. Ein Wegfall der Vermögensteuer konnte somit den politischen Einfluss der SPD schwächen.

So kommt es, dass die Voraussetzungen zur Erhebung der Vermögensteuer seit dieser Zeit weiterhin im Rahmen des VStG bestehen, aber niemand mehr der Erhebung unterliegt. Tatsächlich hat also niemals eine Abschaffung der Vermögensteuer stattgefunden. Die resultierende Aussetzung der Erhebung der Vermögensteuer ist somit einmalig in der Geschichte des Steuerrechts in Deutschland.

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12. Geschichte der Vermögensteuer in Deutschland – Fazit

Wenn man die Geschichte der Vermögensteuer in Deutschland (unter Ausblendung der Verhältnisse in der DDR) betrachtet, stellt man einige Besonderheit fest.

Einerseits sollte heutigen Kritikern an der Vermögensteuer klar sein, dass diese Steuer schon seit Beginn der Bundesrepublik Bestandteil des deutschen Steuerrechts war. Sie ist sogar im Grundgesetz verankert. Andererseits sollten sich auch ihre Befürworter bewusst machen, dass eine verfassungskonforme Erhebung der Vermögensteuer auf Dauer nur mit erheblichem Verwaltungsaufwand betrieben werden kann. Selbstredend schmälert dies die Sinnhaftigkeit der Vermögensteuer. Solange die Bundesländer die Vermögensteuer in der verfassungswidrigen Form erheben konnten, war dies kein Problem. Doch wenn man zwischen dem erforderlichen Verwaltungsaufwand und den entgangenen Steuereinnahmen abwägen muss, dürfte selbst manch ein Befürworter ins Grübeln kommen.

Auffällig ist auch, dass das VStG in den ersten 20 Jahren unverändert Bestand hatte. Erst 1974 ereilte es die ersten wesentlichen Änderungen. Ab da nahm die Dauer, in der es unverändert blieb, immer mehr ab, sodass in den 1990er Jahren praktisch jedes Jahr eine Änderung in das VStG Einzug hielt. Sicher, dies hatte auch mit der Wiedervereinigung zu tun, doch schon zuvor verstärkte sich dieser Trend. Bis dann mit der Einstellung der Erhebung der Vermögensteuer das abrupte Ende kam.

Heutzutage mag man über die sogenannte Wiedereinführung der Vermögensteuer politisch streiten. Dass diese aber in absehbarer Zeit wieder ihre alte Bedeutung zurückerlangt, kann man mit ziemlicher Sicherheit bezweifeln.


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Lehrauftrag für internationales Steuerrecht

Unsere besonderen Expertisen für internationales Steuerrecht werden auch durch die FOM Hochschule bestätigt. Steuerberater Christoph Juhn wurde dort zum Lehrbeauftragten für Steuerrecht berufen und lehrt seit dem Wintersemester 2013 die Veranstaltung „Steuergestaltung (2) Internationales Steuerrecht“. Das vorlesungsbegleitende Skript stellen wir Ihnen hier gerne vorab als Information zum kostenlosen Download zur Verfügung:

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Verschiedene Unternehmens- und Rechtsformen werden in Deutschland unterschiedlich besteuert. Entsprechendes gilt für private Einkünfte, die teilweise dem Regel- und teilweise dem sogenannten Abgeltungsteuersatz unterliegen. Das hier entstehende Steuersatzgefälle, also die unterschiedlich hohen Steuersätze, können geschickt ausgenutzt werden. Eines der klassischen Beispiele hier ist die Gewährung von Darlehen zwischen Ehe- und Lebenspartnern.

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Unser Video: Internationale Steuerstrukturen

In diesem Video erklären wir, wie sich Steuersatzgefälle mit internationalen Gestaltungsstrukturen bestmöglich nutzen lassen.

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1. Grundsatz: Was ist ein Steuersatzgefälle?

Ein Steuersatzgefälle besteht immer dann, wenn unterschiedliche Einkünfte oder Gesellschaften mit verschiedenen Steuersätzen belastet werden. Entsprechende Vorschriften existieren zuhauf im Ertragsteuerrecht und gelten unter anderem für Privatpersonen, Kapitalgesellschaften und Stiftungen. Neben der konkreten Einkunftsart spielen in vielen Fällen auch die Rechtsform sowie das Betätigungsfeld des jeweiligen Unternehmens eine entscheidende Rolle.

Geht es um die geschickte Nutzung eines Steuersatzgefälles, müssen zunächst zwei verschiedene Steuersätze vorliegen. Dies gelingt beispielsweise durch Gründung einer Körperschaft (GmbH, Stiftung, Genossenschaft). Anschließend besteht das Ziel darin, Einkünfte von der höher besteuerten Sphäre in die niedriger besteuerte zu verlagern.

Unternehmen wie Apple, Google und Co. nutzen ebenfalls entsprechende Modelle. Hier wird allerdings regelmäßig kein „innerdeutsches“, sondern ein grenzüberschreitendes Steuersatzgefälle ausgenutzt. Über entsprechende Verträge fließen Betriebsausgaben in Deutschland ab, mindern hier den zu versteuernden Gewinn und unterliegen im Bestimmungsstaat einer niedrigeren Besteuerung als Betriebseinnahme.

2. Beispiele für Steuersatzgefälle: Ehegattenschaukel, Vermietungsgesellschaft, Stiftung

Steuersatzgefälle lassen sich in der Praxis auf zahllose Arten und Weisen nutzen, sind aber häufig mit rechtlichen Hürden verbunden. Denn der Gesetzgeber hat mit Lizenz- und Zinsschranke beispielsweise zwei Instrumente geschaffen, um den Abfluss von Betriebsausgaben in niedrig besteuerte Gebiete einzudämmen.

Derartige Vorschriften finden im „kleinen Stil“, also bei Privatpersonen und mittelständischen Unternehmen, allerdings häufig keine Anwendung. Hier sind Steuersatzgefälle vergleichsweise einfach zu nutzen, was die folgenden drei Beispiele anschaulich zeigen.

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2.1. Beispiel 1: Die Ehegattenschaukel

Ist ein Ehegatte oder Lebenspartner im Besitz einer vermieteten Immobilie, kann er diese zum aktuellen Marktwert an den anderen Ehepartner verkaufen. Hierdurch schaffen die Ehegatten im ersten Schritt neues Abschreibungsvolumen, da nun der aktuelle und nicht mehr der – häufig viele Jahre oder Jahrzehnte zurückliegende – frühere Kaufpreis maßgeblich ist.

Gleichzeitig kann der Verkäufer-Ehegatte ein sogenanntes Verkäuferdarlehen vergeben, dem Käufer-Ehegatten also das für den Kauf der Immobilie notwendige Kapital leihen. Die entsprechenden Zinsen, die bei fehlendem Grundpfandrecht schnell in die Nähe des zweistelligen Bereiches kommen, sind anschließend

Ist der Darlehensvertrag fremdüblich ausgestaltet, findet § 32d Absatz 2 Nummer 1 Buchstabe a EStG keine Anwendung. Hintergrund ist, dass der Gesetzgeber Familien nicht schlechter als fremde Dritte stellen darf (Artikel 6 GG; BFH vom 22.10.2013, X R 26/11). „Fremdüblich“ bedeutet dabei, dass die Darlehenskonditionen weitgehend denen entsprechen müssen, den die Ehegatten auch bei einer Bankfinanzierung erhalten hätten.

Es steht den Ehegatten allerdings frei, den Kreditvertrag für den Darlehensgeber möglichst unattraktiv auszugestalten, um hierdurch einen höheren Zins vereinbaren zu können. So können sie das Steuersatzgefälle bestmöglich ausnutzen.

Beispiel: Die Ehefrau verkauft ihrem Ehemann eine Vermietungsimmobilie für EUR 1.000.000. Hierfür gewährt sie ihm ein Darlehen über ebendiesen Betrag, wobei ein Zinssatz von 8 % pro Jahr vereinbart wird. Während der Ehemann nun EUR 80.000 als Zinsen abziehen kann und hierauf EUR 40.000 (rund 50 %) Steuern spart, versteuert die Ehefrau die eingehende Zinszahlung nur in Höhe von EUR 20.000 (25 %).

Auf diese Weise werden indirekt EUR 80.000 der Vermietungserlöse nur mit 25 % belastet.

2.2.Beispiel 2: Die Vermietungsgesellschaft

Viele Branchen, etwa Handwerk und Handel, sind auf Immobilien angewiesen, in denen die unternehmerische Tätigkeit überwiegend ausgeübt wird. Dabei zahlt eine sogenannte Vermietungsgesellschaft allerdings nur 15 % Körperschaft- und keine Gewerbesteuer, da hier die erweiterte Kürzung nach § 9 Nummer 1 Satz 2 fort folgende GewStG greift. Diesen Vorteil können sich Unternehmerinnen und Unternehmer zunutze machen.

Dabei kaufen sie ihre betrieblichen Immobilien nicht mit der operativen Gesellschaft, sondern gründen hierfür eine eigenständige Immobilien-GmbH. Die Immobilien-GmbH vermietet den Grundbesitz anschließend an das operative Unternehmen, wobei ebenfalls auf marktübliche Konditionen zu achten ist.

Während die Mietzahlungen

Besonders attraktiv ist dieses Modell für Unternehmer, die ohnehin in Immobilien investieren möchten. Denn auch deren Vermietung kann über die Immobilien-GmbH erfolgen, wobei entsprechende Gewinne nur mit 15 % zu versteuern sind.

Tipp: Marktüblich ist auch eine sogenannte Umsatzmiete, also eine jährliche Mietzahlung, deren Höhe von den erzielten Umsätzen des operativen Unternehmens abhängt. Je höher der Gewinn ausfällt, desto größer wird auf diese Weise auch der Steuerspareffekt durch die Vermietungsgesellschaft. 

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2.3. Beispiel 3: Das Stiftungsmodell

Familienstiftungen unterliegen der Besteuerung mit Körperschaftsteuer, stellen aber keinen Gewerbebetrieb im Sinne des § 2 Absatz 1 GewStG dar. Damit werden die Einkünfte einer Stiftung, sofern sie solche erzielt, stets mit 15 % zuzüglich Solidaritätszuschlag besteuert (§ 23 KStG).

Eine Stiftung kann daher verschiedene Rechte, aber auch Immobilien und Firmenwerte an das operative Unternehmen verpachten. Die entsprechenden Pachterlöse unterliegen auf Ebene der Familienstiftung einer Besteuerung mit 15 %, während die korrespondierenden Betriebsausgaben 30 % oder gar 50 % Steuerersparnis generieren.

Beispiel: Der Startup-Gründer Max möchte eine neue Lebensmittelmarke etablieren und gründet hierfür ein operatives Unternehmen. Da er davon ausgeht, dass die Namensrechte am Unternehmen später einmal den „Löwenanteil“ des Firmenwertes ausmachen, legt er sie in eine neu gegründete Familienstiftung ein. Die notwendigen Gewerbeflächen erwirbt er mit seiner Immobilien-GmbH. Beide Firmen, operative und vermögensverwaltende GmbH, bündelt er unter der gemeinsamen Holding. Max profitiert nun von erheblichen Steuervorteilen:

Diese Beispiele zeigen, wie sich Steuersatzgefälle in der Praxis nutzen und miteinander kombinieren lassen. Zu beachten ist allerdings stets der Fremdvergleichsgrundsatz, ohne den die meisten Verträge steuerlich nicht anzuerkennen sind.


Steuerberater für Steuergestaltung

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung für Unternehmer und vermögende Privatpersonen spezialisiert. Hierbei schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Steuergestaltung

  1. Gründung von Holdinggesellschaften (Realisierung steuerfreier Veräußerungsgewinne, Dividendenerträge)
  2. Steueroptimierung bei Gewinnausschüttungen (Kapitalertragsteuer und Teileinkünfteverfahren)
  3. Steuervorteile der Immobilien-GmbH, Vermeidung von Betriebsaufspaltungen
  4. Strategische Beratung bei Kapitalgesellschaften (Erwerb eigener Anteile, disquotale Gewinnausschüttung, Organschaft, Holdingstrukturen)
  5. Beratung zu sämtlichen Umwandlungsvorgängen (Einbringung, Verschmelzung, Formwechsel, Anteilstausch)

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Trinkgeld ist steuerfrei – zumindest dann, wenn es von Dritten an Arbeitnehmer gezahlt wird. So regelt es § 3 Nummer 51 EStG, wobei die Vorschrift auf den ersten Blick nur wenig Raum für Interpretationen lässt. Doch was gilt eigentlich in Fällen, in denen ein Arbeitnehmer siebenstellige Beträge von einer dritten Person ausgezahlt bekommt? Hiermit musste sich unter anderem das Finanzgericht (FG) Köln im Dezember 2023 beschäftigen.

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Unser Video: Das optimale Geschäftsführergehalt

In diesem Video erklären wir, wie Sie das optimale Geschäftsführergehalt ermitteln und dieses richtig festlegen!

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1. Grundsatz: Trinkgeld ist steuerfrei

Nach § 3 Nummer 51 EStG ist Trinkgeld steuerfrei. Es gelten nur wenige, abschließende Voraussetzungen für die Steuerfreiheit:

Zwischen dem Zahlenden und dem Arbeitnehmer darf also keine wie auch immer geartete Leistungsbeziehung („Leistung gegen Gegenleistung“) bestehen. Ist dies der Fall, liegt Arbeitslohn – gegebenenfalls gezahlt von dritter Seite – vor (BFH vom 18.06.2015, VI R 37/14).

Der BFH hat eine entsprechende Leistungsbeziehung bereits mehrfach verneint, auch wenn die Trinkgeldregelung des § 3 Nummer 51 EStG erkennbar für Zwecke der Steuergestaltung genutzt wurde. So fallen zum Beispiel Sonderzahlungen einer Konzernmutter an die Beschäftigten der Tochtergesellschaft unter die Steuerfreiheit (Urteil vom 10.03.2015, VI R 6/14).

Zu beachten ist in allen Fällen, dass keinerlei Rechtsanspruch auf das Trinkgeld besteht. Ist dies der Fall, etwa durch eine Bonus- oder Trinkgeldklausel im Arbeitsvertrag, ist das „Trinkgeld“ nicht steuerfrei. Auch in diesen Fällen liegt Arbeitslohn im Sinne des § 19 Absatz 1 Nummer 1 EStG vor.

2. Ausgangsfall: Arbeitnehmer erhält EUR 1.300.000

In dem vor dem FG Köln verhandelten Ausgangsfall ging es um einen Kläger, der als Prokurist bei einer mittelständischen GmbH angestellt war. Die Anteile dieser GmbH befanden sich zu 100 % im Eigentum einer Holding, deren Anteile wiederum zu rund 27 % von einer dritten Verwaltungsgesellschaft (ebenfalls GmbH) gehalten wurden. Nachdem die Verwaltungsgesellschaft einen Teil ihrer Beteiligung an der Holding veräußert hatte, zahlte sie an den Kläger EUR 100.000 aus.

Im weiteren Verlauf wurde die Arbeitgeberin des Klägers auf die bisherige Holding verschmolzen. Nachdem auch dieser Vorgang erfolgreich verlief, erhielt der Kläger von der Verwaltungsgesellschaft weitere EUR 1.300.000 ausgezahlt. Der Zahlung lag ein Schreiben, in dem sich die Geschäftsführer der Verwaltungs-GmbH ausgiebig für die erfolgreiche Zusammenarbeit bedankten, bei.

In seiner Einkommensteuererklärung erklärte der Kläger die erhaltene Zahlung als Trinkgeld und beantragte, es als steuerfrei im Sinne des § 3 Nummer 51 EStG zu behandeln. Das Finanzamt folgte diesem Antrag nicht und ordnete die Zahlungen insgesamt als Arbeitslohn nach § 19 Absatz 1 Nummer 1 EStG ein.

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3. Entscheidung des FG: EUR 1.300.000 sind weder Trinkgeld noch steuerfrei

Das FG Köln behandelte die Zahlung der Verwaltungsgesellschaft in seinem Urteil vom 14.12.2023 (9 K 2814/20) analog zum Finanzamt als steuerpflichtigen Arbeitslohn. Maßgeblich für diese Entscheidung waren in erster Linie die folgenden Gründe:

Wann Trinkgeld steuerfrei ist und welche Besonderheiten zu beachten sind, ist mit der Entscheidung des FG Köln ein Stück weiter geklärt. Gleichzeitig lassen sich aus dem Urteil bestimmte Handlungsempfehlungen ableiten. In erster Linie muss zwischen Trinkgeldzahler und -empfänger eine unmittelbare und persönliche Leistungsbeziehung bestehen.


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  3. Vermeidung von gewerblicher Prägung und gewerblicher Infizierung
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  5. Beratung beim Unternehmensverkauf (Vorteile bei Share Deal & Asset Deal)

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In der Steuerberatungsbranche gibt es einen Mangel an Steuerfachangestellten. Deshalb sind Steuerfachangestellte gesucht. Insbesondere erfahrene Fachkräfte, die auch im Bereich der Digitalisierung bewandert sind, werden von Steuerberatungskanzleien umworben – sowohl Bewerberinnen und Bewerber als auch die bereits angestellten Steuerfachangestellten. Doch womit hängt der Mangel an Steuerfachangestellten zusammen? Ein möglicher Grund ist, dass weniger junge Menschen an diesem Beruf interessiert sind. Heutzutage ist ein Studium und eine anschließend angestrebte Steuerberaterprüfung wesentlich attraktiver geworden. Außerdem zählt die Ausbildung zu den anspruchsvollsten Ausbildungsberufen. Und dann sind da noch die finanziellen Anreize, die große Unternehmen der Privatwirtschaft bei der Anwerbung von Steuerfachangestellten zu ihrem Vorteil zu nutzen verstehen. Dabei sind die Karrierechancen in der Steuerberatungsbranche für Steuerfachangestellte deutlich verlockender.

Unser Video: Wo sind die Steuerfachangestellten?

In diesem Video erklären wir, welche Umstände dazu geführt haben, dass Steuerberatungskanzleien händeringend Steuerfachangestellte suchen.

Inhaltsverzeichnis


1. Steuerfachangestellte gesucht – Einleitung

Wer ist die erste Person, die Ihnen einfällt, wenn sie an das Personal einer Steuerberatungskanzlei denken? Richtig: ein Berufsträger. Gleich nach der Steuerberaterin oder dem Steuerberater fällt Mandanten an zweiter Stelle vielleicht noch die Empfangskraft ein, die ihre Anrufe stets freundlich und hoch motiviert entgegennimmt. Aber Steuerfachangestellte?

Ganz ehrlich, Steuerfachangestellte sind in ihren Fähigkeiten und ihrem Wirken in der Steuerberatungsbranche (und anderswo) stark unterschätzt. Die eigentlichen Stars sind nun mal Steuerberater. Das hängt auch damit zusammen, dass allgemein bekannt ist, wie schwer das Steuerberaterexamen ist und infolgedessen wie viele Kandidatinnen und Kandidaten ohne Erfolg daran teilnehmen. Selbstverständlich hängt dies auch mit der bisweilen absurden Komplexität des deutschen Steuerrechts zusammen. Aber davon sind ja auch Steuerfachangestellte und Steuerfachassistenten betroffen, wenn auch in etwas geringerem Ausmaß.

Dennoch ist ein Trend in der Steuerberatungsbranche auf den ersten Blick überraschend. Denn sehr viele Steuerberatungskanzleien suchen Steuerfachangestellte – manche sogar händeringend und zwar lieber schon vorgestern als morgen. Sind Steuerfachangestellte also gesucht, weil sie eine aussterbende Spezies darstellen? Sind Steuerfachangestellte die Dodos auf dem deutschen Arbeitsmarkt?

2. Steuerfachangestellte gesucht: Faktor Fachkräftemangel

Tatsächlich hängt die Suche vieler Steuerberatungskanzleien nach Steuerfachangestellten mit dem allgemeinen Fachkräftemangel in der deutschen Wirtschaft zusammen. Wie in anderen Branchen auch, machen sich hierbei verschiedene Aspekte bemerkbar. Zwar nimmt die Zahl der Erwerbstätigen aktuell zu, doch gehen auch immer mehr erfahrene Fachkräfte in Rente, darunter auch viele in den vorzeitigen Ruhestand. Der demografische Wandel ist real. Andererseits hat der wirtschaftliche Erfolg deutscher Unternehmen einen expansiven Trend ausgelöst. Wenn Unternehmen wachsen, dann brauchen sie auch mehr Personal.

Aus Sicht der Steuerberatungsbranche ist dies aber doppelt herausfordernd. Einerseits steigen die Umsätze ihrer Mandanten, sodass sie schon allein aufgrund des gestiegenen Bearbeitungsvolumens mehr Steuerfachangestellte einstellen müssen. Insbesondere im wachsenden Dienstleistungsbereich ist das Bearbeitungsvolumen teilweise beträchtlich. Andererseits wollen auch Unternehmensgründungen, insbesondere die erfolgreichen Startups, steuerlich begleitet werden. Die kommen also ebenfalls mit ihren Aufträgen auf die Steuerberatungskanzleien zu.

Was nebenbei noch Erwähnung finden muss, ist, dass auch große Unternehmen seit jeher Steuerfachangestellte für ihre internen Buchungsprozesse einstellen. Dabei machen sie dies zu Konditionen, mit denen die Steuerberatungsbranche nur schwerlich konkurrieren kann. Allerdings hat dies für Steuerfachangestellte einen gewissen Preis, denn die Aufgaben in einem Konzern sind weit weniger herausfordernd und abwechslungsreich als in einer Steuerberatungskanzlei. Außerdem besteht bei großen Unternehmen, von denen Anleger möglichst hohe Dividenden erwarten, stets das Risiko, dass solche Kostenfaktoren eliminiert werden – auch wenn es manchmal fraglich ist, ob diese Einsparungen gerechtfertigt sind. Wenn aber eine solche Entscheidung schließlich doch zurückgenommen werden soll, dann sind Steuerfachangestellte gesucht. Das kann somit zu Engpässen auf dem Arbeitsmarkt beitragen.

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3. Steuerfachangestellte gesucht: Faktor Digitalisierung

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den wir ansprechen müssen, wenn wir uns fragen, warum Steuerfachangestellte so gesucht sind, hängt mit der Digitalisierung in der Steuerberatungsbranche zusammen. Lange Zeit galt bedrucktes Papier als einzige legitime Belegform in der Finanzbuchhaltung. Dies hängt mit der nur mühsam umdenkenden Bürokratieliebe des Gesetzgebers in Deutschland zusammen. Erst spät erkannte man die Vorteile einer digitalisierten Arbeitswelt, die insbesondere der Steuerberatungsbranche zugute kommt, und noch später und zögerlicher hat man sich an die Umsetzung gewagt, trotz vollmundiger Versprechungen aus der Politik. So wird etwa die geplante eRechnung erst nach mehrjähriger Verspätung verbindlich. Zum Vergleich: Italien hat ein vergleichbares System bereits 2019 eingeführt.

Verwundert es da, wenn auch Steuerberatungskanzleien lange Zeit mit der Digitalisierung haderten? Das liegt sicherlich zum Teil auch an der Weigerung eines Teils der Wirtschaft Investitionen in die neue Technologie zu tätigen. Insbesondere kleine und kleinste Unternehmen wehren sich gegen die für sie in keinem Verhältnis stehenden Kosten. Aber es wäre eben auch an der Steuerberatungsbranche gewesen, dies stärker zu fordern und zu fördern.

Jedenfalls hat das zur Folge, dass Steuerberatungskanzleien, die kaum digitalisiert arbeiten, mit der Flut an Arbeit überfordert sind. Sprich: es sind die dort arbeitenden Steuerfachangestellten. Kein Wunder, wenn Mitarbeiter abwandern und sich Lücken bilden, die sich kaum noch schließen lassen. Das Ergebnis ist so oder so, dass die verbleibenden Steuerfachangestellten in Arbeit ertrinken. Spätestens da sollte also ein Umdenken in den betroffenen Steuerberatungskanzleien einsetzen. Denn die gesuchten Steuerfachangestellten werden sich erst dann wieder für sie entscheiden, wenn die Arbeitsbedingungen sich wieder normalisiert haben. Und die Digitalisierung ist eine wichtige Voraussetzung hierfür. Bis dahin ist es aber offenbar noch ein langer Weg. So sind gerade einmal etwa 1.700 von 20.000 DATEV-Kanzleien in der Lage, die Voraussetzungen zum Erhalt des begehrten Labels Digitale DATEV-Kanzlei zu erfüllen.

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Fachberatung für Kapitalgesellschaften

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4. Steuerfachangestellte gesucht: Faktor Mehrarbeit

Da wir schon die Arbeitsüberlastung in deutschen Steuerberatungskanzleien thematisiert haben, sollten wir hier noch einige weitere Fakten anmerken. So hat es in den vergangenen Jahren, seit der Corona-Pandemie, in der laufenden Steuerberatung, dem Kerngebiet des Tagesgeschäfts von Steuerfachangestellten, eine wahre Flut zusätzlicher Arbeiten gegeben. Sei es die Beratung und Betreuung hinsichtlich Corona-Hilfen des Bundes und der Länder, sei es die Berücksichtigung von Kurzarbeitergeldern oder die neue Grundsteuer, um nur drei Beispiele zu nennen, sie alle haben die Steuerberatungskanzleien im Allgemeinen und die damit beschäftigten Steuerfachangestellte im Besonderen an ihre Belastungsgrenzen geführt – und darüber hinaus. Zwar hat man nach Steuerfachangestellten gesucht, um der Flut an Arbeit zu begegnen, von der ein Teil auch kaum durch wirtschaftliche Mehreinnahmen gegenfinanziert werden konnte, doch woher nehmen, wenn keine freien Kapazitäten verfügbar sind? Denn schon zuvor war die Lage am Arbeitsmarkt in Bezug auf Steuerfachangestellte angespannt. Corona hat auch dort die letzten verfügbaren Kräfte hinfortgefegt.

5. Steuerfachangestellte gesucht: Faktor Nachwuchs

Womit wir bei einem weiteren entscheidenden Faktor angekommen sind, dem Nachwuchsmangel. Schon 2018 berichtete das Handelsblatt von einem Mangel an neuen Steuerfachangestellten. Und seitdem hat sich die Situation noch einmal zugespitzt. So sank die Zahl der Auszubildenden allein zwischen 2020 und 2021 um 2,3 %. Das hängt auch damit zusammen, dass sich viele junge Schulabgänger, die sich einen Beruf in der Steuerberatungsbranche gut vorstellen können, lieber gleich ein Studium beginnen und von vorn herein das Steuerberaterexamen anpeilen. Sicher, auch der Kreis der Steuerberater schrumpft in den nächsten Jahren wegen Überalterung zusammen. Es ist also gut, dass viele junge Steuerberaterinnen und Steuerberater diesen Beruf ergreifen. Aber ohne Steuerfachangestellte in den Kanzleien ist dies wie ein Auto mit einem potenten Motor, aber ohne Räder.

Es wäre also gut, wenn man den Beruf der Steuerfachangestellten stärker bewerben würde. Gleichzeitig ist es aber auch erforderlich, nach Alternativen Ausschau zu halten. So kann man beispielsweise darüber nachdenken, für einfache, repetitive Arbeiten motivierte Quereinsteiger einzustellen, um die vorhandenen Steuerfachangestellten zu entlasten. Klar ist, dass auch eine Verbesserung der Anreize, wie etwa höhere Gehälter oder flexiblere Arbeitsgestaltungen (zum Beispiel Homeoffice) in Kombination mit einer erfolgreich implementierten Digitalisierung einer Kanzlei helfen kann, neue Steuerfachangestellte einzustellen. Aber so phantastisch die Versprechungen manchmal sein mögen, sobald sich die Alltagsrealität gravierend von ihnen unterscheidet, werden sicherlich erneut Steuerfachangestellte gesucht.

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Vorbereitung auf das Steuerberaterexamen

In diesem Video erklären wir, was man über das Steuerberaterexamen und die Vorbereitung darauf alles wissen sollte.

6. Warum Steuerfachangestellte gesucht werden – Fazit

Wie wir sehen, gibt es eine Vielzahl an Faktoren, die dazu geführt haben, dass Steuerfachangestellte auf dem Arbeitsmarkt gesucht werden. Dabei steht Steuerfachangestellten eine große Bandbreite an Vorteilen offen. So sind die Karrierechancen für Steuerfachangestellte deutlich größer als in den meisten anderen Ausbildungsberufen. Tatsächlich steht ihnen die gleiche Chance zu, Steuerberater zu werden, wie jenen Schulabgängern, die mit einem Abitur in der Tasche den Weg des Studiums dorthin beschreiten. Um diese Attraktivität nochmals zu steigern, hat man erst kürzlich die dafür erforderliche Praxiserfahrung um zwei Jahre auf acht reduziert. Und auch die dazwischen liegenden Karrierestufen sind für Steuerfachangestellte nun schneller erreichbar.

Gleichzeitig haben sich viele Steuerberatungskanzleien dazu entschlossen, die Anreize für Steuerfachangestellte deutlich zu erhöhen. In der Tat sind es die Bewerber um diese Stellen, die nun oft ihre Forderungen durchsetzen können. Dass dabei kein allgemein ausgehandelter Tarif einschränkend einzugreifen vermag, ist für sie ein weiterer Vorteil.

Im Übrigen ist der Beruf kein aussterbender, sondern einer, der sich aufgrund der unausweichlichen Digitalisierung im Wandel befindet, was ihn also noch interessanter macht. So gesehen ist der Beruf der Steuerfachangestellten besonders verlockend. Die Frage ist allerdings, ob er verlockend genug ist, um die bisherigen Gründe, die viele junge Menschen bislang davon abgehalten haben, ihn zu ergreifen, zu überwinden. Erst wenn sich dieses Verhältnis ändert, können wir von Zeiten zu träumen wagen, in denen Steuerfachangestellte weniger gesucht sein werden.


Steuerberater für Kapitalgesellschaften

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Begleitung von Kapitalgesellschaften spezialisiert. Beim Thema Steuergestaltung schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

GmbH

  1. Informationen zur gemeinnützigen GmbH
  2. Steueroptimierung durch Zahlung von Geschäftsführergehältern
  3. Nutzung diverser Steuervorteile mit einer Immobilien-GmbH
  4. Strategische Beratung im Hinblick auf den Erwerb eigener Anteile, disquotale Gewinnausschüttungen, Organschaften und Holdingstrukturen

Internationales Steuerrecht – Unternehmen

  1. Erläuterung der Vorteile einer internationalen Dreifach-Holding
  2. Individualisierte Empfehlungen zur Gründung von Unternehmen im Ausland
  3. Informationen zu Sonderwirtschaftszonen im Ausland (Belize, Kanaren, Madeira)
  4. Entwicklung grenzüberschreitender steuerlicher Gestaltungsmodelle

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort Köln

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Standort Bonn

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Fachreferent beim Steuerberaterverband für Unternehmensteuerrecht

Seit 2014 sind die Partner unserer Kanzlei regelmäßige Fachreferenten des Steuerberaterverbands Köln. Dabei besuchen circa 1.500 Steuerberater pro Jahr unsere Seminare. Wegen der hohen Nachfrage stellen wir Ihnen unsere Präsentation zu „Aktuelle Einzelthemen zur GmbH-Besteuerung“ gerne kostenlos zum Download zur Verfügung:

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Für junge Menschen, die ab Sommer 2023 eine Ausbildung angefangen haben, um Steuerfachangestellte zur werden, gilt eine neue Ausbildungsverordnung und ein neuer Rahmenlehrplan. Gleichzeitig ergeben sich daraus auch Änderungen in der Prüfungsordnung. Beide sind nun gezielt auf Praxisrelevanz ausgerichtet. Dadurch werden die alten Fächer durch neue Handlungsfelder ersetzt, in denen disziplinübergreifend der Unterrichtsstoff vermittelt wird, und zwar primär so, wie er im berufspraktischen Kontext steht. In einer Übergangszeit soll aber für diejenigen Auszubildenden, die ihre Ausbildung vor Einführung der Änderungen begonnen hatten, ihre bisherigen Regelungen weitergelten.

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Unser Video: Neue Prüfungsordnung für Steuerfachangestellte

In diesem Video erklären wir, welche Neuerungen es in diesem Ausbildungsberuf gibt.

Inhaltsverzeichnis


1. Ausbildung Steuerfachangestellte – Einleitung

Finanzbuchhaltung, Jahresabschlüsse, Steuererklärungen – die meisten Unternehmer vertrauen bei diesen wichtigen Arbeiten auf fachliche Unterstützung durch Steuerberatungskanzleien wie der unseren. Auch bei Fragen zur Steuergestaltung sind wir für sie kompetente Ansprechpartner. Dabei denkt man beim Stichwort Steuerberatung in erster Linie an Steuerberaterinnen und Steuerberater. Im Alltagsgeschäft der laufenden Steuerberatung übernehmen jedoch Steuerfachangestellte in der Regel die Hauptarbeit. Sie sind wahre Helden, denn ohne sie würde Steuerberatungskanzleien der Kollaps drohen. So verfügen Steuerberater und ihre Assistenten zwar über umfangreiches Fachwissen, doch wenn es um die praktische Anwendung der Buchungsprogramme etwa zur Finanz- und Lohnbuchhaltung geht sind Steuerfachangestellt die wahren Meister.

Aber auch sie fallen keineswegs vom Himmel. Vielmehr durchlaufen sie eine mehrjährige Ausbildung in einer Steuerberatungskanzlei, begleitet von obligatorischem Unterricht an Berufsschulen. Dabei gilt die Ausbildung für den Beruf Steuerfachangestellte als sehr anspruchsvoll. Früher war dies oft ein Ausbildungsberuf, den Schulabgänger mit mittlerer oder Hochschulreife ergriffen. Doch die Tendenz, dass Abiturienten vermehrt ein Studium ergreifen, hat in der jüngeren Vergangenheit zu einer allmählichen Verknappung von Steuerfachangestellten auf dem Arbeitsmarkt geführt. Zwar hat die zunehmende Digitalisierung der Steuerberatungskanzleien für eine gewisse Kompensation gesorgt, doch fehlen in der Branche immer mehr Steuerfachangestellte. Dabei ist die Digitalisierung, die die Arbeitsprozesse von Steuerfachangestellten inzwischen intensiv durchdrungen hat, zu einem weiteren unerlässlichen Faktor geworden, einen, den insbesondere Steuerfachangestellte meistern. Somit ist auch diesem Aspekt in der Ausbildung Steuerfachangestellte Rechnung zu tragen.

2. Bisherige Regelungen zur Ausbildung Steuerfachangestellte

Doch die bisherigen Regelungen der Ausbildungsverordnung zur Ausbildung angehender Steuerfachangestellte stammt aus dem Jahr 1998. Mit der Arbeitsrealität der heutigen Zeit hatte sie somit immer wenig gemein. Deshalb hat sich der deutsche Steuerberaterverband und die Bundessteuerberaterkammer der Aufgabe einer Reform in diesen wichtigen Feldern gestellt. Das Ergebnis ist die „Verordnung über die Berufsausbildung zum Steuerfachangestellten und zur Steuerfachangestellten“ (BGBl. vom 22.08.2022, Seite 1390). Zusammen mit dem von der Kultusministerkonferenz geänderten Rahmenlehrplan für die Berufsschulen wurden die Änderungen zum Folgejahr eingeführt, also pünktlich zum Start des neuen Ausbildungsjahrgangs 2023. Welche Änderungen dabei eingetreten sind, wollen wir in diesem Artikel beleuchten. Um aber die weitrechenden Auswirkungen besser zu verstehen, wollen wir zunächst kurz skizzieren, was die bisherigen Regelungen charakterisierte.

Die Ausbildung für angehende Steuerfachangestellte in Berufsschulen war bislang von einer Fortführung des klassischen Schulunterrichts geprägt. So bildeten einzelne Fächer den Schwerpunkt der Berufsschulausbildung. Beispielsweise gilt das Fach Wirtschaft und Soziales als interdisziplinär, aber es wurde dennoch in sich geschlossen unterrichtet. Eine Vernetzung mit anderen, ebenfalls in Bezug hierzu stehenden Themenfeldern und Unterrichtsfächern bestand zwar und wurde auch regelmäßig damit verknüpft, doch blieb es in aller Regel bei Anmerkungen am Rande.

Auch bei den abschließenden Prüfungen bestimmte die Charakterisierung einzelner Prüfungsfächer, wie sich Prüfungskandidaten auf ihre Prüfungen vorbereiteten und wie sie sie zu lösen hatten. Naturgemäß schieden somit Fragestellungen auf Basis einer interdisziplinären Bearbeitungslogik aus. Dabei sind für die Frage, ob eine Kandidatin oder ein Kandidat für den Beruf Steuerfachangestellte geeignet sind, gerade solche Einschätzungen besonders wichtig. Statt aber den Praxisbezug des erlernten Wissens in der Prüfung abzufragen, wurde hier in Bezug auf die Schulfächer rein nach dem Fachwissen geprüft. Die Kompetenz zur Anwendung des Wissens war zweitrangig.

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3. Die Ausbildung zum Beruf Steuerfachangestellte seit 2023

Wie bereits angedeutet, sind die Änderungen zur Ausbildung Steuerfachangestellte, die ab August 2023 in Kraft getreten sind, umfangreich. Im Kern bleibt aber der Inhalt weiter bestehen. Der Wissensumfang ist allenfalls um eine praktische Komponente zur digitalen Kompetenz erweitert worden. Auch im Hinblick auf den Aspekt der Kommunikation mit Mandanten hat es ein Upgrade gegeben. Aber den Ausbildungsschwerpunkt in diesen beiden Bereichen übernehmen nach wie vor die Ausbildungsbetriebe. Dennoch hatte dies auch Einfluss auf die Neuerungen, die man im Rahmenlehrplan sowie in der Prüfungsordnung eingeführt hat.

3.1. Ausbildung Steuerfachangestellte: Änderungen zum Rahmenlehrplan

Beim Rahmenlehrplan sind also Lernfelder an die Stelle der bisherigen Fächer getreten. Darunter muss man interdisziplinäre Unterrichtseinheiten verstehen, in denen fächerübergreifende, beruflich aber im Zusammenhang stehende Themenkomplexe behandelt. Zum Beispiel lernt man nun das Umsatzsteuerrecht und gleichzeitig parallel dazu die praktischen Buchungen aus dem Bereich Rechnungswesen.

3.2. Ausbildung Steuerfachangestellte: Änderungen zur Prüfungsordnung

Dass diese umfassende Überarbeitung zur Ausbildung für Steuerfachangestellte auch die Prüfungsordnung erfasst, ist sicherlich keine Überraschung. So sollen Prüfungsaufgaben nun deutlich praxisbezogener erfolgen. Damit einher geht, dass keine klassischen Prüfungsfächer mehr abgefragt werden, sondern nach Themenkomplexen erfolgt, wie sie im Berufsalltag besonders relevant sind.

Was unverändert bleibt, ist die Unterteilung der Maßnahmen zur Überprüfung des Lernstands. So gibt es weiterhin eine Zwischenprüfung und eine Abschlussprüfung. Bei der Abschlussprüfung bleiben der Klausurteil sowie die mündliche Prüfung ebenfalls erhalten. Außerdem soll eine mündliche Ergänzungsprüfung auf Antrag der zu prüfenden Person möglich sein.

3.2.1. Zwischenprüfung Ausbildung Steuerfachangestellte

Die obligatorische Zwischenprüfung soll in der Regel im vierten Ausbildungshalbjahr stattfinden. Zur Zwischenprüfung gehören zwei Prüfungsbereiche: „Arbeitsabläufe organisieren“ und schwerpunktmäßig „Steuererklärungen vorbereiten und Buchhaltungen bearbeiten“. Allerdings findet weder eine Benotung noch eine Gewichtung statt. Im Übrigen handelt es sich bei der Zwischenprüfung wie bisher um einen rein schriftlich zu erbringenden Leistungsnachweis. Die Teilnahme ist dennoch eine Voraussetzung zur Abschlussprüfung.

3.2.2. Abschlussprüfung Ausbildung Steuerfachangestellte

3.2.2.1. Schriftliche Prüfung

Hierzu schreibt die neue Ausbildungsverordnung vor, dass die Prüfungsbereiche „Sachverhalte steuerrechtlich beurteilen und in Steuererklärungen bearbeiten“, „Sachverhalte im Zusammenhang mit Finanzbuchhaltungen, Entgeltabrechnungen und Jahresabschlüssen bearbeiten“ sowie, ganz klassisch, „Wirtschafts- und Sozialkunde“ in den schriftlichen Abschlussprüfungen geprüft werden sollen. Dabei sind die Bereiche unterschiedlich zu gewichten. Als Sperrbereich gilt mit einer Relevanz von 35 % „Sachverhalte steuerrechtlich beurteilen und in Steuererklärungen bearbeiten“. Es folgen „Sachverhalte im Zusammenhang mit Finanzbuchhaltungen, Entgeltabrechnungen und Jahresabschlüssen bearbeiten“ mit 30 % und „Wirtschafts- und Sozialkunde“ mit 10 %. Dabei müssen die Aufgaben praxisbezogen sein.

3.2.2.2. Mündliche Prüfung

Die mündliche Prüfung soll eine Gesprächssimulation sein, wie man sie im Berufsalltag einer oder eines Steuerfachangestellten erwarten kann. Daher hat dieser Prüfungsbereich den passenden Titel „Mandantinnen- und Mandantenberatung mitgestalten“ erhalten. Auf ihn entfallen die restlichen 25 % der Gewichtung.

Konkret erhalten Prüflinge zwei praxisnahe Aufgaben zur Wahl, die sie innerhalb von 15 Minuten bearbeiten sollen, um sich auf das anschließende Gespräch vorzubereiten. Hierfür kommen in der Regel weitere 15 Minuten in Frage.

3.2.2.3. Mündliche Ergänzungsprüfung

Falls ein Prüfling in der schriftlichen Prüfung in einem Prüfbereich eine Note unter „ausreichend“ erhalten hat, steht ihr oder ihm die Stellung eines Antrags auf eine mündliche Ergänzungsprüfung zu. Einen Antrag kann man allerdings nur für einen einzigen Prüfungsbereich stellen. Außerdem ist ein solcher Antrag nur dann aussichtsreich, wenn die Chance besteht, dass die mündliche Ergänzungsprüfung das Potential bietet, die Abschlussprüfung zu bestehen. Jedoch unterliegt dies einer Gewichtung der Noten, wobei die Leistungen der mündlichen Ergänzungsprüfung zu den bisherigen Noten im Verhältnis 1 zu 2 zu berücksichtigen sind. Jedenfalls bedeutet das, dass sich die Leistung in der mündlichen Ergänzungsprüfung deutlich verbessern muss, um die Abschlussprüfung doch noch zu bestehen.

3.3. Konkrete Umsetzung der Vorgaben in den Prüfungsaufgaben

Die erste Abschlussprüfung nach den neuen Regelungen findet voraussichtlich 2025/2026 statt. Details zur Ausgestaltung von Prüfungsfragen befinden sich somit noch in der Entwicklung. Daher ist auch unklar, wie genau eine solche Prüfung demnächst konkret aussehen wird. So ist beispielsweise noch keine Übungsklausur von den Steuerberaterkammern veröffentlicht worden. Erste diesbezügliche Einblicke sind aber bereits 2024 zur Zwischenprüfung zu erwarten (für die auf zwei Jahre verkürzten Ausbildungsgänge).

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4. Steuerfachangestellte: Änderungen bezüglich Karrierechancen

Um weitere Anreize für den Beruf Steuerfachangestellte für junge Menschen zu schaffen, umfassen die hier angesprochenen Änderungen auch Regelungen zu beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten. So hat man die Voraussetzungen vereinfacht, die die Zulassung zu Prüfungen hinsichtlich weiterer Fachspezialisierungen regeln, inklusive die Zulassung zum Steuerberaterexamen. So können Steuerfachangestellte nach dreijähriger Berufspraxis eine Prüfung ablegen zum Fachassistenten Lohn und Gehalt oder Land- und Forstwirtschaft oder Rechnungswesen und Controlling sowie zum Bilanzbuchhalter und, ganz neu, Fachassistent IT, der sogar Quereinsteigern offensteht. Damit sind die beruflichen Aufstiegschancen mit einer Ausbildung für Steuerfachangestellte deutlich besser als in vielen anderen Ausbildungsberufen, zumal diese in der Steuerberatungsbranche auch mit einem dualen Studium kombinierbar ist.

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5. Neue Regeln zur Ausbildung Steuerfachangestellte – Fazit

Mit den Änderungen zur Ausbildung als Steuerfachangestellte haben sich einige Aspekte neu sortiert. Inhaltlich wurden sowohl der Rahmenlehrplan als auch die Prüfungsordnung insbesondere im Hinblick auf die Veränderung der Arbeitsrealität von Steuerfachangestellten angepasst. Schließlich ist allein mit dem erforderlichen steuerlichen Fachwissen heutzutage kaum noch ein Einstieg in die laufende Steuerberatung möglich.

Begleitet werden die Änderungen durch Vorschriften zur Anwendung der Neuerungen. So hat man bestimmt, dass für alle, die sich zum Zeitpunkt der Einführung der Neuerungen bereits in Ausbildung befunden haben, weiterhin die alten Regeln gelten. Auch die Abschlussprüfungen erfolgen für sie nach den bisherigen Regelungen. Dies gilt auch, wenn jemand eine Prüfung im darauffolgenden Jahr statt im eigentlichen Abschlussjahr ablegt. Das schont sowohl Personen, die die Prüfung wiederholen als auch krankheitsbedingt der eigentlichen Prüfung fernbleiben. Denn andernfalls könnten sie durch die Umstellung benachteiligt sein. Eine derart tiefgreifende Änderung in den Lern- und Prüfungsgewohnheiten ist aber niemanden zuzumuten. Daher wird es für eine Übergangszeit von mehreren Jahren zwei parallele Prüfungsverfahren basierend auf der alten und der neuen Prüfungsordnung geben.

Letztendlich sollen vor allem angehende Steuerfachangestellte nach ihrer Ausbildung von den Innovationen profitieren, sicher aber auch die Steuerberatungskanzleien, in denen sie zukünftig arbeiten werden. Denn eine praxisorientierte Ausbildung ist in der heutigen Arbeitswelt von Steuerfachangestellten wichtig. Dabei gehört der Beruf Steuerfachangestellte mit zu jenen, die mangels Interesse bei jungen Menschen immer weiter an Attraktivität verloren haben. Das merkt man auch an der stetig steigenden Nachfrage durch Steuerberatungskanzleien am Arbeitsmarkt. Profiteure sind folglich junge Steuerfachangestellte. Ihnen stehen Tür und Tor offen: gute Verdienstmöglichkeiten, spannende, herausfordernde, abwechslungsreiche Aufgaben, die sich gut strukturieren lassen und vielversprechende Karriereaussichten mit der ultimativen Option zur Steuerberaterin oder zum Steuerberater aufzusteigen.


Steuerberater für Unternehmensteuerrecht

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zum Unternehmensteuerrecht spezialisiert. Beim Thema Bilanzierung schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Umsatzsteuer

  1. Durchführung der Vorsteuerabzugsberichtigung nach § 15a UStG
  2. Beurteilung von Optionsmöglichkeiten nach § 9 UStG
  3. Planung und Begründung umsatzsteuerlicher Organschaften

Handelsrecht

  1. Erörterung zur Bedeutung des Handelsregisters und seiner Publizitätswirkung

Digitale Buchhaltung

  1. Strategisch ausgerichtete Begleitung unserer Mandanten in der Finanz- und Lohnbuchhaltung, bei Jahresabschlüssen und Steuererklärungen
  2. Erläuterung, Einrichtung und Betreuung der digitalen Finanzbuchhaltung per DATEV Unternehmen Online
  3. Ausarbeitung von Verfahren zur effizienzoptimierten Finanzbuchhaltung mittels digitaler Verfahren, insbesondere im Bereich E-Commerce

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort Köln

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Standort Bonn

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Lehrauftrag für Steuergestaltungen

Unsere besonderen Expertisen für Steuergestaltungen werden auch durch die FOM Hochschule bestätigt. Steuerberater Christoph Juhn wurde dort zum Lehrbeauftragten für Steuerrecht berufen und lehrt seit dem Wintersemester 2013 die Veranstaltung „Steuergestaltung (6) Steuerplanung“. Das vorlesungsbegleitende Skript stellen wir Ihnen hier gerne vorab als Information zum kostenlosen Download zur Verfügung:

Steuerplanung und Steuerwirkungslehre – Christoph Juhn

P2P-Kredite, zu Deutsch auch als „Privatdarlehen“ bezeichnet, erfreuen sich seit vielen Jahren einer großen Beliebtheit. Neben spezialisierten Plattformen kann ihr Abschluss auch „von Angesicht zu Angesicht“, etwa zwischen Familienangehörigen oder Freunden, erfolgen. Steuerlich gehören entsprechende Zinsen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Wer die Zinsen entrichtet, kann sie gegebenenfalls als Betriebsausgaben oder Werbungskosten geltend machen.

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Unser Video: Die Gestaltungsmodelle der Reichsten in Deutschland

In diesem Video zeigen wir einige Steuergestaltungsmodelle der reichsten Familien Deutschlands!

Inhaltsverzeichnis


1. Grundsatz: Kapitalüberlassung bei Privatdarlehen

P2P-Kredite beziehungsweise Privatdarlehen fallen ertragsteuerlich unter die Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 Absatz 1 Nummer 7 EStG. Denn ein entsprechendes Darlehen stellt eine Kapitalüberlassung im Sinne der Norm dar, da

Dabei spielt es keine Rolle, ob, wann und unter welchen Umständen die entsprechende Rückzahlung erfolgt. Ebenfalls unerheblich ist die Form der Rückzahlung, sodass beispielsweise eine Zinszahlung per Kryptowährung ebenfalls eine Einnahme aus Kapitalvermögen darstellt. Maßgeblich ist bei Einnahmen, die nicht in Euro geleistet werden, der Verkehrswert der erhaltenen Vermögensgegenstände (§ 8 Absatz 2 EStG). Geldbeträge sind in Euro umzurechnen.

Bei P2P-Krediten, also einer rein privaten Kapitalüberlassung, gilt das Zu- und Abflussprinzip des § 11 EStG. Zinsen unterliegen also erst dann der Versteuerung nach § 20 Absatz 1 Nummer 7 EStG, wenn der Empfänger wirtschaftlich über sie verfügen kann. Dies ist im Regelfall mit Zugang auf dem Bankkonto einschlägig (H 11 „Allgemeines“ EStH).

2. Besteuerung der Zinsen auf P2P-Kredite

Einkünfte aus Kapitalvermögen, mit Ausnahme solcher im Betriebsvermögen (§ 20 Absatz 8 EStG), unterliegen dem Abgeltungsteuersatz von 25 % nach § 32d Absatz 1 EStG. Im Rahmen der Günstigerprüfung, geregelt in § 32d Absatz 6 EStG, können Steuerpflichtige die (Zins-)Einnahmen aber auch mit ihrem regulären Steuersatz besteuern lassen. Das Finanzamt prüft, welcher der beiden Steuersätze im Einzelfall niedriger – günstiger – ist.

Anders als beispielsweise bei inländischen Kreditinstituten, findet bei P2P-Krediten in der Regel kein Steuerabzug statt. Grund dafür ist § 44 EStG, der einen solchen nur inländischen Banken und Wertpapierinstituten vorschreibt. Privatpersonen fallen nicht unter die Regelung.

Wer Zinsen aus Privatdarlehen empfängt, muss sie daher in seiner Einkommensteuererklärung angeben (§ 32d Absatz 3 EStG). Besteht bislang keine Erklärungspflicht, löst die Norm eine solche aus. Für das entsprechende Jahr ist dann zwingend eine Steuererklärung beim Finanzamt einzureichen. Da das Finanzamt auch keine Daten über den Gläubiger der Kapitalerträge vorliegen hat, gilt dies auch für einen möglichen Betriebsausgaben- oder Werbungskostenabzug. Auch dieser ist aktiv geltend zu machen, wenn mit dem P2P-Kredit beispielsweise ein betriebliches Fahrzeug finanziert wurde.

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Haben Sie Fragen zur optimierten Besteuerung von Kapitalerträgen wie Zinsen?

Unsere Kanzlei hat sich hierauf besonders spezialisiert. Vereinbaren Sie jetzt Ihren persönlichen Beratungstermin mit unseren Steuerberatern und Rechtsanwälten:

3. Ausnahmen vom Abgeltungsteuertarif

In bestimmten Fällen erfolgt keine Besteuerung nach § 32d Absatz 1 EStG. Zinsen auf P2P-Kredite und sonstige Privatdarlehen unterliegen dann der regulären Besteuerung nach § 32a EStG. Dies gilt unter anderem in folgenden Fällen:

Sind bei P2P-Krediten GmbHs oder andere Kapitalgesellschaften involviert, gilt es, verdeckte Gewinnausschüttungen zu vermeiden. Damit kommt der Fremdüblichkeit der Darlehensvereinbarung eine große Bedeutung zu, vor allem im Hinblick auf die vereinbarten Zinsen.

Steuerberater für vermögende Privatpersonen

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung vermögender Privatpersonen spezialisiert. Hier schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Vermögensaufbau und Vermögensschutz

  1. Allgemeine Beratung zu GmbH-Besteuerung (Gründung, Vermeidung von Betriebsaufspaltungen, Steuerreduktion bei Gewinnausschüttungen, Nutzung von Verlustvorträgen)
  2. Informationen zum Steuerrecht in ausländischen Steuerregimen (zum Beispiel Malta, Österreich, USA)
  3. Steueroptimierung bei Gewinnausschüttungen (Kapitalertragsteuer und Teileinkünfteverfahren)
  4. Holdingstrukturen)
  5. Ausarbeitung von Vermeidungsstrategien für den Gestaltungsmissbrauch im Sinne des § 42 AO
  6. Beratung bei komplexen Unternehmensstrukturen (Holdinggesellschaften, Organschaften)

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort Köln

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Standort Bonn

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Anlegerinnen und Anleger, die ihr Geld in Fonds und hier insbesondere in ETFs investieren, finden auf ihrer jährlichen Steuerbescheinigung der Bank mitunter den Posten „Vorabpauschale“. Diese Vorabpauschale stellt einen Kapitalertrag im Sinne des § 20 EStG dar und unterliegt daher auch der 25%igen Abgeltungsteuer nach § 32d EStG. Doch was steckt eigentlich hinter der etwas kryptischen Bezeichnung und wie erfolgt die Berechnung von Vorabpauschalen?

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Unser Video: Grundlagen der Kapitalertragsteuer

In diesem Video erklären wir, wie Kapitalerträge besteuert werden und welche Ausnahmen sowie Besonderheiten zu beachten sind.

Inhaltsverzeichnis


1. Ermittlung von Fondserträgen: Die Grundsätze des InvStG

Mit der Vorabpauschale möchte der Gesetzgeber die laufenden Erträge thesaurierender Investmentfonds – in der Praxis sind das insbesondere Exchange Traded Funds, kurz ETFs – besteuern (§ 18 InvStG). Ohne Berechnung und Besteuerung einer Vorabpauschale stünde dem Fiskus bis zur Veräußerung der jeweiligen Fondsanteile durch die Anlegerin oder den Anleger kein Besteuerungsrecht an den „finalen“ Fondserträgen zu.

Grund dafür ist der Aufbau eines thesaurierenden Fonds. Hat er zum Beispiel zu Beginn des Jahres einen Wert von EUR 100.000 und zum Ende des Jahres einen solchen von EUR 150.000, wurden im „Fondsmantel“ EUR 50.000 an Gewinnen erzielt. Kommt es aber nun zu keiner Ausschüttung an den Anleger, sondern investiert der Fonds die Gewinne unmittelbar in weitere Anteile (etwa Aktien), besteht nach § 20 EStG, der auf dem Zuflussprinzip des § 11 EStG basiert, kein Besteuerungsrecht.

Der Staat kann auf die im ETF „gelagerten“, thesaurierten Gewinne also erst zugreifen, wenn der Anleger seine Fondsanteile veräußert. Mit der Vorabpauschale soll dieser fiskalische Nachteil umgangen werden, indem eine Besteuerung der Gewinne bereits laufend und unabhängig von einer Anteilsveräußerung erfolgt.

2. Berechnung der Vorabpauschale nach dem Investmentsteuerrecht

In § 16 Absatz 1 Nummer 2 InvStG bestimmt der Gesetzgeber, dass Vorabpauschalen im Sinne des § 18 InvStG zu den Investmenterträgen gehören. Gleichzeitig nimmt § 20 Absatz 1 Nummer 3 EStG Bezug auf die einschlägigen Normen des Investmentsteuergesetzes und ordnet Investmenterträge den Einkünften aus Kapitalvermögen unter. Auf die Vorabpauschale findet damit auch § 32d EStG inklusive dem Sparer-Pauschbetrag Anwendung.

2.1. Grundsatz: Ansatz der Wertsteigerung

Die Vorabpauschale berechnet sich grundsätzlich aus der Wertsteigerung der jeweiligen Fondsanteile zwischen dem 01.01. und dem 31.12. eines Kalenderjahres.

Beispiel: Die Anteile an einem ETF sind am 01.01.2024 EUR 30.000 wert. Am 31.12.2023 beträgt ihr Wert EUR 50.000.

Es ergibt sich eine Vorabpauschale in Höhe von EUR 20.000, die – verteilt auf die Anleger – der Besteuerung nach § 20 Absatz 1 Nummer 3 EStG unterfällt.

2.2. Ausnahme: Versteuerung des Basisertrages

Bei der Berechnung der Vorabpauschale ist ein Vergleich zwischen der Wertsteigerung auf der einen und dem sogenannten Basisertrag auf der anderen Seite anzustellen. Der Besteuerung unterliegt stets der niedrigere Wert.

Dabei gibt § 18 InvStG die Formel, mit der die Vorabpauschale für das jeweilige Jahr zu berechnen ist, vor. Sie lautet:

Vorabpauschale = Basisertrag des Investmentfonds im Kalenderjahr – Ausschüttungen aus dem Fonds im Kalenderjahr

Der Basisertrag ist dabei wiederum nach folgender Formel zu berechnen:

Basisertrag des Investmentfonds = Wert der Anteile zum 01.01. des Kalenderjahres x Zins nach § 18 Absatz 4 InvStG x 70 %

Der Zins nach § 18 Absatz 4 InvStG entspricht der langfristig, konkret über einen Zeitraum von 15 Jahren, erzielbaren Rendite öffentlicher Anleihen (Bundesanleihen) am ersten Handelstag eines Kalenderjahres. Das BMF veröffentlicht die entsprechenden Werte zu Beginn des jeweiligen Jahres; im Kalenderjahr 2023 lag der anzuwendende Zinssatz beispielsweise bei 2,55 %.

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Haben Sie Fragen zum Investmentsteuerrecht oder zur Vorabpauschale?

Unsere Kanzlei hat sich hierauf besonders spezialisiert. Vereinbaren Sie jetzt Ihren persönlichen oder virtuellen Beratungstermin mit unseren Steuerberatern und Rechtsanwälten:

2.3. Beispiel: Vergleichsrechnung für die Ermittlung der Vorabpauschale

Berechnen wir die Vorabpauschale nun anhand eines Beispiels, um die durchaus abstrakten Regelungen des InvStG etwas greifbarer darzustellen.

Wir gehen dabei von einem klassischen Investmentfonds, der weltweit in Kapitalgesellschaften investiert und keine Erträge an Anleger ausschüttet, aus. Die Fondsanteile hatten zu Jahresbeginn einen Wert von EUR 20.000, am Jahresende betrug ihr Wert EUR 25.000. Als Zinssatz ziehen wir den für das Jahr 2023 gelten Wert von 2,55 % heran. 

Wertsteigerung der AnteileBasisertrag
Wert zum 01.01.: EUR 20.000 Wert zum 31.12.: EUR 25.000     Wertsteigerung damit EUR 5.000Wert der Anteile zum 01.01. (EUR 20.000) x Basiszins 2,55 % x 70 % (§ 18 Absatz 1 Satz 2 InvStG)   Basisertrag damit EUR 357,00

Zum Ansatz kommt nach § 18 Absatz 1 Satz 3 InvStG der niedrigere Wert in Höhe von EUR 357,00. Er ist als Vorabpauschale der Besteuerung nach § 20 EStG zu unterwerfen.

3. Teilfreistellung der Vorabpauschale bei bestimmten Anlegern

Investmenterträge stellen grundsätzlich keine Gewinne im Sinne der § 3 Nummer 40 EStG und § 8b KStG dar (§ 16 Absatz 3 InvStG). Grund hierfür ist, dass das Investmentsteuerrecht mit der sogenannten Teilfreistellung eine eigenständige Steuerbefreiungsnorm kennt. Sie findet auch auf Vorabpauschalen Anwendung und nimmt, je nach Anleger, einen Großteil der Investmenterträge von der Besteuerung aus.

Steuerfrei sind nach § 20 Absatz 1 Satz 1 und 2 InvStG

Für Misch- und Immobilienfonds gelten andere Freistellungssätze, konkret

Neben der Vorabpauschale gelten die genannten Teilfreistellungen auch bei anderen Investmenterträgen im Sinne des § 16 InvStG, insbesondere also bei Ausschüttungen und Veräußerungsgewinnen (§§ 2 Absatz 11 und 19 InvStG).

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Fachberatung für Investoren und GmbH-Gesellschafter?

Unsere spezialisierten Steuerberater und Rechtsanwälte beraten Sie gerne – auch beim steueroptimierten Vermögensaufbau. Rufen Sie uns gerne an oder schildern Sie uns Ihr Anliegen per E-Mail:

4. Anrechnung von Vorabpauschalen auf Veräußerungsgewinne nach § 19 InvStG

Veräußert eine Anlegerin oder ein Anleger Anteile an Investmentfonds, gilt für die Berechnung des entsprechenden Gewinns § 19 InvStG. Demnach sind entstehende Veräußerungsgewinne

zu berechnen.

Der Gewinn ist dabei stets um die während der Besitzzeit angesetzten Vorabpauschalen zu vermindern (§ 19 Absatz 1 Satz 3 und 4 InvStG). Dabei wird die Teilfreistellung außen vor gelassen, der jeweilige Prozentsatz also in voller Höhe – vor Anwendung des § 20 InvStG – zum Abzug gebracht. Er erhöht damit faktisch in entsprechender Anwendung von § 17 Absatz 2a EStG die Anschaffungskosten, die der Anleger (fiktiv) für die Investmentanteile aufgewendet hat.


Steuerberater für Unternehmensteuerrecht

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung von Kapitalgesellschaften wie der vermögensverwaltenden GmbH mit Aktien, Fonds und Immobilien spezialisiert. Hier schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Vermögensverwaltende GmbH

  1. Entwicklung von Maßnahmen zur Reduktion der Steuerlast (zum Beispiel RechtsformwahlSitzverlegung)
  2. Gründung von Holdinggesellschaften (Realisierung steuerfreier Veräußerungsgewinne, Dividendenerträge)
  3. Steueroptimierung bei Gewinnausschüttungen (Kapitalertragsteuer und Teileinkünfteverfahren)
  4. Steuervorteile der Immobilien-GmbH, Vermeidung von Betriebsaufspaltungen
  5. Strategische Beratung bei Kapitalgesellschaften (Erwerb eigener Anteile, disquotale Gewinnausschüttung, Organschaft, Holdingstrukturen)

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort Köln

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Standort Bonn

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Das deutsche Steuerrecht ist an eine Vielzahl an Rahmenbedingungen gebunden, die auf das Grundgesetz zurückgehen. Neben dem objektiven Nettoprinzip und dem subjektiven Nettoprinzip sowie dem Leistungsfähigkeitsprinzip ist auch das Gebot der Folgerichtigkeit von großer Bedeutung. Es gibt vor, dass der Gesetzgeber ebenso wie die Judikative und die Exekutive in ihrem Wirken an bestehende rechtliche Bestimmungen gebunden sind. Auch die Abschaffung vor allem aber die Änderung von Gesetzen kann bisweilen einen Rechtsbruch darstellen, wenn sie in ihrer Wirkung das Gegenteil von dem erreichen, was bisher galt. Außerdem müssen Rechtsnormen und Verordnungen konkret bestimmt und in sich schlüssig sein.

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Unser Video: unfaire Steuergesetze

In diesem Video erklären wir, ob es tatsächlich möglich ist, dass durch einen Steuerbescheid eine Privatinsolvenz drohen kann.

Inhaltsverzeichnis


1. Gebot der Folgerichtigkeit – Einleitung

Jedem sollte klar sein, dass wir in einem Rechtsstaat leben. Deshalb erwarten wir, dass für alle Bürgerinnen und Bürger das gleiche Recht gilt. Niemand soll bevorzugt oder benachteiligt werden. Aber was genau ist damit gemeint? Und welche Auswirkungen hat dies auf die Steuern, die wir zahlen müssen?

Mit einer zentralen Frage deutschen Rechts, die keineswegs selbstverständlich auch in das Steuerrecht hineinwirkt, beschäftigt sich dieser Artikel. Denn manchmal sind die offensichtlichen Dinge, von denen wir im Alltag so unreflektiert ausgehen, in eine komplexe Hülle gebettet und harren einer ausführlichen Erläuterung, damit wir sie besser verstehen. Nur wenn uns gelingt, alle Grundsätze des deutschen Rechtsystems zu erfassen, ist unser Verständnis von den Steuergesetzen vollständig. Und dieses Mal geht es um ein besonders wichtiges Rechtsprinzip, nämlich dem Gebot der Folgerichtigkeit.

2. Gebot der Folgerichtigkeit: Entwicklung des Rechtsstaatsprinzips

Rechtstaatliche Prinzipien sind also der Rahmen, der all unsere Gesetze durchwirkt. Dabei basieren sie auf dem Grundgesetz. Für viele Aspekte im deutschen Steuerrecht ist hierbei insbesondere Artikel 3 GG maßgebend. Er bestimmt, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleichgestellt sind. Basierend auf dieser einfachen Festlegung ist im Laufe der Zeit eine große Zahl an rechtlichen Ableitungen durch die Rechtsprechung entwickelt worden. Eine der zentralen Aussagen hierbei betrifft die Legislative und die Exekutive gleichermaßen. So hat das Bundesverfassungsgericht in seinen Urteilen darauf bezogen festgestellt, dass der Staat nur dann im Sinne des Grundgesetzes handelt, wenn es ohne Willkür agiert.

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3. Auswirkungen des Gebots der Folgerichtigkeit

Aber was genau bedeutet das Willkürverbot nun genau? Das Verbot fordert, dass der Staat – ganz gleich, ob Legislative, Judikative oder Exekutive – keine Normen schafft, die außerhalb eines bestimmten, bereits etablierten Kontexts stehen. Als Gebot der Folgerichtigkeit fordert es von der Obrigkeit, dass sie stets nach logischen Maßstäben, bestimmt und konsequent handelt. Die Auswirkungen ihres Handelns müssen also sowohl in sich schlüssig sein als auch in keinem Widerspruch zu anderen Vorschriften stehen. Außerdem müssen sie konkrete, eindeutige Bestimmungen enthalten.

Man kann also erwarten, dass man beispielsweise als Verkehrsteilnehmer universell dazu gezwungen ist an jeder roten Ampel zu halten. Der Gesetzgeber darf also keinesfalls bestimmen, dass etwa Taxen darauf keine Rücksicht zu nehmen brauchen, denn dafür fehlt ein logischer Grund. Wenn es aber trotzdem Ausnahmeregeln geben soll, dann müssen sie, dem Gebot der Folgerichtigkeit gehorchend, gut begründet sein. Gleichzeitig dürfen sie aber keine der bisherigen Regelungen komplett aufheben, um das Gegenteil zu bewirken. Um im vorgenannten Beispiel zu bleiben, darf die Straßenverkehrsordnung keinesfalls dahingehend geändert werden, dass man zukünftig an einer grünen Ampel zu halten hat und bei Rot fahren darf. Oder das man beim Halten an einer roten Ampel mit einem Bußgeld rechnen muss, beim Überfahren einer roten Ampel aber keine rechtlichen Konsequenzen zu fürchten braucht.

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Fachberatung für Unternehmensteuerrecht

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4. Das Gebot der Folgerichtigkeit im Steuerrecht

Um ein Beispiel aus dem deutschen Steuerrecht anzuführen, gab es 2006 eine Gesetzesinitiative, mit der der Gesetzgeber de facto die Pendlerpauschale ab 2007 abschaffen wollte. So argumentierte er, dass alle Fahrten, die Angestellte auf dem Weg zur Arbeit bestreiten, privat veranlasst seien. Private Kosten sind aber als Werbungskosten ausgeschlossen. Ergo sollte es auch keine Werbungskosten mehr für die Bewältigung der Fahrtstrecken zur Arbeit geben. Man berief sich dabei also auf das sogenannte Werkstorprinzip: die Arbeit fing erst mit dem Überschreiten des Werktors an.

Bis zu diesem Zeitpunkt konnten Arbeitnehmer diese Aufwendungen als Werbungskosten aber sehr wohl absetzen, weil sie ja zur Erzielung ihrer Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit essentiell wichtig sind (§ 9 EStG). Aber auch für Freiberufler und andere selbständige Unternehmer waren diese Kosten relevant, wenn auch im Rahmen der steuerlich anrechnungsfähigen Betriebsausgaben (§ 4 EStG). Es entspricht übrigens dem objektiven Nettoprinzip. Außerdem kann es potentiell auch das subjektive Nettoprinzip betreffen. Und nun sollte plötzlich eine anderslautende Bestimmung gelten, die die Kosten als rein private Ausgaben deklariert.

Als dieser Fall nun dem Bundesverfassungsgericht vorgelegt wurde, musste sich der Gesetzgeber rechtfertigen, wieso es einen grundlegenden Wechsel in seiner Auffassung vollführte und nun neuerdings die Arbeitsfahrten als rein privat erachtete, wo es doch zuvor vom genauen Gegenteil ausging. Dabei war es offensichtlich, dass die neue Gesetzeslage dem Gebot der Folgerichtigkeit widersprach, weil nun ein und der selbe Sachverhalt zu einer ganz anderen Beurteilung führte. Außerdem lag keine folgerichtige Begründung für den Wechsel dieser Auffassung vor.

Kein Wunder also, dass das Bundesverfassungsgericht diese Regelung wieder kippte. Denn das Gebot der Folgerichtigkeit fordert ja, dass alle Gesetze aufeinander aufbauen und ineinander greifen, sodass alles logisch miteinander verknüpft ist. Und dies gilt eben auch für rechtliche steuerrechtliche Regelungen aus der Vergangenheit, die in ihrer Wirkung generell keine entgegenstehende Neuregelung duldet.

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Unser Video: Wie Fußballprofis Steuern zahlen

In diesem Video erklären wir, wie Profifußballer in Deutschland Steuern zahlen und welche Besonderheiten dabei für sie gelten.

5. Gebot der Folgerichtigkeit – Fazit

Wie wir also sehen konnten, ist es alles andere als leicht bestehende Gesetze durch neue, gegensätzliche zu entmachten. Was heute legal und richtig ist darf ein zukünftiges Gesetz keineswegs komplett ad absurdum führen. Der Gesetzgeber darf zwar ergänzende Regelungen treffen, doch müssen diese eben auch logisch schlüssig zu den bisherigen Regelungen passen. Außerdem bedeutet es, dass der Gesetzgeber bei der Schaffung neuer Regelungen darauf achten muss, dass zukünftige Änderungen oder Ergänzungen weiterhin möglich sind, ohne dass sie dabei den aktuell geschaffenen Normen widersprechen.

Ein schönes Beispiel hierzu bietet der Verzicht auf eine eigenständige steuerliche Regelung zur Besteuerung von Kryptowährungen. Sicherlich wäre es verlockend gewesen, hierfür ganz neue, eigene Normen zu schaffen. Stattdessen hat man die bereits bestehenden Regelungen dahingehend geprüft, ob sie zur Besteuerung von Kryptowährungen geeignet sind. Und tatsächlich, dies ist der Fall.

Außerdem müssen Steuergesetze konsequent ausgestaltet sein. Diesbezügliche Erfahrungen hat man etwa in Tübingen bei der Einführung der Verpackungsteuer gemacht, bei der anfänglich auch fraglich war, ob hierbei das Gebot der Folgerichtigkeit uneingeschränkt gilt. Denn die Höhe der Abgabe war anfangs als zu unbestimmt angesehen worden.

Das Gebot der Folgerichtigkeit ist damit ein zentrales Element deutscher Gesetze, insbesondere auch der Steuergesetze. Trotzdem ist es keineswegs ein allumfassendes Hindernis in Bezug auf die Gestaltungsfreiheit des Gesetzgebers. Denn wenn die Begründung von Neuregelungen, die älteren Normen entgegenstehen, etwa hinreichend mit einer beabsichtigten Lenkungswirkung einhergeht, ist das Gebot der Folgerichtigkeit ausgehebelt. Genau dies ist bei Steuergesetzen generell recht leicht gegeben. Der Gesetzgeber muss eben bei der Gesetzesbegründung seine Motivation klar darlegen, um bereits bestehende Regelungen zu kippen. Dies wäre etwa mit einer umweltpolitischen Lenkungswirkung durchaus gegeben.


Steuerberater für Unternehmensteuerrecht

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung zum Unternehmensteuerrecht spezialisiert. Beim Anfechten von Steuerbescheiden schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Allgemeines

  1. Steuerrechtliche Begleitung bei Betriebsprüfungen
  2. Implementierung von Vermeidungsstrategien zur Vermeidung eines Gestaltungsmissbrauchs im Sinne des § 42 AO
  3. Vorausschauende Beratung bei komplexen Unternehmensstrukturen (Holdinggesellschaften, Organschaften)
  4. Entwicklung von Verteidigungsstrategien gegenüber der Finanzverwaltung bei Einspruchsverfahren, FG-Klageverfahren und BFH-Revisionsverfahren
  5. Rechtsbetreuung durch unsere Rechtsanwälte

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

Standort Köln

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Standort Bonn

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Telefon-/Videokonferenz

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Lehrauftrag für steuerliche Spezialgebiete

Unsere besonderen Expertisen für das deutsche Steuerrecht werden auch durch die FOM Hochschule bestätigt. Steuerberater Christoph Juhn wurde dort zum Lehrbeauftragten für Steuerrecht berufen und lehrt seit dem Wintersemester 2013 die Veranstaltung „Spezialgebiete des Steuerrechts – Verfahrensrecht II“. Das vorlesungsbegleitende Skript stellen wir Ihnen hier gerne vorab als Information zum kostenlosen Download zur Verfügung:

Verfahrensrecht II – Christoph Juhn – Präsentation

Risikolebensversicherung lindern die finanziellen Folgen des Todes einer versicherten Person, in der Regel der Ehepartnerin oder des Ehepartners. Tritt der Versicherungsfall ein, erhält die oder der Bezugsberechtigte die vereinbarte Versicherungsleistung ausgezahlt. Allerdings drohen hier erhebliche erbschaftsteuerliche Risiken, da die Auszahlung ohne vertragliche Optimierung mitunter der bis zu 50%igen Erbschaftsteuer unterliegt. Durch den Abschluss einer Lebensversicherung „über Kreuz“ und durch weitere Gestaltungsmodelle vermeiden Sie diese Rechtsfolgen!

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Unser Video: Vorteile einer ausländischen Lebensversicherung

In diesem Video schauen wir uns gemeinsam mit Prof. Dr. Gierhake an, welche Vorteile eine ausländische Lebensversicherung mit sich bringt!

Inhaltsverzeichnis


1. Was ist eigentlich eine Lebensversicherung?

Grundsätzlich fallen zahlreiche Policen unter den Oberbegriff der „Lebensversicherung“, so zum Beispiel auch Berufsunfähigkeits- und Unfallpolicen. Erbschaftsteuerlich relevant ist allerdings vor allem die sogenannte Risikolebensversicherung. Sie zahlt beim Tod der versicherten Person eine vertraglich vereinbarte Summe, die sogenannte Todesfallleistung, an die bezugsberechtigte Person aus. Wurde kein abweichendes Bezugsrecht ausgesprochen, fällt die Versicherungsleistung in den Nachlass des Verstorbenen.

Alternativ werden Lebensversicherungen als sogenannte Kapitalpolicen abgeschlossen. Sie beinhalten beispielsweise Fonds und dienen damit dem Vermögensaufbau. Zu einem festgelegten Zeitpunkt, zum Beispiel mit Erreichen des 65. Lebensjahres, erfolgt dann die Auszahlung des angesparten Vermögens. Stirbt die Versicherungsnehmerin oder der Versicherungsnehmer aber bereits vor dem Erreichen dieses Zeitpunkts, erhält eine andere Person das Vermögen oder eine sogenannte Todesfallleistung. Dies wird vertraglich, regelmäßig in Form eines widerruflichen oder unwiderruflichen Bezugsrechts nach § 159 VVG, geregelt.

Grundsätzlich ist dabei zwischen den Begriffen „Versicherungsnehmer“, „versicherte Person“ und „Bezugsberechtigter“ zu unterscheiden.

1.1. Versicherungsnehmerin oder Versicherungsnehmer

Versicherungsnehmer ist die Person, die die Lebensversicherung abgeschlossen hat. Ihr Name steht als Vertragspartnerin oder Vertragspartner der Versicherungsgesellschaft im Versicherungsvertrag. Der Versicherungsnehmer kann grundsätzlich über die Police verfügen, sie beispielsweise anpassen, kündigen oder den Vertrag beitragsfrei stellen.

Die Versicherungsnehmerin oder der Versicherungsnehmer ist aber auch zur Beitragszahlung verpflichtet. Jede Lebensversicherung sieht monatliche, quartalsweise oder jährliche Beiträge vor. Sie sind entsprechend zu entrichten, was bedeutet, dass der Versicherer bei einem Zahlungsausfall ebenfalls den Versicherungsnehmer in Anspruch nimmt.

1.2. Die versicherte Person

Versicherte Person ist diejenige, bei der das individuelle Risiko, das die Lebensversicherung abdeckt, versichert ist. Sie kann, muss aber nicht mit der Versicherungsnehmerin oder dem Versicherungsnehmer identisch sein.

Leistet die Lebensversicherung beispielsweise, wenn A verstirbt, ist A die versicherte Person. Entsprechendes gilt, wenn A derjenige ist, der mit Erreichen des 65. Lebensjahres das in der Lebensversicherung angesparte Vermögen erhält.

1.3. Der Bezugsberechtigte in der Lebensversicherung

Auch die bezugsberechtigte Person einer Lebensversicherung kann vom Versicherungsnehmer und der versicherten Person abweichen. Bezugsberechtigt ist derjenige, dem beim Eintritt des Versicherungsfalles die entsprechende Leistung zusteht.

Beispiel: A und B sind verheiratet. A hat eine Lebensversicherung abgeschlossen und B zum Bezugsberechtigten eingesetzt. Erreicht A das 65. Lebensjahr, wird das angesparte Kapital an B ausgezahlt. A erhält keine Leistung, ist aber Versicherungsnehmer und versicherte Person.

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Haben Sie Fragen zu Gestaltungsmodellen mit Lebensversicherungen?

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2. Erbschaftsteuerliche Probleme bei Lebensversicherungen mit Todesfallleistung

Zahlt die Lebensversicherung eine Todesfallleistung aus, macht es einen erheblichen Unterschied, wie der Vertrag zu Lebzeiten geschlossen wurde. Ist Versicherungsnehmer, versicherte Person und Bezugsberechtigter eine Person, fällt die Versicherungsleistung beim Tod in den Nachlass des Verstorbenen. Anschließend geht das Kapital im Rahmen der Gesamtrechtsnachfolge auf die Erbin oder den Erben über und unterliegt hier der Belastung mit Erbschaft- und Schenkungsteuer.

Entsprechendes gilt auch dann, wenn die versicherte Person eine andere Person als Bezugsberechtigten eingesetzt hat. Bei Auszahlung der Versicherungsleistung ist ein Erwerb von Todes wegen zu fingieren (§ 3 Absatz 1 Nummer 4 ErbStG). Er unterliegt im klassischen Sinne der Erbschaftsteuer.

3. Vorteil der Lebensversicherung „über Kreuz“

Die im vorigen Absatz genannten Nachteile einer Lebensversicherung mit Todesfallleistung lassen sich durch eine Gestaltung „über Kreuz“ umgehen. Sie erfüllt keinen Besteuerungstatbestand des Erbschaft- und Schenkungsteuergesetzes und ermöglicht damit eine für den Rechtsnachfolger steuerneutrale Auszahlung der jeweiligen Summe.

Bei der Lebensversicherung „über Kreuz“ ist die zu begünstigende Person gleichzeitig Versicherungsnehmer. Beide Personen schließen also eine Lebensversicherung ab und versichern jeweils das Leben der anderen Person.

Beispiel: A und B sind verheiratet. A schließt eine Lebensversicherung ab, bei der sie B als versicherte Person einsetzt. B geht genauso vor, setzt aber A als versicherte Person ein. Im Ergebnis sind die Ehegatten „über Kreuz“ versichert, sodass kein „vom Erblasser geschlossener Vertrag“ im Sinne des § 3 Absatz 1 Nummer 4 ErbStG gegeben ist.

Steuerberater für vermögende Privatpersonen

Unsere Kanzlei hat sich besonders auf die steuerrechtliche Gestaltungsberatung von vermögenden Privatpersonen spezialisiert. Bei der Ausarbeitung individueller Konzepte schätzen Mandanten unser Know-how beispielsweise in folgenden Bereichen:

Vermögensverwaltung

  1. Strategische Beratung bei Kapitalgesellschaften (Erwerb eigener Anteile, disquotale Gewinnausschüttung, Organschaft, Holdingstrukturen)
  2. Steueroptimierter Verkauf von Immobilien, passgenaue Beratung zum Nießbrauchrecht
  3. Empfehlungen zum Vermögensschutz mittels einer Familienstiftung in Liechtenstein
  4. Beratung zur steuerlichen Optimierung der Auszahlung von Abfindungen
  5. Erläuterungen zur unbeschränkten und beschränkten Steuerpflicht in Deutschland und im Ausland
  6. Beratung zum Erbschaftsteuerrecht (Freibeträge, Anzeigepflichten)

Hierzu stehen Ihnen unsere Steuerberater und Rechtsanwälte an den Standorten Köln und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz:

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Im 18. und 19. Jahrhundert war die Haltung von Singvögeln in Deutschland sehr beliebt. Insbesondere die Nachtigall genoss wegen ihres melodiösen Gesangs große Beliebtheit. Daher führten verschiedene deutsche Staaten und Gebiete eine Nachtigallensteuer ein. Damit sollte der Fang und die Vermarktung der Singvögel zurückgedrängt werden. Er hatte nämlich im Laufe der Zeit überhand genommen. Der solcherweise zu erzielende Schutz der Nachtigall war aber weniger Ausdruck eines frühen Tierschutzgedankens gewesen. Vielmehr waren die Vögel als natürliche Fressfeinde von Schädlingen in der Landwirtschaft von Bedeutung. Entsprechend hoch fiel die Besteuerung aus, sodass man von einer Erdrosselungssteuer sprechen kann. Daher hatten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts andere Vogelarten den Platzt der Nachtigall als Ziervogel eingenommen. Denn Papageien und Kanarienvögel waren als Exoten in deutschen Stuben bald deutlich beliebter.

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Unser Video: Lukas Podolski als Unternehmer

In diesem Video erklären wir, welche Unternehmen der ehemalige Fußballnationalspieler Lukas Podolski betreibt und an welchen er beteiligt ist.

Inhaltsverzeichnis


1. Nachtigallensteuer – Einleitung

Die Nachtigall ist als Singvogel weithin für ihren besonders klangvollen Gesang bekannt. In der Natur ist sie recht weit verbreitet. Als Zugvogel brütet sie im Sommerhalbjahr in Mittel- und Südeuropa bis nach Zentralasien, bevorzugt dort dichtes Gebüsch. Im Winterhalbjahr zieht es die Nachtigall nach Afrika in Regionen nahe dem Äquator. Das Äußere der Nachtigall ist unauffällig: sie ist etwa so groß wie eine Amsel und trägt ein braunes Federkleid, wobei es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt.

Soweit ist die Nachtigall also kaum als besonders zu charakterisieren, doch mit ihrem Gesang gleicht sie diese Unauffälligkeit mehr als aus. Einerseits ist sie einer der wenigen Vögel, die nachts mit ihrem Gesang um Brutpartner werben (nur die männliche Nachtigall singt; tagsüber singt sie auch, um ihr Revier zu markieren). Andererseits ist das Gesangsrepertoire der Nachtigall unglaublich groß – sowohl was die Höhe der unterschiedlichen, ebenfalls sehr variablen Töne angeht, als auch die Abfolge, die mal in Strophen, mal hoch kreativ und spontan erklingt. Über etwa 200 solcher Gesangskomponenten kann eine Nachtigall verfügen, und sie lehrt sie sogar ihrem Nachwuchs.

Durch ihren außergewöhnlichen Gesang hat die Nachtigall schon zu allen Zeiten Menschen vieler Kulturkreise fasziniert. Doch führte dies im ausgehenden Mittelalter in Deutschland dazu, dass man sie fing und als Ziervogel zuhause in Käfigen hielt, um sich ihres Gesangs zu erfreuen (freilich nur während der Paarungszeit).

2. Warum wurde die Nachtigallensteuer eingeführt?

Da die Nachtigall als Schädlingsbekämpfer in der Landwirtschaft ebenfalls hoch geschätzt war und die Bestände durch den im Laufe der Zeit zunehmenden Fang abnahmen, führten verschiedene Herrscher in den Deutschen Landen zuerst Strafen ein und später eine frühe Art Luxussteuer, nämlich die Nachtigallensteuer. Schließlich war es ja auch der Wille der jeweiligen Herrscher, dass die Nachtigallen und Strasser, eine mit der Nachtigall nahe verwandte Vogelart, auf die wir später noch zu sprechen kommen, geschützt werden, damit diese bei der Schädlingsbekämpfung ihre Wirkung entfalten konnten. Denn weniger Schädlinge bedeutete eine bessere Lebensmittelversorgung, was die Gefahr von Hungersnöten verringerte und somit auch die von Unruhen bis hin zu Umstürzen.

Dabei waren es insbesondere die Bürgerinnen und Bürger in den Städten, die sich mit solchen Singvögeln ein Statusobjekt ins Haus holten. Aber auch Adlige hielten zu Prestigezwecken Nachtigallen. Sie verkörperten als Symbol für das Schöne nämlich auch den ästhetischen Anspruch ihrer Besitzer. Dass dies zulasten der Natur und der Landwirtschaft ging, war den gehobenen Schichten entweder unbekannt oder zu unbedeutend vorgekommen. Was sollte es schon ausmachen, dass man ein oder zwei Nachtigallen hielt? Es gab doch sicher genug auf der Welt. Die paar Vögel würden schon keinen Unterschied ausmachen; eine Ansicht, die uns heutzutage noch immer vertraut vorkommt.

Tja, die damals Herrschenden waren vom Gegenteil überzeugt. Sie reagierten mit einer zu jener Zeit geradezu modernen Weitsicht und führten eine dem Naturschutz dienende Steuer ein. Über diese Nachtigallensteuer wollen wir nun kurz berichten.

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3. In welchen Staaten gab es eine Nachtigallensteuer?

Heutzutage mag die Nachtigallensteuer wie eine Kuriosität des Steuerrechts erscheinen. Aber im 19. Jahrhundert war sie in Deutschland durchaus weit verbreitet. Gewiss, es gab regionale Unterschiede, denn jeder Staat gestaltete die Nachtigallensteuer nach eigenen Vorstellungen, sodass es keine anderen wesentlichen Überschneidungen gab als den Umstand der Haltung einer Nachtigall.

Als erster Staat führte Sachsen-Weimar-Eisenach schon 1777 eine Nachtigallensteuer ein. Jedoch war die Höhe der Abgabe viel zu gering, um die Haltung von Nachtigallen einzudämmen. Mangels abschreckender Wirkung der Steuer dauerte es somit noch einige Jahrzehnte, bis ein anderer Staat, nämlich die Landgrafschaft Hessen-Kassel, die Nachtigallensteuer mit größerer Wirkung einführte. Sie betrug ab dem Jahr 1802 einen Dukat jährlich (ca. 3,125 Taler). Der heutige Gegenwert dürfte in der Größenordnung von etwa EUR 150 liegen. Dabei war dies zur damaligen Zeit deutlich mehr wert, weil man viel länger arbeiten musste, um eine vergleichbare Vergütung zu erhalten.

1807 folgte das Großherzogtum Berg mit einer Nachtigallensteuer von zwei Talern. Es folgten die Herzogtümer Sachsen-Coburg-Saalfeld (1809), Sachsen-Gotha (1820) und Sachsen-Meiningen (1826). Ebenfalls 1826 führte das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach die Nachtigallensteuer ein. Drei Jahre später folgte die Hansestadt Bremen. Auch das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen, das Herzogtum Sachsen-Altenburg und das Königreich Preußen waren von der Idee angetan. Anhalt-Bernburg, Hessen, Nassau, Braunschweig, Schwarzburg-Rudolstadt und das Königreich Sachsen bildeten die Nachzügler, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Haltung von Nachtigallen besteuerten, oder dies zumindest beabsichtigten.

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Fachberatung für Asset Protection

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4. Wie war die Nachtigallensteuer geregelt?

4.1. Wer hat die Nachtigallensteuer erhoben und wem kam sie zugute?

Bedingt durch die vielen Staaten, in denen die Nachtigallensteuer im Laufe der Zeit erhoben wurde, ist keine einheitliche Besteuerung erfolgt. Dennoch sind gewisse Aspekte besonders interessant. So hatte man etwa in Preußen auf eine staatliche Gesetzgebung verzichtet und statt dessen die Abgabe den Kommunen überlassen. In den meisten anderen Staaten war dies allerdings eine staatliche Steuer.

Weiterhin kam die Nachtigallensteuer in den verschiedenen Staaten unterschiedlichen Institutionen zugute. So ordnete das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld die Nachtigallensteuer bis 1809 der Landes- und Kriegskasse zu. Das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen bestimmte hingegen, dass die dort tätigen gemeinnützigen Frauenvereine über diese Mittel verfügen sollten. Auch Armenkassen profitierten von den Einnahmen aus der Nachtigallensteuer.

4.2. Steuervermeidungsstrategien

Interessant ist auch die Erhebung. Anfangs hatte man als Besteuerungszeitraum das Kalenderjahr bestimmt. Da aber die Singvögel erst ab Mai mit ihrer Balz anfingen, hatten viele Vogelhalter ihre Vögel vor Jahresfrist einfach getötet, um der Besteuerung zu entgehen. Schließlich konnten sie ja bis zum Frühling warten, um sich dann eine neue Nachtigall zu kaufen. Selbstverständlich kam diese Steuervermeidung auch der Obrigkeit zu Ohren, sodass sie später den Besteuerungszeitraum zum 1. Mai beginnen ließ.

Außerdem gab es mitunter auch Klärungsbedarf hinsichtlich des Steuerobjekts. Denn zunächst betraf die Nachtigallensteuer nur die Haltung von Nachtigallen. Da aber manche Bürgerhaushalte, die sich zwar mit einem Prestigevogel schmücken, dafür aber weniger ausgeben wollten, sich stattdessen einen Strasser in einen Käfig setzten, kam bald die Frage auf, ob diese „Steuergestaltung“ die Nachtigallensteuer vermeiden würde. Doch die Obrigkeit sah keinen Sinn darin, den einen Nutzvogel durch einen anderen im Bereich der Schädlingsbekämpfung zu verlieren. So galt die Nachtigallensteuer später für beide Vogelarten. Dies war schon allein deshalb sinnvoll, weil man die beiden Vogelarten rein vom Äußerlichen her nur schwer unterscheiden kann.

4.3. Steuerhinterziehung

Apropos Steuervermeidung, wo die ist, lauert auch schon die Steuerhinterziehung. Zwar musste man in diversen Staaten jährlich die Haltung einer Nachtigall steuerlich anmelden, doch wer würde einem schon auf die Schliche kommen, wenn man dies verheimlichte? Falsch gedacht: die Nachtwächter, die durch die Straßen der Städte patrouillierten, waren angehalten, den Gesang von Nachtigallen aus den von ihnen bewachten Häusern zu melden. Zudem gab es etwa in Schwarzburg-Sondershausen die Möglichkeit, einen Steuerhinterzieher zu „verpfeifen“. Dabei erhielt ein Denunziant ein Drittel der Strafe zugesprochen, wobei die Strafe für Steuerhinterziehung in Bezug auf die Nachtigallensteuer mit zehn Talern recht hoch war. Insbesondere missgünstige Nachbarn rieben sich da gerne die Hände.

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7 Prominente deutsche Steuerhinterzieher

In diesem Video erklären wir, auf welche Weise sieben prominente Steuerhinterzieher in Deutschland Steuern hinterzogen hatten.

5. Wie es mit der Nachtigallensteuer zu Ende ging

5.1. Aufkommende exotische Konkurrenz

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Bedeutung der Nachtigall als Ziervogel allmählich ab. Das lag wohl weniger an der Wirkung der Nachtigallensteuer als vielmehr am Aufkommen von Alternativen für die Nachtigall. So kamen nach und nach immer mehr exotische Vögel nach Deutschland, Papageien und Kanarienvögel etwa. Mehr noch, diese Alternativen ließen sich relativ leicht und in Massen züchten, sodass man den Vogelfängern, die bislang den Markt mit Nachschub an Nachtigallen versorgten, große Konkurrenz schuf. Aus dieser Zeit stammt auch der weithin bekannte Harzer Roller, der in der namengebenden Region besonders intensiv gezüchtet wurde.

Die Nachtigallensteuer war dennoch von einer gewissen Wirksamkeit, weil sie ein zusätzlicher Grund war, statt einer Nachtigall einen kostengünstigeren Kanarienvogel anzuschaffen. Schließlich war die Lebenserwartung einer Nachtigall selbst unter günstigen Umständen auf acht Jahre beschränkt. Ein Kanarienvogel kann hingegen je nach Art bis zu 20 Jahre in Gefangenschaft leben. Außerdem singen einzeln gehaltene männliche Kanarienvögel ganzjährig, sodass sich ihre Besitzer stets an ihnen erfreuen können.

5.2. Die Nachtigallensteuer als frühes Beispiel für eine Erdrosselungssteuer

Schließlich waren Nachtigallen aus der Mode gekommen. Obschon keine Nachtigallensteuer mehr anfiel, blieb die Steuer präventiv weiterhin in Kraft. Dies wird als Beispiel für eine Erdrosselungssteuer angeführt (kein Wortspiel in Anspielung auf die Drossel). Hinzu kam Ende des 19. Jahrhunderts – inzwischen war Deutschland zum Kaiserreich zusammengewachsen -, dass die einheimische Vogelwelt unter Schutz gestellt wurde. Damit war auch die Haltung von Nachtigallen letztendlich verboten.

5.3. Bedeutung der Nachtigallensteuer in unserer Zeit

Anekdotisch ist noch zu ergänzen, dass die Nachtigallensteuer vor einigen Jahren als Sinnbild für eine abwegige Steuer Verwendung fand. Dabei ist unklar, ob die Nachtigallensteuer tatsächlich ohne Wirkung war, denn die aufkommenden Alternativen zur Nachtigall sowie die ersten Vogelschutzbestimmungen haben das wahre Ausmaß der Wirksamkeit verschleiert.

Wichtiger ist wohl eher die Lehre, dass die Lenkungswirkung als Grund für das Erheben von Steuern schon im 18. und 19. Jahrhundert weit verbreitet war, somit kein Alleinstellungsmerkmal moderner Fiskalpolitik ist.


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Steuerplanung und Steuerwirkungslehre – Christoph Juhn